Tagungsbericht zur Göttinger DVPW-Sektionstagung: „Politische Grundbegriffe im 21. Jahrhundert“

Begriffe lassen sich als ein Fangnetz verbildlichen, das über die Wirklichkeit ausgeworfen wird, um ihre Phänomene verstandesmäßig ergreifen zu können. Ebenso wie beim Fischfang, bestimmt auch die ‚Maschenöffnung‘ des Begriffs darüber, wie groß die Gesamtheit der wesentlichen Merkmale ist, die in ihm zu einer gedanklichen Einheit zusammengeführt, mithin also von ihm ‚eingefangen‘ und ergriffen werden können. Es gehört zu den Aufgaben der Politischen Theorie und Ideengeschichte, erstens eben jene Begriffs-Netze selbst zu knüpfen oder diskursgeschichtlich zu rekonstruieren und für die Interpretation des Politischen sowie für die Konstruktion seiner Wirklichkeit zu erforschen und zweitens bereits geknüpfte Begriffs-Netze hinsichtlich ihrer Funktionsfähigkeit und Relevanz kritisch zu überprüfen. Ganz im Zeichen dieser komplexen Aufgaben stand auch die vom Arbeitsbereich Politische Theorie und Ideengeschichte der Georg-August-Universität Göttingen organisierte Tagung „Politische Grundbegriffe im 21. Jahrhundert“ Anfang Juni 2021. Ihr Ziel war es, „den besonderen Status von politischen Grundbegriffen sowie ihren Wandel im 21. Jahrhundert mit seinen spezifischen Herausforderungen zu untersuchen.“

Im Zentrum dieses Berichts steht die Frage, inwiefern die Tagung diesem ambitionierten Ziel gerecht geworden ist oder, in Anbetracht ihrer Gliederung, überhaupt gerecht werden konnte. Dabei dient die von Michael Freeden in seiner Keynote eingeführte analytische Differenzierung von Grundbegriffen der politischen Realität und Grundbegriffen der Politischen Theorie zur grundlegenden Strukturierung der Diskussion, kann sie doch als Minimalbedingung verstanden werden, um das Denken über Begriffe und mit Begriffen überhaupt adäquat durchführen zu können. Darauf wird weiter unten noch genauer einzugehen sein.  (mehr …)

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Zwei Veranstaltungen in Hamburg: Dante & Das Ende der Ideologiekritik

Am 12. und 13. Oktober bietet das Hamburger Institut für Sozialforschung zwei Veranstaltungen auch mit ideengeschichtlichem bzw. politiktheoretischem Bezug.
Zunächst steht am Dienstag, 12. Oktober, ab 19 Uhr im HIS die Frage „Was ist die Moderne?“ zur Diskussion und wird anhand von Achatz von Müllers neuem Buch Dante. Imaginationen der Moderne diskutiert.
Am Mittwoch, 13. Oktober, ebenfalls ab 19 Uhr im HIS, folgen ‚Erkundungen im Anschluss an Wolfgang Pohrt‘, die sich um die Frage nach einem möglichen Ende der Ideologiekritik drehen. Hier diskutieren Klaus Bittermann, Dietmar Dath und Jan Philipp Reemtsma.
Bei beiden Veranstaltungen gilt 2G und Maskenpflicht bis zum Sitzplatz. Weitere Informationen zu beiden Veranstaltungen gibt es online auf den Seiten des HIS oder auch nach dem Klick.

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Politische Theorie beim digitalen DVPW-Kongress 2021

Das Vorprogramm läuft und morgen beginnen auch die inhaltlichen Diskussionen des DVPW-Kongresses. Da das offizielle Programm 111 Seiten hat, wollen wir ein wenig Orientierung bieten und haben im Folgenden eine Liste mit Veranstaltungen für Theorieinteressierte zusammengetragen. Auch der Eisbär sieht aber manchmal vor lauter Panels wichtige theoretische Diskussionen nicht mehr. Deshalb postet gerne in den Kommentaren Veranstaltungen, die wir gegebenenfalls unbeabsichtigt übersehen haben. Wir versuchen, die Liste laufend zu aktualisieren.

