Populismus

Service, Veranstaltungen & CfP

Vortrag: „Carl Schmitt’s Critique of Political Compromise – Political Thought and Populist Affinities“ (Berlin)

Im Rahmen der elften Carl Schmitt Lecture hält Sandrine Baume, Professorin für Politische Theorie und Geschichte des politischen Denkens an der Universität Lausanne, am 15. Oktober 2026 einen Vortrag mit dem Titel „Carl Schmitt’s Critique of Political Compromise – Political Thought and Populist Affinities“. Die Veranstaltung beginnt um 18h im Tieranatomischen Theater am Charité-Campus in Berlin, alle Informationen finden sich hier.

Service, Veranstaltungen & CfP

CfP: 2. DVPW-Impulstagung „Demokratie(n) vor, während und nach Populismus“ (Rostock)

Am 20. und 21. Mai 2027 findet an der Universität Rostock die zweite DVPW-Impulstagung zum Thema „Demokratie(n) vor, während und nach Populismus – Globale Herausforderungen für empirische Demokratieforschung, Demokratietheorie und politische Bildung“ statt. Die von Gudrun Heinrich, Wolfgang Muno und Alexander Weiß veranstaltete Konferenz verfolgt das Ziel, das  Verhältnis von Populismus und Demokratie über drei innovative Perspektiven – eine „Phasenperspektive“, eine „globalvergleichende Perspektive“ und über die „Dimension politischer Bildung“ – zu beleuchten.

Die Tagung bietet Anknüpfungspunkte für globale, inter- und intraregionale Vergleiche und Fallstudien sowie für unterschiedliche theoretische und methodische Zugänge, quantitative, qualitative und multi-methods-Ansätze, die aus der Vergleichenden Politikwissenschaft, der Politischen Theorie, der Politischen Bildung und angrenzenden subdisziplinären Kontexten stammen können. Besonders erwünscht sind Beiträge, die sich auch mit außereuropäischen Populismen beschäftigen, z.B. mit Lateinamerika.

Beitragsvorschläge (max. 300 Wörter) können in deutscher oder englischer Sprache bis zum 15. Oktober 2026 an folgende E-Mail-Adressen eingesendet werden: wolfgang.muno[at]uni-rostock.de; alexander.weiss[at]uni-rostock.de; gudrun.heinrich[at]uni-rostock.de. Weitere Anregungen und Informationen findet ihr im vollständigen CfP.

Debatte, Lesenotiz

Eine neue, transnationale Spaltungslinie? Eine Lesenotiz zu „Spaltungslinien. Europas Parteiensysteme und die Dekonsolidierung des Nationalstaates“ von Philip Manow

Wie ist der paneuropäische Erfolg der populistischen Parteien zu erklären? Sind wirtschaftliche Verwerfungen entscheidend? Oder machen Kämpfe um Identität und Kultur den Unterschied aus? Philip Manow, Professor für Politische Ökonomie, versucht sich in seinem neuen Werk an einer anderen Begründung. Ausgangspunkt seiner Argumentation: Das klassische Wahlverhalten verschiebe sich grundlegend. Die Arbeiterklasse wähle mehr und mehr „rechts“, das Bürgertum verabschiede sich nach und nach vom Konservatismus und wähle nunmehr „links“. Diese Neuordnung des politischen Raums sei Ausdruck einer neuartigen „Spaltungslinie“ bzw. cleavage, die für den Erfolg der (Rechts-)Populisten verantwortlich sei: der Kampf um die „Öffnung oder Schließung nationalstaatlicher Rahmungen“ (S. 22). Manow bedient sich der klassischen Cleavage-Theorie nach Lipset und Rokkan und postuliert eine neue transnationale Spaltungslinie. Der Clue: Diese sei nicht reduzierbar auf kulturelle Faktoren, wie von anderen zuvor argumentiert, sondern eine Spaltungslinie sui generis. Auch wenn die Erklärung des Wahlerfolgs von populistischen Parteien durch eine transnationale Spaltungslinie in der umfangreichen Literatur nicht gänzlich neu ist, bietet Manow doch lohnenswerte Anknüpfungspunkte für tiefergehende Diskussionen. So können seine Ausführungen zum transnational cleavage in zwei Richtungen interpretiert werden. Die erste Lesart würde das herkömmliche zweidimensionale Schema des politischen Raums – mit einer kulturellen und einer ökonomischen Konfliktlinie – lediglich um eine dritte Achse ergänzen. Seymor Lipset und Stein Rokkan postulierten in der Cleavage-Theorie, dass die Konsolidierung der Nationalstaaten die Bedingung für den politischen Raum mit ökonomischer und kultureller Spaltungslinie gewesen sei. Aus diesem Grund öffnet sich Spielraum für eine zweite Lesart von Manows Argument. Die „Dekonsolidierung des Nationalstaats“, so wäre zu vermuten, würde eine fundamentale Verschiebung im politischen Raum bedeuten. Manow legt sich nicht auf eine Interpretation fest. Nicht zuletzt wäre deswegen an verschiedenen Stellen eine umfangreichere Explikation lohnens- und wünschenswert gewesen.

