Souveränität als Macht im Dienste des Friedens             

Zum Start unserer Blogpost-Reihe zum Thema Souveränität erinnert Laetitia Ramelet daran, dass Souveränität nicht zuletzt bei Hobbes und Pufendorf im Dienst des Friedens steht.

Wer Souverän oder Souveränin ist, verfügt über die oberste Gewalt innerhalb eines Staates und ist von keiner anderen Instanz abhängig, weder im In- noch im Ausland. Zumindest entspricht dies der Auffassung berühmter Staatstheoretiker wie Jean Bodin, Thomas Hobbes oder Samuel Pufendorf, die den Begriff weit über die frühe Neuzeit hinaus entscheidend geprägt haben. Ihnen zufolge soll Souveränität absolut sein, was heißt, dass ihr keine institutionellen Schranken gesetzt werden dürfen − nicht einmal, um eventuelle Machtmissbräuche zu verhindern. Viele sehen hier eine extreme Auffassung des Begriffs, die staatlicher Willkür Tür und Tor öffnet. Aus diesem Grund ist jedoch eine andere interessante Facette dieser Theorien in Vergessenheit geraten. Bei diesen Autoren ist Souveränität mit einer Reihe von moralischen Verpflichtungen verknüpft, die alle darauf abzielen, den Frieden zu gewährleisten. Aus Sicht von Hobbes und Pufendorf bildet der Frieden nämlich den primären Zweck des Staates sowie den Grund für die Zustimmung der Staatssubjekte zur Autorität der Herrschenden. Gerade jetzt, wenn sich Krisen kumulieren, Polarisierung droht und sich Grundsatzfragen zu unserem Verhältnis zur Macht des Staates aufdrängen, kann dieses Verständnis von Souveränität Inspiration bieten. Es basiert nämlich auf einer Grundsatzüberlegung zu den Voraussetzungen eines Lebens in politischer Gemeinschaft. (mehr …)

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Blogdebatte: Souveränität

Liebe Theorieblog-Leser*innen,

auch in diesem Jahr hat unser sommerlicher Call for Blogposts, diesmal zum Thema Souveränität, großen Rücklauf hervorgerufen. Wir bedanken uns an dieser Stelle noch einmal für die ganz unterschiedlichen Beitragsvorschläge. Unsere Auswahl deckt auch in diesem Jahr verschiedene Zugänge zu Souveränität und vielfältige Aspekte der Debatte um den gewählten Begriff ab.

Die Texte, die wir in den nächsten zwei Wochen veröffentlichen, beleuchten die ideengeschichtlichen Ursprünge des Souveränitätsdenkens und seine in Teilen vergessen Aspekte. Sie argumentieren für ein Weiterdenken von Volkssouveränität in Kontexten pluraler Demoi bzw. für ein radikal aufgeklärtes Verständnis menschlicher Souveränität, das eine Neuverortung des Menschen in seiner natürlichen Umwelt anstrebt. Sie kritisieren, dass Souveränität gegenwärtig im Kontext der Digitalisierung mehr als Label denn als sinnvolle Kategorie verwendet wird oder stellen anarchistische staatlichen Souveränitätskonzeptionen gegenüber.

Die gewählten Beiträge werfen somit systematische und praktische Fragen auf und laden sicherlich auch zu kontroversen Diskussionen ein. Alle Leser*innen laden wir an dieser Stelle herzlich ein, aktiv mitzudiskutieren. Wie immer sind Zustimmung und Kritik, Ergänzungen und alternative Perspektiven in den Kommentarspalten willkommen – auf dass wir eine möglichst lebendige und vielfältige Debatte führen können. (mehr …)

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Zwischen menschenmachendem Sein und menschengemachtem Sollen. Ein Workshop-Bericht aus Darmstadt

