Hannah Arendt

Debatte

Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776, wiedergelesen. Zum 250. Jahrestag der Declaration of Independence

Wir freuen uns zum 250. Jubiliäum der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung den ersten von drei Beiträgen zu präsentieren, die sich aus ihrer Perspektive mit dem Thema Unabhängigkeit auseinandersetzen. Den Einstieg macht Prof. em. Manfred Brocker, der für uns die Declaration of Independence wiedergelesen und kommentiert hat. 

Am 4. Juli 1776 nahm der Zweite Kontinentalkongress in Philadelphia die Unabhängigkeitserklärung der dreizehn vereinigten nordamerikanischen Kolonien an. Mit ihrer Abfassung war ein fünfköpfiger Ausschuss betraut, doch die eigentliche Feder führte Thomas Jefferson, der den Entwurf binnen weniger Wochen niederschrieb; Benjamin Franklin und John Adams steuerten nur kleinere Korrekturen bei, der Kongress strich und schärfte nach. Jefferson schöpfte unverkennbar aus dem Denken John Lockes, dessen Zweite Abhandlung über die Regierung (1689) die Lehre von den natürlichen Rechten der Menschen, vom Gesellschaftsvertrag und vom Widerstandsrecht bereitgestellt hatte. …

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Workshop: Die Politik der politischen Theorie, 02.-03.07.2026, Berlin.

Vom 02. – 03. Juli wird am Centre Marc Bloch in Berlin über die „Politik der politischen Theorie“ diskutiert um die drei zentralen Autor:innen Karl Marx, Hannah Arendt und Michel Foucault. Ausgegangen wird von der Beobachtung, dass sich in letzter Zeit Forschungen häufen, die eine genuin politische Geschichte politischen Denkens schreiben. So wird z.B. das Marx’sche Denken zunehmend nicht distanziert theoretisch, sondern konkret als „Kritik im Handgemenge“ betrachtet. Arendts widersprüchliches Ringen um eine der Pluralität verpflichtete politische Theorie erscheint in solch einer Perspektive als „Streit“. Und kulturkritische Anstrengungen französischer Theorien wie die Foucaults können sich mit einem derartigen Zugriff geradezu als (post-) koloniale Geopolitik erweisen.
Der Workshop bringt Wissenschaftler:innen zu den drei genannten Autor:innen zusammen, die sich zuletzt um die Rekonstruktion von deren Politiken oder ihrer politischen Kontexte bemüht haben. Ziel ist es, durch die Einblicke in die verschiedenen Forschungen zugleich übergreifende methodische und theoretische Probleme herauszuarbeiten und zu diskutieren.

Mehr Infos sind dem Plakat  sowie dem Programm zu entnehmen. Anmeldungen sind erwünscht. Link dazu auf dem Plakat

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Workshop: Aufweisendes Denken – Aufweisendes Handeln. Philosophische Perspektiven auf politische Narration und demokratische Präfiguration, 21.–22.01.2027, Berlin.

Vom 21.–22.01.27 veranstalten Stefan Herrmann und Sergej Seitz den Workshop „Aufweisendes Denken – Aufweisendes Handeln“ in Berlin. Dort sollen narrative und rhetorische Formen politischen Handelns, eben als „aufweisendes“ gegenüber diskursiv begründendem Handeln, in den Mittelpunkt gerückt werden. Als weiteren Schlüsselbegriff aufweisenden Handelns begreifen sie ‚Präfiguration‘ im Sinne einer narrativ-kreativen Formulierung von politischen Zukunftsvorstellungen. Theoretische Referenzrahmen für eine solche Perspektive könnten eine politische Phänomenologie, die Kritische Theorie, postfundamentalistische Ansätze sowie analytische Epistemologien bilden.

Abstracts von ca. 300 Wörtern können bis zum 31.07.26 bei Stefan Herrmann (stefan.herrman(at)fernuni-hagen.de) und Sergej Seitz (sergej.seitz(at)univie.ac.at) eingereicht werden. Die Beiträge sollen überdies in einem Special Issue einer einschlägigen Zeitschrift veröffentlicht werden. Einen detaillierten Call und weitere Informationen gibt es hier.

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Hannah-Arendt-Preis 2025 für Seyla Benhabib

Der Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken 2025 geht an Seyla Benhabib. Die Preisverleihung findet am 9. Dezember 2025 um 19 Uhr im Bremer Rathaus statt und wird – am darauffolgenden Tag – von einem Symposium begleitet. Beide Teile der Veranstaltung sind öffentlich. Zum Programm und zur Anmeldung zur Preisverleihung geht’s hier. Eine Anmeldung zum anschließenden Symposium „Die Zukunft der Demokratie in autoritären Zeiten“ ist hier möglich.

