CfP: „Mediale Formierung des Politischen. Zu Fake News, Personal Publics und Populismus“ (DVPW-AK Politik und Kultur, 13.-14. Dezember 2018, Universität Bielefeld)

Für den DVPW-Arbeitskreis Politik und Kultur richtet der Bereich „Theorie, Geschichte und Kultur des Politischen“ in Kooperation mit der Universität Siegen und mit dem Zentrum für Ästhetik (an) der Universität Bielefeld vom 13.-14. Dezember 2018 die Tagung Mediale Formierung des Politischen. Zu Fake News, Personal Publics und Populismus aus. Die Veranstalterinnen Paula Diehl (Universität Bielefeld) und Sigrid Baringhorst (Universität Siegen) bitten um Vorschläge; Details folgen nun:

 

Ausschreibungstext:

Das Wissen und Kommunizieren über Politik geschieht überwiegend durch die Massenmedien (Luhmann). Verändern sich die massenmedialen Bedingungen, ist davon auszugehen, dass dies politische Akteure und Prozesse sowie die grundlegende Formierung des Politischen verändert. Die Effekte der „medialen Wende“ in den 1980er/90er Jahren (Stichworte: Privatisierung und Deregulierung) sind noch nicht vergangen, sie vermischen sich aber gegenwärtig mit den Auswirkungen eines zweiten, umfassenden technologischen Medienumbruchs im Zuge der Digitalisierung politischer Kommunikation, insbesondere durch die Etablierung und Verbreitung digitaler sog. sozialer Medien. Neue mediale Infrastrukturen ermöglichen neue Formen der politischen Kommunikation, Interaktion und Vernetzung. Durch interaktive Plattformen und Netzwerke wie Facebook, Kurznachrichtendienste wie Twitter oder in publizistischen Meinungsäußerungen in Weblogs werden die Schwellen für die aktive Beteiligung an politischen Meinungsbildungsprozessen gesenkt und die Grenzen zwischen Profis und Laien tendenziell aufgehoben.

Den damit verbundenen Potentialen für eine Demokratisierung politischer Öffentlichkeiten stehen in den letzten Jahren zunehmend deutlich gewordene Gefahren einer demokratiegefährdenden Transformation des Politischen gegenüber: Neben einer fortschreitenden Personalisierung und Privatisierung des Politischen verändern hyperreale Inszenierungen, „alternative Fakten“ und „fake news“ den Modus und den Zugang zur politischer Kommunikation und Politik tiefgehend. Hyperrealität ist zwar generell medieninhärent, sie gewinnt aber angesichts neuer digitaler medialer Verbreitungsmöglichkeiten eine neue Qualität. Der Status der Realität scheint prekär geworden zu sein (Esposito). Zugleich beobachten wir nicht nur in Deutschland eine außerordentliche Zunahme von Populismus, insbesondere von Rechtspopulismus. Beide zeigen große systemische Affinitäten zu den Aufmerksamkeitsregeln der Massenmedien wie aber auch zum Wandel politischer Öffentlichkeiten in digitaler Medien (Meyer; Diehl; Moffitt).

Angesichts dieser umfassenden Transformationen fragt die Tagung Mediale Formierung des Politischen. Zu Fake News, Personal Publics und Populismus nach der Rolle der traditionellen und neuen (Massen-)Medien in der Konstitution des Politischen im 21. Jahrhundert.

  • Welche Wirkungen hat Hyperrealität auf das Politische? Welche Konsequenzen hat die Prekarisierung des Realitätsbegriffs für Politik und Demokratie? Unterscheiden sich diese Dynamiken von der Vorstellung einer „Lügenpresse“ in den 1930er Jahren, und wenn ja, wie? Wie reagieren die politischen Kommunikationsstrategien darauf?
  • Welche Transformation erfahren politische Öffentlichkeiten? Und welche Konsequenzen hat dies für die Demokratie?
  • Welche Rolle spielen neue und traditionelle Medien im Aufkommen von Populismus und autokratischen Tendenzen? Welche Rückwirkungen hat der Erfolg populistischer Bewegungen für traditionelle Massenmedien wie aber auch die Kommunikation in digitalen sozialen Netzwerken?
  • Wie wirken sich „personal publics“ und die „connective logic“ sozialer Medien (Bennett/Segerberg) auf politische Akteure und Prozesse der politischen Mobilisierung aus?
  • Welche affektiven Dynamiken – etwa der affektiven Identifikation mit Personen, der Steigerung von Ängsten bzw. Radikalisierung von Hass – werden dadurch befördert?
  • Welche Rolle spielt disruptive Kommunikation für die Politik?

Bitte senden Sie ein ein- bis zweiseitiges Exposé bis zum 10. Oktober 2018 an paula.diehl@uni-bielefeld.de.

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