Vor kurzem wurde die Junius Einführungsreihe durch einen weiteren Band bereichert: „Dekoloniale Theorien“ von Frederik Schulze und Philipp Wolfesberger. Ist der Begriff der postkolonialen Theorien nun schon seit längerer Zeit Bestandteil der Diskussionen in der politischen Theorie – einschlägige Einführungen wurden bereits 2015 durch María do Mar Castro Varela/Nikita Dhawan oder 2021 durch Ina Kerner vorgelegt –, so geistert der Begriff der Dekolonialität wohl erst seit kurzem umher. Einführungsliteratur war zu dem Thema bisher eher dünn gesät. Ausnahmen bilden dabei der Sammelband Kolonialität der Macht (2013), herausgegeben von Pablo Quintero und Sebastian Garbe sowie die Monografie Dekolonialistische Theorie aus Lateinamerika (2022) von Jens Kastner. Mit der Einführung bei Junius liegt nun ein handlicher Überblick vor, der Ausgangspunkt für ein erstes Kennenlernen, aber auch für eine tiefergehende Beschäftigung mit dekolonialen Theorien sein kann. (mehr …)
In eigener Sache: Politiktheoretische und ideengeschichtliche Interventionen gesucht!
Der Theorieblog ist ein Forum für Politische Theorie und Ideengeschichte. Lesenotizen, Buchforen, ZPTh-Debatten, eigene Forschungsbeiträge oder Themenschwerpunkte sind bei uns inzwischen fest etabliert. Aber neben diesen grundsätzlichen Auseinandersetzungen bietet unsere politische Gegenwart doch auch immer wieder Anlass zu kritischen Reflexionen und Einordnungen tagespolitischer Geschehnisse und Entwicklungen.
Seit seinen Anfangsjahren ist der Theorieblog auch ein Ort für solche theoriegeleiteten Kommentare zu tagesaktuellen Ereignissen: Der Berliner Verfassungsschutz beschäftigt verdeckt Mitarbeiter aus dem Bundestag? In der Schweiz stimmt eine Mehrheit für die ‚Ausschaffungsinitiative‘? Weiß Guido Westerwelle, was er sagt, wenn er von „spätrömischer Dekadenz“ spricht? In der Corona-Krise avanciert ,Solidarität‘ zur Leitidee?
CfA: Hannah Arendt und die Öffentlichkeit in Zeiten multipler Krisen
HannahArendt.net – Zeitschrift für politisches Denken organisiert im diesjährigen Todesjahr von Arendt einen Themenschwerpunkt mit dem Titel „Öffentlichkeit in Zeiten multipler Krisen“. Arendt versteht Öffentlichkeit als den Raum, in dem eine Pluralität unterschiedlich positionierter Menschen in Erscheinung tritt, miteinander handelt und spricht, um ein Gemeinsames zu verhandeln. Angesichts der gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen soll Arendts Begriff von Öffentlichkeit neu ausgelotet werden.
Der geplante Themenschwerpunkt lädt zu Beiträgen ein, die Arendts Begriff der Öffentlichkeit theoretisch, historisch oder im Hinblick auf gegenwärtige Krisenerfahrungen befragen und weiterdenken. Abstracts können bis zum 15. Dezember 2025 eingereicht werden. Mehr Informationen sind hier zu finden.
Veranstaltungshinweis: Buchbesprechung „Mit Philosophinnen Denken“, Berlin
Was haben Christine de Pizan, Elisabeth von der Pfalz und Audre Lorde gemeinsam? Sie sind bedeutende, inspirierende Philosophinnen – und doch finden ihre Texte bislang kaum Eingang in die Lehre im Bereich der Philosophie und Politischen Theorie. Diese wird noch immer von einem überwiegend männlichen Kanon geprägt.
Hier setzt der neue Band „Mit Philosophinnen denken. Texte und Materialien für den Unterricht“ (Reclam Verlag, 2025) an. Er versammelt 18 Texte bedeutender Philosophinnen, didaktisch aufbereitet für den Einsatz in der Hochschullehre sowie im Schulunterricht. Am 14. November 2025 wird ab 18 Uhr die Buchbesprechung zum Band an der HU in Berlin stattfinden. Die Veranstaltung wird ebenfalls per Live-Stream übertragen. Mehr Information sind hier und hier zu finden.
Vortragsreihe: „Die Zukunft der Gender Studies“, Berlin
Die Reihe „Die Zukunft der Gender Studies“ lädt am 30.10.2025 um 18.00 Uhr zur Auftaktveranstaltung „The Universities are the Enemy: From Gender Ideology to Critical Race Theory and Antisemitism“ mit Éric Fassin (Université Paris 8) an der FU Berlin ein. Ziel der Vortragsreihe ist es die aktuellen Herausforderungen der Gender Studies im Rahmen der (geo)politischen, sozio-ökonomischen und ökologischen Krisen der Gegenwart zu diskutieren und Möglichkeiten kritischer Intervention auszuloten. Organisiert wird die Reihe vom Margherita-von-Brentano-Zentrum der FU Berlin in Kooperation mit dem Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU Berlin.
Mehr Informationen sind hier zu finden.
