Kein „Dampfbad des Volksempfindens“. Bericht zur Tagung “Liberalismus – Traditionen, Konstellationen, Ausblicke” (LMU München, 16.–18. März 2016)

Das „21. Jahrhundert“, so die Prognose des Ideenhistorikers Panajotis Kondylis, wird „die Abschaffung des Liberalismus bedeuten.“ Die Äußerung gewinnt an Geltung. Gerade in einer Zeit, in der das Liberale im „Dampfbad des Volksempfindens“ (Dahrendorf) zu versiegen droht; in der Menschen wieder nach Heimat und nationalem Zusammenhalt begehren; in der die Sehnsucht nach der homogenen Gemeinschaft Einzug hält – dem, was Émile Durkheim „mechanische Solidarität“ nannte – und in der mit Nationalfahnen nicht nur Fußballfröhlichkeit, sondern Fremdenfeindlichkeit demonstriert wird.

Möglicherweise war es eine derartige Impression, aus der heraus es den Veranstaltern Karsten Fischer (LMU München) und Sebastian Huhnholz (LMU München) geboten schien, zum Thema Liberalismus – Traditionen, Konstellationen, Ausblicke einzuladen. (mehr …)

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Internetforschung: Einige politikwissenschaftlich relevante Entwicklungen

Die Forschung zu Internet und Digitalisierung in Deutschland profiliert sich weiter, auch mit einigen politikwissenschaftlich relevanten Initiativen und Calls, die wir hier für euch zusammenfassen:

  1. In Düsseldorf wurde gestern das Institut für Internet und Demokratie gegründet. Dessen Homepage entsteht hier, eine Pressmitteilung fasst die Idee zusammen und einen Twitter-Account gibt es auch schon: @diid_hhu
  2. Berlin lässt sich da natürlich nicht lumpen und plant ein Einstein-Zentrum “Digitale Zukunft”. Eine Kollaboration der Berliner Hochschulstandorte soll es sein und 45-50 Professuren sind geplant. Zum aktuellen Stand hier.
  3. Noch eine Ecke größer dürfte das Deutsche Internet-Institut werden, welches vom BMBF ausgeschrieben ist und für welches noch fünf Standorte in der Endauswahl in Frage kommen: Pressemitteilung hier.
  4. Und schließlich sei noch auf einen CfP für die nächste Open Science Conference hingewiesen, die sich mit Fragen der Entwicklung von Foschung und Lehre auseinandersetzt und im März 2017 in Berlin stattfindet. Hier der Call als PDF.

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CfA: Zwei WiMi-Stellen an der Universität Bielefeld (Arbeitsgruppe ‘Soziologische Theorie’)

An der Universität Bielefeld sind in der Arbeitsgruppe “Soziologische Theorie” (Prof. Dr. Tobias Werron) eine 50%- und eine 65%-Stelle für Wissenschaftliche MitarbeiterInnen (beide E 13 TV-L) ausgeschrieben. Obwohl nicht direkt im Bereich der politischen Theorie beheimatet, stehen die Stellen durchaus auch politischen TheoretikerInnen offen, die theoretische und empirische Forschung verknüpfen.

Die Ausschreibungen gibt es nach den Klicks – hier (50%-Stelle) und hier (65%-Stelle).

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Lesenotiz: Tocquevilles „neue politische Wissenschaft“ und ihre aktuelle Relevanz

Lesenotiz zu Harald Bluhm und Skadi Krause (Hrsg.): Alexis de Tocqueville. Analytiker der Demokratie, Paderborn: Fink 2016.

Die westlichen Demokratien erleben gerade ihre größte Krise seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Man verfolgt mit Staunen, wie der Kapitalismus sich von der bürgerlichen Gesellschaft entkoppelt und zum Motor neo-feudaler und postdemokratischer Entwicklungen wird. In den Gelehrtenstuben und manchen politischen Kreisen wird, verzweifelnd und hoffend, wieder Marx gelesen, während man, mit leichtem Schaudern, Foucaults neoliberale Gesinnungen entdeckt. Auf der Straße und in den Parlamenten der USA und der Peripherie wie den Kernländern der EU erstarken derweil populistische Revolten und neue rechte Bewegungen, die mit ihrem Neonationalismus nicht nur den politischen status quo in Frage stellen, sondern letztlich die egalitär-universalistischen Verfassungsordnungen des modernen Konstitutionalismus mit seinen Wurzeln in der Amerikanischen und der Französischen Revolution. (mehr …)

