CfP: Vermittlung in den internationalen Beziehungen

In Kooperation mit der sozialwissenschaftlichen Sektion des Gießener Graduiertenkollegs Normen und Wandel in der Weltpolitik beschäftigt sich die Jahrestagung des DVPW-Arbeitskreises „Soziologie der internationalen Beziehungen“ am 14. und 15. November 2019 in Gießen mit dem vielfältigen Thema „Vermittung in den internationalen Beziehungen“. Da auf der Tagung theoretisch-konzeptuelle, methodische und empirische Fragen ihren Platz haben sollen, sind den Organisator*innen Frank Gradinger, Nele Kortendiek und Janne Mende explizit auch Beiträge aus der (Internationalen) Politischen Theorie und der Wissenschaftstheorie willkommen. Abstracts (ca. 300 Wörter) sind bis zum 30.06.2019 einzureichen, die angenommenen Kurzpapiere (2-3 Seiten) werden am 01.11.2019 fällig. Der vollständige Call findet sich hier oder auch nach dem Klick.

 

Vermittlung in den internationalen Beziehungen
Jahrestagung des DVPW-Arbeitskreises
„Soziologie der internationalen Beziehungen“ (SiB),
in Kooperation mit der GGS-Sektion
„Normen und Wandel in der Weltpolitik“ (JLU)

Termin: 14. – 15. November 2019
Ort: Justus-Liebig-Universität Gießen, Senatsaal im Hauptgebäude, Ludwigstr. 23, Gießen

Organisations-Team:
Frank Gadinger (Duisburg-Essen), gadinger@gcr21.uni-due.de
Nele Kortendiek (Friedrichshafen), nele.kortendiek@zu.de
Janne Mende (Gießen), janne.mende@sowi.uni-giessen.de

Die Forschungsdisziplin der Internationalen Beziehungen (IB) zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass der interdisziplinäre Austausch explizit gesucht wird. Hieraus entstehen seit einigen Jahren institutionalisierte Teildisziplinen wie „International Political Sociology“, „International Political Theory“ oder neue Forschungsfelder wie „Law and Society Studies“, „Visual Global Politics“ und „Narrative Politics“, in denen sich disziplinäre Grenzen zunehmend auflösen. Der DVPW-Arbeitskreis Soziologie der internationalen Beziehungen (SiB) will zu diesen Entwicklungen und dem disziplinübergreifenden Dialog aktiv beitragen.

Das Konzept der Vermittlung hat sich hierfür als zentral herausgestellt. Vermittlung bezeichnet ganz generell das Moment der Verbindung zwischen zwei Elementen, welche die Elemente selbst berührt oder verändert. Vermittlung kann bspw. die Form der Übersetzung oder der gegenseitigen Konstitution oder der Verkoppelung annehmen. Das Ziel dieser Tagung ist eine produktive Diskussion über die unterschiedlichen Verständnisse von Vermittlung. Uns interessiert zudem, inwiefern Konzepte der Vermittlung ein verbindendes Element in den Soziologien der internationalen Beziehungen darstellen und den Austausch mit den anderen Teildisziplinen befördern können.

Der Begriff der Vermittlung verweist auf epistemologische, ontologische, methodologische und methodische Fragen und kann daher auch als eine Art Bestandaufnahme der gegenwärtigen Forschung in den jeweiligen Teildisziplinen dienen. So verorten sich Forscher*innen aus dem Feld der SiB eher in interpretativen Zugängen, die als Formen der Wissensvermittlung und -produktion auf ein hohes Maß an Reflexion angewiesen sind. Zudem wird mit prozessualen Vorstellungen von Weltpolitik operiert, die sich starren Dichotomien, etwa zwischen Mikro- und Makro-Ebene oder zwischen Akteur und Struktur, widersetzen. Forschung zu Außenpolitik, Verhandlungen, Institutionen und Organisationen, Entwicklung und Sicherheit, zum Globalen und Transnationalen hat bereits von diesem Verständnis profitiert. Das genuin vermittelte, sich gegenseitig konstituierende Verhältnis von Akteuren und Strukturen erlaubt dabei den Einbezug weiterer Vermittlungsdimensionen. Dabei werden relationale Konzepte wie Praktiken, Narrative, Diskurse, Technologien, Übersetzungen, Emotionen oder Imaginationen herangezogen, um den dynamischen Charakter politischer Prozesse zu erfassen, jedoch ohne deren Vermittlung mit Institution(alisierung) und Struktur außer Acht zu lassen.

