Drei Stellen an der Universität Göttingen

An der Universität Göttingen sind an Samuel Salzborns Professur für Grundlagen der Sozialwissenschaften insgesamt drei Stellen ausgeschrieben: Zum einen eine halbe Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter, zum anderen zwei jeweils halbe Stellen als Lehrkraft für besondere Aufgaben (Lehrverpflichtung: 9 SWS). Die Stellen sollen allesamt am 01.10. starten und sind auf drei Jahre befristet. Alle Infos entnehmt bitte den Ausschreibungstexten: Für die Mitarbeiterstelle hier und für die LfbA-Stellen hier.

4 Kommentare zu “Drei Stellen an der Universität Göttingen

  1. 9 SWS. 50%. Krass. Neben 9 SWS zu promovieren ist, ich sag mal, optimistisch. 50% als Postdoc ist, ich sag mal, nicht viel. Ich weiß nichts über die Hintergründe der Stelle, aber es zeigt nicht die besten Seiten unseres Unisystems, außer der langen Laufzeit. (cross-posting von FB) Ergänzung: Wobei sich die Frage stellt: wenn keine Zeit für Forschung bleibt, was macht die/der Stelleninhaber nach den drei Jahren?

  2. (ebenfalls von FB crossposted:) Die 50%-Promotionsstelle umfasst auch stolze 5SWS. Die LbA-Stellen sind mit 3 Jahren sehr straff befristet und scheinen auf der Annahme zu basieren, dass eine volle Stelle 18 SWS umfassen könnte. Beide Stellen widersprechen den (freilich nur empfehlenden) Richtlinien von DVPW und DFG (Laufzeit für reine Lehrstellen sollte nicht befristet sein, Promotionsstellen mit 65% vergütet werden). Schon klar, dass sich das nicht jeder Ausschreibende aussuchen kann und es teilweise Take-it-or-leave-it-Vorgaben von „oben“ (?) gibt, aber so kann das doch auch nicht weitergehen: Das Resultat ist doch, dass drei weitere hoffnungsfrohe Nachwuchsleute es in der Wissenschaft versuchen, aber unter äußerst schlechten Bedingungen starten.

  3. Lieber Samuel, auch ich denke, dass Eva hier einen sehr wichtigen Punkt macht und die Ausschreibung in vielen Hinsichten, extreme Anforderungen stellt. Zumindest die LfbA Stellen dürften eine Qualifikation nebenher nicht zulassen und bergen daher Gefahr, dass sie zu echten Karrieresackgassen werden. Könntest du den Hintergrund der Ausschreibungen etwas aufklären? Gerade weil wir derzeit ein politisches Klima haben, in dem sich der Unmut über die schlechten Nachwuchsperspektiven, die enormen Unsicherheiten des Wissenschaftsbetriebs und die große Ungleichheit zwischen den Stautsgruppen artikuliert – und vielleicht ja sogar Veränderung möglich ist -, sehe ich in solchen Ausschreibungen ein gefährliches Signal. Es ist schon klar, dass es strukturelle Grenzen und Vorgaben von Universitätsleitungen gibt, aber irgendwo müssen wir anfangen, uns für Veränderungen einzusetzen.
    Die Stellungsnahme der Deutsche Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW) findet sich übrigens hier: http://www.dvpw.de/fileadmin/docs/Stellungnahme%20zur%20Nachwuchsf%F6rderung%20Oktober2010.pdf
    In ihr wird unter anderem gefordert, dass ein erheblicher Zeitanteil für die eigene wissenschaftliche Qualifikation bereitzustellen ist und dass Lehrkräfte für besondere Aufgaben prinzipiell auf unbefristeten Verträgen eingestellt werden sollten, um zu gewährleisten, dass permanent anfallende Aufgaben fachgerecht von erfahrenem Personal erfüllt werden.
    Wie Eva schon schreibt mag das nicht bindend sein, kann aber eine Argumentationshilfe in der Auseinandersetzung mit den eigenen Institutionen darstellen

  4. Bei den LfbA interessant ist, dass meines Wissens im niedersächs. Hochschulrecht 1 SWS als 2 Arbeitsstunden „gezählt“ wird.
    Sprich: nach dem Hochschulrecht des Landes Niedersachsen entsprechen die 9SWS bereits 18 Wochenstunden Arbeit. Da bleibt nicht viel für andere Sachen. Abgesehen davon braucht eine richtig gute Lehre Anlaufzeit und Sammeln von Erfahrungen und evtl. didaktisiche Fortbildungen. In drei Jahren kann man da nicht viel aufbauen.

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