Die Geschichte der Begriffsgeschichte: Zwischen Historisierung und Begriffspolitik

2016 haben Falko Schmieder und Ernst Müller ein umfassendes kritisches Kompendium zum Thema Begriffsgeschichte und Historische Semantik im Suhrkamp Verlag herausgegeben. Für das Journal of the History of Ideas hat Jonas Knatz ausführlich mit einem der beiden Herausgeber gesprochen. Mit freundlicher Genehmigung des Journals veröffentlicht der Theorieblog heute eine deutschsprachige Kurzversion des umfangreichen Interviews:

Jonas Knatz (JK): Falko Schmieder, der Titel Ihres Buches lautet „Begriffsgeschichte und Historische Semantik“. Was ist die Beziehung zwischen Begriffsgeschichte und Historischer Semantik, was war die Motivation von Ihnen und Ernst Müller, ein Kompendium der Begriffsgeschichte zu erstellen und, wie Sie beide im Vorwort schreiben, die Methodologie der Begriffsgeschichte auf diese selbst anzuwenden? (mehr …)

Weiterlesen

Die unvollendeten Normen für das digitale Zeitalter. Interview mit Philip N. Pettit

Die Digitalisierung verändert unser Leben immer schneller und immer stärker. Der Politikwissenschaftler und Philosoph Philip N. Pettit rät im folgenden Interview dennoch zur Vorsicht bei der Aushandlung von Normen für das digitale Zeitalter. Er warnt vor unerwünschten Nebeneffekten gutgemeinter Regulierung, etwa im Bereich der Redefreiheit im Netz. Als Lösung für das Überwachungsproblem unserer digitalen Demokratien verweist er auf eine bewährte Tradition. (mehr …)

Weiterlesen

Interview mit Christoph Möllers: Zur Möglichkeit und Afaktizität von Normen (Teil II)

Vor knapp einem Jahr haben wir hier auf dem Theorieblog – in Kooperation mit Soziopolis und dem Völkerrechtsblog – ein fünfteiliges Buchforum zur Christoph Möllers‘ Buch „Die Möglichkeit der Normen. Über eine Praxis jenseits von Moralität und Kausalität“ veröffentlicht, einschließlich einer Replik des Autors. Diesen Sommer hat Alex Holznienkemper (Baylor University, Waco, TX) ein ausführliches Interview mit Christoph Möllers geführt, das im Januar 2017 im Notre Dame Journal of International and Comparative Law erscheinen wird.

Wir freuen uns, dass wir das Interview vorab in deutscher Übersetzung in zwei Teilen veröffentlichen dürfen. Nachdem letzte Woche der 1. Teil erschienen ist, kommt hier der 2. Teil.

(mehr …)

Weiterlesen

Interview mit Christoph Möllers: Zur Möglichkeit und Afaktizität von Normen (Teil I)

Vor knapp einem Jahr haben wir hier auf dem Theorieblog – in Kooperation mit Soziopolis und dem Völkerrechtsblog – ein fünfteiliges Buchforum zur Christoph Möllers‘ Buch „Die Möglichkeit der Normen. Über eine Praxis jenseits von Moralität und Kausalität“ veröffentlicht, einschließlich einer Replik des Autors. Diesen Sommer hat Alex Holznienkemper (Baylor University, Waco, TX) ein ausführliches Interview mit Christoph Möllers geführt, das im Januar 2017 im Notre Dame Journal of International and Comparative Law erscheinen wird.

Wir freuen uns, dass wir das Interview hier vorab in deutscher Übersetzung in zwei Teilen veröffentlichen dürfen. Der zweite Teil erscheint in einer Woche.

(mehr …)

Weiterlesen

Jetzt mal ganz offen… Offene Ressourcen für die Politische Theorie

Im Internet gibt es ja fast alles – und das ist wohl auch der Grund, warum wir es auch als politische Theoretiker und Nicht-Geeks fast schon beiläufig nutzen. Eben mal schnell schauen, ob das Buch was taugt, bevor man sich auf den schwierigen Weg macht, es zu besorgen. Kurz nachsehen, ob Max Weber “stählernes” oder “stahlhartes” Gehäuse gesagt hat. Noch während des Vortrages gucken, wer dieser Etienne de La Boetie genau war. Gleich den aktuellsten Artikel des Vortragenden herunterladen… kann durchaus an der nächsten Paywall scheitern. Meine Vermutung ist, dass die meisten Studierenden es ähnlich handhaben – erstmal das Thema googeln, dann den Wikipedia Artikel überfliegen, dann weiß man schon so ungefähr Bescheid.

