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Schwerpunkt: Der realistische Utopist – John Rawls und die Theorie der Gerechtigkeit (Teil 1)

Kaum jemand hat die politische Philosophie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts so stark geprägt wie John Rawls. Seine monumentale Theorie der Gerechtigkeit von 1971 habe, so heißt es, die politische Philosophie nach den totalitären Verheerungen des 20. Jahrhunderts wiederbelebt und die Idee des politischen Liberalismus auf eine radikal neue theoretische Grundlage gestellt. Rawls kritisierte den damals vorherrschenden utilitaristischen Ansatz scharf und stellte ihm eine von Kant inspirierte vertragstheoretische Auffassung von Gerechtigkeit entgegen. Aufbauend auf seinem berühmten Gedankenexperiment eines Urzustands, in dem ein „Schleier des Nichtwissens“ den Bürger*innen die Kenntnis ihrer eigenen gesellschaftlichen Position vorenthält, entwarf er die „realistische Utopie“ einer Gesellschaft, die auf zwei Gerechtigkeitsgrundsätzen beruht: dem Prinzip der größten gleichen Freiheit aller Bürger*innen, sowie dem „Differenzprinzip“, demzufolge soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten nur in dem Maße legitim sind, in dem diese den am wenigsten Begünstigten zugutekommen. Ein zentraler Gedanke, den Rawls 20 Jahre später in seinem zweiten Hauptwerk Politischer Liberalismus (1993) noch weiter ausarbeiten sollte, war die Vereinbarkeit der Grundsätze des gesellschaftlichen Zusammenlebens mit einem breiten Spektrum unterschiedlicher Weltanschauungen und Konzeptionen des guten Lebens, wie sie für unsere pluralistischen Gesellschaft prägend sind. Ein „übergreifender Konsens“ war für Rawls immer die Grundlage einer zustimmungswürdigen Konzeption politischer Gerechtigkeit.

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Auf dem Weg zu einer kritischen Theorie der Wissenschaftsfreiheit

Am 15. und 16. Juli veranstaltete Maria Sybilla Lotter vom “Netzwerk Wissenschaftsfreiheit” einen Workshop zum Gegenstand ihrer Initiative an der Universität Bochum. Eingeladen war neben mehreren Mitgliedern des Netzwerks und Patrick Bahners auch Karsten Schubert. Wir veröffentlichen die gekürzte und überarbeitete Version seines Beitrags. (Redaktion)

In der Debatte um Wissenschaftsfreiheit wird mit einem liberalen, negativen Begriff von Freiheit als Nicht-Einmischung operiert, für den Thomas Hobbes und Isaiah Berlin stehen. Kritisiert wird in der Debatte um Wissenschaftsfreiheit folglich die politische Einmischung in die Wissenschaft. Von solchen Einmischungen berichtet das Netzwerk und überträgt damit die bekannten Debatten um “Cancel Culture” und “Political Correctness” auf die Wissenschaft. Die ‚Political Correctness‘-Kritik – sowohl in der allgemeinen Debatte als auch in der bezüglich der Wissenschaftsfreiheit – beruht auf einem liberalen Konzept von Wissenschaft, in dem Vermachtung und Privilegien ausgeblendet werden (Schubert 2020). Dabei wird implizit oder explizit von der Möglichkeit machtfreier Räume und machtfreien wissenschaftlichen Sprechens ausgegangen. Die Wissenschaft wird als Gegensatz zur Politik verstanden – und auf dieser Grundlage die politische Einmischung in die Wissenschaft kritisiert. Vor der Imagination der neutralen Machtlosigkeit der aktuellen Ordnung der Wissenschaft kann dann ‚Political Correctness‘ als unzulässige Machtpolitik und übergriffige Einmischung erscheinen.

Was bei diesem Freiheitsverständnis übersehen wird, ist wie wichtig Macht auch in der Wissenschaft ist. Ich benutze diesen Begriff im Sinne Nietzsches und Foucaults, um zu beschreiben, dass das soziale Miteinander, und auch die Wissenschaft, immer von Regeln und Normen durchzogen ist, die aus gesellschaftlichen Auseinandersetzungen hervorgegangen sind. Zentral an diesem Machtverständnis ist die Kritik am politischen Liberalismus, der Freiheit, insbesondere die Herrschaftsfreiheit des Diskurses, als Machtabwesenheit bestimmt. Eine solche Kritik, zugunsten einer Analyse der Vermachtung des Sozialen, ist fundamental für die zeitgenössische kritische Sozialtheorie und politische Theorie.

