Politische Narrative

Debatte

Blog-Kooperation: Politische Theorien in den Geschichtswissenschaften und Geschichtstheorien in den Politikwissenschaften. Eine interdisziplinäre Begegnung

Welche geschichtstheoretischen Vorannahmen und Vorstellungen von Geschichtlichkeit und historischen Narrativen haben sich in der Politischen Theorie etabliert und auf welche Weise sind sie wirksam? Und welche politik- und gesellschaftstheoretischen Prämissen sind wiederum in der fachwissenschaftlichen Geschichtsschreibung aufzufinden?  

Diese Fragen haben wir uns zusammen mit dem Blog Geschichtstheorie am Werk gestellt. Uns interessiert dabei vor allem, wie unserer beiden Disziplinen (implizit bis notwendigerweise) aufeinander verweisen. Welche gesellschaftstheoretischen Elemente sind in historiographischen Argumentationen unvermeidbar, welche historischen Legitimationen und Rekonstruktionen sind für politik- und gesellschaftstheoretische Argumentationen unverzichtbar? Nach einem gemeinsamen Call haben uns viele spannende Einreichungen erreicht. Sie werden in der kommenden Zeit parallel auf beiden Blogs, Geschichtstheorie am Werk und theorieblog.de, veröffentlicht.  

Den Aufschlag macht Rouven Symank. Er rückt in seinem Beitrag das Verhältnis von Zeit, Schulden und Restitution in den Fokus. Anna Simader stellt in ihrem Beitrag in geschichtsdidaktischer Hinsicht die Frage, wer überhaupt zur Geschichte gehört. Carlos Eric Ritter untersucht in seinem Aufsatz Welt, Geschichtsfähigkeit und tribale Gemeinschaft aus einer Arendtschen Perspektive. Im letzten Beitrag diskutiert Regina Richter die Frage, warum eine Auseinandersetzung mit den geschichtstheoretischen Grundlagen von Menschenrechten und Menschenrechtsgeschichte gerade in der aktuellen gesellschaftspolitischen Situation notwendig und fruchtbar ist.

Wir freuen uns sehr auf die interdisziplinäre Debatte! Wie immer sind alle herzlich dazu eingeladen, in den Kommentarspalten mitzudiskutieren.

Debatte, ZPTh-Debatte

Crossdressing der Disziplinen? Literaturwissenschaft und die Politik des Bekenntnisses

Im Rahmen der aktuellen ZPTh-Debatte auf dem Theorieblog antwortet heute Astrid Séville auf den Kommentar von Albrecht Koschorke zu ihrem Beitrag „Kitsch und Krise“.

Für Autoren akademischer Texte gilt üblicherweise, was wir als Maxime aus dem britischen Königshaus kennen: never complain, never explain. Sie vermeiden es, irritierenden Besprechungen eine Verteidigung des eigentlich Gemeinten hinterherzuschicken und grübeln stattdessen im Stillen über Interpretationen, Intentionen und womöglich unglückliche Formulierungen, statt sich darüber zu freuen, überhaupt gelesen zu werden. Die weitgehend entintellektualisierte Universität und die Zwänge des Publikationswesen erschweren riskantes und lustvolles Lesen und Schreiben; Kontroversen sind oftmals vorsichtig oder strategisch. Umso erfreulicher ist das Format des Theorieblogs, einen Beitrag aus der Zeitschrift für Politische Theorie nicht nur kommentieren zu lassen, sondern den Autor auch respondieren zu lassen. Dass Albrecht Koschorke meinen Essay „Kitsch und Krise“ kommentiert hat, freut und ehrt mich sehr. Gerne nehme ich daher die Gelegenheit wahr, zu antworten.

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Debatte, Service, ZPTh-Debatte

Militarisierung der Politikwissenschaft? Kommentar zu Astrid Sévilles ZPTh-Beitrag „Kitsch und Krise“

Vor Kurzem ist die neue Ausgabe der Zeitschrift für Politische Theorie (ZPTh) erschienen! Das aktuelle Heft ist mit einer Reihe spannender Beiträge gefüllt: Unter der Rubrik „Abhandlungen“ diskutiert Kolja Lindner verschiedene Perspektiven materialistischer Eurozentrismuskritik, und Finn Starken untersucht in seinem Aufsatz die Frage: „Wie stabil ist Rawls‘ Modell der Eigentumsdemokratie?“

Neben diesen beiden Abhandlungen versammelt das Heft zudem drei essayistische „Standpunkte“ zum Thema „Lost in emancipation. Das Ende vom Ende der großen Erzählungen“ – eingeleitet von Frauke Höntzsch. Fast 50 Jahre nachdem Jean-François Lyotard in seinem Buch „La condition postmoderne“ (1979) das „Ende der großen Erzählungen“ diagnostizierte, gehen Walter Reese-Schäfer, Astrid Séville und Sara Gebh in ihren Beiträgen aus unterschiedlichen Perspektiven der These vom gegenwärtigen „Ende des Endes der großen Erzählungen“ nach. Astrid Sévilles Essay „Kitsch und Krise“ haben wir für die Debatte auf dem Theorieblog ausgewählt. Er steht damit zugleich hier kostenlos zum Download zur Verfügung.

Außerdem enthält die aktuelle Ausgabe ein Interview von Christian Marks mit Nikita Dhawan zum Thema „Die Aufklärung und Europa zwischen Versprechen und Verhängnis“ sowie zwei besondere „Ideengeschichtliche Fundstücke“: eine Rezension Carl Schmitts zu Otto Kirchheimers Buch „Political Justice. The Use of Legal Procedures for Political Ends“ (1961) mit einem Kommentar von Hubertus Buchstein, sowie einen Wiederabdruck von fünf Briefen Robert A. Dahls mit einer Einleitung von Stefan Meyer. Das Heft schließt mit einem Nachruf auf Michael Becker (1958-2024) von Hans-Joachim Lauth.

