Zwischen Abenddämmerung und Morgenröte – eine Replik auf Frank Nullmeier

In seinem Text „Legitimationsprobleme des Global Governance Systems. Michael Zürns Theorie der globalen Politik“ hat Frank Nullmeier sich vor zwei Wochen mit Michael Zürns bei Oxford University Press erschienener Monographie „A Theory of Global Governance“ auseinandergesetzt. Nun hat Michael Zürn auf dem Blog des Wissenschaftszentrum Berlin „Orders Beyond Borders“ geantwortet. Hier (und bei OBB hier) die ausführliche Erwiderung:

Frank Nullmeier hat sich im Theorieblog kritisch mit meiner „Theory of Global Governance“ (TOGG) auseinandergesetzt. Über seine kluge Kritik freue ich mich und möchte im Gegenzug darauf reagieren.  Im besten Fall regt die Auseinandersetzung weitere Beiträge an. Frank Nullmeiers Beitrag beruht auf einer äußerst konzisen und fairen Zusammenfassung der Argumentation. Besonders schmeichelhaft ist es dabei, wenn er die Theoriekonstruktionsprinzipien von Jürgen Habermas‘ „Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus“ als Vergleichsfolie heranzieht. Schmeicheleien sind aber oft zweischneidig und so auch hier. Bei einem solchen Vergleich werden nämlich Defizite nur allzu gut sichtbar. Frank Nullmeier hebt in seiner Kritik v.a. drei Punkte hervor. Zum einen erweist sich der Anspruch von TOGG vor dem Habermasschen Hintergrund als geradezu bescheiden. Es handelt sich nur um eine Theorie des (globalen) politischen Systems und stellt keine Theorie der (kapitalistischen) Weltgesellschaft dar.  Dadurch – so der zentrale Kritikpunkt von Frank Nullmeier – würden aber andere gesellschaftliche Systeme und mithin gewaltbasierte und interessengeladene Macht- und Herrschaftsbeziehungen ausgeblendet. Zweitens werde der Begriff der Autorität überdehnt, indem er durch das Konzept der Aufforderungen (requests) weit gefasst wird. Politische Systeme arbeiten aber nach Easton und Nullmeier üblicherweise mit Anweisungen (commands). Und dann ist da auch noch die Eule der Minerva, die ihren Flug erst in der Dämmerung beginnt. Ich möchte in dieser Reaktion kurz auf diese drei wichtigen Kritikpunkte eingehen. (mehr …)

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24./25. April in Bielefeld: „Wissen.schafft.Freiheit?“

An der Universität Bielefeld finden Ende April eine Podiumsdiskussion sowie ein Workshop zum Thema „Wissen.schafft.Freiheit? Meinung, Rede und Kritik im universitären Raum“ statt. Organisiert wird die Tagung von Elif Özmen und Michaela Rehm; aus der Politischen Theorie diskutiert u.a. Paula Diehl mit. Eine Anmeldung ist möglich unter praktische@phil-uni-giessen.de. Alle weiteren Infos finden sich hier oder nach dem Klick.

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CfA: „Negative Anthropologie. Ideengeschichte und Systematik einer unausgeschöpften Denkfigur“

Lange Zeit stand der Ausdruck „Negative Anthropologie“ für den Titel von Ulrich Sonnemanns gleichnamigem Buch, das, 1969 erschienen, der Kritischen Theorie zugeordnet wird, ohne es in deren kanonisches Zentrum geschafft zu haben. Sonnemanns vom Zeitgeist der 68er beschwingte Kritik galt jeglicher Anthropologie und zielte, das berühmte Veto Adornos mit Gehlen als konkretem Gegner vor Augen programmatisch ausbuchstabierend, auf eine Negation von Anthropologie überhaupt. Ironischerweise hat der Begriff seine maßgebliche Prägung also durch ein irreführend betiteltes Buch erhalten, das auch eine Negative Anthropologie verwirft, da eine solche noch immer eine Anthropologie zu sein hätte. Sonnemanns Modell möchten wir in diesem Sammelband, der im Januar 2020 bei de Gruyter in der Reihe „Philosophische Anthropologie“ erscheinen soll, alternative Konzeptionen Negativer Anthropologie gegenüberstellen, und zwar unter systematischen und historischen Gesichtspunkten: (mehr …)

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CfP: „Dialektik des Liberalismus“ (Zeitschrift für Politische Theorie)

Für ihr geplantes Schwerpunktheft der Zeitschrift für Politische Theorie (ZPTh) zum Thema „Dialektik des Liberalismus – Zwischen globalem Versprechen und Verfehlungen“ freuen sich Michael Reder, Dominik Finkelde und Karsten Fischer über Beitragsvorschläge. Abstracts im Umfang von max. 3.000 Zeichen können bis zum 31. Mai 2019 an Karolin-Sophie Stueber (karolin-sophie.stueber@hfph.de) geschickt werden. Ein Feedback durch die Herausgeber*innen erfolgt bis zum 30. Juni 2019. Die fertigen Beiträge werden dann zum 30. November 2019 fällig. Den ausführlichen Call mit allen weiteren inhaltlichen und formalen Infos findet ihr hier.

