Wiedergelesen: Kants Orientierungsversuch für ein Globales Zeitalter

Wiedergelesen-Beitrag zu: Immanuel Kant: „Was heißt: Sich im Denken orientieren?“, Werkausgabe, hg. von Wilhelm Weischedel, Band V, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1977, S.276-283.

 

Kants Aufsatz mit dem merkwürdig daherkommenden Titel „Was heißt: Sich im Denken orientieren?“ ist sicherlich eine seiner weniger rezipierten Schriften. Eine Ursache mag darin liegen, dass der im Oktober 1786 in der „Berlinischen Monatsschrift“ erschienene Text eher als zeitgeschichtliche Intervention denn als philosophische Innovation gelesen wird: und zwar als Kants pointierter Beitrag zum „Pantheismusstreit“, einer auf dem Höhepunkt der europäischen Aufklärung verbittert geführten Auseinandersetzung um das Verhältnis von Glaube und Vernunft. Während der Text, der herkömmlichen Lesart folgend, kaum philosophischen Mehrwert hinsichtlich Kants systematischeren Schriften bietet, möchte ich hier einen alternativen (doch wenig beschrittenen) Weg erkunden. Er besteht darin, Kants geographische Metaphorik politisch zu lesen und zu fragen, inwieweit seine Topographie der Vernunft geeignet ist, „global“ zu denken – in einem Zeitalter, in dem sich der Einzugsbereich unserer moralischen Anteilnahme und Verantwortung scheinbar unaufhörlich erweitert. (mehr …)

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2 CfAs: Lecturer und Doktorand/innen gesucht

London calling: An der School of History der Queen Mary University of London ist zum 1. September 2014 eine Stelle als Lecturer in politischer Ideengeschichte mit dem Schwerpunkt auf dem langen 20. Jahrhundert zu besetzen. Bewerbungsschluss für die dauerhafte Vollzeitstelle ist der 16. Mai. Hier geht es zur Ausschreibung.

Kurzentschlossene mit Promotionsabsichten können sich außerdem am Exzellenzcluster „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne“ in Münster bewerben: Der Cluster, der ein interessantes interdisziplinäres Arbeitsumfeld bietet, in dem sich auch philosophische und politiktheoretische Arbeiten ansiedeln lassen, stellt zum 1. Oktober 2014 bis zu fünf Doktorand/innen ein. Dieser Call läuft am Dienstag (15.4.) ab – mehr Infos gibt es nach dem Klick.

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CfA: 2 Stellen in Dortmund

Ab Anfang Juni sind eine ganze und eine halbe Stelle in Dortmund am Institut für Philosophie und Politikwissenschaft mit Anbindung an die Professur für politische Philosophie zu vergeben. Die Stellen sind zunächst auf ein Jahr befristet, können aber verlängert werden. Bewerber und Bewerberinnen sollten ein Interesse an Wirtschaftsphilosophie oder nichtidealer Gerechtigkeitstheorie mitbringen. Da die Zeit drängt, wird um eine informelle Bewerbungen per E-Mail mit Lebenslauf bis zum 22. April gebeten. Kontakt: christian.neuhäuser@unilu.ch

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CfP: MANCEPT-Workshop „Bringing the People back into Republican Democracy“

Die MANCEPT-Workshops in Manchester gehen in eine neue Runde und finden dieses Jahr von 8. bis 10. September statt. Die Organisatoren des Panels „Bringing the People back into Republican Democracy“, Bruno Leipold und Guy Aitchison, bitten bis 30. Mai um anonymisierte Abstracts von bis zu 500 Wörtern. Alle Informationen gibt es auch hier. (mehr …)

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CfP: „Human Rights and Violence“, Dubrovnik

Vom 24. bis 30. August diesen Jahres findet am Inter University Center Dubrovnik eine Tagung zum Thema „Human Rights and Violence“ statt. Wie auch aus dem CfP hervorgeht, zielt diese auf den interdisziplinären Austausch zwischen Philosophie, Rechts- und Politikwissenschaft. Organisiert wird die Tagung von Bernd Ladwig, Georg Lohmann und Ana Matan. Bewerbungsschluss ist der 15. Mai. Das Programm mit allen Details gibt es hier als pdf oder nach dem Klick. (mehr …)

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„Politische Romantik“ in Frankfurt, 10.-12. April