CfF: „Bruchlinien der Demokratie: Gewalt – Souveränität – Territorialität“, Hamburg
Das Historisch-Soziologische Forschungskolleg „Bruchlinien der Demokratie: Gewalt – Souveränität – Territorialität“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS) schreibt zum Thema „Excessive State Power and State Killings in Democracies“ Kurzzeitfellowships für Zeiträume von 2-8 Wochen aus. Anknüpfen sollen diese an eine Konferenz im März 2026, welche sich aus international vergleichender Perspektive mit dem Einsatz demokratisch nicht legitimierter exzessiver Gewalt durch staatliche Stellen in westlichen Gesellschaften befasst. Die Fellows haben die Möglichkeit, sich aktiv an dieser Konferenz zu beteiligen und/oder mit den Vortragenden intensive Gespräche zu führen, um eigene Publikationen oder Drittmittelanträge vorzubereiten.
Bewerbungsfrist ist der 03.11.2025. Mehr Informationen sind hier sowie auf der Webseite zu finden.
CfP zum demokratischen Umgang mit Verschwörungstheorien, TaCT-FoRSED, Prag
Verschwörungstheorien beschäftigen seit einigen Jahren unterschiedlichste Disziplinen von der Philosophie bis zur Sozialpsychologie. Gerade die Politikwissenschaft und die Politische Theorie und Ideengeschichte können wichtige Beiträge zur Konzeptualisierung und weiteren Erforschung des Themas leisten. Die Tagung wird am 9. und 10. April 2026 in Prag stattfinden und sich mit dem Verhältnis von Verschwörungsdenken und demokratischen Antworten darauf beschäftigen. Der Call ist bewusst offen und interdisziplinär gehalten um anschlussfähig zu sein. Eingereicht werden können bis zum 5. Dezember sowohl individuelle Papers, ganze Panels oder auch Poster.
Mehr Informationen sind der Projekthomepage zu entnehmen.
Stellenausschreibung: „W2-Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte“, Universität Jena
Zum 1. Februar 2027 ist an der Universität Jena eine W2 Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte zu besetzen. Erwartet wird ein exzellentes Forschungsprofil im Bereich der politischen Theorie und Ideengeschichte mit einem Schwerpunkt auf Demokratietheorie. Bewerbungen sind bis zum 11.12.2025 über das Bewerbungsportal möglich. Mehr Informationen zur Ausschreibung sind hier zu finden.
Veranstaltungshinweis: „The Search for the Social in International Law: Remarks on a Critical Theme“, Berlin
Am 30. Oktober 2025 wird Martti Koskenniemi im Rahmen der 10. jährlichen Carl Schmitt Lectures zum Thema „The Search for the Social in International Law: Remarks on a Critical Theme“ in Berlin sprechen. Es wird um Fragen des Völkerrechts sowie der Staatlichkeit und Souveränität gehen. Mehr Informationen sind hier zu finden.
Veranstaltungshinweis: „Deleuze 100. Ein deleuzianisches Jahrhundert? Aktualitäten, Perspektiven, Zukünfte“, Universität Wien
Anlässlich des 100. Geburtstags sowie des 30. Todestages des französischen Philosophen Gilles Deleuze findet am 14./15. November 2025 an der Universität Wien die Tagung „Deleuze 100. Ein deleuzianisches Jahrhundert? Aktualitäten, Perspektiven, Zukünfte“ statt. Die Veranstaltung widmet sich den mannigfaltigen gegenwärtigen Gebrauchsweisen von Deleuzes Werk und fragt insbesondere nach den produktiven sowie kritischen Perspektiven, welche die Philosophie von Deleuze (und Guattari) bereithält. Foucaults berühmte und von Deleuze selbst als Scherz verstandene Prophezeiung – „Aber eines Tages wird das Jahrhundert vielleicht deleuzianisch sein“ (Foucault, Schriften in vier Bänden II, 94) – dient dabei als Anlasss einer Bestandsaufnahme wie spekulativer Durchgangspunkt: 100 Jahre zurück, 100 Jahre voraus.
Weitere Hinweise sind auf der Webseite sowie hier zu finden.
Call for Panels Theoriekongress: Backsliding, Resilience, Renewal? Democracy in Eras of Transformation
Der Theoriekongress geht im nächsten Jahr in die zweite Runde: Vom 05. – 07. Oktober 2026 wird er unter dem Titel „Backsliding, Resilience, Renewal? Democracy in Eras of Transformation“ an der Universität Passau stattfinden.
In einer durch vielfache Krisen geprägten Gegenwart rücken die Demokratie, deren Defekte und autoritäre Tendenzen, aber auch Potenziale demokratischer Widerstandsfähigkeit und Erneuerungschancen der Volksherrschaft verstärkt in den Fokus. Hier ist eine kritische Analyse durch die Politische Theorie und Ideengeschichte gefragt, die etablierte Deutungsmuster, Annahmen und Konzepte prüft, historische Vergleichsperspektiven einbringt sowie problembewusst die aktuellen Herausforderungen und mögliche Reformvorschläge adressiert. Der Kongress möchte Gegenwartsdiagnosen zu aktuellen Veränderungen in Demokratien genauso behandeln wie historische Perspektiven auf vergangene Krisen und Transformationsprozesse sowie konzeptionelle Analysen zu Demokratie, Transformation, Resilienz und Erneuerung. Vertreter:innen aller Teildisziplinen der Politischen Theorie und Ideengeschichte sowie angrenzende Nachbardisziplinen sind herzlich willkommen. Der Kongress findet in englischer sowie deutscher Sprache statt.
Vorschläge für geschlossene, halboffene und offene Panels können bis zum 06. November 2025 über die Webseite eingereicht werden. Danach wird es einen weiteren Call für die halboffenen und offenen Panels geben.
Hier geht es zum ausführlichen Call auf englisch und auf deutsch.

Neueste Kommentare