Öffentlichkeit und Ungleichheit

Öffentlichkeit ist ein schillernder Begriff, der analytisch allerdings oft unscharf bleibt. Vor allem ist er normativ hoch aufgeladen und untrennbar mit dem der liberalen Demokratie verbunden. Im Anschluss an Jürgen Habermas wird er nach Manfred G. Schmidt zumeist als Ort, Diskurs und Prozess „der argumentativen Abwägung, der gemeinsamen Beratschlagung und Verständigung über öffentliche Angelegenheiten“ verstanden. Ich möchte im Folgenden den Fokus verschieben und stattdessen dafür plädieren, dass ein Begriff von Öffentlichkeit vor allem auf Aspekte von Ungleichheit abstellen sollte. Ausschluss und Marginalisierung – im öffentlichen Raum, im Diskurs und im öffentlichen Leben – und die Folgen dieses Ausschlusses scheinen mir zentral für einen Öffentlichkeitsbegriff, der dem gesellschaftstheoretischen Anspruch  gerecht werden will, die durch Widersprüche, Macht und Herrschaft geprägte gesellschaftliche Ordnung der Moderne zu verstehen. (mehr …)

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Tagung (online): „Debatten der Gegenwart. Öffentlichkeiten im politischen und medialen Wandel“

Vom 6. bis 8. Mai findet eine von Simone Jung (Lüneburg), Miira Hill (Bremen) und Victor Kempf (Berlin) organisierte Tagung zu „Debatten der Gegenwart. Öffentlichkeiten im politischen und medialen Wandel“ statt. Die interdisziplinär ausgerichtete Tagung fokussiert die Entgrenzung von Öffentlichkeit und fragt nach den Bedingungen, Möglichkeiten und Effekten der Herstellung von (politischen) Öffentlichkeiten angesichts dieses Phänomens. Den Auftakt zur Veranstaltung macht Paula Diehl (Kiel) mit einem Abendvortrag zum Thema Populismus und Massenmedien. Das vollständige Programm findet sich nach dem Klick. Die Tagung findet via Zoom statt; wer teilnehmen möchte, kann sich bis zum 5. Mai anmelden.

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Online neuanfangen? Hannah Arendts Handlungstheorie während der Quarantäne

Hannah Arendts Konzept von Natalität bezieht sich nicht nur auf die natürliche Geburt, sondern auch auf ein Neuanfangen, das ihrer Handlungstheorie entsprechend einen öffentlichen Raum voraussetzt. Da dieser Raum während der aktuellen Corona-Krise zumindest physisch eingeschränkt wird, lohnt es sich, Arendts Handlungstheorie erneut zu betrachten. In vielen Ländern gilt über Monate hinweg das Gebot, zu Hause zu bleiben und den öffentlichen Raum nur dann zu betreten, wenn dies unbedingt notwendig ist. Da viele Tätigkeiten und Aspekte des menschlichen Lebens pausiert wurden, gilt es neue Handlungsweisen zu erkunden. Während viele Alltagsaktivitäten eingeschränkt wurden, bleiben Online-Aktivitäten bestehen, wurden gar notwendiger denn je. Daher erscheint es plausibel, die aktuelle Situation anhand von Arendts Handlungstheorie zu verstehen und den digitalen Raum als möglichen öffentlichen Raum für Neuanfänge zu erkennen. Mein Vorschlag lautet, dass Neuanfänge während der Quarantäne möglicherweise in einem digitalen Raum stattfinden könnten, sofern Arendts Faktum der Pluralität in diesem voll zum Ausdruck kommen kann. Allerdings droht die Vielfältigkeit im digitalen Raum durch Isolierung verschiedener Gruppen von Gleichgesinnten zerstört zu werden. (mehr …)

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„Transparenz, Öffentlichkeit, Urteilskraft“ – Tagung des Hannah Arendt-Zentrums

Vom 8.-10. November veranstaltet das Hannah Arendt-Zentrum an der Universität Oldenburg eine Tagung zum Thema „Transparenz, Öffentlichkeit, Urteilskraft“. Im Zentrum steht die Digitalisierung der Öffentlichkeit und das Aufkommen von Transparenzforderungen, die analysiert und mit Hannah Arendts Kategorien von Erfahrung und Urteilskraft neu durchdacht werden sollen. Organisiert wird die Tagung von Prof. Dr. Johann Kreuzer, Dr. Nils Baratella und Héla Hecker. Das Tagungsprogramm und die Abstracts zu den Vorträgen finden sich hier.

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CfP: Die digitalisierte Demokratie (Duisburg)

Vom 7.-9. Februar findet in Duisburg eine Tagung mit dem Titel „Die digitalisierte Demokratie – Politik und Kommunikation zwischen Daten, Netzwerken und Algorithmen„. Die von Isabell Borucki organisierte gemeinsame Jahrestagung des „Politik und Kommunikation”(DVPW), der Fachgruppe „Kommunikation und Politik” (DGPuK) und der Fachgruppe „Politische Kommunikation” (SGKM) ist stark interdisziplinär angelegt und fragt unter anderem nach dem Formwandel der Demokratie, Veränderungen in der Öffentlichkeit, aber auch methodologischen Herausforderungen. Wer sich bewerben möchte, kann dies bis zum 15.10 tun – alle weiteren Infos entnehmt bitte dem ausführlichen Call oder der Konferenzwebseite (noch im Aufbau).

