Sexualität

Debatte

70 Jahre BRAVO: Popkultur zwischen Kulturindustrie und Emanzipation

Heute vor 70 Jahren erschien die erste Ausgabe der BRAVO, zu erwerben für 50 Pfennig, mit einer Auflage von 30.000 Exemplaren (Farin 2010). Das sich zunächst amerikanischer Popkultur und Stars widmende Magazin wurde zum Kult für viele Generationen junger Menschen – so auch für mich, eine Teenagerin der Nullerjahre, welche das Blatt, damals für 1,30 €, jede Woche an der lokalen Kleinstadttankstelle kaufte. Die BRAVO versprach Zugang zu einer mir bisher verschlossen gebliebenen Welt der Jugendkultur, glamourös und verheißungsvoll, unabhängig von den Einflüssen der Eltern und der Schule. Anlässlich dieses Jubiläums möchte ich im folgenden Beitrag auf die Geschichte dieses Magazins zurückblicken und untersuchen, an welchen Stellen sich in diesem konsumorientierten Medium Momente von Selbstermächtigung junger Menschen identifizieren lassen. 

*** Inhaltswarnung: Im nachfolgenden Text wird ein Fall familiärer sexualisierter Gewalt erwähnt.*** …

Service, Veranstaltungen & CfP

CfP: Anarchismus und Sexualität(en)

Für einen geplanten Sammelband mit dem Titel „Anarchismus und Sexualität(en)“ lädt Maurice Schumann noch bis zum 1. Dezember 2025 zur Einreichung von Beitragsvorschlägen ein. „Der Sammelband soll“, so heißt es im hier zu findenden Call for Papers, „unterschiedliche, sich z.T. sicherlich auch gegenseitig widersprechende Positionen aus dem anarchistischen Lager versammeln.“ – und zwar mit Blick auf unterschiedlichste Formen und Aspekte von Sexualität, von Sexualerziehung bis zu sexuellen Subkulturen. Die Veröffentlichung des Bandes ist für 2026 im Verlag Syndikat A geplant.

Debatte

Die christlichen Wurzeln der Kritik. Lesenotiz zu Michel Foucaults „Die Geständnisse des Fleisches. Sexualität und Wahrheit 4“

Die Veröffentlichung von Foucaults viertem Band der Geschichte der Sexualität, Die Geständnisse des Fleisches (Berlin: Suhrkamp 2019), wurde von der Foucault-Community und der interessierten Öffentlichkeit gespannt erwartet. Vom lange unter Verschluss gehaltenen Band erhofft sich die Leser_innenschaft neue Erkenntnisse nicht nur zum Thema des Buches – die Reflexionen der Kirchenväter bis Augustinus zu Sexualität und Lebens­führung –, sondern zu Foucaults Werk im Allgemeinen und den großen Fragen nach Macht, Freiheit und Kritik, die dessen Rezeption bestimmen. Und tatsächlich bietet der Band überraschend neue Einsichten, in deren Lichte sich die herrschende Meinung zu Foucaults Freiheits- und Kritikbegriff als falsch herausstellt. Heute ist die These verbreitet, dass Foucaults Arbeiten zur antiken Ethik und parrhesia als Beitrag zu ei­nem normativen Freiheitsbegriff gewertet werden können. Dagegen zeigt Die Geständnisse des Fleisches, dass die für Foucault und unsere Gegenwart relevante Freiheit, die Fähigkeit zur reflexiven Selbst- und Machtkritik, ihren Ursprung in den Subjektivierungen des frühen Christentums hat, das Subjektivität zum ersten Mal an kritische Machtreflexion koppelt. …

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