Wir freuen uns sehr, dass Albrecht Koschorke mit einem Kommentar zum Beitrag von Astrid Séville die ZPTh-Debatte auf dem Theorieblog im Folgenden eröffnen wird. Astrid Séville wird später in Form einer Replik darauf antworten. Wie immer sind alle herzlich eingeladen, in den Kommentarspalten mitzudiskutieren! Wir wünschen eine gute Lektüre und übergeben nun das Wort an Albrecht Koschorke.

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Service, Veranstaltungen & CfP

Workshop: Aufweisendes Denken – Aufweisendes Handeln. Philosophische Perspektiven auf politische Narration und demokratische Präfiguration, 21.–22.01.2027, Berlin.

Vom 21.–22.01.27 veranstalten Stefan Herrmann und Sergej Seitz den Workshop „Aufweisendes Denken – Aufweisendes Handeln“ in Berlin. Dort sollen narrative und rhetorische Formen politischen Handelns, eben als „aufweisendes“ gegenüber diskursiv begründendem Handeln, in den Mittelpunkt gerückt werden. Als weiteren Schlüsselbegriff aufweisenden Handelns begreifen sie ‚Präfiguration‘ im Sinne einer narrativ-kreativen Formulierung von politischen Zukunftsvorstellungen. Theoretische Referenzrahmen für eine solche Perspektive könnten eine politische Phänomenologie, die Kritische Theorie, postfundamentalistische Ansätze sowie analytische Epistemologien bilden.

Abstracts von ca. 300 Wörtern können bis zum 31.07.26 bei Stefan Herrmann (stefan.herrman(at)fernuni-hagen.de) und Sergej Seitz (sergej.seitz(at)univie.ac.at) eingereicht werden. Die Beiträge sollen überdies in einem Special Issue einer einschlägigen Zeitschrift veröffentlicht werden. Einen detaillierten Call und weitere Informationen gibt es hier.

Debatte

Podcast: Holger Zapf – Von Bourguibas Identitätsnarrativ zum postrevolutionären politischen Islam der Ennahda

Der Vortrag von Paula Diehl musste leider auf 17. Mai verschoben werden und Holger Zapf ist dankenswerterweise kurzfristig eingesprungen, was Bismarck seinen Platz im Titel
gekostet hat. Die Kinderkrankheiten hat der Podcast leider immer noch nicht überwunden, weshalb leider die Video-Aufnahme des Referenten fehlt.

Plakat_Zukunft_der_Politischen_Theorie-001
Als Gründungsmitglieder der DVPW-Themengruppe „Transkulturell vergleichende Politische Theorie“ (der Theorieblog berichtete) beginnt Holger Zapf seinen Vortrag mit den Herausforderungen, mit denen die transkulturelle Theorie konfrontiert ist. Weder ein systematischer noch ein ideengeschichtlicher Zugang, wie sie in der Politischen Theorie sonst üblich sind, ist ohne weiteres gangbar. Der systematische Zugang wird durch die Machtasymmetrie und dem Problem der Identifizierbarkeit intellektueller Leuchttürme erschwert, die in der amero- und eurozentristischen Theorien ganz selbstverständliche Orientierungspunkte bilden – man denke nur an Rawls oder Habermas –, der ideengeschichtliche durch ein mangelndes Verständnis der historischen Kontexte, die sonst meist unhinterfragt vorausgesetzt werden. Transkulturelle Politische Theorie verweist in methodischer Hinsicht in die Zukunft der Disziplin jenseits der andauernden Beschäftigung mit privaten Hausgöttern. Wie transkulturelle Theorie trotz dieser Schwierigkeiten gelingt, zeigt Zapf am Beispiel des Identitätsnarrativs Habib Bourguibas, dem ersten Präsidenten Tunesiens nach der Unabhängigkeit. Bourguiba bricht mit der eurozentrischen Erwartungshaltung, die Offenheit mit Demokratie assoziiert, indem er ein Plädoyer für eine offene und hybride Identität mit Demokratiefeindlichkeit verbindet. Auch im postrevolutionären Tunesien bleibt, so Zapf, diese Ambivalenz erhalten und nur vor diesem Hintergrund lasse sich bspw. die Auseinandersetzung um die Rolle der Religion in der Verfassungsgebung nach dem Arabischen Frühling angemessen verstehen.

Audio: Download

Audio-Stream:

Das Video gibt’s nach dem Sprung:

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Alte Veranstaltungen und CfP

CfP: AutorInnen Workshop zu politischen Narrativen in Duisburg

Dass erzählende Werke wie Prosa, Filme, Bilder oder Serien auch aus politiktheoretischer Perspektive interessant sein können, haben wir (d. h. unser Gastautor Andreas Oldenbourg) hier erst kürzlich mit Blick auf die grandiosen TV-Shows The Wire, West Wing und Sopranos thematisiert. Der grundsätzlichen Bedeutung von Erzählungen für Politik und Politikwissenschaft möchte nun ein Workshop nachgehen, der von Frank Gadinger, Sebastian Jarzebski und Taylan Yildiz am 23.11.2012 an der Universität Duisburg-Essen veranstaltet wird. Aus den Beiträgen des Workshops soll ein Sammelband entstehen, der im kommenden Jahr bei VS erscheinen soll. Die Deadline für Abstracts ist der 30.09., die fertigen Beiträge müssen bis zum 09.11. vorliegen. Den Call for Papers und alle weiteren Details nach dem Klick: …

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