Althusius am Wegesrand – Gedanken aus der Peripherie

Schulze-Haus in Diedenshausen, Fachwerkhaus und Geburtshaus von Althusius
Geburtshaus von Johannes Althaus

Die Wittgensteiner Wisente sind nach lang andauernden Kontroversen heutzutage vermutlich bekannter als der calvinistische Denker Johannes Althusius. Aber nicht zu den Wisenten, sondern zu Althusius’ Geburtshaus nach Diedenshausen (Bad Berleburg), tief ins Wittgensteiner Land, führte die jüngste Wanderung des Siegener Seminars für Sozialwissenschaften. Auf den Spuren von Althusius bzw. Johannes Althaus begibt man sich allerdings nicht nur geographisch, sondern auch im Kanon der politischen Ideengeschichte in die Peripherie. Zwar ist der Name vielen geläufig, auch das ein oder andere Schlagwort ist bekannt, doch lesen und kennen ihn, gerade in Deutschland, nur wenige. Warum sollte man sich also auch jenseits des wunderbar gepflegten Örtchens mit seinen Fachwerkhäusern mit Althusius beschäftigen? 

Seinen Anhänger:innen gilt er als einer der ersten systematischen Denker der Politik und des Politischen, als einer der ersten Verfechter der Volkssouveränität und als Begründer des Föderalismus. Andere betonen dagegen skeptischer auch die teils mittelalterlich anmutende, teils streng calvinistische Prägung seiner Schriften (Nitschke 2007). Betrachtet man zentrale Bausteine von Althusius politischer Theorie genauer, ergeben sich ein komplexes Nebeneinander und Zusammenspiel etablierter und neuer Ideen. Dies macht die Lektüre nicht einfacher. Es eröffnet aber anregende Perspektiven auf ein Zeugnis politischen Denkens im Kontext einer veritablen Zeitenwende: zwischen Bartholomäusnacht 1572 und dem Beginn des Dreißigjährigen Kriegs 1618.  (mehr …)

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Call for Blogposts: Getrennte Wege? Zum Verhältnis von Politischer Theorie und Ideengeschichte 

Was bedeutet eigentlich das „Und“, das Politische Theorie und Ideengeschichte verbindet? Gehören beide so eng zusammen, dass eine „reine“ Politische Theorie und eine „reine“ Ideengeschichte gar nicht vorstellbar sind? Muss jede*r Theoretiker*in auch ein*e gute*r Ideenhistoriker*in und andersherum sein? Oder handelt es sich vielmehr um eigentlich zwei unterschiedliche Disziplinen, die nur noch aus pragmatischen Gründen unter einem Dach leben, aber ansonsten nicht viel miteinander zu tun haben? Stehen sie einander womöglich sogar dabei im Weg, unbefangen ihren jeweiligen Forschungsinteressen zu folgen? 

Das Verhältnis der beiden Disziplinen ist in jüngerer Zeit wieder in die Diskussion geraten. Implizit schon dadurch, dass – wie etwa auf dem Bremer Theoriekongress – ideengeschichtliche Beiträge im Vergleich zu theoretisch-systematischen und normativen auf gemeinsamen Veranstaltungen vielfach fehlen. Aber auch explizit, wie zwei Workshops über „Das ideengeschichtliche Argument in der Politischen Theorie“ belegen, die Anfang des Jahres in Augsburg stattgefunden haben. 

Deshalb wollen wir das Verhältnis von Politischer Theorie und Ideengeschichte, die Frage nach dem ominösen „Und“, zum Gegenstand unseres Sommercalls machen und rufen dazu explizit Ideengeschichtlicher*innen und Politische Theoretiker*innen zu Blogposts auf, die sich etwa mit folgenden Fragen beschäftigen: 

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Lesenotiz zu Maximilian Pichls „Law statt Order“

Wer im deutschen Sprachgebrauch ‚Rechtsstaat‘ sagt, betritt die Arena eines stark umkämpften Begriffs. Von den einen gefeiert als die Errungenschaft liberaler Staatlichkeit und aufklärerischer Bemühungen, Gewalt zu bündeln, zu legitimieren und – vor allem – zu begrenzen, wird der Begriff und die damit verbundene institutionelle Struktur von anderen mit Skepsis beäugt. Die skeptische Perspektive versteht Appelle an den Rechtsstaat oft als eine weitere Art, autoritäre Bestrebungen im Kleid der Legitimität durchzusetzen. Wer Rechtsstaat sagt, so die kritische Lesart, sagt auch Polizeieinsatz gegen Aktivist*innen, Pushbacks an den Außengrenzen, und nicht-öffentliche Schnellverfahren. Maximilian Pichls jüngst erschienener Beitrag zu dieser Debatte, Law statt Order, spielt bereits im Titel auf die Spannungen zwischen beiden Lesarten an.

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Call for Splitter – Der Theorieblog sucht Autor*innen für die DVPW-Kongresssplitter 

Zum DVPW-Kongress „Politik in der Polykrise“ im September in Göttingen legen wir beim Theorieblog das Format der Kongresssplitter erneut auf, das wir beim Theoriekongress 2023 in Bremen erfolgreich eingeführt und erprobt haben. 