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Veranstaltungen & CfP

17. November, Berlin: Präsentation des „Jahrbuchs des Föderalismus“ zum Thema „Föderalismus – Hemmnis oder Chance für den Populismus?“

Die Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund (Tiergartenstraße 15, 10785 Berlin) und das Tübinger Europäische Zentrum für Föderalismus-Forschung (EZFF) veranstalten am 17. November 2025 ab 17 Uhr die Präsentation des diesjährigen „Jahrbuchs des Föderalismus“ zum Thema „Föderalismus – Hemmnis oder Chance für den Populismus?“ …

Jobs & Stipendien

CfA: Promotionsstelle „Antidemokratische Regression“ (Frankfurt)

Am Forschungszentrum Normative Ordnungen in Frankfurt ist eine Promotionsstelle (65%) ausgeschrieben. Die Stelle ist im Work Package „Begriff und Theorien der Regression“ des Hessischen Forschungsverbunds DemoReg „Herausforderungen der Demokratie in Zeiten ihrer Regression“ angesiedelt. Gesucht wird ein/e Stelleninhaber:in die Lust hat mit Rainer Forst und Vera King an der Schnittstelle von politischer Theorie/Philosophie und Soziologie/psychoanalytische Sozialpsychologie zum Thema „Antidemokratische Regression“ zu arbeiten. Bewerbungen können bis zum 09.09.2025 an sekretariat.forst@soz.uni-frankfurt.de geschickt werden. Zur ganzen Ausschreibung geht es zudem hier.

 

Veranstaltungen & CfP

Für Kurzentschlossene: Der Liberalismus und seine Kritiker (Berlin)

Das Zentrum liberale Moderne lädt heute, Donnerstag, 17. Juli, zu einem Fachgespräch mit Philip Manow nach Berlin ein. Die Veranstaltung widmet sich den blinden Flecken des Liberalismus und stellt die Frage, inwiefern Populismus als vitalisierende – vielleicht auch legitime – Reaktion auf eine zunehmende Entpolitisierung verstanden werden kann. Die Veranstaltung beginnt um 18.00 Uhr und findet im Tieranatomischen Theater in Berlin statt. Näheres und Anmeldung hier.

