Der Versuch, sich über die Rolle des Föderalismus in der aktuellen Entwicklung und Beschreibung staatlich verfasster politischer Räume Klarheit zu verschaffen, ergibt kein konsistentes Bild. Die Europäische Union als suprastaatlich verfasstes wirtschaftspolitisches Gebilde hat die Bundesstaatlichkeit als Fernziel ihrer Entwicklung ausdrücklich dementiert. Dennoch wurde sie von deutscher Seite seit ihren Anfängen in den föderalen Kategorien von Staatenbund und Bundesstaat beschrieben. Während einerseits ein europäischer Bundesstaat als zu erreichendes Ziel galt, wollte man andererseits die europäische Einigung auf einen Staatenbund begrenzt wissen. Inzwischen bezieht sich die Forschung auf diese Dichotomie zumeist in Abgrenzung. Gerade weil die Europäische Union weder das eine noch das andere sei, lasse sie sich als etwas Neues, als ein Gebilde sui generis verstehen. Andere verweisen auf die Kontingenz föderaler Systeme, indem sie die föderale Praxis in den Mittelpunkt stellen. Anstatt einen reinen, objektiven oder gar transhistorischen Föderalismus zu beschreiben, dessen reale Föderalismusformen nur mehr oder weniger gut gelungene Abbilder eines Ideals seien können, konzentrieren sie sich auf die innere Dynamik und Kompromisshaftigkeit föderale Gebilde. Historische Föderalismusformen dienen dabei der geschichtlichen Vergegenwärtigung unterschiedlicher Strukturen und historischer Konstellationen, die politisch freie Handlungsräume mit rechtlichen Absicherungen hervorgebracht haben. Föderalismus, so könnte man den Grundtenor der interdisziplinären Tagung E pluribus unum. Modelle und Präzedenzen des Föderalen, die am 10. und 11. Dezember an der Humboldt-Universität zu Berlin im Rahmen des Sonderforschungsbereiches Transformationen der Antike stattfand, zusammenfassen, ist ein unbestimmter Rechtsbegriff, der der konkreten Auslegung bedarf. (mehr …)
Summer School: Democratic Innovations (Zürich)
Vom 22.-26. Juni findet in Zürich eine Summer School zu „Democratic Innovations“ statt. Eingeladen teilzunehmen sind Doktoranden der Philosophie, Politik-, Sozial und Medienwissenschaften. Bewerbungen für die insgesamt 25 Plätze werden bis zum 15. März 2015 angenommen. Alle Infos hier.
Tagung: „Kompetenz zum Widerstand – eine vernachlässigte Aufgabe der Ökonomischen und Politischen Bildung“ (Bamberg)
Vom 24. bis 26. März 2015 veranstaltet die Otto-Friedrich-Universität Bamberg eine wissenschaftliche Tagung unter dem „Kompetenz zum Widerstand – eine vernachlässigte Aufgabe der Ökonomischen und Politischen Bildung“. Die bildungstheoretisch motivierte Tagung will grundsätzlichen und nur im interdisziplinären Diskurs angemessen bearbeitbaren Fragen nachgehen, insbesondere, was Kompetenz zum Widerstand genau bedeutet, ob eine solche Kompetenz als Ziel von Bildung gerechtfertigt ist, und vor allem, durch welche Faktoren sie gestärkt werden kann.
Weitere Informationen finden sich hier.
