Call for Blogposts: Getrennte Wege? Zum Verhältnis von Politischer Theorie und Ideengeschichte 

Was bedeutet eigentlich das „Und“, das Politische Theorie und Ideengeschichte verbindet? Gehören beide so eng zusammen, dass eine „reine“ Politische Theorie und eine „reine“ Ideengeschichte gar nicht vorstellbar sind? Muss jede*r Theoretiker*in auch ein*e gute*r Ideenhistoriker*in und andersherum sein? Oder handelt es sich vielmehr um eigentlich zwei unterschiedliche Disziplinen, die nur noch aus pragmatischen Gründen unter einem Dach leben, aber ansonsten nicht viel miteinander zu tun haben? Stehen sie einander womöglich sogar dabei im Weg, unbefangen ihren jeweiligen Forschungsinteressen zu folgen? 

Das Verhältnis der beiden Disziplinen ist in jüngerer Zeit wieder in die Diskussion geraten. Implizit schon dadurch, dass – wie etwa auf dem Bremer Theoriekongress – ideengeschichtliche Beiträge im Vergleich zu theoretisch-systematischen und normativen auf gemeinsamen Veranstaltungen vielfach fehlen. Aber auch explizit, wie zwei Workshops über „Das ideengeschichtliche Argument in der Politischen Theorie“ belegen, die Anfang des Jahres in Augsburg stattgefunden haben. 

Deshalb wollen wir das Verhältnis von Politischer Theorie und Ideengeschichte, die Frage nach dem ominösen „Und“, zum Gegenstand unseres Sommercalls machen und rufen dazu explizit Ideengeschichtlicher*innen und Politische Theoretiker*innen zu Blogposts auf, die sich etwa mit folgenden Fragen beschäftigen: 

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Die normativen Normen und die kritische Kritik – eine Polemik

Bedeutet wissenschaftlicher „Pluralismus“ nichts weiter als ein Nebeneinander unterschiedlicher Positionen? Die Politikwissenschaft hat meist darauf verwiesen, dass sich politische Gegner zwar anerkennen können, aber nichtsdestotrotz Gegner bleiben. Agree to disagree – das heißt ja immer noch: disagreeing. Vielleicht hilft es, diese einfache Erkenntnis ab und zu auch auf die eigene Disziplin anzuwenden. Denn in letzter Zeit, so scheint es, hat sich in der deutschsprachigen Politischen Theorie und Ideengeschichte in Sachen Disagreeing eine gewisse Müdigkeit eingeschlichen. Nicht, weil man sich sonderlich einig wäre, sondern weil man offenbar akzeptiert hat, dass grundverschiedene Leute eben grundverschiedene Dinge tun. Aber würde sich das Streiten dann nicht umso mehr lohnen?

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Kongresssplitter: Theoriekongress v. Sektionstagung – Fight! 

Mit dem Theoriekongress hat in Bremen nicht nur eine sehr gut besuchte und äußerst lebendige Tagung stattgefunden, sondern wurde gleichzeitig auch ein innerhalb der DVPW-Sektion „Theorie und Ideengeschichte“ präzedenzloses Tagungsformat erprobt. Sektionsmitglieder mögen sich erinnern, dass die Kongress-Initiator:innen seinerzeit nicht wenig Überzeugungsarbeit leisten mussten, um Zustimmung für den Kongress und damit eine Abweichung vom tradierten Format der Sektionstagung zu gewinnen. Immerhin – und ein solches Sakrileg war zuvor allein durch den DVPW-Kongress zu rechtfertigen – sollte für dieses Experiment sogar eine Herbst-Sektionstagung ausfallen! Zweifellos erwartet uns also, nicht zuletzt mit Blick auf eine im Schlusswort zum Kongress von Martin Nonhoff bereits in den Raum gestellte Wiederholung dieses Experiments, zweifellos eine Debatte um Sinn und Unsinn des Formats ‚Theoriekongress‘, auch und gerade im Vergleich zum Format der ‚Sektionstagung‘. Warum also nicht – und so serviceorientiert kennen uns schließlich unsere Leser:innen – hier auf dem Theorieblog damit beginnen? (mehr …)

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Kongresssplitter: Die Ressource der Unsicherheit: Potential und Kritik

