CfP: Hannah Arendt und Straßenproteste

Für ihre 13. Ausgabe sucht die Zeitschrift HannahArendt.net  Beiträge die Hannah Arendts Denken mit dem Thema „Straßenprotest“ in Verbindung bringen, entweder mit Bezug auf spezifische Fälle von Protest oder mit Blick auf die phänomenologische und kritische Struktur der Proteste. Themen wie: Räume des Protests, Sprache/Gegensprache, Gewalt/Gewaltlosigkeit, Verkörperung, Solidarität und Kollektivität sind einige, aber nicht alle möglichen Ansatzpunkte, um Straßenproteste mit Hannah Arendt zu theoretisieren. Abstracts im Umfang von max. 500 Wörtern können noch bis zum 10. Dezember 2022 an wolfgang.heuer@gmx.de oder maria.robaszkiewicz@upb.de geschickt werden. Zur Publikation angenommene Beiträge sollen bis 31. März 2023 eingereicht werden. Den ausführlichen Call mit vielen weiteren Infos findet ihr hier.

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2. Interdisziplinäre Antisemitismustagung für Nachwuchswissenschaftler*innen

Vom 12. bis 14. Oktober 2022 findet die „2. Interdisziplinäre Antisemitismustagung für Nachwuchswissenschaftler:innen” an der Universität Trier statt. Organisiert wird die Veranstaltung von der Initiative Interdisziplinäre Antisemitismusforschung. Die Veranstaltung widmet sich neben theoretischen und historischen Aspekten auch aktuellen Erscheinungsformen des Antisemitismus (mehr …)

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Natan Sznaiders Fluchtpunkte der Erinnerung und eine Ethik des Gedenkens

Die gegenwärtigen Erinnerungsdebatten sind oft zersplittert und unübersichtlich. Ausstellungen, Namensgebungen, Statuen – Diskussionen über Themen der Erinnerung gehen oft über Wochen und Monate durch die Medien. Durch eine multidimensionale Ethik des Gedenkens könnten diese Debatten in eine bessere Ordnung gebracht werden. Zu diesem Resümee kann man kommen nach der Vorstellung von Natan Sznaiders sehr lesenswertem Buch „Fluchtpunkte der Erinnerung“ im Literaturhaus in Stuttgart am 22. Juli 2022. Es war eine bemerkenswerte Veranstaltung, moderiert von Matthias Bornuth, als Teil der Serie Schreiben in Entzauberten Zeiten, die seit Herbst 2020 läuft. (mehr …)

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Portal „HannahArendt.net“ sucht Rezensent*innen

Update: Alle Bücher sind vergeben!

HannahArendt.net sucht für die Ausgabe 2022 nach Rezensent*innen für folgende Bücher:

  • Andrea Schüller, Möglichkeiten und Grenzen des Gewissensbegriffs bei Hannah Arendt, Fernuni Hagen 2021.
  • Héla Hecker, Berührbarkeit als conditio humana Emotionale Phänomene in Hannah Arendts politischem Denken, Transcript 2021.
  • Kathrin Morgenstern: „Einer wird immer bleiben, um die Geschichte zu Erzählen.“ Die narrative Verfasstheit von Hannah Arendts Politischer Philosophie. Lehmanns, 2019.
  • Agatha Frischmuth, Nichtstun als politische Praxis: Literarische Reflexionen von Untätigkeit in der Moderne, Transcript 2021.
  • Günther Anders, Der Emigrant (mit Nachwort von Florian Grosser), München: Beck 2021.
  • Barbara Cassin, Nostalgie: Wann sind wir wirklich zuhause? Berlin: Suhrkamp 2021.

Die Rezensionen sollen zwischen 750 und 1.500 Worten umfassen und bis 31. August 2022 eingereicht werden. Sie sollen sowohl eine Zusammenfassung als auch eine Bewertung des rezensierten Buches beinhalten. Interessierte melden sich bitte bei wheuer@zedat.fu-berlin.de oder maria.robaszkiewicz@upb.de.