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- Lecturerstelle in Politischer Theorie. In Reading: http://t.co/WDwELLHgp7 ->
Tagung: Kunst und Philosophie (Frankfurt)
An diesem Freitag, dem 12.12, findet in Frankfurt eine eintägige Tagung zu Kunst und Philosophie statt. Es sprechen Charles Larmore, Georg W. Bertram, Vinzenz Hediger, Birgit Recki und Karl Heinz Bohrer. Das Ganze findet im Clustergebäude, EG.01 statt. Eine Anmeldung ist kostenfrei, aber erforderlich (an sekretariat.seel@em.uni-frankf
Antagonistischer Agonismus – Anmerkungen zu Chantal Mouffe’s Buch „Agonistik“
Die Idee des Agonismus wurde von Chantal Mouffe in diversen Büchern und Aufsätzen formuliert, blieb jedoch eher ein vages Konzept. Das vorliegende Buch „Agonistik. Die Welt politisch denken“ (2014) enthält eine Sammlung von Aufsätzen, die das Konzept des Agonismus aus verschiedenen Perspektiven (Internationale Politik, Europa, radikale Politik, künstlerische Praktiken) beleuchten und damit die Idee des Agonismus konkretisieren sollen. Die folgende Lesenotiz soll einen kurzen Überblick über Mouffes Idee eines antagonistischen Agonismus geben und offene Punkte herausarbeiten. (mehr …)
Twitter-Rückschau
- Video-Podcasts von Wolfgang Streecks Emeritierung http://t.co/iZgjTzvXp6 ->
- Heute erscheint die neue Ausgabe des studentischen Wissenschaftsjournals 360° zum Thema „Risiko“. http://t.co/gFU8MyuUzt ->
- Offener Brief für bessere Beschäftigungsbedingungen http://t.co/m6vd2oNnJ5->
- Martha Nussbaum hält diese Jahr die Einstein-Lectures in Bern: http://t.co/EwhFp0Kvwp (15.-17.12) ->
- Neuer Band in der Sektionsreihe: Deliberative Demokratie, hg. von Claudia Landwehr und Rainer Schmalz-Bruns http://t.co/TlmROn142L ->
- In Oslo sind zwei Associate Professor Stellen ausgeschrieben (Philosophie, aber mit politischen Anteilen): http://t.co/mUHGrQ05RK ->
CfP: „Reaction Time – Radical Cultural Conservatism after World War II“ (Helsinki)
Am 4. und 5. Juli 2015 findet in Helsinki (Finnland) eine für Ideengeschichtler interessante Konferenz zum Thema „Reaction Time: Radical Cultural Conservatism after World War II“ statt, für welche die Organisatoren bis 15. Februar um Beträge bitten. Hier der vollständige Call for Papers:
Veranstaltung im Deutschen Theater Berlin: „Intellektuelle Beißhemmung? Über das Verhältnis von Polemik und Wissen in der Gegenwartskultur“
Im Deutschen Theater Berlin findet am kommenden Freitag, den 5.Dezember, eine auch für politische TheoretikerInnen interessante Abendveranstaltung zum Thema „Intellektuelle Beißhemmung? Über das Verhältnis von Polemik und Wissen in der Gegenwartskultur“ statt. Die vom DFG-Netzwerk „Gelehrte Polemik“, dem „Merkur: Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken“ und dem Deutschen Theater gemeinsam getragene Diskussionsveranstaltung soll danach fragen, weshalb die ‚Schärfe‘ in geisteswissenschaftlichen Auseinandersetzungen der Gegenwart abgenommen hat und was die Folgen dieser Abnahme für die Produktion geisteswissenschaftlichen Wissens sind. Darüber hinaus soll diskutiert werden, in welchem Zusammenhang das Verschwinden der Polemik aus den Geisteswissenschaften mit der politischen und medialen Debattenkultur in westlichen Demokratien stehen. Auf Vorträge von Caspar Hirschi (St. Gallen, neulich auch auf dem Theorieblog vertreten) und Eva Geulen (Frankfurt) folgt eine Diskussion unter Beteiligung von Jürgen Kaube (Frankfurter Allgemeine Zeitung), Christoph Möllers (Humboldt-Universität zu Berlin) und Nina Verheyen (Köln). Alle Informationen auf einen Blick gibt es hier.
Offener Brief für bessere Beschäftigungsbedingungen
Der große Erfolg der Petition für „Gute Arbeit in der Wissenschaft“ in der Soziologie hat nun auch ein Pendant in der Politologie hervorgebracht. Zunächst initiiert durch die Nachwuchssprecher der IB-Sektion haben die Nachwuchssprecher aller Sektionen sowie der AK „Nachwuchsförderung“ in Vorstand und Beirat einen offenen Brief mit dem Titel „Wissenschaft als Beruf – für bessere Beschäftigungsbedingungen und planbare Perspektiven“ auf den Weg gebracht (hier als PDF). Dieser richtet sich an politische Entscheidungsträger sowie Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Er fordert dazu auf sowohl die Rahmenbedingungen wissenschaftlicher Arbeit zu verbessern als auch bestehende Möglichkeiten für bessere Planbarkeit von Karrieren und Arbeitsbedingungen konsequent umzusetzen (einen guten Artikel mit einer Übersicht über aktuelle Problemlagen fand sich jüngst in den Blättern „Traumjob Wissenschaft„). Wer mitzeichnen möchte, hat in den nächsten 90 Tagen die Möglichkeit, dies hier zu tun.

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