Juristische Staatstheorie in kulturwissenschaftlicher Absicht. Thomas Vestings „Staatstheorie“ in der Diskussion

Was in der Politikwissenschaft inzwischen zum state of the art gehört, nämlich dass die einst mit viel Verve betriebene Verabschiedung des Staates nunmehr selbst zu verabschieden ist, erhitzt in der staatsrechtlichen Nachbardisziplin bis heute die Gemüter. Der Staatsbegriff wird dort gerade von einer jüngeren Generation gern als Ausweis nationaler Introvertiertheit des deutschen Staatsrechts, internationales Rezeptionshindernis staatsrechtlicher Forschung sowie Relikt vordemokratischer Traditionsbestände dargestellt. Daher darf man das gerade erschienene Studienbuch von Thomas Vesting, überschrieben mit dem schlichten Titel „Staatstheorie“, als Ausrufezeichen verstehen.

Mit disziplinären Querelen hält sich der Autor indes nicht lange auf, sondern schickt seiner Studie die Klarstellung voran, dass ohne die Ordnungs- und Stabilisierungsleistungen, wie sie der moderne Staat erbracht hat und immer noch erbringt, auch künftig kein dauerhaftes friedliches Zusammenleben zwischen Menschen möglich sein wird. Wie der Staat diese Leistungen im Zeitalter der Globalisierung weiter erbringen kann, wie sich seine Rolle dabei wandelt und vor allem was das für die Theorie des Staates bedeutet, war Gegenstand der Diskussionen eines Kolloquiums zum Thema „Staatstheorie im 21. Jahrhundert“, das am 13. Dezember 2018 am Frankfurter Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte anlässlich des Erscheinens des Buchs im Beisein des Autors stattgefunden hat und von Ino Augsberg, Ricardo Campos und Uwe Volkmann organisiert wurde.

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Fürs Wochenende: Kulturtheorie zum Hören

Ein leicht verspätetes Ostergeschenk: Wer über das Wochenende etwas Zeit hat und trotzdem nicht die Theorie/Philosophie ausblenden will, den interessiert ganz sicher folgendes neues Angebot des Internationalen Zentrums für Kultur- und Technikforschung Stuttgart. Auf der Webseite finden sich eine größere Menge von Podcasts zur Kulturtheorie. So kann man Reinhard Koselleck über Macht und Gewalt sprechen hören, Niklas Luhmann über Kultur, Susan Neimann über moralische Klarheit, Terry Eagelton über den Tod der Kritik, Edward Said über historische Erfahrung und Identität oder – ganz frisch – Gayatri Chakravorty Spivak über „The Future as Neighbor and Vernacular Cosmopolitanism„.

Eine tolle Initiative – und bei der Gelegenheit sei auch nochmal an den Ethik-Podcast der Uni-Zürich erinnert und zusätzlich auf eine fünfteilige Podcast-Serie mit Charles Taylor hingewiesen, Thema: ‚The Malaise of Modernity‘. Wer weitere Hör-Theorie kennt, poste sie doch gerne in die Kommentare. Sicher interessant, da mal eine kleine Mediathek zusammenzustellen.

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Constitutional Cultures – Konferenz in Münster

Don Gomez weist heute auf eine Konferenz in Münster hin, die sich vom 12.-14. Mai mit „Constitutional Cultures. On the Concept and Represantation of Constitutions in the Atlantic World“ beschäftigt. Kulturwissenschaftlicher Zugang und klassische Fragen des Konstitutionalismus (Geltung, Institutionelle Mechanismen, Dauerhaftigkeit) sind treffende Beschreibungen, die Don Gomez anbietet. Wessen Interesse geweckt ist, der findet hier das Programm und sei darauf hingewiesen, dass eine Anmeldung unter constitutionalcultures@uni-muenster.de bis zum 02. Mai gerne gesehen würde.

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Transkulturalität II: Gründungstagung der DVPW-Themengruppe „Transkulturell vergleichende Politische Theorie“

Genau zwei Monate nach dem Hamburger Workshop, und zwar am 16. und 17. September 2011 findet in Göttingen die Gründungstagung der von Holger Zapf und Alexander Weiß ins Leben gerufenen neuen DVPW-Themengruppe „Transkulturell vergleichende Politische Theorie“ statt. Ihr Ziel ist es, ein Forum für die Auseinandersetzung mit nicht-westlichen, kulturübergreifenden und -vergleichenden Ansätzen innerhalb der politischen Theorie zu schaffen. Die Gründungstagung setzt sich mit der Frage auseinander, wie westliche Begriffe und Konzepte in nicht-westlichen Diskursen rezipiert und aufgenommen werden. Die Deadline für Vorschläge ist der 2. Mai 2011, hier der Call.