Angesicht der schieren Anzahl der Panel und Podien in Göttingen haben wir nicht den Anspruch, das Kongressgeschehen umfassend abzubilden. Wir suchen stattdessen Autor*innen für Kongresssplitter über je eines der ideengeschichtlich und/oder politiktheoretisch interessanten Panels oder Podien des Kongresses. Ziel ist die Veröffentlichung einer vielfältigen Berichterstattung über den Göttinger Kongress bereits in der ersten Oktoberhälfte. (mehr …)

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CfA: Workshop an der Universität Rostock „Schatten des Liberalismus“ (05./06.09.2024)

An der Universität Rostock ist für den 5. und 6. September ein Workshop mit dem Titel „Schatten des Liberalismus. Spannungsfelder und Konflikte des liberalen politischen Denkens“ geplant. Der Workshop beschäftigt sich mit Spannungsfeldern und Konflikten, die im liberalen politischen Denken sowie in der liberalen politischen Theorie und Ideengeschichte bereits angelegt sind. Besonders zu einer Bewerbung aufgerufen sind Doktorand*innen und frühe Postdocs, der Workshop ist auch dezidiert offen für Work in Progress, für historische und systematisch ansetzende Beiträge. Deadline für Bewerbungen ist der 03.08.2024, mehr Informationen finden sich im ausführlichen Call.

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CfP: Konferenz an der Humboldt-Universität zu Berlin „Green Capitalism – A New Regime of Accumulation“ (29./30.11.2024)

Im Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität findet am 29. und 30. November eine Konferenz mit dem Titel „Green Capitalism – A New Regime of Accumulation“ statt. Sie soll einen Dialog zwischen theoretischen Debatten im ökologischen Marxismus und konkreten Untersuchungen des grünen Kapitalismus ermöglichen. Der erste Teil dieser Konferenz befasst sich mit konzeptionellen Fragen im Zusammenhang mit den ökologischen Widersprüchen des Kapitalismus. Der zweite Teil wird den grünen Kapitalismus als ein aufkommendes Phänomen und als ein Akkumulationsregime im Entstehen untersuchen. Deadline für Einreichungen ist der 01.08.2024. Alle weiteren Informationen finden sich im ausführlichen Call.

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CfP: Workshop an der Universität Hildesheim „Klassismus (in) der Philosophie“ (03.–05.04.2025)

Lars Leeten, Johann Szews und Mareike Kajewski planen einen paperbasierten Workshop zum Thema „Klassismus (in) der Philosophie“ vom 3. bis 5. April 2025 an der Universität Hildesheim. Im Workshop sollen die Wirsamkeit(en) klassistischer Voreingenommenheit in der Philosophie kritisch untersucht werden. Insbesondere wird das Privileg theoretischer Arbeit, das auf klassenbedingten Machtverteilungen und Positionierungen beruht sowie der damit einhergehende Rationalitätsanspruch der Philosophie grundlegend analysiert, kritisiert und nach möglichen Gegenstrategien zur Veränderung befragt. Deadline für Einreichungen ist 14.08.2024. Alle weiteren Infos finden sich im ausführlichen Call.

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CfA: Promotions- und Postdoc-Stellen im interdisziplinären DFG-Graduiertenkolleg „Architekturen Organisieren“

Im interdisziplinären DFG-Graduiertenkolleg „Architekturen Organisieren“ (3022), an dem die Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Technische Universität Darmstadt, die Universität Kassel sowie das Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie beteiligt sind, sind zum 01.11.2024 insgesamt zwölf Promotionsstellen (75 % E 13 für vier Jahre) und zwei Postdoc-Stellen (100 % E 13 für viereinhalb Jahre) zu besetzen. Angesprochen werden Kandidat:innen aus den Bereichen Architektur- und Kunstgeschichte, Medien- und Geschichtswissenschaft, Rechtswissenschaft, Soziologie, Humangeographie, Politikwissenschaft sowie Architektur und Städtebau. Bewerbungsschluss ist der 28.07.2024. Mehr Informationen zu den Promotionsstellen und den Postdoc-Stellen sind jeweils verlinkt.

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CfP für Essay-Workshop an der Universität Wien „Demokratische Gegeninstitutionen: Aktivistische Imaginationen politischer Zukunft“ (17./18.10.2024)

An der Universität Wien planen Sara Gebh, Viktoria Huegel und Sergej Seitz am 17/18. Oktober 2024 einen Essay-Workshop, der sich mit emanzipatorischen Gegeninstitutionen in gegenwärtigen politischen Kämpfen beschäftigt. Darin soll u. a. der Frage nachgegangen werden, inwiefern Gegeninstitutionen unsere politische Imagination erweitern können. Beiträge können sich neben Imaginationen auch mit der Rolle von Gegeninstitutionalisierung bei der Präfiguration politischer Zukunft oder der Rolle von Gegeninstitutionen in der Demokratie beschäftigen. Deadline für Einreichungen ist der 31.07.2024. Detaillierte Informationen finden sich im ausführlichen Call.

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CfP für Themenschwerpunkt in der Zeitschrift für Praktische Philosophie „Exemplarität und Einbildungskraft“

Mit der Rolle von Beispielen im Handeln und Urteilen soll sich ein geplanter Themenschwerpunkt der Zeitschrift für Praktische Philosophie befassen. Gesucht werden Beiträge, die sich u. a. mit der Übertragung historischer Ansätze in die Gegenwart, der Unterscheidung von Beispiel und Exempel, den kognitiven Praktiken, den sozialen Kontexten von Einbildungskraft, dem kritischen bzw. subversivem Potenzial von Beispielen und Exempeln sowie den Voraussetzungen für eine Beispielnahme beschäftigen. Ausführlichere Informationen, weitere Themenanregungen und Formalitäten finden sich im Call.

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