Debatte, ZPTh-Debatte

Ist Hannah Arendt eine überzeugte Demokratin? Eine Replik auf Tobias Albrecht

Ich danke der Theorieblog-Redaktion für die Auswahl meines Beitrages und ganz besonders Tobias Albrecht für seine anregend-wohlwollende Auseinandersetzung mit meinem kleinen Text über Motive der Demokratiekritik bei Nietzsche und Arendt. Bevor ich mich mit Albrechts klugen Einwänden beschäftige, möchte ich mit einer kurzen Vorbemerkung über die Arendt-Rezeption in Deutschland starten. Sie soll zeigen, dass hierzulande eine „Verklärung und Glorifizierung“ (S. 467) Arendts erfolgt, die den Blick auf ihr tatsächliches politisches Denken immer mehr verstellt. 

Debatte, ZPTh-Debatte

Demokratiekritische Motive bei Hannah Arendt – Dirk Jörkes ZPTh-Artikel in der Diskussion

Vor Kurzem ist die neue Ausgabe der Zeitschrift für Politische Theorie erschienen! Das von Grit Straßenberger und Harald Bluhm herausgegebene „Jubiläumsheft zum 50. Todestag von Hannah Arendt: Nietzsche im politischen Denken von Arendt“ versammelt eine ganze Reihe an Beiträgen rund um Arendts Auseinandersetzungen mit Nietzsche: Reinhard Mehring untersucht Arendts Bezüge auf Nietzsche vor dem Hintergrund der Nietzsche-Rezeption von Karl Jaspers, und Marcus Llanque beleuchtet in seinem Artikel Arendts Perspektive auf Nietzsche „mit und gegen Martin Heidegger“. Hans-Peter Müller liest Nietzsches und Arendts Konzepte der Massengesellschaft mit Simmel und Weber. An der Umgangsweise mit dem Traditionsbruch zeigt Jürgen Förster grundlegende Gegensätze im politischen Denken von Arendt und Nietzsche auf, und Matthias Bohlender diskutiert in seinem Beitrag das Verhältnis von Freiheit, Befreiung und Herrschaft bei Nietzsche und Arendt. Dass Judith N. Shklars kritische Auseinandersetzung mit Arendt maßgeblich von ihrem Blick auf Nietzsche geprägt ist, zeigt schließlich Rieke Trimcev in ihrem Beitrag zum Themenschwerpunkt.

Neben diesen Beiträgen zum Schwerpunkt enthält das Heft außerdem noch eine Abhandlung von Lucas von Ramin zum Thema Ostdeutschland und dem Streit um Identitätspolitik sowie ein Interview von Manuel Kautz mit Christina Lafont und Nadia Urbinati über ihre Kritik an lottokratischen Demokratietheorien. Zudem beschäftigt sich Wilfried Heise unter der Rubrik „Wiedergelesen“ mit Helmuth Plessners „Grenzen der Gemeinschaft“. Das Heft schließt mit einem Nachruf auf Ingeborg Maus von Oliver Eberl.

Dirk Jörkes Aufsatz zu Nietzscheanischen Argumentationsfiguren in der Demokratiekritik Arendts gehört ebenfalls zum aktuellen ZPTh-Themenschwerpunkt. Wir freuen uns, dass wir ihn im Rahmen unserer bewährten Zusammenarbeit mit der ZPTh kostenlos zum Download zur Verfügung stellen können – und dass unser Redaktionsmitglied Tobias Albrecht die ZPTh-Debatte auf dem Theorieblog mit seinem Kommentar eröffnet. Dirk Jörke wird später in Form einer Replik darauf antworten. Los geht’s heute mit dem Kommentar von Tobias Albrecht:

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CfA: Hannah Arendt und die Öffentlichkeit in Zeiten multipler Krisen

HannahArendt.net – Zeitschrift für politisches Denken organisiert im diesjährigen Todesjahr von Arendt einen Themenschwerpunkt mit dem Titel „Öffentlichkeit in Zeiten multipler Krisen“. Arendt versteht Öffentlichkeit als den Raum, in dem eine Pluralität unterschiedlich positionierter Menschen in Erscheinung tritt, miteinander handelt und spricht, um ein Gemeinsames zu verhandeln. Angesichts der gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen soll Arendts Begriff von Öffentlichkeit neu ausgelotet werden.

Der geplante Themenschwerpunkt lädt zu Beiträgen ein, die Arendts Begriff der Öffentlichkeit theoretisch, historisch oder im Hinblick auf gegenwärtige Krisenerfahrungen befragen und weiterdenken. Abstracts können bis zum 15. Dezember 2025 eingereicht werden. Mehr Informationen sind hier zu finden.

Debatte

Fanon Schwerpunkt: „Wacht auf, Verdammte dieser Erde.“ Frantz Fanon zur radikalen Imagination in Gewalt und Tanz