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Hannah Arendt Tage 2021 in Hannover: „Start Doing“

Unter dem Titel Start Doing“ – Unsere Verantwortung für die Zukunft finden vom 12. bis zum 16. Oktober in Hannover die Hannah Arendt Tage 2021 statt. Bei dieser, u.a. vom Institut für Politikwissenschaft der Leibniz Universität organisierten, Veranstaltung steht die Frage im Mittelpunkt „Ist eine klimagerechte und nachhaltige Welt noch möglich?“. Das Programm umfasst Vorträge unterschiedlicher Disziplinen, Filmbeiträge z.B. über Fridays for Future , Lesungen, Konzerte und Diskussionen. Nicht zuletzt spricht Maria Robaszkiewicz unter dem Titel „Mit Hannah Arendt über das Wetter sprechen und handeln“. Alle weiteren Infos zum Programm und zur Organisation finden sich online sowie hier im Flyer.

 

 

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Call for Blogposts: Sorge

Nach der positiven Resonanz der vergangenen drei Jahre schreibt der Theorieblog diesen Sommer zum dritten Mal einen Call for Blogposts aus. Nach „Heimat“ (2018), „Solidarität“ (2019) und „Neuanfang“ (2020) freuen wir uns in diesem Jahr über eure Ideen und Beiträge zum Thema „Sorge“.

Wir leben in einer Zeit der Sorge: Seit 2019 bringen Fridays for Future mit großer Kraftanstrengung die Vulnerabilität des Klimas und damit die Dringlichkeit von entsprechenden Klimaschutzmaßnahmen in die Mitte des öffentlichen Bewusstseins. Mit der seit 2020 andauernden COVID-19-Pandemie rücken nun zahlreiche weitere Bereiche in den Fokus: Deutlich wird die chronische materielle wie personelle Unterversorgung der Pflege von Alten und Kranken – gleiches gilt zunehmend auch für Kindergärten und Schulen. Auch die teilweise höchst zermürbende Situation von Familien zwischen Erwerbs- und Reproduktionsarbeit erhält in der Krise deutlich mehr Aufmerksamkeit: Klagen, die eine Ökonomisierung der Familien-, Pflege- und Gesundheitspolitik schon seit einigen Jahren anprangern, mischen sich nun vermehrt mit breiten gesellschaftlichen Sorgen.

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Lesenotiz zu Hannah Arendts „Rahel Varnhagen. Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin“

Lesenotiz zu Hannah Arendt: Rahel Varnhagen. Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin / The Life of a Jewish Woman (= Kritische Gesamtausgabe/Complete Works. Critical Edition, Bd. 2, Göttingen 2021).

Eine der ungewöhnlichsten biographischen Erzählungen und das intimste Buch Hannah Arendts: Rahel Varnhagen. Lebensgeschichte einer deutschen Jüdin ist soeben als Band 2 der Kritischen Gesamtausgabe erschienen. Es ist ein schöner Zufall, dass das Buch von Arendt – einer deutsch-jüdischen politischen Theoretikerin – über das Leben von Rahel Varnhagen – einer deutsch-jüdischen Salonnière und Schriftstellerin – in dem Jahr neu erscheint, in dem 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland begangen werden. Nach The Modern Challenge to Tradition: Fragmente eines Buchs (2018) und Sechs Essays. Die verborgene Tradition (2019) ist der Rahel-Band – unter der Leitung von Barbara Hahn – die dritte Buchveröffentlichung des Projekts.  (mehr …)

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Call for Blogposts: Neuanfang!?

Nach dem durchschlagenden Erfolg in den vergangenen beiden Jahren schreibt der Theorieblog diesen Sommer zum dritten Mal einen Call for Blogposts aus. Nach „Heimat“ (2018) und „Solidarität“ (2019) freuen wir uns dieses Jahr über eure Ideen und Beiträge zum Thema „Neuanfang“.

