CfP: Axel Honneth and the Frankfurt School Project

Unter dem Titel „Crossroads of Critique: Axel Honneth and the Frankfurt School Project“ findet vom 6-8 Juni, 2019  an der Sciences Po in Paris eine spannende Graduiertenkonferenz in Politischer Theorie statt. Die Konferenz beschäftigt sich sowohl – wie der Titel unschwer erahnen lässt – mit dem Werk Axel Honneths, als auch mit der Frage der Aktualität des Projekts der Frankfurter Schule im Allgemeinen. Die Keynote wird von Axel Honneth gehalten. Weitere Plenarvorträge kommen von Katia Genel und Daniel Loick. Alle weiteren Infos zu Thema und Formalia findet ihr in der ausführlichen Ausschreibung. Abstracts werden bis zum 18. März erbeten an: graduateconference@sciencespo.fr

Weiterlesen

Tagung „Problems of Property“ und „Barrikadengespräch“ zur Wohnungsfrage (Berlin)

Am 17. und 18.12.2018 findet im Senatssaal der HU Berlin eine Tagung über Eigentum aus der kritischer Perspektive statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von Rahel Jaeggi and Eva von Redecker vom Center for Humanities and Social Change an der HU. Das volle Programm findet sich hier. Passend zum Thema der Tagung wurde von den beiden Veranstalterinnen außerdem ein „Barrikadengespräch“ über Aneignung und Enteignung in der Wohnungsfrage organisiert: Am 19.12.2018 von 18 Uhr bis 21 Uhr debattieren Jenny Weyel, Canan Bayram und Daniel Loick über progressive Vorstöße in der Berliner Wohnungspolitik. Das Gespräch findet in den Räumen der „Vierten Welt“ statt (Adalbertstraße 4). Nähere Informationen gibt es hier.

Weiterlesen

Patberg-Buchforum (3): Rekonstruktion mit Methode

In der dritten Runde unseres Buchforums setzt sich Andreas Busen aus methodologischer Sicht mit Markus Patbergs „Usurpation und Autorisierung – Konstituierende Gewalt im globalen Zeitalter“ auseinander.

Aus methodologischer Sicht ist Markus Patbergs „Usurpation und Autorisierung“ ein echter Glücksfall. Dies hat mehrere Gründe: Zunächst einmal ist es bereits bemerkenswert, dass man hier eine Arbeit vor sich hat, in der nicht nur eine differenzierte Methoden-Reflexion stattfindet, sondern auch die einzelnen Schritte der Untersuchung immer wieder methodologisch rückgebunden und überprüft werden. Das ist in der politischen Theorie bei Weitem nicht immer der Fall – weshalb bisweilen gar die Auffassung vertreten wird, die politische Theorie arbeite regelrecht Methoden-frei und insofern unwissenschaftlich (so etwa Kittel 2009). Patbergs Studie liefert hier einen mehr als überzeugenden Gegenbeweis. Entscheidender ist aber, dass sich Patberg mit der Rekonstruktion für eine Methode entschieden hat, die erst in den letzten Jahren überhaupt als eine distinkte Methode der politischen Theorie erkannt und diskutiert worden ist – und zwar praktisch ausschließlich in Verbindung mit den Werken von Jürgen Habermas und Axel Honneth. Dies hat nicht nur die Schwierigkeit mit sich gebracht, Rekonstruktion als Methode von den substanziellen Thesen dieser Werke zu isolieren, sondern auch die Frage aufgeworfen, inwiefern sie sich überhaupt fruchtbar jenseits der spezifischen Projekte von Habermas und Honneth anwenden lässt. Mit Blick auf beide Aspekte verspricht Patbergs Studie aufschlussreiche Erkenntnisse. Denn er schließt zwar an Habermas‘ ‚rationale Rekonstruktion‘ an, wählt aber mit der suprastaatlichen Verfassungspolitik einen über Habermas‘ Arbeiten hinausgehenden Untersuchungsgegenstand und muss so zwangsläufig ausloten, wie und unter welchen Bedingungen sich diese Methode verallgemeinern lässt. Dieser, wenn man so will, methodologischen Pionierarbeit soll im Folgenden eine kritische Würdigung zuteilwerden.