Krisen wie die Coronapandemie und der Klimawandel scheinen dem Menschen seine natürlichen Grenzen aufzuzeigen. Da jedoch beide Krisen mit kollektiv hervorgebrachten Umständen wie etwa einem globalisierten ausbeuterischen Wirtschaftssystem zusammenhängen, werden in ihnen nicht bloß die Notwendigkeiten der Natur, sondern ebenso die Kontingenzen der Kultur sichtbar. In dieser eminent natürlichen wie nicht-natürlichen Dimension werfen sie somit die Frage auf, in welchem System ‚der Mensch‘ leben will bzw. welches System für ‚den Menschen‘ am gedeihlichsten ist. Die politiktheoretische Anthropologie könnte darauf Antworten liefern. Schließlich beschäftigt sie sich mit philosophischen Annahmen über die Natur des Menschen im Hinblick auf die Ausgestaltung einer damit korrespondierenden politischen Ordnung. Aus dieser Doppelfrage – Was ist der Mensch und wie soll die politische Ordnung beschaffen sein? – ergibt sich allerdings eine Spannung zwischen dem (notwendigen) Sein der menschlichen Natur und dem (kontingenten) Sollen ordnungspolitischer Forderungen. Um die Auslotung wie potenzielle Überwindung dieser Spannung lassen sich daher auch einige Beiträge des Workshops Politische Anthropologie und kritische Gesellschaftstheorie gruppieren, der vom 22. bis zum 23. September an der TU Darmstadt stattgefunden hat (zum vollständigen Programm).

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CfA: Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (PostDoc) in Freiburg

An der Professur für Epistemology and Theory of Science (Frieder Vogelmann) am University College Freiburg ist die Stelle eines*r Wissenschaftlichen Mitarbeiter*in zu besetzen. Die Denomination der Professur sollte Politische Theoretiker*innen nicht abschrecken: Gesucht wird jemand mit Interesse an politischer Epistemologie als Verschränkung von Sozialphilosophie und politischer Philosophie mit Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie. Bewerbungsfrist ist der 22.12.2022. Alle weiteren Infos findet ihr hier. 

 

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Essay-Preis 2023 des Jakob-Fugger-Zentrums

Anlässlich seines zehnjährigen Bestehens lobt das Jakob-Fugger-Zentrum der Universität Augsburg für das Jahr 2023 einen Essay-Preis aus. Prämiert werden ein deutschsprachiger und ein ukrainischsprachiger Essay mit einem Preisgeld von jeweils EUR 10.000. Beantwortet werden soll die folgende Preisfrage: „Wieviel Gewalt benötigt die Demokratie, wieviel Gewalt verträgt sie?“

Vor dem Hintergrund der Zeitereignisse sind zwei Sprachen zulässig, das Deutsche sowie das Ukrainische, das heißt, ungeachtet ihrer Staatsangehörigkeit können Beitragende das Exposé und den Essay entweder auf deutsch oder auf ukrainisch verfassen. Interessent*innen werden gebeten, bis zum 15.01.2023 eine dreiseitige Ideenskizze einzureichen und werden dann auf dieser Grundlage aufgefordert, einen – nicht anderweitig publizierten – Essay im Umfang von 40-50 Seiten bis zum 30.6.2023 zuzusenden. Die Textgattung des Essays wird dabei sehr weit verstanden, auch ungewöhnliche Formen sind willkommen. Beitragende können aus allen Bereichen der Wissenschaften, der Publizistik und der Literatur kommen. Die ausführlichen Informationen finden sich hier.

Das Jakob-Fugger-Zentrum ist das Center for Advanced Studies im Bereich der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg und fördert eine transnational und interdisziplinär ausgerichtete Forschung ihrer Mitglieder. Der Essay-Preis ausgeschrieben mit dem Ziel, eine breite Debatte zum Thema anzuregen.

 

 

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CfP: Hannah Arendt und Straßenproteste

Für ihre 13. Ausgabe sucht die Zeitschrift HannahArendt.net  Beiträge die Hannah Arendts Denken mit dem Thema „Straßenprotest“ in Verbindung bringen, entweder mit Bezug auf spezifische Fälle von Protest oder mit Blick auf die phänomenologische und kritische Struktur der Proteste. Themen wie: Räume des Protests, Sprache/Gegensprache, Gewalt/Gewaltlosigkeit, Verkörperung, Solidarität und Kollektivität sind einige, aber nicht alle möglichen Ansatzpunkte, um Straßenproteste mit Hannah Arendt zu theoretisieren. Abstracts im Umfang von max. 500 Wörtern können noch bis zum 10. Dezember 2022 an wolfgang.heuer@gmx.de oder maria.robaszkiewicz@upb.de geschickt werden. Zur Publikation angenommene Beiträge sollen bis 31. März 2023 eingereicht werden. Den ausführlichen Call mit vielen weiteren Infos findet ihr hier.

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Keynote: „Political (re)existence and the subject of injustice“

Am 7. November hält Bethania Assy (PUC Rio de Janeiro) eine Keynote mit dem Titel „Political (re)existence and the subject of injustice“ an der HU Berlin und eröffnet damit einen internationalen Workshop im Rahmen des von CAPES und DAAD geförderten Kooperationsprojekts „Spheres of Citizenship“. Der Vortrag findet am 7. November 2022 um 13 Uhr in der Dorotheenstr. 26, Raum 422 statt.  Mehr Infos und ein Abstract zum Vortrag gibts hier.

