Alle im selben Boot? Schiffbruch, Seenotrettung und die Grenzen der Solidarität

— Nachdem bereits Felix Anderl eine postkoloniale Perspektive auf Solidarität eröffnet hatte, vertieft Jeanette Ehrmann im letzten Beitrag zu unserer Solidaritäts-Debatte diese weiter – und nimmt dabei mit der Seenotrettung ein ebenso besonders aktuelles wie besonders umstrittenes Feld der Solidarität in den Fokus. —

 

Banksy, 2015: We’re not all in the same boat

Der Schiffbruch ist eine zentrale Metapher in der Geschichte des europäischen Denkens, so Hans Blumenberg in seiner Untersuchung „Schiffbruch mit Zuschauer“ (1979). Gerade in der Haltung des unbeteiligten, auf festem Lande stehenden Zuschauers angesichts der Katastrophe eines bevorstehenden oder überstandenen Schiffbruchs offenbare sich die Erfahrung der jeweiligen Zeit. Doch was bedeutet es für die politische Gegenwart, dass sich derzeit täglich reale Szenen des Schiffbruchs an den Grenzen Europas ereignen? Die Flucht über das Mittelmeer, eine der am höchsten überwachten Meereszonen der Welt, ist zur weltweit tödlichsten Migrationsroute auf dem Seeweg geworden. Seit 2014 sind dem Missing Migrants Project zufolge 17.419 Menschen im Mittelmeer zu Tode gekommen, und dies sind nur die dokumentierten Todesfälle. Während noch immer über eine gemeinsame europäische Seenotrettung, über Aufnahmekapazitäten und Verteilungsschlüssel gestritten wird, sind in diesem Jahr bereits 1.091 Menschen auf den „left-to-die boats“ gestorben, jenen namenlosen Booten, die von der libyschen Küste abfahren und keinen sicheren Hafen mehr erreichen. Was bedeutet es für unsere Zeit, so fragt Paul Gilroy, dass wir Zuschauer*innen einer fortgesetzten Katastrophe des Schiffbruchs sind?

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CfP: Workshop „Researching Norms and Values in the Field of Migration and Refugee Studies“ (Malmö)

Im Rahmen der internationalen Konferenz „Refugees, borders and membership“ an der Universität in Malmö (24.-26.Oktober 2018) findet ein Workshop zu „Researching norms and values in the field of migration and refugee studies“ statt. Der Workshop wird von einem interdisziplinären Forschungsteam organisiert, das sich in dem europäischen Projekt „NoVaMigra – Norms and Values in the European Migration and Refugee Crisis“ (H2020; 2018-2021) mit der Bedeutung europäischer Werte und Normen für den politischen und gesellschaftlichen Umgang mit Flucht und Migration beschäftigt. Der Workshop soll die unterschiedlichen Dimensionen, die sich dabei für Akteure, Institutionen und politische Prozesse ergeben, aufgreifen und mögliche Schnittstellen zwischen der Migrations-/Flüchtlingsforschung und der Philosophie identifizieren. Abstracts können bis zum 23. April bei Johanna Gördemann (johanna.goerdemann@uni-due.de) eingereicht werden. Weitere Informationen zum Call finden sich hier.

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Flucht, Migration und Integration. Zwei Vorträge in Freiburg

Zum Auftakt ins neue Jahr lädt die Freiburger Professur für Politische Philosophie, Theorie und Ideengeschichte gemeinsam mit dem Colloquium Politicum der Universität Freiburg erneut zu Vorträgen zu Flucht, Migration und Integration ein. Am 11. Januar trägt Frauke Kurbacher von der FU Berlin „Gedanken zu einer Philosophie der Migration“ vor und sucht die Figur und Situation des Flüchtlings zu greifen. Am 25. Januar unternimmt Sybille De La Rosa (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg) dann „Demokratietheoretische Überlegungen zur Inklusion und Exklusion von Geflüchteten“. Alle Zeiten und Orte finden sich unter folgendem Link und auch noch einmal nach dem Klick.

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Workshop: Flucht, Migration, Grenzen (Berlin)

Der Lehrstuhl für Praktische Philosophie und Sozialphilosophie der Humboldt-Universität zu Berlin veranstaltet am 9. Dezember 2016 von 15-20 Uhr einen Workshop zum Thema „Flucht, Migration, Grenzen“ mit Andreas Cassee (Berlin), Jan Brezger (Berlin), Christoph Menke (Frankfurt/M.) und Julia Schulze Wessel (Dresden). Im Zentrum des Workshops stehen die Fragen von Inklusion und Exklusion, das Verhältnis von Nationalstaat, politischer Gemeinschaft, politischer Zugehörigkeit und Solidarität. Um Anmeldung bis zum 5.12. wird gebeten, da vorab die Texte versendet werden.

Eine ausführliche Beschreibung gibt es nach dem Klick. (mehr …)

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Towards a New Multiculturalism? Workshop und Vortrag mit Charles Taylor (Jena)

Ulf Bohmann und Paul Sörensen veranstalten am 30. Mai einen Workshop mit Charles Taylor in Jena. Die Veranstaltung verspricht spannend zu werden: Angesichts der aktuellen politischen Situation wird Taylor Thesen zur Flüchtlingsfrage, zur Krise des Westens und zu einem neuen Multikulturalismus formulieren, die auf dem Workshop diskutiert werden. Die Veranstaltung endet mit einem Abendvortrag von Taylor zum Thema: „Democracy and Diversity – a Western Crisis“. Hier geht es zur Website und hier direkt zum Programm.

 

 

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Ringvorlesung „Migration und Flucht“ an der FU Berlin

Von der kommenden Woche an und noch bis zum Februar findet am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin eine öffentliche Ringvorlesung zum Thema „Migration und Flucht“ statt. Die politiktheoretische Perspektive wird dabei von Kieran Oberman (Edinburgh) sowie Jan Brezger, Andreas Cassee und Bernd Ladwig (alle drei FU Berlin) vertreten. Die Ringvorlesung findet in der Regel mittwochs von 18-20 Uhr statt. Das genaue Programm und alle Details findet ihr hier, einen gesonderten Aushang zum Vortrag von Kieran Oberman hier.

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