(mehr …)

Weiterlesen

CfA: 4 Fellowships am Center for Humanties and Social Change (HU Berlin)

Am Center for Humanities and Social Change (CHSC), geleitet von Rahel Jaeggi an der Humboldt-Universität zu Berlin, sind ab dem 01.04.2019 vier Fellowships mit einer Laufzeit je nach Projektzuschnitt von 3-9 Monaten zu vergeben. Die Ausschreibung richtet sich sowohl an Doktorand_innen und Nachwuchswissenschaftler_innen als auch an etablierte Wissenschaftler_innen. Am CHSC wird das krisenhafte Verhältnis von Kapitalismus und Demokratie erforscht. Das zweite Jahr der Laufzeit des Centers steht unter dem Oberthema der gesellschaftlichen Rationalität und ihrer Krisen, gesellschaftlicher Vernunft und Unvernunft. Neben demokratietheoretischen Zugängen sind besonders solche Projektvorschläge willkommen, die systematische Anknüpfungspunkte an das Werk von Charles Taylor aufweisen. Bewerbungen sind bis 30.11.2018 möglich. Alle Informationen finden sich hier in der Ausschreibung.

Weiterlesen

Heimat als Kritik?

– Nachdem Tine Stein und Samuel Salzborn die Debatte kontrovers eröffnet haben und nachdem Michel Dormal am Dienstag bereits den Blick auf „Heimat!?“ in der Kritischen Theorie gelenkt hat , plädiert Stefan Vennmann heute ebenfalls aus Perspektive der Kritischen Theorie dafür, den Begriff in seiner Ambivalenz zu verstehen. –

Der Begriff ‚Heimat‘ dient gegenwärtig rechtspopulistischen, völkischen und neonazistischen Akteuren. Diese versuchen den politischen Raum mittels rassistischer und ontologischer Kategorien, die vermeintlich unterschiedlichen ‚Ethnien‘ ein wie auch immer geartetes naturgegebenes ‚Sein‘ und somit bestimmte Eigenschaften attestieren, einer Rebiologisierung zu unterziehen. Eine Kritik an diesem Verständnis ist aus emanzipatorischer Perspektive notwendig. Dennoch verkommt diese Kritik häufig zum Beißreflex, der den philosophischen Gehalt des Begriffs Heimat unzureichend reflektiert. Vom Begriff soll sich verabschiedet, stattdessen auf Termini wie Solidarität rekurriert werden und ‚Heimat‘ ‚ganz einfach‘ den Rechten überlassen werden. Die biologisierte Dominanz eines auf Exklusivität und Ausgrenzung konzentrierten Heimatbegriffs ist zwar gegenwärtig wie historisch wirkmächtig, es sollte aber nicht vorschnell geurteilt werden, einem kritisch-philosophischen Begriff von Heimat komme eine solche Komponente sui generis zu. Insbesondere mit Bezug auf Theodor W. Adorno soll im Folgenden dafür plädiert werden, den Begriff in seiner Ambivalenz zu verstehen.

Der Ablehnung des völkischen Verständnisses ist aus politischen Gründen definitiv zuzustimmen, begriffsanalytisch scheint hier aber das philosophisch komplexe Phänomen der Heimat der Pauschalisierung geopfert zu werden. Es muss keine vollständige Etymologie geleistet werden, um festzustellen, dass dem Begriff auch andere Attribute zugeschrieben werden können. Während Oswald Spengler den völkischen „Drang nach Geltung und Macht, der pflanzenhaft und rassenhaft mit der Erde, der ‚Heimat‘, verbunden bleibt“ illustrierte, wird Heimat mit anderer Akzentuierung auch von progressiven Denker*innen verwendet.