 

 

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Workshop zum Thema „Existentielle Probleme“ (Frankfurt)

Der Arbeitskreis „Kritische Soziologie“, gemeinsam getragen vom Institut für Sozialforschung (IfS) und dem Institut für Soziologie am Fachbereich 03 der Goethe-Universität, lädt im Rahmen der Vortragsreihe „Kritische Soziologie“ im WS 2022/23 zu einem von Prof. Thomas Scheffer und Prof. Stephan Lessenich organisierten Workshop zum Thema „Existentielle Probleme“ ein.
 
Der Workshop findet am Dienstag, den 22. November, von 16:15 Uhr bis 19:45 Uhr am IfS, Senckenberganalge 26, statt. Grundlage der Diskussion werden vorab verbreitete und zu lesende Texte der beiden Organisatoren sein, kommentiert werden diese von Prof. Birgit Blättel-Mink und Prof. Lars Meier.
 
Für die Teilnahme am Workshop ist eine vorherige Anmeldung bei Moritz Sohn (sohn@em.uni-frankfurt.de) bis spätestens Donnerstag, den 17. November notwendig. Die Veranstaltung wird hybrid stattfinden, die Teilnehmer:innenzahl in Präsenz ist auf 25 Personen begrenzt.

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Die Theorieblog-Redaktion hat ZWEI neue Teamplayer!

Hurra! Wir begrüßen gleich zwei neue Mitglieder in unserem Redaktionsteam: Theresa Gerlach und Oliver Weber!

Theresa hat an der Universität Passau im Bachelor Staatswissenschaften studiert und ist danach in die alte Bundeshauptstadt gegangen, um dort den Master Politikwissenschaft zu studieren. An der Universität Bonn ist sie seit 2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehr- und Forschungsbereich für Politische Theorie und Ideengeschichte. Neben demokratie- und gerechtigkeitstheoretischen Fragen beschäftigt sich Theresa in ihrem Dissertationsprojekt mit den ethisch-politischen Grundlagen konfliktaffiner Demokratietheorien. Für den Blog schrieb sie zuletzt den Bericht zur Frühjahrstagung 2022 „Personen und Subjekte des Politischen“ der DVPW-Sektion Politische Theorie und Ideengeschichte an der RWTH Aachen.

Oliver hat in Mannheim und Regensburg Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studiert. Er ist bekannt aus Funk & Fernsehen – und den großen Traditionszeitungen, denn neben seiner Arbeit für die Frankfurter Allgemeine und die Süddeutsche Zeitung erregte er unter anderem mit seiner Streitschrift Talkshows hassen. Ein letztes Krisengespräch Aufmerksamkeit. Olivers bisherige Forschungen bewegen sich im Feld der politischen Ökonomie des Republikanismus. Und an der TU Darmstadt arbeitet er nunmehr als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Politische Theorie und Ideengeschichte – mit einem Dissertationsprojekt zur Ideengeschichte des frühliberalen Eigentumsbegriffs. Wer mehr über all das erfahren will, kann Olivers jüngstem Gespräch in der brillanten Reihe Jung & Naiv lauschen.

Wir denken, dass Theresa und Oliver unser Team personell und thematisch ganz wunderbar ergänzen, und freuen uns auf die Zusammenarbeit!

Liebe Theresa, lieber Oliver, sehr herzlich willkommen!

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Berliner Carl-Schmitt-Vorlesung (28.10.): „Die Rückkehr des Großraums?“

Die Berliner Carl-Schmitt-Vorlesung wird 2022 von dem in Cambridge lehrenden Politikwissenschaftler und Historiker Brendan Simms zum Thema die „Die Rückkehr des Großraums?“ gehalten. Simms wird sich dabei mit der Ideengeschichte des „Großraums“ und seinem Fortwirken in der Internationalen Politik des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart auseinandersetzen. Die Veranstaltung wird von der Humboldt-Universität zu Berlin in Zusammenarbeit mit der Carl-Schmitt-Gesellschaft organisiert und findet am Freitag, den 28.10., um 18.00 Uhr c. t. auf dem Charité-Campus, Festsaal im 2. OG des klassizistischen Gebäudes (Luisenstraße 56, 10115 Berlin) statt. Weiter Informationen sind hier zu finden.

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