Podcast: Matthias Bohlender – Marx im Handgemenge, oder: Zur Genealogie moderner Gesellschaftskritik

Leider hatten wir wiedereinmal Probleme mit der Technik, weshalb es nur eine sehr knappe Präsentation ohne Videoaufzeichnung des Vortrags gibt. Dafür werden wir aller Voraussicht nach den Podcast von Julia Schulze Wessel nach dem regulären Abschluss unserer Reihe am 25. Juli veröffentlichen.
Plakat_Zukunft_der_Politischen_Theorie-001
Matthias Bohlender ist Leiter des DFG-Forschungsprojekts: „Marx und die ‚Kritik im Handgemenge’“, das sich aus genealogischer Perspektive den Gründen und Abgründen der Marxschen Gesellschaftskritik widmet. Der Vortrag beginnt mit einer historischen Verortung von Marx Theorie als Antwort auf die Aufklärung und beschreibt in einem zweiten Schritt den „blutigen Geburtsvorgang“ dieser spezifischen Gesellschaftskritik. Gegenüber der Aufklärung besteht der Theoriefortschritt Marxens in einer doppelten Radikalisierung der Kritik, die einerseits die ideologische Verfasstheit der bürgerlichen Gesellschaft selbst in den Blick nimmt und die sich andererseits selber als Teil der revolutionären Praxis zur Überwindung dieser Gesellschaft versteht. Um Teil der revolutionären Praxis zu werden, müssen auch die Theoretiker praktisch werden. Bohlender beschreibt diese Wandlung anhand des Aufeinandertreffens von Karl Marx und Friedrich Engels mit dem Arbeiterführer Wilhelm Weitling im Bund der Gerechten und dem daraus resultierenden Kampf um die Hegemonie innerhalb des frühen Kommunismus. Marx und Engels mussten dort schmerzhaft erfahren, was es heißt Politik zu betreiben – erst recht aus der problematischen Sprechposition des Intellektuellen. Der genealogische Blick Bohlenders ist auf die reflexiven Blindstellen in Marx Theorie gerichtet, die zu diesem Zeitpunkt der Theorieentwicklung vor allem das Verhältnis von Theorie und Praxis, Intellektuellem und Revolutionär betrifft.

Audio: Download

Audio-Stream:

Das Video gibt’s nach dem Sprung:

(mehr …)

Weiterlesen

Buchvorstellung und Diskussion (Berlin): Das Adam-Smith-Projekt

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Aus dem Gleichgewicht: Zur Konzeptualisierung von Markt und Krise im Rahmen einer Kritischen Theorie des Wirtschaftens“ veranstaltet der Lehrstuhl von Rahel Jaeggi zusammen mit dem Verlag Springer VS eine Diskussionsveranstaltung zur Veröffentlichung von Bastian Ronges Buch Das Adam-Smith-Projekt.

In seiner Studie „Das Adam-Smith-Projekt. Zur Genealogie der liberalen Gouvernementalität“ rückt Bastian Ronge das Werk von Adam Smith in ein neues Licht. Ausgehend von Michel Foucaults Analyse der liberalen Gouvernementalität zeigt er, dass bereits bei Adam Smith die Prinzipien jener Regierungsweise zu finden sind, unter der wir immer noch leben. Auf diese Weise gelingt es ihm, die foucaultsche Analyse zu präzisieren und zugleich die Standardinterpretation von Adam Smith als Vater der modernen Wirtschaftswissenschaften und Vordenker des freien Marktes zu hinterfragen. Mit seiner genealogischen Untersuchung leistet Ronge Arbeit am Mythos Adam Smith und trägt zur Problematisierung der sozio-ökonomischen Selbstdeutung westlicher Gesellschaften bei.

Mit dem Autor diskutieren Dr. Robert Nichols (Uniuversity of Minnesota und Humboldt-Stipendiat), Prof. Martin Saar (Universität Leipzig) und Prof. Hans-Peter Müller (HU Berlin). Die Moderation führt Prof. Rahel Jaeggi (HU Berlin). Los geht es um 18 Uhr in der „Vierten Welt“ (am Kottbusser Tor).

Weiterlesen

Transkulturell vergleichende politische Theorie mit oder gegen Gadamer?

