Die Geschichte der Begriffsgeschichte: Zwischen Historisierung und Begriffspolitik

2016 haben Falko Schmieder und Ernst Müller ein umfassendes kritisches Kompendium zum Thema Begriffsgeschichte und Historische Semantik im Suhrkamp Verlag herausgegeben. Für das Journal of the History of Ideas hat Jonas Knatz ausführlich mit einem der beiden Herausgeber gesprochen. Mit freundlicher Genehmigung des Journals veröffentlicht der Theorieblog heute eine deutschsprachige Kurzversion des umfangreichen Interviews:

Jonas Knatz (JK): Falko Schmieder, der Titel Ihres Buches lautet „Begriffsgeschichte und Historische Semantik“. Was ist die Beziehung zwischen Begriffsgeschichte und Historischer Semantik, was war die Motivation von Ihnen und Ernst Müller, ein Kompendium der Begriffsgeschichte zu erstellen und, wie Sie beide im Vorwort schreiben, die Methodologie der Begriffsgeschichte auf diese selbst anzuwenden? (mehr …)

Weiterlesen

Konferenz: Die Weimarer Republik als Ort der Demokratiegeschichte (Chemnitz)

Vom 13. bis 15. Juni 2019 veranstalten Alexander Gallus und Ernst Piper – unterstützt von der Bundeszentrale für Politische Bildung – in Chemnitz  eine Konferenz über „Die Weimarer Republik als Ort der Demokratiegeschichte“. Die Konferenz, die versucht einen „unvoreingenommenen Blick“ auf die Weimarer Republik und andere Demokratien der Zwischenkriegszeit zu wagen und sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob und inwiefern die Weimarer Republik nicht als ein zentraler, wenngleich streitbarer Ort der deutschen Demokratiegeschichte anzusehen ist, ist sicher für viele politische Theoretiker*innen hochinteressant. Sie richtet sich aber auch ganz explizit an eine breitere Öffentlichkeit. Die Teilnahme ist entsprechend kostenfrei. Um vorherige Anmeldung unter kontakt-theorie@phil.tu-chemnitz.de wird aber gebeten. Alle weiteren Infos zu Anmeldung und Teilnahme sowie das ausführliche Programm findet ihr auf der Website der Tagung.

Weiterlesen

Workshop „Hochschullehre in der Politischen Theorie und Ideengeschichte“ (Hamburg)

Mal wieder ein Hinweis für Kurzentschlossene: Am 10. und 11. Mai findet an der Universität Hamburg ein von Andreas Busen, Dannica Fleuß und Alexander Weiß organisierter Workshop zu „Hochschullehre in der Politischen Theorie und Ideengeschichte: Selbstverständnis, Praxis, Perspektiven“ statt. Neben eine Reihe von Vorträgen und Praxisberichten wird es dabei am Freitagabend auch ein Roundtable geben, bei dem Svenja Ahlhaus, Olaf Asbach, Gary Schaal und Frieder Vogelmann gemeinsam diskutieren. Das vollständige Programm findet sich hier. Wer dabei sein möchte, kann sich auch noch kurzfristig per Mail an dannica.fleuss@hsu-hh.de anmelden.

Weiterlesen

CfA: „Negative Anthropologie. Ideengeschichte und Systematik einer unausgeschöpften Denkfigur“

Lange Zeit stand der Ausdruck „Negative Anthropologie“ für den Titel von Ulrich Sonnemanns gleichnamigem Buch, das, 1969 erschienen, der Kritischen Theorie zugeordnet wird, ohne es in deren kanonisches Zentrum geschafft zu haben. Sonnemanns vom Zeitgeist der 68er beschwingte Kritik galt jeglicher Anthropologie und zielte, das berühmte Veto Adornos mit Gehlen als konkretem Gegner vor Augen programmatisch ausbuchstabierend, auf eine Negation von Anthropologie überhaupt. Ironischerweise hat der Begriff seine maßgebliche Prägung also durch ein irreführend betiteltes Buch erhalten, das auch eine Negative Anthropologie verwirft, da eine solche noch immer eine Anthropologie zu sein hätte. Sonnemanns Modell möchten wir in diesem Sammelband, der im Januar 2020 bei de Gruyter in der Reihe „Philosophische Anthropologie“ erscheinen soll, alternative Konzeptionen Negativer Anthropologie gegenüberstellen, und zwar unter systematischen und historischen Gesichtspunkten: (mehr …)

Weiterlesen

„Politische Stabilität“ in Bonn vom 14.-16. März

 

Update: Das vollständige Programm findet sich hier!

