Debatte, Lesenotiz

Eine neue, transnationale Spaltungslinie? Eine Lesenotiz zu „Spaltungslinien. Europas Parteiensysteme und die Dekonsolidierung des Nationalstaates“ von Philip Manow

Wie ist der paneuropäische Erfolg der populistischen Parteien zu erklären? Sind wirtschaftliche Verwerfungen entscheidend? Oder machen Kämpfe um Identität und Kultur den Unterschied aus? Philip Manow, Professor für Politische Ökonomie, versucht sich in seinem neuen Werk an einer anderen Begründung. Ausgangspunkt seiner Argumentation: Das klassische Wahlverhalten verschiebe sich grundlegend. Die Arbeiterklasse wähle mehr und mehr „rechts“, das Bürgertum verabschiede sich nach und nach vom Konservatismus und wähle nunmehr „links“. Diese Neuordnung des politischen Raums sei Ausdruck einer neuartigen „Spaltungslinie“ bzw. cleavage, die für den Erfolg der (Rechts-)Populisten verantwortlich sei: der Kampf um die „Öffnung oder Schließung nationalstaatlicher Rahmungen“ (S. 22). Manow bedient sich der klassischen Cleavage-Theorie nach Lipset und Rokkan und postuliert eine neue transnationale Spaltungslinie. Der Clue: Diese sei nicht reduzierbar auf kulturelle Faktoren, wie von anderen zuvor argumentiert, sondern eine Spaltungslinie sui generis. Auch wenn die Erklärung des Wahlerfolgs von populistischen Parteien durch eine transnationale Spaltungslinie in der umfangreichen Literatur nicht gänzlich neu ist, bietet Manow doch lohnenswerte Anknüpfungspunkte für tiefergehende Diskussionen. So können seine Ausführungen zum transnational cleavage in zwei Richtungen interpretiert werden. Die erste Lesart würde das herkömmliche zweidimensionale Schema des politischen Raums – mit einer kulturellen und einer ökonomischen Konfliktlinie – lediglich um eine dritte Achse ergänzen. Seymor Lipset und Stein Rokkan postulierten in der Cleavage-Theorie, dass die Konsolidierung der Nationalstaaten die Bedingung für den politischen Raum mit ökonomischer und kultureller Spaltungslinie gewesen sei. Aus diesem Grund öffnet sich Spielraum für eine zweite Lesart von Manows Argument. Die „Dekonsolidierung des Nationalstaats“, so wäre zu vermuten, würde eine fundamentale Verschiebung im politischen Raum bedeuten. Manow legt sich nicht auf eine Interpretation fest. Nicht zuletzt wäre deswegen an verschiedenen Stellen eine umfangreichere Explikation lohnens- und wünschenswert gewesen.

Debatte

70 Jahre BRAVO: Popkultur zwischen Kulturindustrie und Emanzipation

Heute vor 70 Jahren erschien die erste Ausgabe der BRAVO, zu erwerben für 50 Pfennig, mit einer Auflage von 30.000 Exemplaren (Farin 2010). Das sich zunächst amerikanischer Popkultur und Stars widmende Magazin wurde zum Kult für viele Generationen junger Menschen – so auch für mich, eine Teenagerin der Nullerjahre, welche das Blatt, damals für 1,30 €, jede Woche an der lokalen Kleinstadttankstelle kaufte. Die BRAVO versprach Zugang zu einer mir bisher verschlossen gebliebenen Welt der Jugendkultur, glamourös und verheißungsvoll, unabhängig von den Einflüssen der Eltern und der Schule. Anlässlich dieses Jubiläums möchte ich im folgenden Beitrag auf die Geschichte dieses Magazins zurückblicken und untersuchen, an welchen Stellen sich in diesem konsumorientierten Medium Momente von Selbstermächtigung junger Menschen identifizieren lassen. 

*** Inhaltswarnung: Im nachfolgenden Text wird ein Fall familiärer sexualisierter Gewalt erwähnt.*** …

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CfP: DGEPD-Jahrestagung „Der fingierte Mensch: Die politische Form des Menschlichen im Zeitalter völliger Gestaltbarkeit“ (Bremen)

Vom 14. bis 16. Oktober 2027 findet in Bremen die DGEPD-Jahrestagung zum Thema „Der fingierte Mensch: Die politische Form des Menschlichen im Zeitalter völliger Gestaltbarkeit“ statt. Eingeladen sind Beiträge aus der Politikwissenschaft, Philosophie, Geschichtswissenschaft, Rechtswissenschaft oder anderen angrenzenden Disziplinen, die sich mit dem Thema befassen. Der Call richtet sich explizit auch an Wissenschaftler:innen in der Qualifizierungsphase. Einsendeschluss für Beitragsvorschläge ist der 30. September 2026; diese dürfen an folgende Mailadresse gesendet werden: rainer.lisowski[at]hs-bremen.de Weitere Details findet ihr im vollständigen CfP.