(mehr …)

Weiterlesen

Heimat: Mit Adorno an der Trinkhalle

– Nachdem Tine Stein und Samuel Salzborn die Debatte zu Begriff und Idee der Heimat in der letzten Woche kontrovers eröffnet haben, nimmt Michel Dormal „Heimat!?“ heute aus Perspektive der Kritischen Theorie in den Blick. –

Keineswegs geht es darum, den Heimatbegriff affirmativ zu rehabilitieren. Aber ihn einfach zu verwerfen, wäre ebenso billig. Unausgesprochen weist er auf Brüche und Ambivalenzen unserer Erfahrung hin. Hier sollte Politisches Denken ansetzen. Das Heimweh und die Sehnsucht nach dem vielleicht nur eingebildeten, jedenfalls aber meist verlorenen Glück, das wir mit Heimat und Kindheit verbinden, ist keineswegs politisch bedeutungslos. Es ist auch nicht so, dass Heimat primär eine Sache der radikalen Rechten wäre. Für letztere ist die Welt kein heimeliger Ort, sondern Schauplatz eines Kampfes, in dem man sich behaupten und zum Opfer bereit sein muss. Hingegen können wir bei einem ins Exil geflohenen Antifaschisten wie Jean Améry lesen, dass es „nicht gut ist, keine Heimat zu haben“.

Wie schon Tine Stein im Eröffnungsbeitrag anmerkt, lässt sich der deutsche Begriff Heimat nicht übersetzen. Jean Améry umschreibt ihn in Jenseits von Schuld und Sühne als „Dialektik von Kennen-Erkennen, von Trauen-Vertrauen“. Wir erkennen Heimat, weil wir immer schon mit ihr vertraut sind. Und wir trauen uns zu sprechen und zu handeln, weil wir dieser „Kenntnis-Erkenntnis“ vertrauen. Ich deute das so, dass Heimat da ist, wo eine unmittelbare Passung und glückliche Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Umwelt besteht. Darüber wo dieser Ort zu finden ist, gehen die Ansichten auseinander. Stadtviertel, Region und Nation sind nur einige Kandidaten. Für andere mag es der Dialekt oder, wie die WAZ anlässlich des „Tages der Trinkhalle“ im Ruhrgebiet meinte, der Kiosk um die Ecke sein. Manch hartgesottener linker Kritiker des Nationalismus lässt zugleich kein Heimspiel seines seit Jugendtagen geliebten Fußballvereins aus. Was Heimat ist, lässt sich schwer positiv definieren. Jeder verbindet damit andere Erfahrungen. Trotzdem dürfte die Vorstellung von Heimatlosigkeit intuitiv bei den meisten Menschen wohl ähnliche Assoziationen von Verlust, Unbehagen und Orientierungslosigkeit hervorrufen.

(mehr …)

Weiterlesen

HU-Berlin: Juniorprofessur für „Sozialphilosophie/Kritische Theorie“ ausgeschrieben (Inst. für Philosophie)

An der Philosophischen Fakultät, Institut für Philosophie, der Humboldt-Universität Berlin ist eine Juniorprofessur für „Sozialphilosophie/Kritische Theorie“ zzgl. spezielleren Schwerpunkten ausgeschrieben (mit Tenure Track nach W2). Die Bewerbungsfrist läuft zum 27.09.2018 unter der Kennziffer JP/018/18. Der Ausschreibungstext folgt unten. (mehr …)

Weiterlesen

Zwischen Nachruf und Liebeserklärung – Tagungsbericht zu „Emanzipation“ (Berlin, 25.-27. Mai 2018)

Was ist Emanzipation? Was meint der Begriff heute? Und was sind die Voraussetzungen für und Folgen von kollektiven Emanzipationsbewegungen? Diese und eng damit verknüpfte Fragen wurden vom 25. bis 27. Mai anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Mai 1968 auf der sozialphilosophischen Tagung Emanzipation in Berlin diskutiert. Die InitiatorInnen – Rahel Jaeggi, Kristina Lepold, Sabine Hark und Thomas Seibert – setzten die Konferenz im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung dabei ausdrücklich in engen Bezug zum Zeitgeist des Mai 1968. Die Debatte darum, ob dieser als letzter großer emanzipatorischer Aufbruch der jüngeren Zeitgeschichte oder als für Gegenwart und Zukunft untauglich zu bewerten sei, avancierte im Laufe der Tagung zu einer der Leitdifferenzen. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund war es – ausgesprochen ambitioniertes – Ziel der Tagung, den Emanzipationsbegriff in insgesamt drei Plenarveranstaltungen und zwölf Kolloquien in all seinen Facetten zu beleuchten, zu erfassen und diese fruchtbar zusammenzuführen. (mehr …)

Weiterlesen