Politik, ‚wie sie ist‘: Status Quo und Desiderata der realistischen politischen Theorie

Politische Theorie sollte realistisch sein. So allgemein formuliert wird diese These wohl kaum auf Widerspruch stoßen. Was nützt schon eine politische Theorie, die unrealistisch ist, weil sie Konzepte und Argumente entwirft, die mit der Realität wenig zu tun haben – dem werden vermutlich viele politische Theoretiker*innen zustimmen. Jenen Theoretiker*innen aber, die in jüngerer Zeit die Forderung nach einer realistischen politischen Theorie stark machen, geht es um eine grundsätzlichere Debatte über Agenda und Selbstverständnis der politischen Theorie. Ich möchte im Folgenden einige Eckpunkte dieser Debatte beschreiben und zwei Thesen vertreten. Erstens: Das Spannende an der realistischen politischen Theorie ist, dass sie versucht, einen Platz zwischen politischen Moralkonzeptionen und der bloßen Deskription von Politik zu besetzen. ‚Realistische‘ Legitimitätstheorien zeigen, wie sich normative Kriterien im Rahmen einer stärker politischen als moralischen Logik begründen lassen. Zweitens: Realistische politische Theoretiker*innen haben bisher zu wenig geliefert, um dem Verdacht entgegenzutreten, dass die Distanz zum ‚politischen Moralismus‘ mit einer unkritischen Haltung gegenüber Machtasymmetrien und Herrschaftsverhältnissen erkauft wird. Das ist ein Defizit der Debatte, das mehr Aufmerksamkeit finden sollte. Denn der Impuls, den realistische politische Theorien der politiktheoretischen Debatte geben können, verspricht umso wertvoller zu sein, je deutlicher wird, dass sie normative politische Theorie auf eine neue Weise denken, anstatt die normativen Ansprüche politischer Theorie bloß zu reduzieren. (mehr …)

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Tagung: »Kritik des Moralismus« in Erlangen

Die FAU Erlangen und die TU Dortmund veranstalten vom 10.-12. November 2016 eine Tagung zur Kritik des Moralismus. In drei Blöcken geht es um Begriff und Phänomen des Moralismus, die Stellung des Moralismus in der Moralphilosophie und schließlich seiner Rolle in der Lebenswelt. Um Anmeldung wird bis 1. November gebeten und alle Informationen dazu finden sich auf dem Tagungsplakat.

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Workshop zu Markt und Moral (Berlin)

An Nikolaus findet an der Humboldt-Universität Berlin ein Workshop zum Verhältnis von Markt und Moral statt. Auf der von Rahel Jaeggi, Stefan Gosepath und Lisa Herzog organisierten Veranstaltung soll u.a. von Nancy Fraser und Christian Neuhäuser die Frage der Normativität von Märkten diskutiert werden. Eine kurze Beschreibung, worum es geht, findet ihr unter dem Strich. Wer am 06. Dezember dabei sein will, muss sich verpflichtend unter workshops.sozialphilosophie@hu-berlin.de anmelden und erhält dort auch weitere Informationen. (mehr …)

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Honneth-Lesekreis (4): Axel Honneth – Kommunitarist?

Teil B, Kapitel II (Moralische Freiheit) (S. 173-218)

Parallel zur Diskussion der rechtlichen Freiheit knöpft sich Axel Honneth in Kapitel II von Teil B die moralische Freiheit vor, wobei er im gleichen Dreischritt zunächst die historische Entwicklung und den Gehalt dieser Freiheit rekonstruiert, sodann ihre Grenzen aufzeigt, und schließlich diejenige Pathologien diskutiert, die aus einem ‚Vergessen‘ dieser Grenzen resultieren. Im Zentrum des Kapitels steht dabei eine hochinteressante Diskussion des Prinzips der Unparteilichkeit, die Honneth als zentrale Vorbedingung und Teil der Praxis der moralischen Freiheit identifiziert, und deren Fehlinterpretation – speziell in ihrem Verhältnis zu bestehenden sozialen Praktiken und Institutionen – er als Ursache der Pathologien der moralischen Freiheit ausmachen wird. Aber der Reihe nach…

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Avishai Margalit mit Vortrag am Wissenschaftskolleg

Am Mittwoch, den 16 November 2011, spricht Avishai Margalit (Hebrew University of Jerusalem)  um 20 Uhr am Wissenschaftskolleg zu Berlin, Wallotstrasse 19 (Grosser Kolloquienraum) zum Thema „Human Dignity between Kitsch and Deification“. Der Vortrag ist Teil des Programms „Rechtskulturen“ des Berliner Forschungsverbundes „Recht im Kontext“. Anschließend wird zu einem kleinen Empfang geladen. Interessenten werden gebeten sich vorab unter rechtskulturen@trafo-berlin.de zu registrieren.

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