Initium ut esset, creatus est homo – damit ein Anfang sei, wurde der Mensch geschaffen“ zitiert Hannah Arendt Augustinus am Ende ihrer berühmten Studie Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Damit setzt sie zugleich den stur-optimistischen Ton, der ihr gesamtes Denken unerschütterlich durchziehen wird: Trotz allem – d.h. in Arendts Fall: trotz des Zivilisationsbruchs im 20. Jahrhundert, trotz zunehmender Weltentfremdung, trotz ökonomischer Imperative und anderer Handlungsbeschränkungen: Ein (politischer) Neuanfang ist immer möglich!

Das von Arendt in der politischen Theorie etablierte Theorem das Neuanfangs hat jüngst – auch über die akademische Debatte hinaus – eine gleichsam tagesaktuelle Dringlichkeit bekommen. Denn angesichts der Corona-Krise stellt sich in der politischen Theorie wie in der zivilgesellschaftlichen Diskussion die Frage nach dem Neuanfang erneut. Braucht es nach der globalen Pandemie einen politischen, gesellschaftlichen und/oder ökonomischen Neuanfang?  Müssen wir die Art, wie wir gesellschaftliches Zusammenleben organisieren neu überdenken? (mehr …)

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Kontaktverzicht als Risiko und als Chance

Die Vermeidung sozialer Kontakte ist das wirksamste Mittel, um die Ausbreitung der Corona-Epidemie einzudämmen. Das Beispiel China zeigt dies deutlich. Deutsche Politikerinnen und Politiker haben deshalb recht, wenn sie – wie letzten Donnerstag Angela Merkel – in klaren Worten fordern, „dass, wo immer es möglich ist, auf Sozialkontakte verzichtet werden soll“. Aber was bedeutet es eigentlich für eine Gesellschaft, wenn zwischenmenschliche Kontakte auf ein Minimum begrenzt werden? Was sind die Konsequenzen, wenn die Räume, in denen sich Menschen physisch begegnen können, geschlossen werden?

Soziale Kontakte haben offensichtlich große Bedeutung für das politische Leben. Ohne sie fehlt der Gesellschaft ein wichtiges Medium des Austauschs, durch das unterschiedliche Ansichten und Meinungen in Kontakt kommen. Schon die altgriechischen Philosophen gingen davon aus, dass der Mensch ein Herdenwesen, ein „zoon politikon“, ist. Ohne den Kontakt zu anderen war man für sie als Mensch gar kein Mensch mehr, sondern ein Tier – oder ein Gott.

In der Politikwissenschaft hat vor allem eine Denkerin die Bedeutung sozialer Kontakte ins Zentrum ihrer Theorie gestellt: Hannah Arendt. Für Arendt war der Verlust von öffentlichen Räumen des Zusammenseins ein wesentlicher Teil der Krise des 20. Jahrhunderts, die in den Totalitarismus mündete. Isolation und Verlassenheit machten die Menschen in einer Massengesellschaft instabil und verführbar. Hitler und andere totalitäre Herrscher nutzten geschickt diese Verlassenheit, um das Gegenbild einer Gesellschaft attraktiv zu machen, in dem der Mensch vollständig in der „Bewegung“ aufgehen würde. Arendt hat klar erkannt, dass das totalitäre Gesellschaftsbild auf einem falschen Versprechen beruht. Die sozialen Kontakte, die in totalitären Bewegungen die Menschen aneinanderbinden, basieren letztlich auf Terror und Angst. Soziale Kontakte finden im Totalitarismus nur unter der Prämisse des Misstrauens statt. Niemand kann mit Sicherheit wissen, ob der andere nicht in Wirklichkeit ein Spion oder eine Verräterin ist. Überall werden krankhafte Geschwüre und Feinde vermutet.

Aus der Perspektive Arendts ist die gegenwärtig notwendige Kontaktverzicht dennoch nicht nur Risiko, sondern auch Chance. Arendt ging nicht davon aus, dass wir als Menschen ständig mit anderen Menschen zusammen sein sollten. Als Zustand unterschied sie die isolierte Verlassenheit von einer sozial „reichen“ Einsamkeit. Die Studie „Ursprünge und Elemente totaler Herrschaft“, die Arendt berühmt gemacht hat, endet mit einer Überlegung zu genau dieser Unterscheidung. Im Gegensatz zur Verlassenheit ist die Einsamkeit ein Zustand, den wir als Menschen dringend brauchen. Wenn wir in die Einsamkeit gehen, ziehen wir uns zwar auch aus dem Raum zwischenmenschlichen Zusammenseins zurück. Aber wir tun dies nicht aus Angst oder Notwendigkeit, sondern um uns selbst zu begegnen. Einsamkeit ist gewissermaßen ein Gespräch mit uns selbst.