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Workshop on Gender and Philosophy in Berlin (mit Winterprogramm)

Wer Interesse an feministischen Themen und feministischer Philosophie hat, für den gibt es in Berlin den Workshop on Gender and Philosophy. WOGAP Berlin hat zum Ziel, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammenzubringen, die sich für feministische Philosophie – im weitesten Sinne – interessieren, und aktuelle Arbeiten aus dem Bereich der feministischen Philosophie von und mit den Referentinnen und Referenten zu diskutieren. Für Getränke und Snacks wird gesogrt, um auch nach der Diskussion einen Raum für feministischen (und anderen) Austausch und Begegnung zu schaffen.
WOGAP Berlin erbt seinen Namen von einem Workshop, der am Massachusetts Institute of Technology angesiedelt ist. Die Organisator*innen Mirjam Müller (HU Berlin) und Hilkje Hänel (Universität Potsdam) planen monatliche Treffen an der Humboldt-Universität zu Berlin – in der Regel am letzten Freitag des Monats. Aktuell ist ein hybrides Format für die Treffen vorgesehen und, wenn nicht ausdrücklich anders angekündigt, werden die Referate und die Diskussion auf Englisch stattfinden. Wer mehr Informationen und Ankündigungen erhalten möchte oder an der Teilnahme interessiert ist, kann sich per Mail an ls.feminist.phil@hu-berlin.de wenden und in die Mailingliste aufnehmen lassen. Den aktuellen Terminplan mit der Liste der Gastredner*innen gibt es nach dem Klick.

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Vorträge zur materialistischen Staatskritik an der FU Berlin

Die Fachschaftsinitiative des Otto-Suhr-Instituts organisiert in diesem Winter eine Vortragsreihe zur materialistischen Staatskritik. Die sechs Vorträge, die zwischen dem 28. Oktober 2021 und dem 13. Januar 2022 jeweils um 18 Uhr im Hörsaal A in der Ihnestraße 22 stattfinden, beginnen jeweils um 18 Uhr. Los geht es an diesem Donnerstag mit einem einführenden Vortrag von Ingo Stützle zu „Der Staat des Kapitals. Zur Aktualität materialistischer Staatstheorie“. Im Verlauf des Semester folgen Vorträge zur Frage der Politik bei Marx und im Postmarxismus Laclaus und Mouffes (Ingo Elbe), zum Verhältnis von Antisemitismus, Antizionismus und materialistischer Staatskritik (Luise Henckel), zu Johannes Agnoli’s Thesen über den Staat des Kapitals und die Kritik der Politik (Ali Ma und Paul Schulte), zu den Grundlagen einer materialistisch-feministischen Staatstheorie (Friederike Beier) und schließlich zu den Analysen des NS-Staats von Fraenkel und Neumann (Moritz Zeiler). Genauere Informationen zu Daten, Titeln und Kontakmöglichkeiten zur FSI*OSI finden sich hier.

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Buchvorstellung: The Government of Things. Foucault and the New Materialisms

Am 29. Oktober 2021 findet von 17-19 Uhr ein Book-Launch zu Thomas Lemkes Buch The Government of Things. Foucault and the New Materialisms statt, der sicher auch die ein oder andere Politische Theoretiker*in interessieren dürfte. Zur Buchvorstellung gibt es eine Diskussion zwischen Ute Tellmann (Darmstadt), Reiner Keller (Augsburg) und Thomas Lemke (Frankfurt). Die Veranstaltung wird per Livestream übertragen. Den Link zum Stream gibt es nach Anmeldung unter zoeller@soz.uni-frankfurt.de. Alle weiteren Infos findet Ihr hier.

 

 

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„Mit Rawls kann man immer nur das Ganze ändern“ – Christoph Möllers im Gespräch mit Jens Bisky über John Rawls und die Anmaßung der Gerechtigkeit

Jens Bisky: Hat „Die Theorie der Gerechtigkeit“ von John Rawls in Ihrer intellektuellen Sozialisation als Verfassungsrechtler eine Rolle gespielt?

