Die Sprengkraft öffentlichen Trauerns: Antigone und das Zentrum für politische Schönheit
Der Hashtag #dietotenkommen hat es am vorletzten Sonntag auf Platz eins der deutschen Twitter-Öffentlichkeit geschafft. Die damit verbundene Aktion des „Zentrums für politische Schönheit“ überführte tote Flüchtlinge nach Deutschland, um sie hier zu bestatten, und attackierte mit symbolischen Gräbern die europäische Grenzpolitik. In den Feuilletons verschwand der Leser in einer moralischen Nebelwolke, in der eine große Frage herumwaberte: Darf man das? Tote ausgraben und verschicken und sich dabei auch noch selbst so inszenieren? Hinter der Antwort steht dann allzu oft die Kritik oder Verteidigung der aktuellen Grenzpolitik. Allerdings hat niemand die Frage aufgeworfen, wie es in der westlichen Demokratie überhaupt um die Möglichkeit bestellt ist, öffentlich und kollektiv zu trauern. Gibt es eine »Politizität« des Trauerns? …