Besonders hinweisen möchten wir – bevor es unten ans Inhaltliche geht – einerseits auf die unterschiedlichen Versammlungen, die im Verlauf des Kongresses stattfinden, darunter nicht zuletzt:

  • Mo, 16.30 –18 Uhr: Mitgliederversammlung der Sektion „Politische Theorie und Ideengeschichte“
  • Di, 11 –11.45 Uhr: Q-Versammlung (Versammlung der Wissenschaftler*innen in der Qualifikationsphase)
  • Di, 11.45 –12.30 Uhr: Frauenversammlung
  • Mi, 11 – 14 Uhr: DVPW-Mitgliederversammlung

Andererseits haben wir im Programm noch eine besondere Aktion entdeckt, auf die wir Euch gerne aufmerksam machen wollen und bei der wir uns natürlich über Eure Unterstützung unglaublich freuen würden: Pollux veranstaltet im Rahmen des DVPW-Kongresses die Wahl zum Politikwissenschafts-Blog des Jahres 2021. Verbreitet die Information und stimmt mit ab!
Der Link zur Abstimmung lautet:

https://pollux-fid.de/blog21

Die Stimmabgabe ist vom 14. September, 9 Uhr bis zum 16. September, 11 Uhr geöffnet. Der Gewinner-Blog wird am Donnerstag um 16 Uhr ausgezeichnet.

Und nun geht es ans Eingemachte: (mehr …)

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CfA W2-Professur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt theoretische und rechtliche Grundlagen der Politik (FU Berlin)

An der FU Berlin ist eine W2-Professur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt theoretische und rechtliche Grundlagen der Politik ausgeschrieben. Erwartet werden u.a. internationale Forschungsaktivitäten mit Schwerpunkt in den Bereichen „theoretische und rechtliche Grundlagen der Politik“, nachgewiesen durch begutachtete Publikationen, Erfahrungen in der Einwerbung und Durchführung von Drittmittelprojekten sowie Fähigkeit zur ideengeschichtlichen Vertiefung im Bereich „theoretische und rechtliche Grundlagen der Politik“. Die/der künftige Stelleninhaber*in soll sich an den Forschungsverbünden des Fachbereichs beteiligen, insbes. im Modul „Theorie, Ideengeschichte und Grundlagen der Politik“ im BA Politikwissenschaft und im Themenfeld „Theorie und Grundlagen der Politikwissenschaft“ im MA Politikwissenschaft lehren sowie sich mit Fragestellungen im Bereich Gender und Diversity in Forschung und Lehre beschäftigen.

Bewerbungen müssen bis zum 19.08. per Mail eingehen, alle weiteren Details und zusätzliche Informationen zur Ausschreibung finden sich hier.

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Call for Blogposts: Sorge

Nach der positiven Resonanz der vergangenen drei Jahre schreibt der Theorieblog diesen Sommer zum dritten Mal einen Call for Blogposts aus. Nach „Heimat“ (2018), „Solidarität“ (2019) und „Neuanfang“ (2020) freuen wir uns in diesem Jahr über eure Ideen und Beiträge zum Thema „Sorge“.

Wir leben in einer Zeit der Sorge: Seit 2019 bringen Fridays for Future mit großer Kraftanstrengung die Vulnerabilität des Klimas und damit die Dringlichkeit von entsprechenden Klimaschutzmaßnahmen in die Mitte des öffentlichen Bewusstseins. Mit der seit 2020 andauernden COVID-19-Pandemie rücken nun zahlreiche weitere Bereiche in den Fokus: Deutlich wird die chronische materielle wie personelle Unterversorgung der Pflege von Alten und Kranken – gleiches gilt zunehmend auch für Kindergärten und Schulen. Auch die teilweise höchst zermürbende Situation von Familien zwischen Erwerbs- und Reproduktionsarbeit erhält in der Krise deutlich mehr Aufmerksamkeit: Klagen, die eine Ökonomisierung der Familien-, Pflege- und Gesundheitspolitik schon seit einigen Jahren anprangern, mischen sich nun vermehrt mit breiten gesellschaftlichen Sorgen.

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Tagung: Democracy and Gender

Im Mai findet eine von Clara Maier (Berlin) and Hedwig Richter (München) organisierte Online-Tagung zum Thema Democracy and Gender. The Legitimation of Power in Modern Societies statt. Das Programm ist dezidiert interdisziplinär angelegt und enthält politikwissenschaftliche, historische und politiktheoretische Beträge. Barbara Stollberg-Rilinger und Georgina Waylen halten die Keynotes. Ein ausführliches Programm findet ihr hier. Um eine kurze Anmeldung bei Nicole Höner (nicole.hoener@unibw.de) wird gebeten.