Christoph Möllers: Eigentlich nicht, sie hat mich nie so richtig angezogen und daher bin ich erst relativ spät dazu gekommen. Und obwohl ich großen Respekt davor habe, ist es eine Theorie, die ich mir bis heute eher erkämpfen muss, als dass ich sie gerne lese. Das hängt einerseits, glaube ich, mit der spröden Darstellungsweise zusammen, die zwar der Sache geschuldet ist, aber natürlich auch erst einmal überwunden werden muss. Und andererseits hat meine Distanz ihren Grund in der Verbindung von Kantianismus und Utilitarismus, von analytischer und kontinentaleuropäischer Philosophie. Das ist das Erfolgsrezept dieser Theorie, aber man kann die Synthese auch als Kompromiss auffassen. Radikal utilitaristische Ansätze oder rein deontische erscheinen mir aufschlussreicher. (mehr …)

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Der Glaube im Nachlass. John Rawls posthum

Lesenotiz zu John Rawls: Über Sünde, Glaube und Religion. Mit Kommentaren von Joshua Cohen, Thomas Nagel und Robert Merrihew Adams. Mit einem Nachwort von Jürgen Habermas. Aus dem Amerikanischen von Sebastian Schwark. Suhrkamp, Berlin 2010. 344 S.

 

„Meine Religion ist allein für mich von Interesse,“ Mit diesen Worten beginnt der Text Über meine Religion, den man im Computer des im November 2002 verstorbenen John Rawls fand (S. 301–312). Die wenigen Seiten waren, ebenso wie Rawls Bachelorarbeit zum Thema: Eine kurze Untersuchung über die Bedeutung von Sünde und Glaube: Eine Auslegung anhand des Begriffs der Gemeinschaft von 1942, die im Nachlass und in der Harvard-Bibliothek ruhte, nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Trotzdem wurden beide Texte 2009 publiziert und erschienen 2010 erstmals übersetzt und eskortiert von erläuternden und kommentierenden Beiträgen von Joshua Cohen, Thomas Nagel, Robert Merrihew Adams und Jürgen Habermas, die fast die Hälfte der Edition ausmachen Die Beratungen der Nachlassverwalter, darunter Rawls Witwe, Margaret Rawls, über die Frage, ob eine Veröffentlichung überhaupt berechtigt sei, haben sich lange hingezogen, zumal infrage stand, ob eine Publikation dem Ansehen des Philosophen schaden könnte. Für das Werk eines als säkular wahrgenommenen Philosophen sind posthum ans Licht gebrachte Aussagen zur eigenen Religion eine heikle Angelegenheit, zumal dann, wenn der Autor viel darüber nachgedacht hat, wie politische Legitimität in durch religiöse Konflikte geprägten Gesellschaften erreicht werden kann.

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50 Jahre liberaler Feminismus? Zur feministischen Wirkungsgeschichte von John Rawls

Eine feministische Auseinandersetzung mit der Wirkungsgeschichte von John Rawls bringt (mindestens) zwei Herausforderungen mit sich: Zum einen unterscheidet sich die Rezeption von Rawls‘ Arbeiten je nach feministischer Perspektive massiv. So stehen liberale feministische Theorien dem Rawlsianischen Projekt zwar kritisch, aber doch zumindest in der Regel eher freundlich gesinnt gegenüber und finden eine Vielzahl produktiver Anknüpfungspunkte. Andere feministische Perspektiven, wie zum Beispiel marxistisch-feministische Theorien, betrachten insbesondere die Rawlsianischen Grundannahmen einer wohlgeordneten liberalen Gesellschaft mit Skepsis. Wieder andere halten Rawls‘ ideal-theoretische Methode für ungeeignet, um verschiedene Formen von Unterdrückung, wie Sexismus oder Rassismus, in ihrem Zusammenwirken zu analysieren und zu kritisieren. Die feministische Rezeption von Rawls‘ Gerechtigkeitstheorie ist also alles andere als einheitlich. Das ist die erste Herausforderung. Die zweite Herausforderung besteht darin, einer so umfassenden Wirkungsgeschichte wie der Rawlsianischen in einem Blogbeitrag gerecht zu werden. Diesen Anspruch gebe ich auf. Ich werde stattdessen verschiedene feministische Auseinandersetzungen beispielhaft anhand zentraler Kritikpunkte darstellen, um somit zumindest einen kleinen Einblick in das Verhältnis von Rawlsianischer und feministischer Theorie zu geben.

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CfA: W3-Professur für Politische Theorie (Regensburg)

An der Universität Regensburg ist eine W3-Professur für Politische Theorie ausgeschrieben. Die Professur soll sowohl die politische Ideengeschichte als auch die modernen politischen Theorien in Forschung und Lehre vertreten. Vorausgesetzt wird zudem ein Arbeitsschwerpunkt im Bereich klassischer und moderner Demokratietheorien. Bewerbungsfrist ist der 28. Oktober 2021. Alles Weitere findet Ihr im PDF.

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