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Tagung „Philosophie des Hungers“ (Köln)

Am 08. und 09. Oktober 2026 veranstaltet das Kölner Husserl Archiv eine internationale Tagung unter dem Titel „Philosophie des Hungers“. Die Veranstaltung wird von Manuel Schulz und Thiemo Breyer organisiert und versammelt u. a. Perspektiven aus der Philosophie, der Sozialanthropologie, den Geschichtswissenschaften und der Wirtschaftssoziologie. Interessierte sind herzlich eingeladen, an der Tagung teilzunehmen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Alle weiteren Infos und das Programm findet ihr nach dem Klick.

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2 Postdoc-Stellen (100%) in der Forschungsgruppe „Transformations of Citizenship“ (Frankfurt)

Die Forschungsgruppe „Transformations of Citizenship“ an der Goethe-Universität Frankfurt schreibt zum 1. Januar 2027 oder zu einem früheren, einvernehmlich vereinbarten Zeitpunkt zwei Postdoc-Stellen aus:

Bewerben können sich Kandidat*innen aus der Politischen Theorie und Politischen Philosophie, den Rechtswissenschaften, den Internationalen Beziehungen sowie verwandten Fachgebieten. Zu den thematischen Schwerpunkten der Forschungsgruppe gehören insbesondere Fragen zu Staatsbürgerschaft, Migration, Grenzen, Mobilität und globaler Ungleichheit.

Bewerbungsschluss ist der 30. September 2026. Bewerbungen sind in englischer Sprache und als eine PDF-Datei per E-Mail zu richten an: office-shachar[at]uni-frankfurt.de

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Workshop: Relationalität im Recht: Neue Perspektiven auf Subjekte, Normen und Strukturen (Potsdam)

An der Universität Potsdam findet am 23.10.2026 ein Workshop zum Thema „Relationalität im Recht: Neue Perspektiven auf Subjekte, Normen und Strukturen“, organisiert von Isa Bilgen, statt.

Relationale Ansätze im Recht stellen das klassische Bild des abstrakten autonomen Individuums in Frage und rücken stattdessen soziale, ökologische und institutionelle Beziehungen in den Mittelpunkt rechtstheoretischer Überlegungen. Der Workshop soll relationale Perspektiven im Rechtsdenken vorstellen, beleuchten und diskutieren. Mit einer Keynote von Prof. Dr. Elisabeth Holzleithner und Vorträgen von Clemens Dahlke, Jun.-Prof. Dr. Daria Bayer, Ibrahim Orha, Dr. Isa Bilgen, Catharina Caspari und Dr. Victoria Guijarro Santos.

Anmeldungen sind bis zum 9.10.2026 (per Mail an bilgen[at]uni-potsdam.de) möglich. Alle weiteren Infos sowie das Programm findet ihr hier.

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Konferenz: Krisendialektik und radikale Imagination (Wien)

Am 21. und 22.09.2026 findet am Institut für Wissenschaft und Kunst in Wien eine trans- und interdisziplinäre Konferenz zum Thema „Krisendialektik und radikale Imagination“ statt. Die Konferenz wird von Prof. Dr. Nadja Meisterhans und Dr. Alexander Neupert-Doppler im Rahmen des DFG-Projekts ‚Dialektik der Pandemie – Zwischen Autoritarismus und Utopie‘ (Karlsruhe) ausgerichtet.

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Podiumsdiskussion: „Thinking at the Limit: Soziale Bewegungen und kritische Theorieproduktion“, Potsdam

Seit jeher stehen poststrukturalistische Theorien und soziale Bewegungen in engem Austausch miteinander. Theoriebildung wird von sozialen Bewegungen und Protesten geprägt, u.a. von den Neuen Sozialen Bewegungen der 1970er, migrantischen Kämpfen und dem Klimastreik. Zugleich finden Begriffe, Argumente und Denkansätze, die theoretisch entwickelt wurden, Eingang in die Praktiken und das Vokabular von Sozialen Bewegungen, um z.B. die machtdurchdrungene Produktion von Identitäten und gesellschaftlichen Realitäten kritisieren zu können. Trotz dieser engen Beziehungen zwischen sozialen Bewegungen und Theorie ist eine poststrukturalistische Bewegungsforschung im deutschsprachigen Raum unterrepräsentiert.

