Politikwissenschaft

Jobs & Stipendien, Service

CfA: 5 Promotionsstellen im Graduiertenkolleg „Politik der Aufklärung“, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

An der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sind im Rahmen des DFG-Graduiertenkollegs „Politik der Aufklärung“ (GRK 2999), das am Interdisziplinären Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung (IZEA) angesiedelt ist, fünf Promotionsstellen (WiMi) ausgeschrieben.

Bewerben können sich Kandidat*innen aus allen am Graduiertenkolleg beteiligten Fachrichtungen (Anglistik, Amerikanistik, Germanistik, Romanistik, Komparatistik, Geschichte, Kulturgeschichte, Philosophie, Politikwissenschaft).

Die Stellen haben einen Umfang von 65 % (E 13 TV-L) und sind vom 01.04.2027 bis max. zum 31.03.2031 befristet (mehr Infos in deutscher und englischer Sprache). Bewerbungsschluss ist der 25.10.2026.

Debatte, ZPTh-Debatte

Crossdressing der Disziplinen? Literaturwissenschaft und die Politik des Bekenntnisses

Im Rahmen der aktuellen ZPTh-Debatte auf dem Theorieblog antwortet heute Astrid Séville auf den Kommentar von Albrecht Koschorke zu ihrem Beitrag „Kitsch und Krise“.

Für Autoren akademischer Texte gilt üblicherweise, was wir als Maxime aus dem britischen Königshaus kennen: never complain, never explain. Sie vermeiden es, irritierenden Besprechungen eine Verteidigung des eigentlich Gemeinten hinterherzuschicken und grübeln stattdessen im Stillen über Interpretationen, Intentionen und womöglich unglückliche Formulierungen, statt sich darüber zu freuen, überhaupt gelesen zu werden. Die weitgehend entintellektualisierte Universität und die Zwänge des Publikationswesen erschweren riskantes und lustvolles Lesen und Schreiben; Kontroversen sind oftmals vorsichtig oder strategisch. Umso erfreulicher ist das Format des Theorieblogs, einen Beitrag aus der Zeitschrift für Politische Theorie nicht nur kommentieren zu lassen, sondern den Autor auch respondieren zu lassen. Dass Albrecht Koschorke meinen Essay „Kitsch und Krise“ kommentiert hat, freut und ehrt mich sehr. Gerne nehme ich daher die Gelegenheit wahr, zu antworten.

Debatte, Service, ZPTh-Debatte

Militarisierung der Politikwissenschaft? Kommentar zu Astrid Sévilles ZPTh-Beitrag „Kitsch und Krise“

Vor Kurzem ist die neue Ausgabe der Zeitschrift für Politische Theorie (ZPTh) erschienen! Das aktuelle Heft ist mit einer Reihe spannender Beiträge gefüllt: Unter der Rubrik „Abhandlungen“ diskutiert Kolja Lindner verschiedene Perspektiven materialistischer Eurozentrismuskritik, und Finn Starken untersucht in seinem Aufsatz die Frage: „Wie stabil ist Rawls‘ Modell der Eigentumsdemokratie?“

Neben diesen beiden Abhandlungen versammelt das Heft zudem drei essayistische „Standpunkte“ zum Thema „Lost in emancipation. Das Ende vom Ende der großen Erzählungen“ – eingeleitet von Frauke Höntzsch. Fast 50 Jahre nachdem Jean-François Lyotard in seinem Buch „La condition postmoderne“ (1979) das „Ende der großen Erzählungen“ diagnostizierte, gehen Walter Reese-Schäfer, Astrid Séville und Sara Gebh in ihren Beiträgen aus unterschiedlichen Perspektiven der These vom gegenwärtigen „Ende des Endes der großen Erzählungen“ nach. Astrid Sévilles Essay „Kitsch und Krise“ haben wir für die Debatte auf dem Theorieblog ausgewählt. Er steht damit zugleich hier kostenlos zum Download zur Verfügung.

Außerdem enthält die aktuelle Ausgabe ein Interview von Christian Marks mit Nikita Dhawan zum Thema „Die Aufklärung und Europa zwischen Versprechen und Verhängnis“ sowie zwei besondere „Ideengeschichtliche Fundstücke“: eine Rezension Carl Schmitts zu Otto Kirchheimers Buch „Political Justice. The Use of Legal Procedures for Political Ends“ (1961) mit einem Kommentar von Hubertus Buchstein, sowie einen Wiederabdruck von fünf Briefen Robert A. Dahls mit einer Einleitung von Stefan Meyer. Das Heft schließt mit einem Nachruf auf Michael Becker (1958-2024) von Hans-Joachim Lauth.

Wir freuen uns sehr, dass Albrecht Koschorke mit einem Kommentar zum Beitrag von Astrid Séville die ZPTh-Debatte auf dem Theorieblog im Folgenden eröffnen wird. Astrid Séville wird später in Form einer Replik darauf antworten. Wie immer sind alle herzlich eingeladen, in den Kommentarspalten mitzudiskutieren! Wir wünschen eine gute Lektüre und übergeben nun das Wort an Albrecht Koschorke.