Der Verzicht auf Sozialkontakte ist nicht an sich gefährlich oder problematisch. Zwar hat der nun gebotene Rückzug vordergründig viel mit Angst und Notwendigkeit zu tun. Schließlich geschieht er, um die Ausbreitung einer Pandemie einzudämmen. Aber im Kontaktverzicht schlummert auch das Potenzial der Befreiung. In Zeiten voller Terminkalender, langer To Do-Listen und beständigen Termindrucks ist sowieso wenig Raum für intensive soziale Begegnung. Durch den Verzicht kann so Raum für Momente der Ruhe und „reichen“ Einsamkeit – für das Zusammensein mit uns selbst – entstehen.

Für Arendt ist das größte Problem der Krise des 20. Jahrhunderts nicht eine staatlich verordnete Kontaktsperre, sondern die Beschleunigung von Arbeit und Konsum. In ihrer Analyse der Tätigkeitsformen, die in der Moderne vorherrschen („Vita activa oder Vom tätigen Leben“), kam Arendt zu dem Schluss, dass die moderne Zeit dem „animal laborans“, d.h. dem Arbeiten für den Konsum, die Priorität einräumt. Nicht das Zusammenhandeln, durch das wir uns als Individuen erfahren, sondern das „Produzieren um zu konsumieren“ ist die charakteristisch moderne Tätigkeitsform. Genau deshalb geraten zwischenmenschliche Kontakte, die nicht dem Diktat von Produktivität und Leistung entsprechen, in der modernen Massengesellschaft unter Druck.

Der nun gebotene Kontaktverzicht bietet die Chance, unsere Prioritäten zu überdenken. Arbeit und Konsum sind nötig, um den täglichen Lebensunterhalt zu sichern. Sie sollten die Lebensgrundlage aller Menschen sicherstellen. Aber sie sind kein Selbstzweck. Am Ende hängt unser Glück nicht von der Anzahl produzierter und konsumierter Güter oder Dienstleistungen ab, sondern von Momenten des bedeutungsvollen Zusammenseins mit anderen Menschen. In Zeiten des verordneten „Home Office“ sind Überstunden und ausgedehnte Shopping-Trips vielleicht einfach weniger attraktiv. So kann der Raum für eine „reiche“ Einsamkeit entstehen, die unsere von Termindruck und Produktivitätsmaximen arg gebeutelten sozialen Kontakte nicht stören, sondern im Gegenteil sogar beleben wird.

Sebastian Schindler ist Akademischer Rat auf Zeit am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft der LMU München. Dort befasst er sich mit der Aufgabe von Kritik in Zeiten der post-faktischen Politik und hat kürzlich sein Buch Clausewitz zur Einführung abgeschlossen.

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Vortragsreihe „Rechtskritik als Gesellschaftstheorie“ (Berlin)

In der Vortragsreihe „Rechtskritik als Gesellschaftstheorie“ am Arbeitsbereich Politik und Recht an der FU Berlin finden in diesem Semester zwei Vorträge statt. Der erste steht in dieser Woche an: Am 13. Juni spricht Sophie Loidolt zu „Hannah Arends Phänomenologie der Pluralität“. Am 2. Juli hält Ulrich K. Preuß einen Vortrag über „Die staatliche Neuordnung Europas durch die Pariser Friedenskonferenz 1919: Das Selbstbestimmungsrecht der Völker“. Beide Vorträge finden von 18 bis 20 Uhr im Hörsaal A des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft statt. Weitere Infos zu den Vorträgen sowie zu der Vortragsreihe gibt es hier.

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