Debatte

Unverbunden – unverstanden – unveränderbar. Einsamkeit als politisches Problem

Die Corona-Pandemie machte Einsamkeit zu einem virulenten Thema. Definiert wird die Emotion als ein subjektiv wahrgenommener Zustand, in dem das Bedürfnis nach Qualität und Quantität sozialer Beziehungen sich nicht mit den tatsächlich erfahrenen deckt (Luhmann 2022: 12f.). Je nach Studie sind in Deutschland etwa 11 bis 19 % der Gesamtbevölkerung zumindest manchmal davon betroffen (Entringer 2022; Neu & Küpper 2023: 337f.; Schobin et al. 2024: 19). Neuerdings geht es in der Diskussion darum, ob Einsamkeit auch demokratiegefährdend sein kann. So konstatiert etwa die Mitte-Studie: „Einsamkeit kann als Indikator verstanden werden für eine Gesellschaft, die sich zunehmend unverbunden fühlt, die sich von der Demokratie distanziert und ihren Institutionen misstraut“ (353). Daran anknüpfend wird Einsamkeit in diesem Beitrag als Anzeichen für ein gesellschaftliches Verhältnis gedeutet, das durch fehlende Verbundenheit zum Gemeinwesen, dem Gefühl, von demokratischen Institutionen nicht verstanden zu werden sowie dem Schein der Unveränderbarkeit von Politik gekennzeichnet ist.

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Debatte

Replik: Befragung der eigenen Grundlagen statt Wiederkehr des Immergleichen

Die politische Theorie Claude Leforts erfreut sich im deutschen Sprachraum einer ungebrochenen Beliebtheit. Davon zeugen nicht zuletzt die hier auf dem Blog versammelten Beiträge anlässlich seines hundertsten Geburtstages. Sie entstammen vorwiegend einer Theoriekonzeption, die sich selbst als radikaldemokratisch versteht und dabei in sehr affirmativer Weise auf Leforts politisches Denken bezieht. Unser kritisch-kontextualisierender Zugang zum Werk von Lefort wird von Martin Oppelt in einer Weise kritisiert, die fast den Eindruck erweckt, wir würden uns der unangemessenen Hinterfragung einer zentralen (demokratischen) Autorität schuldig machen. Das wollen wir zum Anlass nehmen, noch einmal unsere Gründe für eine distanzierte Auseinandersetzung mit Lefort anzuführen. Diese lassen sich gerade auch an den Beiträgen des hiesigen Forums demonstrieren.

So erinnert Oliver Flügel Martinsen mit Lefort einmal mehr daran, Demokratie als eine „Befragungspraxis des Politischen“ zu verstehen, die als „Kontestation und Transformation bestehender Ordnungen keine Fakten beschreiben, sondern einen Konstitutionsmodus gesellschaftlicher Ordnungen umreißen“ soll. Sara Gebh und Sergej Seitz sehen das Verdienst von Lefort vornehmlich darin, die „Spannung zwischen Demokratie und Institution produktiv zu wenden“. Martin Oppelt schließlich gelangt zu der Einschätzung, dass Leforts Abschied vom Marxismus wesentlich darauf zielte, „die Bedingungen der Möglichkeit zu analysieren, vor dem Hintergrund einer geteilten Erfahrung der Welt verschiedene Antworten auf dieselbe Frage (der Demokratie) überhaupt zueinander in Konkurrenz bringen zu können.“ Wir müssen gestehen, dass wir mit derartigen Formulierungen recht wenig anzufangen wissen. Was soll hier konkret „produktiv gewendet“ werden? Welche „geteilten Erfahrungen“ werden auf welche Weise „zueinander in Konkurrenz gebracht“? …

Debatte

Lefort-Schwerpunkt: Von der Verkörperungsrepräsentation und dem homogenen Volk: Eine kritische Überprüfung von Leforts Begrifflichkeit in der Populismusforschung

