Podcast: Samuel Salzborn – Die dunkle Seite der Theorie

Mit einer Woche urlaubsbedingter Verspätung geht es heute weiter mit dem vorletzten Podcast unserer Reihe. Ich bitte die Verspätung zu entschuldigen.

Plakat_Zukunft_der_Politischen_Theorie-001Samuel Salzborn, einer der renommiertesten Experten für Rechtsextremismus und Antisemitismus in Deutschland, durchleuchtet in seinem Vortrag „Die dunkle Seite der Theorie“. Die dunkle Seite sind die antiemanzipativen, antiaufklärerischen, antiliberalen Ideen, wie sie heute vor allem im Denken des Rechtsextremismus und des radikalen Islamismus zu finden sind. Salzborn beschreibt das Verhältnis dieser beiden Strömungen zum Liberalismus, im Anschluss an sein aktuelles Buch, als einen „Kampf der Ideen“ mit jeweils exklusiven Weltsichten. Die Ideen entwickelten sich in unterschiedlichen Konflikten – der Liberalismus entstand im Kampf gegen den Absolutismus, der Faschismus im Kampf gegen den Liberalismus und der Islamismus im Kampf gegen die westliche Welt – und doch entstehen heute gemeinsame Fronten. Hinsichtlich des Menschenbildes stehen Rechtsextremismus und radikaler Islamismus mit jeweils spezifischen Idealen homogener Gemeinschaft (Volk und Umma) gegen das aufgeklärte Subjekt des Liberalismus. Die gleiche Frontstellung ergibt sich in politischer Hinsicht, auch hier steht der Vorrang des Kollektivs gegen das liberale Individuum, der letztlich immer in einem Identitätszwang mündet. Die Strategie beruht dabei vor allem auf der identitätspolitischen Etablierung essentialistischer Differenzen, die letztlich – zumindest im Fall des Rechtsextremismus – auf ein System globaler Apartheit, einen „Volksgruppenzoo“, hinauslaufen. Rechtsextremismus und radikaler Islamismus basieren auf der gleichen antimodernen Regression, in der „Juden“, „Amerika“ und „Moderne“ als negative Projektionsflächen für dieses kollektivistische Phantasma dienen.

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Offener Brief gegen die Streichung der Professur Salzborn (Göttingen)

Die Professur von Samuel Salzborn, die an der Universität Göttingen mit der Denomination ‚Grundlagen der Sozialwissenschaften‘ eingerichtet ist, soll durch das Präsidium der Fakultät gestrichen werden – und dies obwohl sich der Fakultätsrat der Sozialwissenschaftlichen Fakultät noch im Dezember einstimmig für eine Fortführung der Professur ausgesprochen hat. Zur Unterstützung von Samuel Salzborn, der seine Forschungsschwerpunkte in Politischer Theorie und Demokratietheorie hat und der umfangreich etwa zu den Themen Rechtsextremismus, Ideengeschichte, Antisemitismus oder sozialwissenschaftliche Theoriebildung publiziert hat, wurde nun vom Fachschaftsrat ein offener Brief verfasst, der neben Salzborns Forschungsleistungen, vor allem auch dessen Bedeutung in der sozialwissenchaftlichen Lehre der Fakultät unterstreicht. Der Brief, der auch nochmal einige Hintergründe gibt, ist hier zu finden (und auch noch einmal unter dem Strich dokumentiert).

 

— Update: Im Göttinger Tageblatt ist ein Artikel über die Diskussion um die Nicht-Verlängerungerung Samuel Salzborns erschienen: hier klicken

— Update 2: Auch die von Samuel Salzborn beantragte Dokumentationsstelle Rechtsextremismus steht mit der Nicht-Verlängerung der Professur auf der Kippe, wie der NDR berichtet: hier klicken —

Update 3: Der Fachschaftsrat Sowi hat die Unterschriftenliste zum offenen Brief überreicht und berichtet von seinem Vorgehen: hier klicken —

–Update 4: Die TAZ hat in einem Artikel die Entwicklungen und Argumente in Bezug auf die Nicht-Verlängerung der Professur von Samuel Salzborn noch einmal zusammengestellt: hier klicken

— Update 5: Die Präsidentin der Universität Göttingen hat dem NDR zufolge nun auf formale Gründe dafür verwiesen, dass eine Verlängerung der Professur von Samuel Salzborn nicht möglich ist. Das niederländische Hochschulgesetz lasse keine Verlängerung von Erstberufenen zu: hier klicken

 

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