Brexit und europäischer Populismus: Ein Kommentar aus dem Vereinigten Königreich

Das britische Votum, die Europäische Union zu verlassen, ist der jüngste Erfolg populistischer Politik in Europa. Populismus ist dabei keine neue Politikform, doch hat er sich seit der Finanzkrise von 2008 als Mainstream-Phänomen etabliert. PopulistInnen verstehen sich als VerteidigerInnen ‚des Volkes‘ gegen diejenigen, die sie als ‚das Establishment‘ oder ‚die Eliten‘ betrachten. Jede populistische Bewegung hat den Anspruch, das ‚wahre‘ oder ‚authentische‘ Interesse des Volkes gegen die Macht der Eliten zu verteidigen – gegen ‚Berufspolitiker‘, ‚gierige Banker‘, ‚großstädtische Snobs und Intellektuelle‘, ‚die Lügenpresse‘ oder ‚gesichtslose Bürokraten‘.

Vor dem Hintergrund der britischen Erfahrung des EU-Referendums möchte ich den VerteidigerInnen des europäischen Projekts einige Gedanken mit auf den Weg geben, wie eine Antwort auf EU-kritischen Populismus, der nach dem Brexit an Fahrt aufnehmen könnte, aussehen sollte. Anlass dazu ist die unangemessene Antwort, die die etablierte Politik im Rahmen des britischen Referendums auf ihn gegeben hat. Ich möchte zeigen, dass DemokratInnen die populistische Kritik an bestehenden Eliten und Machtkonzentrationen ernst nehmen sollten, auch wenn der Populismus ohne Zweifel besorgniserregende Formen annimmt. Kurz: Wenn PopulistInnen vom ‚Establishment‘ sprechen, bilden sie sich dieses nicht einfach ein. Zwar gibt es keine Demokratieform, die ohne hierarchische Elemente auskommt, doch diejenigen, die das europäische Projekt verteidigen wollen, müssen anerkennen, dass einige der Eliten, die von den PopulistInnen kritisiert werden, tatsächlich bestehende demokratische Prozesse unterminieren. Populismus erhält dort Kraft, wo die Erfahrung der Ohnmacht vorherrscht.

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Hey Ho, Let’s Go: Neues Philosophieblog aus Hannover

Die politisch-philosophische Bloglandschaft wächst und gedeiht weiterhin, ihr neuste Sproß: Das Forschungsinstitut für Philosophie in Hannover hat ein Blog ins Leben gerufen. Auf http://philosophie-indebate.de/ findet ihr ab sofort philosophische Artikel und Stellungsnahmen. Zum Auftakt wird über den Nutzen philosopischer Cafés debattiert, die Philosophie Cornel Wests vorgestellt und ein Beitrag zur Rolle von Eliten in der Demokratie lanciert. Wir begrüßen den Neuankömmling ganz herzlich, verweisen für alle, die sich für noch mehr Politische Philosophie/Theorie im Netz interessieren auf unsere Blogroll und fordern jene, die sogar gerne selbst mal etwas schreiben wollen – sich vielleicht aber nicht gleich einen ganzen Blog zutrauen – auf die Möglichkeit bei uns als Gastautor mitzuwirken.

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