Bei entsprechend kritischem Blick ist dagegen wenig zu sagen, manches kann sogar hervorragend sein. Aber was hat das Netz an offenen, für alle leicht zugänglichen Ressourcen für die Politische Theorie zu bieten, die gehaltvoll genug sind, um mit gutem Gewissen auch für die Lehre genutzt zu werden? (mehr …)

Weiterlesen

E-Learning für die Politische Theorie – Chancen und Stolpersteine

Digitale Werkzeuge verändern die Hochschullehre, und das nicht nur durch MOOCs, sondern durch eine Vielzahl neuer Instrumente und Techniken des Lehrens und Lernens. In den nächsten sechs Monaten erscheinen an dieser Stelle verschiedene Beiträge zum Thema E-Learning und Lehre in der Politischen Theorie (und darüber hinaus). Die Reihe verfolgt vor allem zwei Ziele: Erstens werden verschiedene neuere Tools und Techniken des E-Learning vorgestellt und auf ihren Ertrag für die Lehre der Politischen Theorie innerhalb der Sozialwissenschaften hin befragt. Zweitens gehen die Beiträge der Kontroverse um die neuen Möglichkeiten nach und bieten Anhaltspunkte, wie Blended Learning als Balance zwischen E-Learning und Präsenz-Lehre funktionieren kann. Wir wollen die technischen Möglichkeiten ausleuchten – und sie entmystifizieren. (mehr …)

Weiterlesen

Lesekreis zu Axel Honneths „Das Recht der Freiheit“

Im Herbst 2011 haben wir hier auf dem Theorieblog ein Online-Lesekreis zu Axel Honneths neuem Buch „Das Recht der Freiheit“ gestartet. Im Gegensatz zur klassischen Lesegruppe hatte das viele Vorteile: Jede/r Interessierte konnte sich – unabhängig vom geographischen Standort – beteiligen, war völlig frei, an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit sie oder er sich wie intensiv einbringen wollte, und traf so vielleicht auf Diskussionspartner, die sich von den „üblichen Verdächtigen“ der Heimatinstitution unterschieden. Mit Axel Honneths „Das Recht der Freiheit“ haben wir uns für ein Buch entschieden, dem man – geht man allein von den zahlreichen (und kontroversen) Besprechungen aus – ein großes Interesse / einen wichtigen Stellenwert innerhalb der politisch-philosophischen Debatte attestieren kann. Kein Wunder, legt hier doch eine der einflussreichsten Figuren der zeitgenössischen philosophischen Landschaft den Versuch vor, die Gerechtigkeitstheorie grundlegend neu auszurichten – als kritische Gesellschaftsanalyse. Dass Honneths Ausgangspunkt dabei eine Kritik der vorherrschenden (Kantianischen Gerechtigkeitskonzeptionen ist (denen er eine eklatante Vernachlässigung der gesellschaftlichen Wirklichkeit vorwirft), ist dabei offensichtlich ebenso umstritten wie das gewählte Verfahren der normativen Rekonstruktion, der spezifische Rückgriff auf Hegel, Honneths Analyse der modernen Gesellschaft und ihrer Pathologien, sowie schließlich die Konzeption einer „demokratischen Sittlichkeit“ – und damit sind nur einige der zentralen (Streit-)Punkte genannt.

 

Der Lesekreis

Teil A: Historische Vergegenwärtigung: Das Recht der Freiheit

21. November:
Einleitung (Gerechtigkeitstheorie als Gesellschaftsanalyse), Teil I (Die negative Freiheit und ihre Vertragskonstruktion) und Teil II (Die reflexive Freiheit und ihre Gerechtigkeitskonzeption) (S. 14-80) – Einführungs-Kommentar: Jens Olesen (Oxford)

28. November:
Teil III (Die soziale Freiheit und ihre Sittlichkeitslehre) und Übergang (Die Idee der demokratischen Sittlichkeit) (S. 81-126) – Einführungs-Kommentar: Paul Sörensen (Jena)

 

Teil B: Die Möglichkeit der Freiheit

5. Dezember:
Teil I (Rechtliche Freiheit) (S. 129-172) – Einführungs-Kommentar: Wulf Loh (Berlin)

12. Dezember:
Teil II (Moralische Freiheit) (S. 173-218) – Einführungs-Kommentar: Andreas Busen (Hamburg)

 

