Lesenotiz: Weder gerecht noch realistisch – David Millers Plädoyer für das staatliche Recht auf Ausschluss

Im öffentlichen Diskurs fungiert das Recht von Staaten, ihre Grenzen zu kontrollieren, also sowohl die Einwanderung als auch den Zugang zu Rechtspositionen und insbesondere die Einbürgerung zu regulieren, noch immer als weitgehend unhinterfragte Prämisse aller weiteren Diskussionen etwa über Einwanderungs- und Einbürgerungspolitik oder die Aufnahme von Flüchtlingen. In seinem neuen Buch, das soeben unter dem Titel Fremde in unserer Mitte in deutscher Übersetzung erschienen ist, versucht David Miller, dieses staatliche ‚Recht auf Ausschluss’ philosophisch zu untermauern. Offensichtlich kommt dieser Debatte im Zuge der sogenannten „Flüchtlingskrise“ (für Miller sind die scare quotes unnötig) und dem politischen backlash in Form des Erfolgs rechtsextremer und fremdenfeindlicher Parteien quer durch Europa zusätzliche politische Brisanz zu – umso größer die intellektuelle und politische Verantwortung der politischen Philosophie und Theorie, könnte man denken, sich mit den entsprechenden Fragen umsichtig, selbstreflexiv und kritisch auseinanderzusetzen. Um es vorwegzunehmen: Millers Buch enttäuscht diese Erwartung, denn es ist nicht nur argumentativ schwach und fällt hinter den Stand der philosophischen Diskussion zurück, sondern auch von einem politischen Hautgout durchzogen, der schon im finsteren Titel anklingt und regelmäßig Stereotypen aufruft, die man eher in UKIP- (oder AfD-)Pamphleten als in philosophischen Traktaten erwarten würde.

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Reihe: Protest – Widerstand – Aufstand (Frankfurt)

Am Exzellenzcluster „Normative Ordnungen“ in Frankfurt findet in diesem Semester noch eine weitere Vorlesungsreihe statt (neben der Ringvorlesung, die gestern Thema war). Das Thema der von Nicole Deitelhoff und Christopher Daase organisierten Reihe lautet: Protest – Widerstand – Aufstand. Streit um politische Ordnungen.2015_Protest-Widerstand-Aufstand Es sprechen Jane Mansbridge (Harvard) zu Resisting Resistance (30.11) und Robin Celikates (Amsterdam) zu transnationaler Ungehorsam (07.12). Den Auftakt macht Assaf Moghadam (Herzlyia) zur Entwicklung terroristischer Kooperation (09.11). Die Veranstaltungen sind jeweils Montags, um 16 Uhr ct im Seminarhaus der Goethe-Universität (Raum SH 5.101). Alle Details entnehmt bitte dem Plakat.

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CfP: Global Cultures of Contestation (Amsterdam)

Am 15. und 16. Oktober findet in Amsterdam eine internationale Konferenz zu „Global Cultures of Contestation“ statt. In vier Tracks wird nach der kulturellen Dimension der globalen Protestbewegung der letzten Jahre gefragt, konkret nach der Mobilität, der Nachhaltigkeit, der Ästhetik und den Plattformen der Bewegungen. Wer an der Konferenz teilnehmen will, kann sich mit kurzem Abstract und Bio bis zum 01. Juni 2015 bewerben. Alle Infos finden sich hier auf der Webseite des „Amsterdam Institute for Globalisation Studies“

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Workshop: Civil Disobedience II (Berlin)

Am 8. und 9. Mai findet in Amsterdam Berlin der Workshop „Civil Disobedience Beyond the State II: The Digitalization of Disobedience from Whistleblowing to Anonymous“ statt. Thematisiert wird der Wandel zivilen Ungehorsams, dessen Globalisierung und Digitalisierung. Die Vortragenden decken das Feld von Aktivismus und wissenschaftlicher Reflektion breit ab, unter anderem werden Gabriella Coleman, Jillian C. York und Bill Scheuermann vortragen. Wer teilnehmen will, muss sich vorab registrieren. Wie, wo und überhaupt alle weiteren Infos findet ihr auf der Webseite oder unter dem Strich. (mehr …)

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CfA: Zwei Doktorandenstellen zu zivilem Ungehorsam (Amsterdam)

In dem von Robin Celikates geleiteten, gerade anlaufenden Forschungsprojekt „Transformations of Civil Disobedience: Democratization, Globalization, Digitalization“ sind zwei Doktorandenstellen ausgeschrieben. Das Projekt ist an der Amsterdam School for Cultural Analysis angesiedelt, die auch ein umfangreiches Trainingsprogramm für Doktoranden enthält. Die erste Stelle legt den Fokus auf den Globalisierungkontext, die zweite auf digitalen zivilen Ungehorsam. Beide Stellen sind für vier Jahre ausgeschrieben und die Bewerbungen müssen bis zum 01. Oktober eingegangen sein. Alle weiteren Informationen zu den Stellen findet ihr hier auf der Webseite. Viel Erfolg beim Bewerben!

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Vom Kreuz mit der radikalen Demokratie – Bericht von einem Workshop mit Andreas Kalyvas

Die Technische Universität Darmstadt wurde am 9. Mai 2011 zum ‚Austragungsort’ eines halbtägigen Workshops mit Andreas Kalyvas von der New School for Social Research in New York. Die Bezeichnung ‚Austragungsort’ ist zur Beschreibung der von Peter Niesen organisierten, zweigleisigen Veranstaltung, bestehend aus einem Vortragsteil und einer Podiumsdiskussion, mit Bedacht gewählt – denn das Thema „Constituent Power and Radical Democracy“ (hier unsere Ankündigung) entpuppte sich als ein mit Vehemenz vorgetragenes Plädoyer für eine demokratische und vor allem praktische Revitalisierung moderner Gesellschaften. Deren postdemokratisches Dahinvegetieren scheint seit Colin Crouch oder Jacques Rancière ja fast schon zu einem gegenwartsdiagnostischen Grundkonsens der Politischen Theorie geronnen zu sein. (mehr …)

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