Zu Panel 2.E: Unsicherheit als Ressource: Konfliktive politische Praktiken und demokratische Politik in Zeiten der Ungewissheit–

Das Panel über „Unsicherheit als Ressource“ hatte sich die Aufgabe gestellt, das Fraglich-Werden von etablierten Wertungen und Beschreibungen weder direkt zu problematisieren noch einfach zu affirmieren. Weder ist, so der Ausgangspunkt, Unsicherheit nur beklagenswerter Bedeutungsverlust normativer Prinzipien und praktischer Gewissheiten noch allein begrüßenswerter Ausdruck fundamentaler Kontingenz. Dabei gilt es, wie in den Diskussionen deutlich wurde, mit Blick auf die Disziplin selbst, die theoretischen Konzeptionen demokratischer Politik damit zu konfrontieren, wie zufriedenstellend sie Diagnosen der Ungewissheit und Unsicherheit einholen können. Die Frage, wie Unsicherheit selbst als eine explizite Ressource der Demokratie begriffen werden kann, ist darüber manchmal offen geblieben.

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Kongresssplitter: „Uncertainty should be equally shared and distributed“: Von philosophischen Abstraktionen und geschichtsvergessenen Theoretisierungen

— Keynote von Sofia Näsström: Democracy and the Social Question–

“The future of democracy is more uncertain than ever.” Mit dieser Anrufung des Ungewissen verweist Näsström bereits zu Beginn ihrer Keynote auf das zentrale Thema des Theoriekongresses. Während siedie Soziale Frage in ihrer Keynote zentriert, begrenzt sich ihre Analyse auf normativ-hegemoniale Theoretiker*innen und verpasst somit die Möglichkeit, an machtkritische Theorien, historische Kämpfe sowie aktuelle politische Diskurse anzuschließen.

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Kongresssplitter: Über die Möglichkeitsbedingungen von Solidarität im Kontext von Alterität

— Panel 6E: Krisen der Solidarität. Radikaldemokratische Perspektiven —

Das von Michaela Bstieler und Sergej Seitz ausgerichtete Panel „Krisen der Solidarität. Radikaldemokratische Perspektiven“ verortete sich im Zusammenhang von Solidaritätsbeschwörungen im Kontext gegenwärtiger Krisen und Unsicherheitserfahrungen wie Klimawandel oder Flucht. Gleichzeitig bestand der Beitrag des Panels vor allem darin, das Spannungsfeld zwischen Alterität und Ähnlichkeit, zwischen Situiertheit und Universalismus, in dem Solidarität verhandelt wird, zu beleuchten. Dieser zweiten Dimension der Diskussion werde ich im Folgenden weiter nachgehen und die einzelnen Beträge stärker unter diesen Gesichtspunkten miteinander kommunizieren lassen, wofür ich die Reihenfolge der Beiträge umstelle. 

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Kongresssplitter: Das Stimmungstief vor dem Wiederbeginn der Geschichte

— Panel 5F: Affektivität der demokratischen Regression —

Wer über den Zustand politischer Ordnungen spricht, soll über die Befindlichkeit ihrer Bevölkerungen nicht schweigen. Aus ihren Gefühlslagen lassen sich nicht nur konjunkturelle Trends herauslesen. Eine gegenseitige Beeinflussung ist möglich, indem das Auf und Ab politischer Ordnungen Zuversicht, Sorgen, Ängste und Freuden hervorruft und gleichzeitig durch solche Gefühle beeinflusst wird. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich Emotionen zu Haltungen verstetigen und die Wahrnehmung von Politik in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft prägen. Wenn der Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er Jahren Diskussionen über Triumphalismus in liberalen Demokratien auslöste, ist es nur konsequent, heute düstere Stimmungsbilder in den Augenschein zu nehmen. Das Panel „Affektivität der demokratischen Regression“ lud dazu ein – mit stimmig ineinandergreifenden Vorträgen über Nostalgie, Melancholie und Verzweiflung.

