Digitalisierung und die Frage ihrer politiktheoretischen Bearbeitung

Ob es um die Rolle von sozialen Medien im politischen Wahlkampf geht, die politische Regulierung von Plattformen oder die Diskriminierung durch Algorithmen: In den Debatten um die wissenschaftliche Interpretation wie auch der politischen Ausgestaltung der digitalen Gesellschaft ist die Politische Theorie bis auf wenige Ausnahmen bisher kaum zu vernehmen. Eine Erklärung dafür wäre die ambivalente Haltung der politischen Theorie zum Gegenstand: Denn die Digitalisierung als datengetriebenes Phänomen scheint mitunter einen datenbezogenen Forschungsmodus nahezulegen, wie ihn etwa die quantitative Kommunikationswissenschaft in der Analyse von Twitter ambitioniert betreibt. Ein solcher Zusammenhang zwischen Digitalisierung und quantitativer Forschung würde jedoch wesentlichen Arbeitsmodi Politischer Theorie – so etwa historische oder rationale Rekonstruktion, argumentative Abwägung oder begriffliche Reflexion – nicht gerecht werden und diese damit vermeintlich ins Hintertreffen geraten.

Ich möchte im weiteren Verlauf argumentieren, dass die Politische Theorie zur Erforschung der Digitalisierung nicht nur notwendige Voraussetzungen mitbringt, sondern ihre Perspektive sogar gefragt ist. Nicht nur kann sie Verfahren und Prozesse der Digitalisierung historisch kontextualisieren, sie begrifflich vielfältig erschließen, einordnen und kritisch hinterfragen, auch drängen sich beispielsweise im Hinblick auf die Herausbildung intersektionaler Diskriminierungsverhältnisse normative Fragen geradezu auf. Um jedoch an analytischer Schärfe zu gewinnen und die eigene Position innerhalb der politikwissenschaftlichen Digitalisierungsforschung zu stärken, sollte die Politische Theorie wieder sensibel für die Bedeutung und Ambivalenzen der Technik werden. So kann sie ihren Begriffs- und Theorieapparat präzisieren wie erweitern und ihren perspektivischen Pluralismus gewinnbringend ausspielen. In einen zunehmend interdisziplinären Digitalisierungsdiskurs kann sie so produktiv intervieren und letztlich auch die eigenen forschungstheoretischen Positionen stärken.

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Twitter-Rückschau

  • RT @cambridge_cpt: CALL FOR PAPERS Sciences Po Graduate Conference in Political Theory: Dialogues between the History of Ideas and Politica… ->
  • RT @ChRVolk: I am looking for good professional translators in the field of political theory (as well as constitutional theory and philosop… ->
  • RT @annkako06: Wenn der @syllabus_tweets es empfiehlt, dann solltet ihr meinen Beitrag natürlich unbedingt noch lesen, falls ihr es nicht s… ->
  • RT @fgz_risc: Zusammenhalt in der Krise – die erste Jahrestagung des FGZ! Digital am 8. und 9. Juli. Programm und Anmeldung hier: https://t… ->

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Veranstaltung: Institutionelle Bedingungen der Euroskepsis

Das Hamburger Institut für Sozialforschung richtet nächste Woche Mittwoch (23.06, 17 Uhr) eine Diskussionsveranstaltung zu institutionellen Bedingungen der Euroskepsis aus. Christoph Möllers ist der Hauptvortragende, mit ihm diskutieren Susanne K. Schmidt und Florian Meinel. Alle Infos zur Veranstaltung, die digital und registrierungsfrei läuft, findet ihr: hier.

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Twitter-Rückschau

  • Achtung: Der Call der Femina Politica ist bis zum 14. Juni verlängert worden! https://t.co/oR16FaCeNe ->
  • RT @annkako06: Ab heute bin ich Redaktionsmitglied des @theorieblog ! 🎉😱 Ich freue mich sehr – auf das Team und auch auf die Möglichkeit, D… ->
  • 21. Juni 16 Uhr (c.t.): Nächstes theorieblog.de-Colloquium über „Naturzustand und Barbarei“ mit Oliver Eberl und Ph… https://t.co/pt8CRSeleq ->

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21. Juni 16 Uhr (c.t.): Nächstes theorieblog.de-Colloquium über „Naturzustand und Barbarei“ mit Oliver Eberl und Philip Manow

Wie angekündigt laden der theorieblog und der Arbeitsbereich Politische Theorie und Ideengeschichte der Leibniz-Universität zum 21. Juni 2021 ab 16 Uhr c.t. zu einem weiteren digitalen theorieblog.de-Colloquium, diesmal zum Thema „Naturzustand und Barbarei“ gemeinsam mit Oliver Eberl und Philip Manow sowie mit freundlicher Unterstützung der Hamburger Edition, des Verlags des Hamburger Instituts für Sozialforschung. (mehr …)

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Programm: Affektive Narrative des Rechtspopulismus

Für die Veranstlatung „Affektive Narrative des Rechtspopulismus“ ist nunmehr das Programm veröffentlicht: Den Auftakt macht am 15. Juni, 18 Uhr, der Vortrag „Maskulinistische Identitätspolitik: Rechtspopulistische affektive Mobilisierungen“ von Birgit Sauer – am 02. Juli schließt sich dann ein Symposium an, u.a. mit Vorträgen von Wolfgang Bergem, Paula Diehl, Gabriele Dietze und den Organisatorinnen Brigitte Bargetz und Nina Elena Eggers. Das ganze Programm gibt es hier als PDF, die Veranstaltung wird online durchgeführt – und hier kann man sich anmelden.