Die Frühjahrstagung der Sektion „Politischen Theorie und Ideengeschichte“ findet vom 14. – 16. März in Bonn statt; nun ist das vorläufige Programm öffentlich. Zum Thema „Politische Stabilität. Ordnungsversprechen, Demokratiegefährdung, Kampfbegriff“ und dessen demokratietheoretischen, internationalen, ideengeschichtlichen und normativen Dimensionen werden under anderem Regina Kreide, Frank Decker und Reinhard Mehring sprechen; den Abendvortrag zur „Stabilität durch Bewegung“ hält Philip Manow.

Anmeldungen an stabilitaet2018@uni-bonn.de sind bis zum 23. Februar erbeten. Es gibt auch die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Führung durch den Kanzlerbungalow nach Anmeldung. Das Programm mit allen Infos findet sich hier, außerdem gibt es eine Hotelliste für die Unterkunft in Bonn. Das Tagungskonzept ist im abgelaufenen Call for Papers nachzulesen.

 

Weiterlesen

CfA: Akademische Rätin/Akademischer Rat auf Zeit (Göttingen)

An der Universität Göttingen ist zum 01.04.2018 die Stelle einer/eines akademischen Rätin/Akademischen Rats auf Zeit zu besetzen. Die Stelle ist im Bereich Politische Theorie und Ideengeschichte bei Tine Stein angesiedelt und auf 3 Jahre befristet. Die Möglichkeit auf eine Verlängerung um weitere 3 Jahre besteht, der Lehrumfang beträgt 4 SWS. Bewerbungsschluss ist der 27.12.2017. Alle weiteren Infos findet ihr hier.

 

 

Weiterlesen

Tagung: Vermessungen einer Intellectual History der frühen Bundesrepublik

Im Rahmen des an der Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte der TU Chemnitz durchgeführten Projekts „Intellectual History der Bundesrepublik“ findet in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg und der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig vom 30.11.-01.12.2017 eine Tagung zum Thema „Vermessungen einer Intellectual History der frühen Bundesrepublik“ statt. Tagungsort ist Leipzig! Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Um eine vorherige Anmeldung unter sekretariat@saw-leipzig.de wird gebeten. Alle weiteren Infos und das Programm gibt es hier.

 

 

Weiterlesen

Ideengeschichte 2.0? Warum ein Mehr an Ansätzen und Methoden nicht auch schon ein Mehr an Methoden-Reflexion bedeuten muss

Andreas Busen startet seine Mitarbeit in unserem Theorieblog-Team mit einer Lesenotiz zu Timothy Goerings Band Ideengeschichte heute. Traditionen und Perspektiven (Bielefeld: transcript 2017). Willkommen in Team, Andreas!

Während man in der jüngeren Vergangenheit über ein Mangel an ideengeschichtlichen Arbeiten (auch im deutschsprachigen Raum) eigentlich nicht klagen konnte, erscheinen gleichzeitig nach wie vor nur sehr wenige Arbeiten über Ideengeschichte. Zugegebenermaßen: Gerade zu einzelnen ‚etablierten‘ Ansätzen wie der Cambridge School (Mulsow/Mahler 2010) oder der Begriffsgeschichte (Joas/Vogt 2010; Müller/Schmieder 2016) ist in den letzten Jahren im deutschsprachigen Raum einiges veröffentlicht worden. Darüber hinaus sind inzwischen hilfreiche Textsammlungen (Mahler/Mulsow 2014; Stollberg-Rilinger 2010) verfügbar, die den Zugang zu den einzelnen Ansätzen erleichtern und damit außerdem den herrschenden Methoden-Pluralismus in der Ideengeschichte sichtbar machen. Letzteres leisten schließlich auch zwei neuere Forschungsbände (Busen/Weiß 2013; Reinalter 2015) sowie eine sehr zu empfehlende und in dieser Form bisher einzigartige Einführung speziell in Methoden der Ideengeschichte (Weber/Beckstein 2014). Ein Desiderat bleibt allerdings immer noch eine systematische Bestandsaufnahme des angesprochenen Pluralismus ideengeschichtlicher Ansätze und Methoden, die diese hinsichtlich ihrer jeweiligen Ziele, Voraussetzungen und Anforderungen (sowie nicht zuletzt auch ihrer Entstehung und Geschichte) aufarbeitet und so auch eine vergleichende Perspektive eröffnet – aus der heraus Stärken und Schwächen einzelner Ansätze gegeneinander abgewogen werden können oder auch mögliche Kombinationen verschiedener Methoden sichtbar werden.