„Es schien mir nur furchtbar viel auf dem Spiel zu stehen.“ Diese Worte schreibt Fanon in einem Brief an seinen Verleger im Mai 1961 – Anfang Dezember erscheint Die Verdammten dieser Erde, nur wenige Tage später stirbt Fanon (Cherki 2011, 246). Das Buch ist ein letzter Appell, ein Warnruf, den Fanon an seine Weggefährt:innen im algerischen Befreiungskampf richtet. Er fürchtet die Machtlust einer neu entstehenden nationalen Bourgeoisie, die die kolonialen Herrschaftsstrukturen lediglich neu besetzen und die manichäische Welt weiterführen würde (Cedric Robinson (2019)betont dies in seiner Kritik an der frühen Fanon-Rezension in den Kulturwissenschaften und post-kolonialen Studien). Fanon pocht auf die Notwendigkeit einer zukunftsgerichteten Imagination einer freien Nation (im Sinne einer ‚radikalen Imagination‘ in Cornelius Castoriadis‘ parlé), die er mehr und mehr hinter politischen Intrigen und der naiven Sehnsucht nach einem ursprünglichen, authentischen Algerien verblassen sieht. Während Fanon besonders im europäischen Kontext herangezogen wird, um gewaltsamen Widerstand zu verstehen, gar zu rechtfertigen, darf nicht außer Acht gelassen werden, dass für Fanon die (gewaltsame) Befreiung aus kolonialer Herrschaft nicht mit der Emanzipation eines Volkes gleichzusetzen ist. Im Folgenden möchte ich daher den Fokus auf die Rolle radikaler Imagination in Fanons politischen Schriften legen, denn damit lässt sich das politische Potential beurteilen von gewaltsamem Widerstand und von kulturellen Praktiken, besonders der des Tanzes. Nur in Form einer Erfahrung kollektiver Subjektivität stellen diese den Moment des Erwachens aus der Verdammung dar.  

 

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CfP: Hannah Arendts Beispiele

Die interdisziplinäre Zeitschrift „z.B. (zum Beispiel) plant derzeit ein Themenheft, das sicher für alle Arendtianer:innen in Aachen wie auch in unserer übrigen Leser:innenschaft interessant ist – nämlich zu „Hannah Arendts Beispielen“. Als Herausgeber:innen für dieses Heft fungieren Carolin Blumenberg und Jessica Güsken, die noch bis zum 31. August Beitragsvorschläge entgegen nehmen. Thematisch ist vieles möglich, wie der vollständige Call deutlich macht, in dem es unter anderem heißt: „So können ein Beispiel oder mehrere Beispiele aus einem Text von Arendt den Ausgangspunkt bilden, oder die Frage nach dem exemplarischen Status eines Falls in Arendts Denken diskutiert und mit ihren metatheoretischen Überlegungen zu Beispielen verknüpft werden.“ Wir sind schon jetzt gespannt auf das Ergebnis!

Debatte

Unverbunden – unverstanden – unveränderbar. Einsamkeit als politisches Problem

Die Corona-Pandemie machte Einsamkeit zu einem virulenten Thema. Definiert wird die Emotion als ein subjektiv wahrgenommener Zustand, in dem das Bedürfnis nach Qualität und Quantität sozialer Beziehungen sich nicht mit den tatsächlich erfahrenen deckt (Luhmann 2022: 12f.). Je nach Studie sind in Deutschland etwa 11 bis 19 % der Gesamtbevölkerung zumindest manchmal davon betroffen (Entringer 2022; Neu & Küpper 2023: 337f.; Schobin et al. 2024: 19). Neuerdings geht es in der Diskussion darum, ob Einsamkeit auch demokratiegefährdend sein kann. So konstatiert etwa die Mitte-Studie: „Einsamkeit kann als Indikator verstanden werden für eine Gesellschaft, die sich zunehmend unverbunden fühlt, die sich von der Demokratie distanziert und ihren Institutionen misstraut“ (353). Daran anknüpfend wird Einsamkeit in diesem Beitrag als Anzeichen für ein gesellschaftliches Verhältnis gedeutet, das durch fehlende Verbundenheit zum Gemeinwesen, dem Gefühl, von demokratischen Institutionen nicht verstanden zu werden sowie dem Schein der Unveränderbarkeit von Politik gekennzeichnet ist.

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Symposium: 55 years of Hannah Arendt’s Civil Disobedience (Berlin)

Am 07.02.2025 organisiert der Lehr- und Forschungsbereich Theorie der Politik der HU Berlin ein Symposium anlässlich des 55. Jahrestags von Arendts Ziviler Ungehorsam. Ursprünglich adressierte der Text zwar einen spezifischen Zeitpunkt der Geschichte der USA, jedoch wurde Arendts Argument seit dem viel diskutiert, erweitert und kritisiert, insbesondere in Kontexten, in denen autoritäre und rechtsgerichtete Politiker*innen an Popularität gewannen. Das Symposium nimmt den Jahrestag zum Anlass, zu diesem Text zurückzukehren und möchte u.a. die folgenden Fragen diskutieren: Wie verhält sich der Text zu seinem historischen Kontext und den Ansätzen von Arendts Zeitgenossen wie Martin Luther King zum zivilen Ungehorsam? Wie verhält sich ihre Darstellung des zivilen Ungehorsams zu Fragen der staatlichen Gewalt und Gerechtigkeit? Wie relevant ist ihre Analyse im Lichte des neuen Autoritarismus und seiner Verflechtungen mit dem Neoliberalismus?

Das Symposium findet im Auditorium des Grimm-Zentrums (Geschwister-Scholl-Straße 3, 10117 Berlin) auf englischer Sprache statt, um Registrierung wird gebeten. Alle weiteren Informationen und das Programm finden sich hier.

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