Dieses Spektrum ermöglicht schließlich auch einen breiten methodischen Zugang, da unter anderem Bildanalysen, Narrativanalysen, Praxiographien, ethnographische Techniken oder interpretative Textanalysen herangezogen werden, um performative Vermittlungen in der alltäglichen Politik herauszuarbeiten. Nicht zuletzt erlaubt das Konzept der Vermittlung die empirische Erfassung von Themen, die zunächst außerhalb der etablierten Kategorien und Zugänge der IB zu liegen scheinen. Es ermöglicht unter anderem die Erforschung von Individuen und Netzwerken in der Weltpolitik, etwa Diplomat*innen, Übersetzer*innen, Aktivist*innen oder auch Migrant*innen, und wirft die Frage auf, wie zwischen „Feld“ und akademischem Diskurs vermittelt werden kann.

Wir bitten um Vorschläge für Vorträge und Kurzpapiere, die sich empirisch oder konzeptionell mit Vermittlung, ihren (pluralen) Bedeutungen für das Forschungsfeld der SiB oder den Austausch mit anderen Teildisziplinen beschäftigen.

Schwerpunkte können auf folgenden Themenbereichen liegen:

Theoretisch-konzeptionell

  • Vermittlung zwischen Akteuren und Strukturen: Wer sind relevante Akteure in der Weltpolitik? Wie reagieren sie auf und sind geprägt von strukturellen Faktoren? Wie lässt sich Handlungsfähigkeit (agency) bestimmen? Wie konstituiert und wandelt sich die internationale Ordnung?
  • Prozessuales/relationales Verständnis von Weltpolitik: Wie lassen sich zentrale Konzepte des Internationalen wie Ordnung, Souveränität oder Macht verstehen? Wo verorten wir Praxis? Welche Rolle kommt Gemeinschaften, Feldern und Netzwerken in den internationalen Beziehungen zu?

Methodologisch

  • Wissens- und Wissenschaftsverständnis: Welche Rolle nimmt die/der Forschende gegenüber dem Forschungs“objekt“ ein? Welche Formen des Wissens und der Wissensproduktion gelten als legitim? Wie funktioniert Übersetzung zwischen dem „Feld“ und der Wissenschaft?
  • Interpretative Methodologien und Methoden: Wie lässt sich der etablierte Kanon an Forschungstechniken erweitern und welche Herausforderungen birgt das? Wie lässt sich zwischen den Disziplinen vermitteln, um neue Methoden in die IB einzuführen?

Empirisch

  • Praktiken, Narrative, Diskurse, Übersetzungen, Emotionen oder Technologien als Vermittlungsinstanzen in verschiedenen Politikfeldern: Wie funktioniert Vermittlung in spezifischen Fällen, zum Beispiel der Diplomatie, internationalen Verhandlungen oder zwischen NGOs und internationalen Organisationen? Wer agiert hier als vermittelnde Instanz und warum? Welche neuen empirischen Erkenntnisse können durch die Linse der Vermittlung beispielsweise in Bezug auf Themen wie internationale Sicherheit, Entwicklung, Umwelt oder Migration generiert werden?

Wir laden alle Interessierten dazu ein, Abstracts für Vorträge und Kurzpapiere im Umfang von ca. 300 Wörtern bis zum 30. Juni 2019 an die Organisator*innen zu senden:
Frank Gadinger (Duisburg-Essen), gadinger@gcr21.uni-due.de
Nele Kortendiek (Friedrichshafen), nele.kortendiek@zu.de
Janne Mende (Gießen), janne.mende@sowi.uni-giessen.de

Die Entscheidung über die Annahme wird spätestens bis zum 22. Juli mitgeteilt. Kurzpapiere zu den Vorträgen (2-3 Seiten) werden bis zum 1. November 2019 erbeten und werden unter den Teilnehmer*innen der Tagung zirkuliert. Auf der Tagung wird die Option einer aus der Tagung hervorgehenden Publikation (ZIB-Forum, Sammelband, Special Issue etc.) diskutiert.

Ein kleines Budget zur Unterstützung von Forscher*innen ohne eigene Reisemittel steht zur Verfügung. Bitte beim Einreichen der Abstracts angeben, ob Bedarf besteht.

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