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Promotionsstellen in Hamburg: „Geschichte der Euroskepsis“

Das Hamburger Institut für Sozialforschung (HIS) schreibt zwei Promotionsstellen zu Anfang April aus, die auch für Politiktheoretiker*innen insbesondere mit ideenhistorischem Schwerpunkt interessant sein könnten – und zwar in einem Verbundprojekt des BMBF zur Geschichte der Euroskepsis. Bewerbungsschluss ist der 31.1.; alle Infos inklusive eines Bewilligungsvorbehaltes finden sich nach dem Klick.  (mehr …)

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CfA: 2 Promotionsstellen in Greifswald

Das  interdisziplinäre Graduiertenkolleg „Ostsee-Peripetien. Reformationen, Revolutionen, Katastrophen“ an der Universität Greifswald schreibt zwei Promotionsstellen im Umfang von 65%  für das Fach Politikwissenschaft aus. Eine der beiden Stellen soll ausdrücklich mit einer Politischen Theoretiker*in und/oder Ideengeschichtler*in besetzt werden. Bewerbungen sind bis zum 28.01.2021 möglich. Alles Weitere zur Stellenausschreibung sowie zum Kolleg findet ihr hier. Bei Fragen kann sich auch direkt an Hubertus Buchstein (buchstei@uni-greifswald.de) gewendet werden.

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Eine Geschichte der theoriepolitischen Gegenwart: Lesenotiz zu Katrina Forresters „In the Shadow of Justice – Postwar Liberalism and the Remaking of Political Philosophy“

Auf Tagungen diesseits und jenseits des Atlantiks läuft die Historisierung von John Rawls (1921-2002) derzeit auf Hochtouren. Kaum eine Intervention ist dabei ohne theoriepolitisches Anliegen: eingefleischte AnhängerInnen versuchen, Rawls endgültig als große Figur der Ideengeschichte vom Range eines Hobbes, Locke oder Kant zu etablieren und damit auch ihre eigene intellektuelle Abstammung aufzuwerten. KritikerInnen hingegen können es kaum erwarten, die Hegemonie des Rawlsschen Paradigmas zu durchbrechen, indem sie es historisch kontextualisieren und damit auch relativieren. Vor dem Hintergrund dieses Spannungsfelds hat Katrina Forrester nun mit In the Shadow of Justice – Postwar Liberalism and the Remaking of Political Philosophy eine vielbeachtete Monographie vorgelegt, die erstmals systematisch und mit großem Detailreichtum sowohl die Entstehung von Rawls Theorie der Gerechtigkeit rekonstruiert als auch dessen Aufstieg zu unbestrittener Dominanz in der (anglophonen) politischen Theorie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wie Forrester u.a. auch beim theorieblog erläutert, fragt sie dabei nicht nur, wie Rawls und ein nach ihm geformter Egalitarismus es geschafft hat, die (liberale, anglophone) politische Philosophie über Generationen hinweg zu dominieren, sondern auch, was dessen andauernde Dominanz für unseren gegenwärtigen intellektuellen und politischen Moment bedeutet.

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Die Geschichte der Begriffsgeschichte: Zwischen Historisierung und Begriffspolitik

2016 haben Falko Schmieder und Ernst Müller ein umfassendes kritisches Kompendium zum Thema Begriffsgeschichte und Historische Semantik im Suhrkamp Verlag herausgegeben. Für das Journal of the History of Ideas hat Jonas Knatz ausführlich mit einem der beiden Herausgeber gesprochen. Mit freundlicher Genehmigung des Journals veröffentlicht der Theorieblog heute eine deutschsprachige Kurzversion des umfangreichen Interviews:

Jonas Knatz (JK): Falko Schmieder, der Titel Ihres Buches lautet „Begriffsgeschichte und Historische Semantik“. Was ist die Beziehung zwischen Begriffsgeschichte und Historischer Semantik, was war die Motivation von Ihnen und Ernst Müller, ein Kompendium der Begriffsgeschichte zu erstellen und, wie Sie beide im Vorwort schreiben, die Methodologie der Begriffsgeschichte auf diese selbst anzuwenden? (mehr …)

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