Die öffentliche Debatte schwelgt zum hundertjährigen Weltkriegsjubiläum in historischen Vergleichen, nicht allein in der Krimkrise, und die Rede ist hier vor allem von Geopolitik und von Diplomatieversagen. Eine Konferenz der Kulturstiftung des Bundes, konzipiert von Stephan Schlak und Friederike Biron, nimmt nun dagegen das Thema „Politische Romantik“ in den Blick – als Spannung zwischen Politik und Leidenschaft und als „Sehnsuchtsvokabel“ jenseits von Sachzwangpolitik, die durchaus Chancen eröffnet, aber gerade historisch auch Untiefen zeigt. Dabei in Frankfurt am Main sind Peter Sloterdijk, Herfried Münkler, Sahra Wagenknecht, Christoph Möllers, Juliane Rebentisch u. a. – das beeindruckende Programm findet sich hier.

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Animal Politics: interessant, irritierend und herausfordernd – Bericht von der Frühjahrstagung der DVPW-Theoriesektion

Vom 12. bis 14. März kam die Theoriesektion auf Einladung von Peter Niesen und Bernd Ladwig zum Thema „Animal Politics“ in Hamburg zusammen und diskutierte Sein und Sollen von Tierrechten. Welcher Status und welche Rechte kommen Tieren zu – und wie sollen wir mit diesen umgehen? (mehr …)

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Wiedergelesen: Mill: Betrachtungen über die Repräsentativregierung

Wiedergelesen-Beitrag zu John Stuart Mill: Betrachtungen über die Repräsentativregierung, Hubertus Buchstein und Sandra Seubert (Hg.), Hannelore Irle-Dietrich (Übers.), Berlin: Suhrkamp, 2013, 336 Seiten.

Wenn in funktional differenzierten, hyperkomplexen Gesellschaften alles immer schneller entschieden werden muss, wenn folglich über das, was entschieden wird, nicht lange öffentlich räsoniert werden kann, hat die repräsentative Demokratie allem Anschein nach ein empirisches Problem. Nicht zuletzt deshalb konnte Carl Schmitt den Parlamentarismus als Idealzustand rationaler öffentlicher Diskussion bereits in den 1920er Jahren genüsslich auf dem Friedhof der Geistesgeschichte begraben. Heutzutage fallen Diagnosen, die sich auf die mangelnde Praktikabilität der Repräsentativregierung beziehen, nicht viel optimistischer aus. Hinzu kommt, dass die repräsentative Demokratie ein ernstes normatives Problem hat, weil ihr ideengeschichtliches Äquivalent, der Liberalismus, aufgrund der Krisenanfälligkeit seines vorgeblichen Zwillingsbruders, des Kapitalismus, als ideologisches Flaggschiff der „vested interests“ desavouiert scheint. Wird der Liberalismus aber zunehmend in der Flügelzange von postmoderner Sozialwissenschaft und neomarxistischer Kritik aufgerieben, stellt sich die Frage nach dem Sinn einer erneuten Lektüre seiner Klassiker. Provokativ gefragt: Darf sich denn allenfalls der nimmermüde Archivar über eine Wiederauflage der Betrachtungen über die Repräsentativregierung (1861) im Berliner Suhrkamp-Verlag freuen? Statt John Stuart Mills (1806-1873) politiktheoretisches Hauptwerk derart unter Wert zu verkaufen, soll es im Folgenden anhand dreier Merkmale mit Aktualitätsbezug analysiert werden. (mehr …)

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Online-Konsultation zum wissenschaftlichen Publizieren

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) lädt zur Teilnahme an einer Online-Konsultation zum wissenschaftlichen Publizieren ein. Sowohl die Probleme des derzeitigen Publikationssystems als auch mögliche Lösungsansätze können hier vorgeschlagen, diskutiert und gewichtet werden. Die Ergebnisse dieses Prozesses sollen am Ende in ein Positionspapier einfließen, das von einer Arbeitsgruppe an der BBAW erstellt wird. Die Teilnahme an der Online-Konsultation ist noch bis zum 17. April möglich; hier geht es zur entsprechenden Website. Zur inhaltlichen Einstimmung sei an dieser Stelle schließlich auf einen Theorieblog-Beitrag von Ulrike Höppner zum Thema „Die Freiheit des Publizierens“ verwiesen.

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