Umso vielversprechender ist es, dass nun mit Ideengeschichte heute eine Sammlung von neuen Beiträgen vorliegt, deren Anspruch in eben diese Richtung deutet. Konkret will sich der Band als „pointierte Diskussionsanregung“ verstanden wissen, die „unterschiedliche Impulse geben soll und über Ansätze (hauptsächlich aus dem anglo-amerikanischen Raum) informieren soll, die heute diskutiert werden und die für das Fach der Ideen- und Geistesgeschichte in Deutschland eine hohe Relevanz besitzen können und sollen“ (8). Als Ausgangspunkt fungiert dabei die zuletzt verschiedentlich artikulierte Beobachtung (etwa bei McMahon/Moyn 2014) eines allgemeinen Wiederauflebens der Ideengeschichte, die den Herausgeber Timothy Goering hier gar von einer „Ideengeschichte 2.0“ sprechen lässt. Dass ideengeschichtliche Forschung höchst lebendig ist und dabei eine beispiellose Auswahl an Ansätzen und Methoden aufzubieten hat, unterstreichen die in Ideengeschichte heute versammelten Beiträge nachdrücklich. Einen Beleg dafür, dass damit gleichzeitig auch schon ein neues methodologisches Reflexionsniveau erreicht ist, angesichts dessen tatsächlich einen Versionssprung gerechtfertigt sein könnte, bleibt der Band letztlich allerdings schuldig.

(mehr …)

Weiterlesen

CfA: Promotionsstelle zu Republikanismus

Am Deutschen Historischen Institut in Paris ist eine Promotionsstelle zu Republiken/Republikanismus ausgeschrieben. Das Projekt ist eher geschichtswissenschaftlich angelegt, aber sicher auch für die Ideengeschichtler unter den Theoretikern interessant. Bewerbungsschluss ist der 9. Juli, die Gespräch finden voraussichtlich am 18. Juli statt. Die Ausschreibung findet ihr hier als PDF.

Weiterlesen

Lesenotiz zu Philipp Erbentrauts „Theorie und Soziologie der politischen Parteien im deutschen Vormärz 1815-1848″

Foto: Mohr Siebeck

Langsam, doch spürbar rücken Parteien wieder in den Fokus der politischen Theorie. Die Auseinandersetzung reicht vom Phänomen der populistischen Parteien (Müller 2016, Jörke/Selk 2015) über Fragen des Parteienverbots (Rosenblum 2007, Niesen 2012) und der innerparteilichen Demokratie (Wolkenstein 2016) bis hin zu Versuchen der grundsätzlichen Neubestimmung des normativen Status von Parteien (Muirhead 2014, White/Ypi 2016). Philipp Erbentraut bereichert diese Debatte, indem er an ganz ähnlich gelagerte Auseinandersetzungen im deutschen Vormärz erinnert. Sein zweifacher Anspruch ist es, unser Bild vom politischen Denken des Vormärz zu revidieren und zugleich neue Impulse für die heutige Debatte zu gewinnen. Einer dieser Impulse, so möchte ich in Zuspitzung einiger Überlegungen von Erbentraut zeigen, entsteht, wenn man die vormärzliche Parteientheorie als Beitrag zum Verständnis demokratischer Transformationen deutet. (mehr …)

Weiterlesen