Die gefühlte Abschaffung des Anderen. Lesenotiz zu Dagmar Herzogs „Der neue faschistische Körper“
„Woran erkennt man einen Faschismus?“, fragt Dagmar Herzog zu Beginn ihres Buches (S. 5). Die Erklärungsnot für die gegenwärtige Zerstörung des Planeten sowie unzähliger Menschenleben in brutal geführten territorialen und imperialen Kriegen drängt. Dagmar Herzog untersucht die Kontinuitäten einer faschistischen Körperpolitik, die auf die Produktion und Mobilisierung von Emotionen abzielt. Indem sie nach dem „affektive[n] Wirken sowohl weit zurückliegender als auch gegenwärtiger Faschismen“ (S. 7) fragt, verschiebt sie den Fokus von der viel diskutierten und wichtigen Frage, ob gegenwärtige politische Maßnahmen und Umstände noch oder bereits faschistisch seien. Denn die affektive Vorwegnahme einer faschistischen Realität ist keineswegs potenziell, sondern verändert bereits jetzt die Art und Weise, wie wir politisch fühlen. Zwischen Erotisierung und Desensibilisierung eröffnet Herzog eine wichtige Perspektive auf affektive Kontinuitäten zwischen den Anfängen der NS, der Nachkriegszeit und der Gegenwart. …