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CfA: WiMi-Stelle für Forschungskoordination an der HU Berlin

Am Institut für Sozialwissenschaften der HU Berlin ist eine unbefristete 100% Stelle (E 13 TV-L) für Forschungskoordination (inkl. Lehrverpflichtung) ausgeschrieben. Zu den Aufgaben zählen u.a. die Mitarbeit bei der Vorbereitung und Umsetzung von Verbundanträgen, die Organisation von Workshops und Konferenzen sowie die Betreuung von B.A. und M.A. Studierenden. Voraussetzungen sind Promotion und Erfahrungen im Forschungs- und Wissenschaftsmanagement.

Weitere Infos gibt es online oder nach dem Klick.

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Twitter-Rückschau

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Brexit und europäischer Populismus: Ein Kommentar aus dem Vereinigten Königreich

Das britische Votum, die Europäische Union zu verlassen, ist der jüngste Erfolg populistischer Politik in Europa. Populismus ist dabei keine neue Politikform, doch hat er sich seit der Finanzkrise von 2008 als Mainstream-Phänomen etabliert. PopulistInnen verstehen sich als VerteidigerInnen ‚des Volkes‘ gegen diejenigen, die sie als ‚das Establishment‘ oder ‚die Eliten‘ betrachten. Jede populistische Bewegung hat den Anspruch, das ‚wahre‘ oder ‚authentische‘ Interesse des Volkes gegen die Macht der Eliten zu verteidigen – gegen ‚Berufspolitiker‘, ‚gierige Banker‘, ‚großstädtische Snobs und Intellektuelle‘, ‚die Lügenpresse‘ oder ‚gesichtslose Bürokraten‘.

Vor dem Hintergrund der britischen Erfahrung des EU-Referendums möchte ich den VerteidigerInnen des europäischen Projekts einige Gedanken mit auf den Weg geben, wie eine Antwort auf EU-kritischen Populismus, der nach dem Brexit an Fahrt aufnehmen könnte, aussehen sollte. Anlass dazu ist die unangemessene Antwort, die die etablierte Politik im Rahmen des britischen Referendums auf ihn gegeben hat. Ich möchte zeigen, dass DemokratInnen die populistische Kritik an bestehenden Eliten und Machtkonzentrationen ernst nehmen sollten, auch wenn der Populismus ohne Zweifel besorgniserregende Formen annimmt. Kurz: Wenn PopulistInnen vom ‚Establishment‘ sprechen, bilden sie sich dieses nicht einfach ein. Zwar gibt es keine Demokratieform, die ohne hierarchische Elemente auskommt, doch diejenigen, die das europäische Projekt verteidigen wollen, müssen anerkennen, dass einige der Eliten, die von den PopulistInnen kritisiert werden, tatsächlich bestehende demokratische Prozesse unterminieren. Populismus erhält dort Kraft, wo die Erfahrung der Ohnmacht vorherrscht.

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Doppeltagung zu “Recht und Technik” sowie “Theorien im Recht” in Bremen

Vom 21. bis zum 24. September 2016 findet an der Universität Bremen eine rechtsphilosophische Doppeltagung statt. Zunächst geht es vom 20. bis zum 22. September um „Recht und Technik – Grenzen des Rechts im Informationszeitalter“. Im Anschluss steht vom 22. bis zum 24. September „Theorien im Recht – Theorien über das Recht“ auf dem Programm. Die beiden Tagungen werden zum einen vom Jungen Forum Rechtsphilosophie (JFR) und zum anderen von der deutschen Sektion der Internationalen Vereinigung für Rechtsphilosophie (IVR) veranstaltet. Alle Informationen zum Konferenzprogramm gibt es auch online hier und hier.

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CfA: Gastprofessur Kritische Theorie

In Frankfurt ist für den Zeitraum von April 2017 bis März 2018 wieder die Gastprofessur für Kritische Gesellschaftstheorie ausgeschrieben. Wer sie für ein Jahr besetzen will, muss in Soziologie, Politikwissenschaft oder angrenzenden Disziplinen beheimatet sein und im  Anschluss an die Tradition der Frankfurter Schule der Kritischen Theorie forschen. Die Lehrverpflichtung beträgt 8 SWS und Bewerbungen müssen bis zum 02.08.2016 vorgelegt werden. Alle weiteren Infos hier in der Ausschreibung als PDF.

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