Schulden

Debatte

Die Zeit der Dinge. Schuld, Schulden und Restitution

Dieser Beitrag erscheint zeitgleich auf Geschichtstheorie am Werk, da die Beiträge aus einer gemeinsamen Reihe zur Politischen Theorie und Geschichtstheorie hervorgegangen sind.

Als Annalena Baerbock am 18. Dezember 2022 vor ihrer Abreise nach Abuja die Rückgabe von zwanzig Benin-Bronzen ankündigte, beschrieb sie diesen Schritt als Teil der deutschen Aufarbeitung einer „dunklen Kolonialgeschichte“. Mit der Rückgabe werde den betroffenen Ländern „ein Teil ihrer Geschichte“ zurückgegeben. Dabei wurden die Objekte nicht nur übergeben, sondern auch berührt, gehalten, präsentiert – und gerade darin lag mehr als ein bloßer Eigentumswechsel. Die materielle Rückgabe war hier offenkundig auch als symbolischer Akt der Reparatur inszeniert. Wer über Restitution spricht, spricht deshalb meist nicht nur über Dinge, sondern über die politischen Ordnungen der Vergangenheit und ihren Zusammenhang mit der Gegenwart.

…

Alte Veranstaltungen und CfP

„The debt is owed to us“ – Feminist Perspektives on Debt, Austerity, and Authoritarian Neoliberalism (Berlin, 27. Juni)

Katja Diefenbach, Jule Govrin, Ruth Sonderegger und Pablo Valdivia haben für den 27. Juni im Rahmen von diffrakt eine Veranstaltung zu feministischen Perspektiven auf Schulden, Austerität und autoritären Neoliberalismus organisiert. Anschließend an einen Vortrag von Lucí Cavallero und Verónica Gago, in dem diese auf Basis konkreter Erfahrungen und Praktiken aus Lateinamerika und anderen Teilen der Welt ihre Analyse von Austerität und Formen des Widerstands gegen Verschuldung vorstellen, soll sich ein Raum zur Diskussion über feministische Perspektiven auf und Praktiken gegen Austerität eröffnen. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden sich hier.

Alte Veranstaltungen und CfP

CfA: Workshop Politische Theorie(n) der Öffentlichen Finanzen

Termin: 19.01.2023 – bis 20.01.2023 (Do-Fr), 14:00-19:00 Uhr plus Abendprogramm; 9:30-14 Uhr.
Ort: TU Darmstadt
Probleme der demokratischen und demokratiegerechten Finanzierung öffentlicher Aufgaben sind in den vergangenen Jahren wieder vermehrt in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Die materielle (Re-)Produktion kollektiver Ordnung gilt heute zwar als Standardthema der Politischen Ökonomie. Demgegenüber fallen – aufgrund der Verstreutheit der Arbeiten – die Debattenbeiträge und Reflexionen aus dem Bereich der Politischen Theorie und Ideengeschichte weiterhin gering aus. Das offenkundige Risiko entweder zu isolierter oder aber interdisziplinärer Forschungen ohne hinreichendes fachspezifisches Fundament lässt wünschenswerte Synergien unausgeschöpft. Zumal die Forschungsleistungen jüngerer Kolleg_innen unter „Corona“-Bedingungen in Deutschland zuletzt kaum vernetzt werden konnten. Hier will unser Workshop ansetzen.

…

Alte Veranstaltungen und CfP

Vorlesungsreihe: The DEBT Lectures (Frankfurt)

Am Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main findet in diesem Wintersemester eine Vorlesungsreihe mit dem Titel „The DEBT Lectures“ statt. In der Vortragsreihe geht es um die Reflexionen gegenwärtiger Schuldenbeziehungen im neoliberalen Europa und die Analyse eines erweiterten Verständnis von Schulden und Schuld in Hinblick auf die Konstituierung von Subjektivitäten und sozialen Bindungen. Eingeladen sind Maurizio Lazzaratto, Maria Markantonatou, Ute Tellmann, Silke Meyer und Yannis Stavrakakis. Die erste Veranstaltung mit Aristide Antonas ist schon gelaufen, aber als nächstes steht am 15.11 (19h, IfS)  ein Vortrag von Maurizio Lazzarato zu „The Debt and the War“ an. Infos zur Reihe gibt es auf dem Plakat und zudem auch noch auf einem übergeordneten Blog.

Alte Veranstaltungen und CfP

Workshop: Democracy and the Financial Order

Das Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht (Heidelberg) und das Exzellenzcluster Normative Ordnungen (Frankfurt) veranstalten am 2. und 3. September einen Workshop zu Democracy and the Financial Order: Legal Perspectives. Der Workshop findet im Clustergebäude in Frankfurt statt. Ihm geht am Abend des 02.09 eine öffentliche Keynote von Hendrik Enderlein zum Thema „Sovereign Debt an Democracy: Challenges after the Crisis“ voraus. Der Workshop setzt eine Anmeldung unbedingt voraus, alle Infos erhaltet ihr auf dem Plakat.

Debatte

Im Bann der Falschheit. Wolfgang Streecks Wiederaufnahme der Kapitalismuskritik

Rezension zu Wolfgangs Streecks »Gekaufte Zeit: Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus, Berlin, Suhrkamp, 2013«

In seinem beeindruckenden Buch knüpft Wolfgang Streeck an die »Spätkapitalismus«-Theorien der 1960er und 1970er Jahre an. Deren erwartete krisenpolitische Sequenz lautete wie folgt: Im Unterschied zum klassischen Kapitalismus der Vorkriegszeit (lies: dem »goldenen Zeitalter« des fordistischen Kapitalismus) sei heute für jeden sichtbar, dass sich der Wohlstand zu ganz erheblichen Anteilen staatlichen Eingriffen in den nach wie vor kapitalistischen Akkumulationsprozess verdanke. Dadurch aber könne eine Konstellation auftreten, in der Erwartungen der Menschen an Wohlstandszuwächse und Spielräume zur individuellen Entfaltung schneller wachsen als es eine weiterhin auf stabile Ertragsaussichten angewiesene Kapitalakkumulation erlaube. Aus dem Interessenkonflikt zwischen den Ertragsansprüchen der Kapitalbesitzenden und den wohlfahrtsstaatlich geweckten Entfaltungserwartungen der demokratisch Regierten wurde die Entstehung sozialer Bewegungen erwartet – wohl auch erhofft –, die eine Demokratisierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Staat auf die Tagesordnung setzen. …

Nach oben scrollen