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Kongresssplitter zum Theoriekongress: Vielfalt in Blogpostform

In der letzten Woche, vom 27. bis zum 29. September 2023, haben wir in Bremen den ersten deutschen Theoriekongress erlebt. Unter dem Titel „Politische Theorie in Zeiten der Ungewissheit / Political Theory in Times of Uncertainty“ fanden neben den Keynotes von Yves Sintomer und Sofia Näsström an drei Tagen 41 facettenreiche Panels statt, die die Breite der Politischen Theorie und Ideengeschichte abbildeten und zugleich den Austausch mit deutschen und internationalen Wissenschaftler:innen unterschiedlicher Nachbarfächer und -fachbereiche innerhalb und außerhalb der Politikwissenschaft förderten. Die über 250 Teilnehmenden diskutierten so teils in sieben parallel stattfindenden Panels … und beim anschließenden Kaffee in der Bremer Sonne.

Drei vollgepackte – bzw. um den Bremer Stadionsprecher zu Wort kommen zu lassen: „pickepackevolle“ – Kongresstage lassen sich nicht in einen Tagungsbericht gießen. Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, für den Theoriekongress das Format der Kongresssplitter von Soziopolis zu borgen. Heute und in den nächsten Tagen veröffentlichen wir jeweils kurze Texte, in denen 12 Autor*innen für uns jeweils ihr persönliches Schlaglicht auf ein Panel oder Thema des Kongresses werfen. Anspruch auf Vollständigkeit können wir damit natürlich nicht erheben, aber zumindest einzelne Schlaglichter auf das umfangreiche Programm werfen und auf diese Weise der Vielfalt der Tage in Bremen auch auf dem Blog ein wenig gerecht werden.

Eine Übersicht über die unterschiedlichen Kongresssplitter, die wir kontinuierlich aktualisieren, entsteht hier im Anschluss: (mehr …)

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Theoriekongress 2023 in Bremen – Anmeldung offen

Vom 27. bis zum 29. September 2023 findet in Bremen der erste deutsche Theoriekongress statt. Unter dem Rahmenthema „Politische Theorie in Zeiten der Unsicherheit“ erstreckt sich ein Programm mit mehr als 40 Panels aus den unterschiedlichen Bereichen der politischen Theorie und Ideengeschichte. Die Website zum Kongress inklusive des Programms sind online: https://www.uni-bremen.de/politische-theorie-in-zeiten-der-ungewissheit

Der Ablauf ist etwas anders als bei anderen regulären Sektionstagungen, deshalb folgende Informationen auch hier im Detail:

  1. Die Anmeldung ist geöffnet und erfolgt in diesem Fall über eine Anmeldemaske, die über die Kongresshomepage oder unter folgenden Links zu erreichen ist:
    https://www.uni-bremen.de/politische-theorie-in-zeiten-der-ungewissheit/anmeldung (deutsch) https://www.uni-bremen.de/en/politische-theorie-in-zeiten-der-ungewissheit/registration (englisch)Aufgrund von Raumkapazitäten ist die Anzahl der nicht-aktiven Teilnehmer:innen begrenzt. Das Organisationsteam empfiehlt entsprechend eine rasche Anmeldung (first come, first served). Die finale Anmeldefrist ist der 1. August.
  2. Es steht ein begrenztes Zimmerkontingent im Tagungshotel sowie in einem weiteren nahegelegenen Hotel zu Uni-Tarifen Verfügung. Der Buchungsschluss für diese Zimmer ist der 2. August. Mit der Anmeldebestätigung für den Kongress erhalten die Teilnehmenden detaillierte Informationen zu diesen Unterkunftsmöglichkeiten sowie die benötigten Codeworts.
  3. Schließlich zu Gebühren und Verpflegung: Der Kongress kann ohne Tagungsgebühren stattfinden. Zugleich können Kosten für Unterkunft und Anreise nicht übernommen werden.
    Wer mag, kann zudem kostenlos in der Universitätsmensa zu Mittag essen. Am Donnerstag (28. September) findet zudem ein Kongressdinner statt, an dem allerdings leider maximal 170 Menschen teilnehmen können. Aktive Teilnehmer:innen (Referent:innen, Panelorganisator:innen und -leiter:innen) haben dabei Vorrang. Die Kosten des Dinners werden durch die Konferenzorganisation übernommen, Getränke müssen individuell bezahlt werden. Die Anmeldung für die Mensaessen sowie für die Teilnahme am Kongressdinner erfolgt ebenfalls bei der Kongressanmeldung (erneut gilt: first come, first served).

Bei Fragen steht das Konferenzteam unter uncertain@uni-bremen.de zur Verfügung.

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