Susan Rose-Ackerman über Korruption und demokratische Legitimität

Zur nächsten Mosse-Lecture am 20. Mai an der Humboldt-Universität spricht Susan Rose-Ackerman, Professorin in Yale und feste Größe in der Theoriebildung zu Korruptionsphänomenen, über „Corruption: Greed, Culture, and the State“. Der Vortrag findet um 19 Uhr c.t. im Senatssaal statt. Rose-Ackerman wird dabei nicht die für gewönlich dominierende Frage nach Kosten und Nutzen sowie ökonomischen Folgen von Korruption verhandeln, sondern grundsätzlicher das Phänomen als Indikator für das Verhältnis zwischen Gesellschaft und Staat und für die demokratische Legitimität eines Gemeinwesens in den Blick nehmen:

“ Was als Korruption zu gelten hat, ist durchaus umstritten. Forschungen zum Begriff der Korruption rühren an grundsätzliche Fragen zum Verhältnis von Staat und Gesellschaft. Um dies zu erkennen, muss man nur die Ansichten der Marktliberalen den Einsichten von Anthropologen gegenüberstellen. Was dem einen als illegales Bestechungsgeld gilt, ist für den anderen eine Zuwendung, die geeignet ist, soziale Beziehungen zu festigen. Der Vortrag wird in einem ersten Schritt die wirtschaftsliberalen und die kulturanthropologischen Auffassungen von Korruption kontrastieren und kritisieren: auf der Ebene der betroffenen normalen Bürger und der kleinen Beamten. In einem zweiten Schritt werden diese Ansätze auf die Korruption „in großem Maßstab“ angewandt, in die das politische Führungspersonal und die multinationalen Unternehmen verwickelt sind. Zu zeigen ist ein Paradox: dass nämlich, wenn von Korruption im internationalen Maßstab die Rede ist, die wirtschaftsliberale Position sich gern auf die unvermeidlichen kulturellen Gegebenheiten beruft, während die Anthropologen die Motive von Macht und Gier als zwangsläufig ökonomisch darzustellen versuchen. Rose-Ackerman entwickelt von hieraus ihren Ansatz einer möglichen „demokratischen Legitimität“, mit dem zunächst betont wird, wie Korruption die Fähigkeiten, die Rechtlichkeit und die  demokratische Legitimität des Staates durchdringt und unterwandert, gerade dann, wenn sie glauben macht, die Marktwirtschaft zu fördern oder sich als kulturelle Praxis darstellt. Der Vortrag endet mit einigen Vorschlägen zur Reform, die darauf abzielen, die demokratischen Regierungen und ihre Institutionen zu stärken.“

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