Die Populismusforschung hat sich in den letzten 20 Jahren stark entwickelt und inzwischen als eigenständiger Forschungszweig etabliert. Vier Theorieansätze sind hier von Interesse: der minimale Ansatz (Mudde 2004; Mudde u. Rovira Kaltwasser 2019); der komplexe Ansatz (Stanley 2008; Diehl 2024); der diskursanalytische Ansatz (Laclau 2005; Mouffe 2018); und der Totalitarismus-inspirierte Ansatz (Arato 2013; Müller 2016; Rosanvallon 2020; Arato u. Cohen 2022). Die beiden letzteren stehen in enger Verbindung mit Claude Leforts Denken. Obwohl der Totalitarismus-inspirierte Ansatz vielversprechende Elemente der Lefortschen Theorie aufgreift, kann er den Blick auf die komplexe und ambivalente Beziehung des Populismus zur Demokratie (Mény u. Surel 2000) trüben. Es gilt also, die Chancen und Risiken der Anwendung von Leforts Totalitarismustheorie für das Verstehen des Populismus zu überprüfen. Diese liegen in der Verwendung der Konzepte “l’un” für die Repräsentation des Volkes als unveränderbar und homogen sowie des “Egokraten” als Repräsentationsmodus, in dem das Volk und die Macht von der Führerperson verkörpert werden. Beide sind Konzepte, die Lefort anhand des Totalitarismus entwickelt. Populismus steht damit in Beziehung, ohne dadurch beschrieben werden zu können. Mehr noch, mit Leforts Demokratie- und Totalitarismustheorie wird es möglich, diejenigen Stellen aufzuzeigen, an denen das populistische Versprechen von Volkssouveränität beide Möglichkeiten eröffnet: die Redemokratisierung der Demokratie aber auch ihre Abschaffung durch Autoritarismus und Totalitarismus.    …

Debatte

Schwerpunkt: 100 Jahre Lefort

In diesem Jahr wäre Claude Lefort 100 Jahre alt geworden. Anlässlich dessen wird es auf dem Theorieblog einen Schwerpunkt rund um sein Denken geben. Als Denker des Politischen ist Lefort, durch seine Auseinandersetzungen mit der Demokratie und dem Totalitarismus, mit seinem geflügelten Wort des “leeren Ortes der Macht”, seiner Kritik an politischen Wissenschaften, aber auch durch seine Machiavelli-Lesart sowie seinem frühen Engagement in der Revue “Socialisme ou Barbarie” bis heute in Erinnerung geblieben und Referenzpunkt aktueller Debatten in der politischen Theorie.  

In dieser und der kommenden Woche werden sich fünf verschiedene Beiträge mit unterschiedlichen Aspekten seines Werkes beschäftigen: Ragna Verhoeven widmet sich in vergleichender Absicht der Rezeption Leforts im deutsch- und französisch-sprachigen Raum. Oliver Flügel-Martinsen erörtert die Rolle der befragenden Kritik im Werk Leforts. Welchen Stellenwert demokratische Institutionen im Denken Leforts einnehmen, arbeiten Sara Gebh und Sergej Seitz in ihrem Beitrag heraus.  Anschließend zeigt Paula Diehl, dass sich mit den Ressourcen von Leforts Theorie das Verhältnis von Populismus und Totalitarismus erhellen lässt. Zum Abschluss behandelt Martin Oppelt in seinem Beitrag die Frage, inwiefern Lefort als ein liberaler Denker gelesen werden kann.  

Wir freuen uns sehr auf die kommenden Wochen und wünschen viel Spaß beim Lesen und Diskutieren!   

Eure Theorieblog-Redaktion 

Jobs & Stipendien

CfA: WiMi Stelle in Kiel (Doc, 3 Jahre, 50%)

An der Professur für Politische Theorie, Ideengeschichte und Politische Kultur (Prof. Dr. Paula Diehl) im Bereich Politikwissenschaft der Christian-Albrechts- Universität zu Kiel ist zum 01. April 2025 eine Stelle als wissenschaftliche:r Mitarbeiter:in mit Zielrichtung Promotion ausgeschrieben. Es handelt sich um eine halbe Qualifikationsstelle, die zunächst auf drei Jahre befristet ist. Die Aufgabengebiete umfassen: Forschung in einem der Schwerpunktbereiche der Professur (politische Repräsentation, politische Performativität, Populismus, das politische Imaginäre, Politik und Medien), Lehre im Umfang von 2 SWS, Unterstützung der Professur in der Forschung sowie Mitwirkung an Organisationsaufgaben. Bewerbungen müssen bis zum 23. Januar 2025 eingereicht werden. Weitere Details finden sich in der vollständigen Stellenausschreibung.

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