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Workshop: Feministische Perspektiven auf die Globalisierung

Am  26.06. findet an der Uni Kassel (online) ein Workshop zu „Feministischen Perspektiven auf Globalisierung“ statt. Diskutiert werden soll unter anderen wann und wie feministische Perspektiven in den Themen globaler Ethik wirksam werden können und welche Potenziale hält die Einbeziehung feministischer Ansätze für Theorien und Praktiken globaler Ethik bereit hält.  Inputs gibt es von Julia Roth (Bielefeld) , Jana Cattien (Amsterdam), Rirhandu Mageza-Barthel (Kassel), Franziska Martinsen (Hannover), Mirjam Müller (HU Berlin) und Hilkje Charlotte Hänel (Potsdam). Alle Infos zur Veranstaltung und die Zeiten hier auf der Homepage – dort auch die Anmeldemodalitäten.

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Konferenz: Arendts Kritik am »archimedischen Punkt«

Am Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kultuforschung findet am 2. und 3. Juli die Konferenz Arendts Kritik am »archimedischen Punkt« – Erscheinungsraum einer nicht gegebenen Welt statt. Die Tagung will fragen wie oder wo wird ein Erscheinungsraum adressiert, wenn es nicht – wie für die griechische Polis – eine gegebene Welt gibt? Wie oder wo wird ein Gemeinsames adressiert, wenn nicht – wie in Neuzeit und Moderne – ein archimedischer Punkt vorausgesetzt wird? Sie tut dies unter anderem mit Beiträgen der Organistorin Marita Tatari, von Eva Geulen und anderen. Das Tagungskonzept, das Programm und den Zoom-Link zur Teilnahme findet ihr hier.

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Die Theorieblog-Redaktion hat ein neues Mitglied

Wir begrüßen heute Ann-Kathrin Koster als neues Mitglied in unserem Redaktions-Team!

Ann-Kathrin ist Promotionsstipendiatin am Schaufler Kolleg der Technischen Universität Dresden und beschäftigt sich dort aus demokratietheoretischer Perspektive mit Künstlicher Intelligenz. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der Demokratietheorie, der feministischen und postkolonialen Theorie sowie des Wechselverhältnisses von (digitaler) Technik und Demokratie.  Veröffentlicht hat sie dabei z.B. zum radikaldemokratischen Moment des Hashtag-Aktivismus (Forschungsjournal Soziale Bewegungen) und mit Sebastian Berg und Tim König zu „Political Opinion Formation as Epistemic Practice: The Hashtag Assemblage of #metwo“ (Media & Communication).

Damit übergeben wir dann auch gleich Ann-Kathrin selbst das Wort: In ihrem Einstiegsbeitrag skizziert sie ihre Sicht auf die Bedeutung politiktheoretischer Forschung für die Erfassung und Reflexion von Digitalisierung. Sie fordert die politische Theorie zugleich auf, für Bedeutung und Ambivalenzen der Technik wieder sensibel zu werden, um auf diese Weise ihren Begriffs- und Theorieapparat zu erweitern und zu präzisieren sowie ihren perspektivischen Pluralismus wirklich gewinnbringend ausspielen.

Wir denken, dass Ann-Kathrin  unser Team personell und thematisch ganz wunderbar ergänzt und freuen uns auf die Zusammenarbeit.

Liebe Ann-Kathrin, herzlich willkommen!

 

 

 

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Stellenausschreibung Universität Bremen (Arbeitsgruppe Politische Theorie, Professur Martin Nonhoffs): Wissenschaftliche Mitarbeit_in zum 1. Oktober 2021 gesucht (PostDoc; Vollzeit, TV-L 13)

An der Universität Bremen ist im Fachbereich 8 Sozialwissenschaften am Institut für Interkulturelle und Internationale Studien (InIIS) in der Arbeitsgruppe „Politische Theorie“ von Professor Dr. Martin Nonhoff – unter dem Vorbehalt der Stellenfreigabe – zum 1. Oktober 2021 die Stelle einer/eines 

wissenschaftlichen Mitarbeiterin/Mitarbeiters (PostDoc) (w/m/d) 

Entgeltgruppe TV-L 13 

mit voller Arbeitszeit 

Kennziffer: A103/21 

befristet für die Dauer von 3 Jahren zu besetzen. Alle weiteren Informationen finden sich hier.

 

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