Jobs & Stipendien

CfA: Volontariat (Mittelweg 36 + Soziopolis)

In der Redaktion des „Mittelweg 36“ und von Soziopolis ist zum 1. Oktober 2026 und für die Dauer von 15 Monaten eine Volontariats-Stelle ausgeschrieben. Gesucht wird ein/e Sozial- oder Kulturwissenschaftler:in, die/der an Themen- und Fragestellungen zeitgenössischer Sozialforschung interessiert ist. Vorausgesetzt wird ein abgeschlossenes Bachelorstudium im Bereich der Sozial-, Geschichts- oder eben der Politikwissenschaft. Alle weiteren Infos zur Ausschreibung dindet ihr hier. Bewerbungsschluss ist der 02. März 2026.

Jobs & Stipendien

CfA: Open Topic Professur für Politikwissenschaft (Erlangen)

Am Institut für Politische Wissenschaft der FAU Erlangen-Nürnberg ist zum frühestmöglichen Zeitpunkt eine W2-Professur für Politikwissenschaft ausgeschrieben, die auch für theorieaffine Kandidat:innen interessant sein könnte. Es handelt sich um eine Open-Topic-Professur mit Tenure Track auf W3. Die Professur ist über die Leitung einer Forschungsgruppe (ausgestattet mit zwei Promotionsstellen) ans Exzellenzcluster „Transforming Human Rights“ der FAU angebunden, das sich mit der Transformation von menschenrechtlichen Normen, Institutionen und Praktiken vor dem Hintergrund von Autokratisierung, planetarer Umweltkrisen, internationaler Migration, Fragmentierung der wirtschaftlichen Globalisierung und Digitalisierung befasst; wobei der Fokus der Forschungsgruppe  von der Stelleninhaber:in frei gewählt werden kann. Bewerbungen sind bis zum 01.02.2026 möglich. Zur vollständigen Ausschreibung gehts hier.

Veranstaltungen & CfP

Hannah-Arendt-Preis 2025 für Seyla Benhabib

Der Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken 2025 geht an Seyla Benhabib. Die Preisverleihung findet am 9. Dezember 2025 um 19 Uhr im Bremer Rathaus statt und wird – am darauffolgenden Tag – von einem Symposium begleitet. Beide Teile der Veranstaltung sind öffentlich. Zum Programm und zur Anmeldung zur Preisverleihung geht’s hier. Eine Anmeldung zum anschließenden Symposium „Die Zukunft der Demokratie in autoritären Zeiten“ ist hier möglich.

Debatte

Unverbunden – unverstanden – unveränderbar. Einsamkeit als politisches Problem

Die Corona-Pandemie machte Einsamkeit zu einem virulenten Thema. Definiert wird die Emotion als ein subjektiv wahrgenommener Zustand, in dem das Bedürfnis nach Qualität und Quantität sozialer Beziehungen sich nicht mit den tatsächlich erfahrenen deckt (Luhmann 2022: 12f.). Je nach Studie sind in Deutschland etwa 11 bis 19 % der Gesamtbevölkerung zumindest manchmal davon betroffen (Entringer 2022; Neu & Küpper 2023: 337f.; Schobin et al. 2024: 19). Neuerdings geht es in der Diskussion darum, ob Einsamkeit auch demokratiegefährdend sein kann. So konstatiert etwa die Mitte-Studie: „Einsamkeit kann als Indikator verstanden werden für eine Gesellschaft, die sich zunehmend unverbunden fühlt, die sich von der Demokratie distanziert und ihren Institutionen misstraut“ (353). Daran anknüpfend wird Einsamkeit in diesem Beitrag als Anzeichen für ein gesellschaftliches Verhältnis gedeutet, das durch fehlende Verbundenheit zum Gemeinwesen, dem Gefühl, von demokratischen Institutionen nicht verstanden zu werden sowie dem Schein der Unveränderbarkeit von Politik gekennzeichnet ist.

Debatte

Gründungsidee revisited: Zur Bedeutung der Anfangsjahre der Politikwissenschaft für die aktuelle Politische Theorie

Es gibt zwei miteinander verwobene Entwicklungslagen, die in diesem Beitrag aufgegriffen und vertieft werden. Beide wurzeln in einem spezifischen Gründungskontext der deutschen Politikwissenschaft nach 1945: Erstens steht die Disziplin in einem Spannungsfeld zwischen ihrem ursprünglich integrativen Selbstverständnis, das durch den pluralen, normativ aufgeladenen Nachkriegskontext geprägt wurde, und einer zunehmenden fachlichen Spezialisierung, die in den empirisch orientierten Teilbereichen ihre Berechtigung hat, in der Politischen Theorie jedoch kritischer reflektiert werden muss. Zweitens läuft die Politische Theorie als ihr Teilgebiet gegenwärtig Gefahr, auf eine bloße Legitimationsinstanz liberal-demokratischer Ordnungen reduziert zu werden. Der Beitrag möchte an eine Politische Theorie erinnern, die ihren integrativen Gründungsanspruch ernst nimmt und mittels eines makrosynthetischen Herangehens das normative und analytische Potenzial des Faches erschließt.  

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