Teil C: Die Wirklichkeit der Freiheit

19. Dezember:
Teil III.1 (Das „Wir“ persönlicher Beziehungen: a. Freundschaft + b.  Intimbeziehungen) (S. 221-276) – Einführungs-Kommentar: Maike Weißpflug (Aachen)

9. Januar:
Teil III.1 (Das „Wir“ persönlicher Beziehungen: c. Familien) (S. 277-316) – Einführungs-Kommentar: Susanne Schmetkamp (Basel)

16. Januar:
Teil III.2 (Das „Wir“ des marktwirtschaftlichen Handelns: a. Markt und Moral. Eine notwendige Verklärung) (S. 317-360) – Einführungs-Kommentar:Simon Derpmann (Münster)

23. Januar:
Teil III.2 (Das „Wir“ des marktwirtschaftlichen Handelns: b. Konsumsphäre) (S. 360-410) – Einführungs-Kommentar: Amir Mohseni (Münster)

30. Januar:
Teil III.2 (Das „Wir“ des marktwirtschaftlichen Handelns: c. Arbeitsmarkt) (410-470) – Lisa Herzog (St. Gallen)

6. Februar:
Teil III.3 (Das „Wir“ der demokratischen Willensbildung: a. Demokratische Öffentlichkeit) (S. 474-567) – Volker Heins (Frankfurt/Montreal)

21. Februar:
Teil III.3 (Das „Wir“ der demokratischen Willensbildung: b. Demokratischer Rechtsstaat) (S. 567-612) – Thorsten Thiel (Frankfurt)

27. Februar (Abschlussdiskussion):
Teil III.3 (Das „Wir“ der demokratischen Willensbildung: c. Politische Kultur – ein Ausblick) (S. 612-624)

 

Zusatzdiskussion

Die Kunst und die Freiheit: Über Honneths Gebrauch von Literatur und Film (Zusatzbeitrag von Susanne Schmetkamp)

Interview mit Axel Honneth, Teil I: Die normative Rekonstruktion und ihr Material (Andreas Busen/Lisa Herzog), ab 30.07

Interview mit Axel Honneth, Teil II: Wie kritisch ist die normative Rekonstruktion? (Andreas Busen/Lisa Herzog), ab 06.08

 

Externe Links

Einleitung von „Das Recht der Freiheit“ (nebst Inhaltsverzeichnis)

Honneths Eröffnungsvortrag auf dem Hegelkongress in Stuttgart: „Von der Armut unserer Freiheit. Größe und Grenzen der Hegelschen Sittlichkeitslehre“

Debatte zum Buch zwischen Axel Honneth und Udo di Fabio

 

Noch einige Anmerkungen zur Struktur des Lesekreis

Wir haben uns das Buch innerhalb von zwölf Wochen in zwölf Abschnitten vorgeknöpft, die unten aufgelistet sind. Jeder Abschnitt wurde von einem einführenden Kommentar eröffnet. Die gemeinsame Diskussion des jeweiligen Abschnitts erfolgte dann einfach über die Kommentarfunktion, so dass die gesamte Diskussion jederzeit für jede/n einsehbar war und an der sich selbstverständlich auch jede/r jederzeit beteiligen konnte und immer noch kann. Zur Veranschaulichung: am Montag, den 21. November, stellte Jens Olesen den einführenden Kommentar zum ersten Abschnitt (S. 1-80) online. Ab dann konnte dieser Abschnitt diskutiert werden. Idealerweise sollte man also den entsprechenden Abschnitt bis dahin gelesen haben, um mitreden zu können. Eine Woche später war das nächste Kapitel mit der nächsten Diskussion dran usw.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Aus unserem „Kernteam“ (d.h. dem Kreis der unten stehenden Kommentatorinnen und Kommentatoren) stellte jede Woche jemand den Diskussionseinstieg bereit, und auch sonst haben wir regelmäßig mitdiskutiert. An den Diskussionen konnten und sollten aber alle teilnehmen, die Lust darauf hatten.

Bei den Beiträgen haben wir uns um Kürze, Griffigkeit und wissenschaftliche Standards bemüht. Übrigens: natürlich wurde auch über das Buch hinaus querverwiesen.

Weiterlesen