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Transkulturalität I: Ideengeschichts-Workshop in Hamburg

In Hamburg findet am 15. und 16. Juli 2011 der zweite Nachwuchsworkshop aus der Reihe „Methoden der politischen Ideengeschichte“ statt. Nachdem auf der ersten Tagung über methodische Ansätze der Ideengeschichte diskutiert wurde (wir berichteten), geht es in diesem Jahr um eine Perspektiverweiterung: die Frage nach der Integration nicht-westlicher Ideen. Welche Möglichkeiten eröffnen sich einer inter- bzw. transkulturellen Ideengeschichte, welche Herausforderungen stellen sich ihr und was bedeutet dies für das Fach insgesamt? Keynote speakers sind Manuela Boatcǎ (FU Berlin), Fred Dallmayr (University of Notre Dame), Eun-Jeung Lee (FU Berlin) und Walter Reese-Schäfer (Georg-August-Universität Göttingen). Vorschläge für Beiträge werden bis zum 30. April erbeten. Hier geht’s zum Call.

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CfP Power, Rhetoric, and Political Culture: The Texture of Political Action

Wer sich mit der Verbindung zwischen Macht, Rhetorik und politischer Kultur wissenschaftlich auseinandersetzt und eine Publikationsmöglichkeit sucht, der sollte sich die nachfolgenden Informationen genauer ansehen. Denn die Herausgeber Ralph Cintron und Robert Hariman bitten um Einsendungen von Kapiteln zu dem Band „Power, Rhetoric, and Political Culture: The Texture of Political Action“ für die von Berghahn Books veröffentlichte Reihe „Rhetoric Cultures“. Ausgewählte Beiträge sollen vor der Veröffentlichung zudem auf einer Tagung an der Northwestern University im Januar 2012 präsentiert werden. Alles Weitere findet Ihr hier. (mehr …)

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Konf.: Intellektuelle, Wissenschaft und das Internet

Am Kulturwissenschaftlichen Institut der Universität Essen findet vom 14. bis 15. Februar die Tagung „Öffentlichkeit, Medien und Politik – Intellektuelle Debatten und Wissenschaft im Zeitalter digitaler Kommunikation“ statt. Besprochen werden sollen folgende spannenden Fragen:

Auf welche Weise beeinflussen und verändern jedoch die sich gegenwärtig herausbildenden digitalen Medien die gesellschaftliche Bedeutung der „public intellectuals“? Gelingt es diesen, sich auch in den neuen Medien als einflussreiche Interpreten herausfordernder Problemlagen zu etablieren, oder aber mindern die kommunikativen Strukturen der Blogs und Foren die Chancen ihrer öffentlichen Einflussnahme? Macht sich in ihnen vielleicht sogar ein unterschwelliger Anti-Intellektualismus breit, der die historisch tradierte Rolle von Intellektuellen als Akteure der Zivilgesellschaft infragestellt bzw. zugunsten neuer Formen der Wissenskommunikation unterläuft? (mehr …)

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Doppeltagung: Politik, Widerstand und Tanz

Zwei parallele Tagungen locken vom 11. bis 14. November an die Justus-Liebig-Universität Gießen: „Dance, Politics & Co-Immunity“ fragt nach der Verbindung zwischen Tanz und Politik, während „Thinking – Resisting – Reading the Political“ eher kulturtheoretisch das Politische und, damit verbunden, Konzepte des Widerstandes erkunden will. Gemeinsame Keynotespeaker sind Jacques Rancière, Simon Critchley, Brian Massumi/Erin Manning und Oliver Marchart. Auch ansonsten wird es neben parallelen Vorträgen gemeinsame Abendveranstaltungen, Performances etc. geben. Die schicke Konferenzwebsite bietet weitere Infos und das Programm.

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Konferenz: Emerging Forms of Sociality

Vom 30. September bis 02. Oktober findet an der Goethe-Universität Frankfurt die zweite internationale Graduiertenkonferenz von Studierenden und Promovierenden der Philosophie, Soziologie und Politologie statt. Unter dem Titel „Emerging Forms of Sociality“ wird es Beiträge zu den unterschiedlichsten Themen wie Queer Socialities, Migration, Utopie, Biopolitik, Revolution, Erinnerung, Autonomie u.v.m. geben. Keynote-Speaker der Konferenz sind Rahel Jaeggi (Humboldt-Universität Berlin), Sasha Roseneil (Birkbeck College London) und Nelson Maldonado-Torres (University of California, Berkeley).

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Das Programm findet Ihr hier.

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