Ökologischer Neuanfang – mit der Demokratie!?

Nie wurde die Notwendigkeit eines ökologischen Neuanfangs dringlicher empfunden als in den 1970er-Jahren, als große Studien wie Die Grenzen des Wachstums oder Blueprint of Survival das Überleben der Menschheit auf der Erde innerhalb weniger Dekaden an sich infrage stellten. In dieser Zeit wurde intensiv und offen über die Neuanfangskapazität der liberalen und nationalstaatlich organsierten Demokratie diskutiert. Zu einer Verteidigung dieser wollte sich dabei kaum einer der ökologischen Vordenker jener Zeit aufschwingen. Einflussreiche Köpfe wie Herbert Gruhl, der als umweltpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion 1975 mit Ein Planet wird geplündert einen Bestseller (über 400 000 Mal verkauft) veröffentlichte, oder Hans Jonas, dessen Prinzip Verantwortung (1979) bis Ende der 80er-Jahre in 16 Neuauflagen erschien, sahen die Notwendigkeit einer Abkehr von der Demokratie zugunsten autoritärer Regierungsformen. Für sie legt die Demokratie die politischen Verantwortungsträger auf den aus ihrer Sicht kurzsichtigen und eigennutzorientierten Bürgerwillen fest und ist deshalb unfähig sich mit Weitblick und Kontinuität auf die ökologischen Zukunftsprobleme zu richten. Demgegenüber plädierten viele andere Klassiker des Ökologischen Politischen Denkens, die an der Demokratie festhalten wollten, für eine umfassende Dezentralisierung von Entscheidungsmacht und direktdemokratische Beteiligung (z.B. Carl Amery, Johano Strasser, Erich Fromm). Sie sahen in der liberal-repräsentativen Demokratie ein System struktureller Verantwortungslosigkeit, in dem sich unverantwortliche, weil unbeteiligte Bürger durch bürgerferne und machtfokussierte Eliten vertreten lassen.

Auch wenn die apokalyptische Krisenwahrnehmung und die radikalen Gegenentwürfe der 1970er- und frühen 80er-Jahre aus heutiger Sicht etwas aus der Zeit gefallen anmuten, bleibt die mit ihnen verbundene Anfrage an die bestehende demokratische Ordnung virulent: Kann sie ökologischen Neuanfang? (mehr …)

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CfP: Workshop „Responding to an Uncertain Future“ (Graz)

Vom 21. bis zum 23. Juni 2017 findet an der Karl-Franzens-Universität Graz ein internationaler Workshop zum Thema „Responding to an Uncertain Future – Normative Theories of Risk and Climate Change Policy“ statt. Darin geht es um die Definition, Beurteilung, moralische Bewertung und den Umgang mit Risiken und Ungewissheiten. Bis zum 31. Januar können Abstracts aus einem breiten disziplinären Spektrum eingereicht werden. Ausführliche Informationen gibt es im Call for Abstracts.

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Ringvorlesung: Armut (Darmstadt)

Von Jens Steffek organisiert findet im kommenden Sommersemester an der TU Darmstadt eine interdisziplinäre Ringvorlesung zum Thema „Armut“ statt. Jeden Montag um 18 Uhr im Hörsaal S207/167 (Hochschulstraße 6 am Herrngarten) gibt es neue Erkenntnisse, unter anderem geht es um soziale Sicherung in Entwicklungsländern, die Eurokrise, Migration, Klimawandel und Demokratie. Neben Politikwissenschaftlern/Politischen Theoretikern (wie Dirk Jörke, Darrell Moellendorf und Hans-Jürgen Bieling) ist etwa auch die Stadträtin Barbara Akdeniz mit von der Partie und berichtet aus der Praxis der Armutsbekämpfung. Das ganze Programm findet ihr unter dem Strich. (mehr …)

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CfA: Postdocstelle in Graz

In Graz ist derzeit eine Stelle für einen Postdoc ausgeschrieben, die gut zu Leuten mit einem Hintergrund in politischer Philosophie – eigentlich: Praktische Philosophie – passt (gesucht werden Leute mit Forschungsinteressen in der Richtung Klimagerechtigkeit und Legitimitität internationaler Institutionen, Kontakt ist Lukas Meyer). Die Stelle soll zum 01. Oktober besetzt werden und ist auf 6 Jahre befristet (leider aber nur eine 20/h-Stelle). Bewerbungen müssen bis zum 22. August eingehen, alle Infos findet ihr unter dem Strich (mehr …)

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