Globalisierungsdiskurse stehen seit einigen Jahren in der politischen Theorie hoch im Kurs. Von globalen Gerechtigkeitsfragen in Anlehnung an Rawls’‚justice as fairness’ bis zur ‚comparative political theory’ in Anlehnung an Gadamers philosophische Hermeneutik– politische TheoretikerInnen reagieren auf das vielfach beschworene Zusammenrücken der Welt (qua digitaler Vernetzung), indem sie einschlägige Erklärungsmodelle erweitern und von ihnen Antworten zu weltpolitischen Fragestellungen ableiten. Doch diese Erweiterungen überdecken mitunter Probleme in der Ausgangstheorie anstatt diese zu lösen, wie ich am Beispiel von Gadamers Hermeneutik zeigen möchte, die vor allem von Fred Dallmayr auf Fragen der transkulturell vergleichenden politischen Theorie angewandt wird. Meine These lautet, dass Gadamers dialogisches Philosophieverständnis genau das voraussetzt, was eine interkulturelle Ideengeschichte, die ihren Namen verdient, zunächst herstellen müsste, nämlich eine Verständigung über einen Sachverhalt jenseits kultureller Grenzen. (mehr …)

Weiterlesen

CfP: Derrida-Konferenz in Frankfurt

Vom 14. bis zum 16. März 2012 wird in Frankfurt eine große Konferenz zu Jacques Derrida und dessen Philosophie der Dekonstruktion stattfinden. Ziel der Konferenz ist es, die von Derrida angestoßenen Begriffsbildungen und Theorieansätze zu reflektieren und fortzuführen. Wer sich mit Derrida beschäftigt (und wenn es auch noch work-in-progress ist), ist aufgefordert sich mit einem Abstract von maximal 500 Wörtern Länge für die Konferenz zu bewerben. Folgende Schwerpunkte sollen auf der Konferenz angegangen werden: An-Arché und Gewalt / Literatur, Schrift und Stimme / Ontologie und Hauntologie / Souveränität, eleutheria und exousia / Animots und Anthropologie /Zeitraum, Nachträglichkeit und Iteration / Verantwortung und Gesetz / Intersubjektivität und Alterität / Aporie, Methode und Dialektik / Erkenntnis und epoché / Geometrie und Genealogie. Deadline für die Einreichung von Abstracts ist der 15. Oktober, die Konferenz ist zweisprachig und an ihr werden auch ein paar sehr renommierte Begleiter und Exegeten Derridas teilnehmen, z.B. Jean-Luc Nancy oder Hélène Cixous.

Den ganzen Call samt Beschreibung der Konferenz und allen Formalien findet ihr auf der Konferenzwebseite http://www.derrida-frankfurt.net/ .

Weiterlesen

Messen, Befragen, Befreien – Oliver Flügel-Martinsens Replik auf die Kommentare im Theorieblog

Letzte Woche haben wir den ZPTH-Beitrag “Die Normativität von Kritik – Ein Minimalmodell”  von Oliver Flügel-Martinsen als PDF-Download hier auf dem Theorieblog veröffentlicht – begleitet von einem Kommentar zu dem Artikel von Frieder Vogelmann. Heute antwortet Oliver auf Frieders Kritik sowie die weiteren Kommentare, die bisher zu dem Artikel veröffentlicht wurden. Lest selbst und diskutiert fleißig weiter – nach dem Strich. (mehr …)

Weiterlesen

Messen, Befragen, Befreien – Oliver Flügel-Martinsens ZPTH-Artikel in der Diskussion

Die Zusammenarbeit des Theorieblogs mit der Zeitschrift für Politische Theorie geht weiter, soeben ist das zweite Heft der Zeitschrift erschienen. Es versammelt Beiträge von Kari Palonen zu Begriffsdebatten und Debattenbegriffen, von Thomas Schölderle zum Totalitarismusvorwurf gegenüber Platon, Raimund Ottow zur politischen Kultur Englands sowie Debattenbeiträge, Tagungsberichte und Review Essays. Ein weiterer Beitrag ist von Oliver-Flügel Martinsen und diesen können wir an dieser Stelle exklusiv als PDF-Download anbieten. Bei dem „Die Normativität von Kritik – Ein Minimalmodell“ überschriebenen Artikel handelt es sich um einen dichten, die Grundfragen politischer Theorie reflektierenden Beitrag. Wie schon bei der ersten Auflage dieses Diskussionsformats – der Diskussion von Bernd Ladwigs Beitrag – wird die Veröffentlichung durch einen Kommentar begleitet. Frieder Vogelmann setzt sich in diesem kritisch mit Oliver Flügel-Martinsens Minimalmodell einer normativen Kritik auseinander. Dabei blickt er von den Schlussfolgerungen des Artikel auf dessen Argumentationsgang zurück. Wer Genaueres wissen will, lese unter dem Strich weiter.

Wir freuen uns auf eine lebhafte Diskussion und werden voraussichtlich in ein bis zwei Wochen eine Replik von Oliver Flügel-Martinsen auf die bis dahin eingegangene Kritiken veröffentlichen. Aber nun zu Frieders Kommentar. (mehr …)

Weiterlesen