Vergangenheit

Debatte

Die Zeit der Dinge. Schuld, Schulden und Restitution

Dieser Beitrag erscheint zeitgleich auf Geschichtstheorie am Werk, da die Beiträge aus einer gemeinsamen Reihe zur Politischen Theorie und Geschichtstheorie hervorgegangen sind.

Als Annalena Baerbock am 18. Dezember 2022 vor ihrer Abreise nach Abuja die Rückgabe von zwanzig Benin-Bronzen ankündigte, beschrieb sie diesen Schritt als Teil der deutschen Aufarbeitung einer „dunklen Kolonialgeschichte“. Mit der Rückgabe werde den betroffenen Ländern „ein Teil ihrer Geschichte“ zurückgegeben. Dabei wurden die Objekte nicht nur übergeben, sondern auch berührt, gehalten, präsentiert – und gerade darin lag mehr als ein bloßer Eigentumswechsel. Die materielle Rückgabe war hier offenkundig auch als symbolischer Akt der Reparatur inszeniert. Wer über Restitution spricht, spricht deshalb meist nicht nur über Dinge, sondern über die politischen Ordnungen der Vergangenheit und ihren Zusammenhang mit der Gegenwart.

Debatte

Blog-Kooperation: Politische Theorien in den Geschichtswissenschaften und Geschichtstheorien in den Politikwissenschaften. Eine interdisziplinäre Begegnung

Welche geschichtstheoretischen Vorannahmen und Vorstellungen von Geschichtlichkeit und historischen Narrativen haben sich in der Politischen Theorie etabliert und auf welche Weise sind sie wirksam? Und welche politik- und gesellschaftstheoretischen Prämissen sind wiederum in der fachwissenschaftlichen Geschichtsschreibung aufzufinden?  

Diese Fragen haben wir uns zusammen mit dem Blog Geschichtstheorie am Werk gestellt. Uns interessiert dabei vor allem, wie unserer beiden Disziplinen (implizit bis notwendigerweise) aufeinander verweisen. Welche gesellschaftstheoretischen Elemente sind in historiographischen Argumentationen unvermeidbar, welche historischen Legitimationen und Rekonstruktionen sind für politik- und gesellschaftstheoretische Argumentationen unverzichtbar? Nach einem gemeinsamen Call haben uns viele spannende Einreichungen erreicht. Sie werden in der kommenden Zeit parallel auf beiden Blogs, Geschichtstheorie am Werk und theorieblog.de, veröffentlicht.  

Den Aufschlag macht Rouven Symank. Er rückt in seinem Beitrag das Verhältnis von Zeit, Schulden und Restitution in den Fokus. Anna Simader stellt in ihrem Beitrag in geschichtsdidaktischer Hinsicht die Frage, wer überhaupt zur Geschichte gehört. Carlos Eric Ritter untersucht in seinem Aufsatz Welt, Geschichtsfähigkeit und tribale Gemeinschaft aus einer Arendtschen Perspektive. Im letzten Beitrag diskutiert Regina Richter die Frage, warum eine Auseinandersetzung mit den geschichtstheoretischen Grundlagen von Menschenrechten und Menschenrechtsgeschichte gerade in der aktuellen gesellschaftspolitischen Situation notwendig und fruchtbar ist.

Wir freuen uns sehr auf die interdisziplinäre Debatte! Wie immer sind alle herzlich dazu eingeladen, in den Kommentarspalten mitzudiskutieren.

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