Anlässlich dessen organisiert das DFG-Netzwerk POPMAP (Poststrukturalistische Protest- und Bewegungsforschung: Ein multiperspektivischer Analyseansatz) am 14. September 2026 von 18.30-20.00 Uhr ein öffentliches Gespräch in Potsdam. Unter der Moderation von Fabian Schubert (Universität Potsdam) werden drei Wissenschaftlerinnen aus unterschiedlichen kritisch-feministischen Traditionen des Poststrukturalismus zusammenkommen: Martha Zapata Galindo (FU Berlin), Isabell Lorey (Kunsthochschule für Medien Köln) und Friederike Habermann (Hochschule Darmstadt).

Ausdrücklich eingeladen sind auch Aktivist:innen und politisch interessierte Menschen mit einem nicht-akademischen Hintergrund. Im Anschluss wird es Getränke und Snacks geben. Mehr Informationen sind hier zu finden.

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CfP: „Welche Reform braucht der Sozialstaat?“, Leviathan

Die Sozialstaaten aller entwickelten Gesellschaften stehen unter wachsendem Anpassungsdruck: Demografische Alterung, schwaches Wirtschaftswachstum, zunehmende soziale Ungleichheit, Migration sowie die digitale und ökologische Transformation treffen auf angespannte öffentliche Haushalte und schwindendes Vertrauen in die Leistungsfähigkeit staatlicher Institutionen.

Der Leviathan lädt zu einer gesellschafts- und sozialpolitischen Debatte über die Aufgaben und Funktionsweise des entwickelten Sozialstaates ein, der nicht entsolidarisiert und Ungleichheit weiter vertieft, sondern zur Staatsmodernisierung, zum sozialen Zusammenhalt und zu wirtschaftlicher Entwicklung beiträgt.

Abstracts (ca. 500 Wörter) können bis zum 15. Oktober 2026 an Katharina Bluhm (Katharina.bluhm[at]fu-berlin.de) und Anke Hassel (Hassel[at]hertie-school.org) eingereicht werden. Nach einem Auswahlprozess durch die Herausgeberinnen müssen die fertigen Manuskripte bis zum 15. März 2027 zur Begutachtung (double blind peer review) eingereicht werden. Das Heft wird im September 2027 in Open Access erscheinen. Mehr Informationen sind hier zu finden.

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CfP: Sammelband „Kritische trans* Theorie im deutschsprachigen Raum“

In den letzten Jahren hat sich unter deutschsprachigen trans*Aktivist*innen und politischen Theoretiker*innen ein komplexes Geflecht politischer Analysen herausgebildet, die trans* Geschlechtlichkeit im Verhältnis zu und als Spiegel von gesamtgesellschaftlichen Transformationen verstehen. Dies geschieht zunehmend über die bloße Übersetzung von US-amerikanischen Denkfiguren und Debatten hinaus, die bisher auch im deutschsprachigen Raum dominant waren. Auf Grund der nach wie vor bestehenden Ausschlüsse in akademischen und politischen Kontexten finden diese Analysen aber weder in Universitäten noch in der breiteren Öffentlichkeit nachhaltig Gehör.

Dies möchte der interdisziplinäre Sammelband mit dem Arbeitstitel „Kritische trans* Theorie im deutschsprachigen Raum“ ändern und sucht dafür noch Beiträge. Die Texte sollen einen Umfang von ca. 5.000 Wörtern haben. Abstracts für Beitragsvorschläge (max. 250 Wörter) können bis zum 15. Oktober an samuelle.striewski[at]politics.ox.ac.uk eingereicht werden.

Mehr Informationen sind hier zu finden.

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Symposium: „KI und Demokratie: Rechtsstaat, Teilhabe, Nachhaltigkeit“, 01.10.2026, Berlin

KI-Technologien halten zunehmend Einzug in zentrale Bereiche des politischen Entscheidens – von Verwaltung und Umweltpolitik bis hin zu Grenzregimen und ökonomischer Steuerung. Dabei verändern sie nicht nur Verfahren; es verschieben sich Machtkonstellationen, Verantwortung und politische Handlungsspielräume.

Am 1. Oktober 2026 (9.00 – 18.30 Uhr) findet im Einstein Center Digital Future Berlin ein Symposium zum Thema „KI und Demokratie: Rechtsstaat, Teilhabe, Nachhaltigkeit“ statt. Dabei wird die Rolle von KI als systemische Herausforderung für Demokratie und Rechtsstaat diskutiert.

Mehr Informationen zum Programm sind hier zu finden. Um Anmeldungen an symposium[at]ethikderki.de wird gebeten.

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