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Denker des Staates und der Freiheit, Verfechter des Bürgerethos. Ein Nachruf auf Ernst-Wolfgang Böckenförde

Die Politikwissenschaft hat mehrere Nachbardisziplinen, mit denen sie Schnittmengen im Forschungsinteresse, im Gegenstand und auch einige der Grundbegriffe teilt. Für eine an politischer Ordnung orientierte Politische Theorie und Ideengeschichte ist besonders die Rechtswissenschaft von Interesse, die ebenso normative, systematische und historische Perspektiven vereint. Ein herausragender Vertreter seines Fachs, von dessen Werk die Politische Theorie und Ideengeschichte profitiert hat und weiterhin profitieren wird, ist Ernst-Wolfgang Böckenförde, der am 24.2.2019 im Alter von 88 Jahren in Au bei Freiburg verstorben ist. Er hat als ausgebildeter Rechtswissenschaftler und Historiker mit besonderem Interesse für die normativen Fragen der Begründung politischer Ordnung ein großes Oeuvre hinterlassen, das sich über mehr als fünf Jahrzehnte erstreckt. Zugleich hat er auch als politischer Denker den Lauf der Zeit kritisch begleitet und sich immer wieder mit Stellungnahmen in der Öffentlichkeit zu Wort gemeldet. Als Bundesverfassungsrichter übte er von 1983 bis 1996 eines der höchsten Ämter aus und wirkte an entscheidenden Urteilen mit. Es ist wohl nicht übertrieben zu sagen, dass er neben wenigen anderen Vertretern seiner Generation, wie Jürgen Habermas oder Ralf Dahrendorf, zu den bekanntesten Wissenschaftlern und öffentlichen Intellektuellen in der siebzigjährigen Geschichte der Bundesrepublik gehört.

Das Böckenförde-Diktum – eine liberale Formel

Dies hängt gewiss auch mit seinem berühmten Satz über die „nicht garantierbaren Voraussetzungen des freiheitlichen Staates“ zusammen. Das Böckenförde-Diktum ruft allerdings gerade bei vielen Angehörigen der Politikwissenschaft nicht nur angesichts der hohen Frequenz seiner Zitation in staatstragenden Sonntagsreden, sondern vor allem vor dem Hintergrund seines als konservativ wahrgenommenen Gehalts Kritik hervor. Auch der von Böckenförde verwandte Begriff der Homogenität gilt vielen als problematisch. Gegen Böckenförde wird die Auffassung vertreten, dass es keines einigenden Bandes für die Gesellschaft bedürfe und dass vielmehr die Verfahren der rechtsstaatlichen Demokratie in einer pluralen Gesellschaft hinreichend für die Produktion eines notwendigen Minimums an Konsens seien. In dieser Lesart geht aber ein entscheidender Zug seines Denkens verloren oder kommt gar nicht erst in den Blick: Böckenförde ist in seinem Plädoyer für die Freiheit ein zutiefst liberaler Denker, der zugleich von der sozialen Verantwortung des Staates ausgeht.

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Pol. Akademie Tutzing: Tagung zu Richard Rorty

Anlässlich des dreißigjährigen Erscheinens von „Kontingenz, Ironie und Solidarität“ findet vom 20. bis 22. Mai an der Politischen Akademie Tutzing eine Tagung mit dem Titel „Richard Rorty als Herausforderung für die politische Philosophie“ statt, organisiert von Martin Müller und Michael Spieker. Mit dabei sind unter anderem Hauke Brunkhorst aus Flensburg und Christian Schwaabe von der LMU. Das vollständige Programm ist hier einzusehen.

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Drei Stellen am Centre Marc Bloch, Berlin

Am deutsch-französischen Forschungszentrum Centre Marc Bloch in Berlin sind derzeit drei unterschiedliche Stellen ausgeschrieben.
Zur Vorbereitung eines kollektiven und interdisziplinären Forschungsprojektes, das sich mit den wirtschaftlichen Dynamiken der Globalisierung Europas und den sich daraus ergebenden politischen und sozialen Problemen und Konfliktfeldern befassen soll:
(1) eine BMBF-finanzierte Stelle als wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in – ab 1. Mai 2019, Vollzeit, zunächst auf 3 Jahre befristet, EG 13 TV-L – und
(2) eine Stelle als wissenschaftliche/r Mitarbeiter/in – zunächst befristet von 1. Mai 2019 bis 30. April 2020, Vollzeit, EG 13 TV-L.
Beide Stellen sind für Promovierte aller Sozial- und Geisteswissenschaften offen. Voraussetzungen sind darüber hinaus u.a. Fähigkeiten zum eigenverantwortlichen Arbeiten, Organisations- und Teamfähigkeit sowie Kenntnisse der deutschen und französischen Sprachen. Bewerbungsfrist für beide Stellen ist der 1. April 2019. Die Ausschreibung für diese Stellen findet sich hier.

(3) Darüber hinaus ist eine Doktorandenstelle (0,65%, EG 13 TV-L) ausgeschrieben, die zunächst ab 1. Mai 2019 auf 12 Monate befristet ist, aber zweimal um jeweils ein Jahr verlängert werden kann. Das geplante Promotionsvorhaben soll sich in einen der Forschungsschwerpuntke des CMB – 1. Staat, Recht und politischer Konflikt, 2. Mobilität, Migration und räumliche Neuordnung, 3. Dynamiken und Erfahrungen der Globalisierung und 4. Kritisches Denken im Plural – einfügen und auch hier sind neben einem abgeschlossenen Master-Studium (oder Äquivalent) gute Kenntnisse des Deutschen und Französischen vorausgesetzt. Bewerbungsfirst ist ebenfalls der 1. April 2019. Die Ausschreibung für die Doktorandenstelle findet sich hier.

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