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Ein neues Recht für die digitale Gesellschaft? Tagungsbericht „Demokratie und Künstliche Intelligenz“ (Trier)

Künstliche Intelligenz war stets eines der zentralen Schlagworte der Digitalisierung. Schon zu Zeiten von Joseph Weizenbaums ELIZA kontrovers, wird sie durch neuere Entwicklungen zum Gegenstand alarmistischer Diskussionen und lässt Probleme offensichtlich werden, etwa im Falle von Microsofts Tay oder Chinas Skynet-Programm. Dabei wird häufig der Eindruck vermittelt, der Mensch stehe einer expansiven Rationalität gegenüber, die sich ihm zunehmend entfremde und die gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer eigenen Logik entsprechend beeinflusse. Kernkonzepte demokratischen Denkens wie Selbstbestimmung, eine allgemein zugängliche Öffentlichkeit und ein egalitäres Menschenbild geraten damit potentiell in Konflikt zur technologischen Entwicklung. Diese Spannung hat die von Antje von Unger-Sternberg (Trier) und Sebastian Unger (Bochum) ausgerichtete Tagung „Demokratie und künstliche Intelligenz“ am 22. und 23. Februar 2018 an der Universität Trier mit Blick auf die öffentliche Meinungsbildung und demokratische Herrschaftsausübung beleuchtet. (mehr …)

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CfP: Schwerpunktheft „Towards Foolproof Democracy“

David Lanius (Karlsruhe) und Ioannis Votsis (London) bitten als Gastherausgeber der Zeitschrift „Moral Philosophy and Politics“ um Zusendungen für ein neues Schwerpunktheft mit dem Thema „Towards Foolproof Democracy. Advancing Public Debate and Political Decision-Making“. Alle Informationen gibt es im folgenden Ausschreibungstext.

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CfP: Feminismus und Öffentlichkeit (Frankfurt)

Vom 4.-6. Oktober findet in Frankfurt eine Tagung mit dem Titel „Feminismus und Öffentlichkeit“ statt, wo gerade ein Call for Paper gestartet wurde. Im Zentrum der Jahrestagung der Fachgruppe Medien, Öffentlichkeit und Geschlecht der DGPuK in Kooperation mit dem Cornelia Goethe Centrum stehen feministische Kritik und Praktiken des Widerstands im medialen Wandel. Drei Themenfelder werden ausgewiesen: Frauen*bewegungen und in historischer und aktueller Perspektive, (Queer-)Feministische Bewegungsöffentlichkeiten und Bewegungsmedien, Gegenangriffe: Antifeministische Öffentlichkeiten. Wer an der Tagung teilnehmen möchte, findet alle Informationen hier im Call als PDF, Extended Abstracts (4.000-6.000 Zeichen) müssen bis zum 30.04 bei den Organisatoren eingereicht werden.

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Privatheit als kollektive Herausforderung. Tagungsbericht „Privatheit und Demokratie“ (Frankfurt)

Hat Privatheit nur einen individuellen oder auch einen gesellschaftlichen Wert? In Zeiten geheimdienstlicher Massenüberwachung, wie sie nicht zuletzt die Snowden-Enthüllungen zu Tage gebracht haben, verdienen klassische liberale Abwehrrechte besondere Aufmerksamkeit. Unterbelichtet bleiben dabei politische Dimensionen des Privaten.

Diese Diagnose nahm die interdisziplinäre Forschungsgruppe „Strukturwandel des Privaten“ zum Anlass, ihre zweite Jahrestagung dem Bedingungsverhältnis von „Privatheit und Demokratie“ zu widmen. Denn, so betonte Sandra Seubert in ihrem Eröffnungsvortrag, letztlich überwiege noch immer ein Verständnis von Privatheit, das die Schutzansprüche von Individuen isoliert von ihren sozialen Bezügen betrachte, ohne die wechselseitige Ermöglichung hinreichend in den Blick zu nehmen. Privatheit aber habe nicht nur eine restriktive Bedeutung in dem Sinne, dass sie einen „Ausstieg aus dem kommunikativen Handeln“ (Habermas) gewährt. Sie habe auch eine ermöglichende Bedeutung, da durch sie Kommunikationsräume geschaffen werden können, in denen sich Individuen mit besonderen anderen austauschen – institutionell und medial vermittelte Kontexte, auf deren Integrität soziale Beziehungen angewiesen sind. (mehr …)

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Tagung: Privatheit und Demokratie (Frankfurt)

Am 22. und 23. September 2016 findet an der Goethe-Universität in Frankfurt eine Tagung mit dem Titel „Privatheit und Demokratie“ statt. Die durch das von der Volkswagenstiftung geförderte interdisziplinäre Projekt „Strukturwandel des Privaten“ ausgerichtete Konferenz beschäftigt sich unter anderem mit dem Zusammenhang von Transparenz und Demokratie, der Ökonomie der Privatheit in der Informationsgesellschaft, dem Wandel von Staatlichkeit und Privatheitsschutz zwischen Selbstverantwortung und Paternalismus. Keynotes auf der – unter anderem von Sandra Seubert organisierten – Veranstaltung werden durch Beate Rössler und Daniel Susser gehalten. Die Teilnahme ist kostenfrei, um Anmeldung unter konferenz@strukturwandeldesprivaten.de wird aber gebeten. Alle Infos entnehmt bitte dem Flyer oder direkt der Homepage.

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