Kanonisierung als Form des Vergessens. Bericht von der Herbsttagung der DVPW-Theoriesektion vom 16. – 18. September in Göttingen

Das Tagungszentrum an der Historischen Sternwarte war als Veranstaltungsort äußerst symbolträchtig gewählt, denn was symbolisiert die Ausleuchtung der verborgenen Winkel und die Suche der Grenzen besser als der Blick in die Sterne? Das Tagungsthema lenkte den Blick in selbstkritischer Absicht auf die Prozesse der Kanonbildung in der politischen Theorie, die sich in den letzten Jahren bedingt durch die Bologna-Reform verstärkt abzeichnen. Wie konstituiert sich ein Mainstream? Wie bilden sich kollektive Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsstrukturen heraus? Was macht eine Autor_in zur Klassiker_in oder einen Text klassisch? Entscheidet darüber das Genie der Autorin/des Autors, die Qualität der Werke oder ein Prozess machtförmiger „Kanonpolitik“? Oder ist es ‚lediglich’ Zufall bzw. eine Frage knapper Ressourcen, die uns zur Auswahl und Beschränkung zwingt? (mehr …)

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Workshop: “Tocqueville’s experiential concept of a ‘New Science of Politics’: European and American contexts between 1830 and 1860”

Das DFG-Projekt Theorie und Praxis der Demokratie veranstaltet am 9. und 10. Oktober 2014 an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg den Workshop “Tocqueville’s experiential concept of a ‘New Science of Politics’: European and American contexts between 1830 and 1860”. Tagungsort ist das IZEA, Franckeplatz 1, Haus 54, Christian-Thomasius-Zimmer. Eine erforderliche Anmeldung wird erbeten über marcel.rauer@student.uni-halle.de. Das Programm findet sich hier als PDF, folgender Ankündigungstext ging dem blog zu: (mehr …)

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Politische Ideengeschichte als immanente Kritik: Nachruf auf Iring Fetscher (1922-2014)

Iring Fetscher ist in erster Linie für seine Arbeiten zur Politischen Ideengeschichte bekannt geworden. Er edierte bedeutende Werke selbst oder leitete ihre Edition an (von Arbeiten von Auguste Comte bis zu Hobbes‘ Leviathan, von umfangreichen Kompilationen zu Arbeiten zum Marxismus bis zu den politischen Hauptwerken von Lenin). Mit den fünf Bänden zum Gesamtüberblick zur Politischen Ideengeschichte im Piper-Verlag, die er zusammen mit Herfried Münkler veranstaltete, liegt ein Werk vor, das in dieser Breite und mit ihrem auch außereuropäischen Blick weiterhin Standards setzt. Aber Fetschers wissenschaftliches Werk ist deswegen keineswegs primär historisch gewesen. Neben die Tradierung und Kultivierung der Ideengeschichte treten zahlreiche Arbeiten zu politischen Grundfragen, mit denen er in zentrale Debatten ihrer Zeit intervenierte. Bei genauerer Betrachtung erkennt man ferner, dass auch die ideengeschichtlichen Arbeiten politische Interventionen darstellten, denn die Ideengeschichte war für Fetscher kein von anderen Teildisziplinen der Politikwissenschaft isoliertes Gebiet, sondern eine Form politischer Argumentation. Politische Ideengeschichte war für Fetscher immanente Kritik. (mehr …)

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Next Stop: Eurasia? – Über die Untiefen der Analyse von Putins Politik

„Die Russen und die Völker der russländischen Welt sind weder Europäer noch Asiaten. Wir schämen uns nicht, uns Eurasier zu nennen“ – so lautete der Leitspruch der „Eurasischen Bewegung“ aus den 1920ern. Die russische Exilantengruppierung war in ihren Zielsetzungen und Argumenten tief im Kontext der Zwischenkriegszeit verwurzelt; seit den 1990er Jahren existieren aber Versuche, dieses Gedankengut zu reanimieren – und es politisch wirksam zu machen. So heißt es im „Eurasischen Manifest“ des selbsterklärten Ideologen Aleksandr Dugin aus dem Jahr 2001: „In der Außenpolitik umfasst der Eurasianismus einen breiten Prozess strategischer Integration und den Aufbau einer Eurasischen Union als Analog zur UdSSR auf neuer ideologischer, ökonomischer und administrativer Grundlage.“ Solche Worte hallen derzeit in verdächtiger Weise nach: (mehr …)

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Tagungsbericht: Kultur und Praxis der Wahlen (Greifswald)

Nicht jeder Akt politischer demokratischer Willensbekundung vollzieht sich durch Wahlen; gleichwohl erscheinen Demokratie und Wahl beinahe unzertrennlich. Der wenig bescheidene Untertitel der von Hubertus Buchstein und Hedwig Richter (beide Greifswald) vom 15. bis 16. Mai 2014 am Alfried Krupp Wissenschaftskolleg in Greifswald ausgerichteten Tagung zur „Kultur und Praxis der Wahlen“ lautete dann auch: „Eine Geschichte der modernen Demokratie“. (mehr …)

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2 CfAs: Lecturer und Doktorand/innen gesucht

London calling: An der School of History der Queen Mary University of London ist zum 1. September 2014 eine Stelle als Lecturer in politischer Ideengeschichte mit dem Schwerpunkt auf dem langen 20. Jahrhundert zu besetzen. Bewerbungsschluss für die dauerhafte Vollzeitstelle ist der 16. Mai. Hier geht es zur Ausschreibung.

Kurzentschlossene mit Promotionsabsichten können sich außerdem am Exzellenzcluster „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne“ in Münster bewerben: Der Cluster, der ein interessantes interdisziplinäres Arbeitsumfeld bietet, in dem sich auch philosophische und politiktheoretische Arbeiten ansiedeln lassen, stellt zum 1. Oktober 2014 bis zu fünf Doktorand/innen ein. Dieser Call läuft am Dienstag (15.4.) ab – mehr Infos gibt es nach dem Klick.

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CfA: Glücklich in Budapest

Ein Call für die Ideengeschichtler: Die European Society for the History of Political Thought bittet um Proposals für ihre Konferenz an der CEU in Budapest im September 2014. Gefragt ist das Themenfeld von „Trust“ und „Happiness“ in der Ideengeschichte; unter den Keynote Speakers ist außerdem John Dunn. Alle weiteren Infos hier, Bewerbungsschluss ist der 15. Januar.

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CfP: Frühjahrstagung über „Animal Politics“

Die Frühjahrstagung der Sektion für Politische Theorie und Ideengeschichte in der DVPW findet vom 12. bis 14. März 2014 in Hamburg statt und wird sich unter der Überschrift „Animal Politics“ mit Mensch-Tier-Verhältnissen in der Politischen Theorie beschäftigen. Die Organisatoren Peter Niesen und Bernd Ladwig bitten um Vortragsvorschläge bis Ende November – alles Weitere nach dem Klick.
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CfP: DVPW-Herbsttagung zu „Klassikern abseits des Mainstreams“

Vom 16. bis 18. September 2014 wird in Göttingen die Herbsttagung der DVPW stattfinden. Unter dem Leitthema „’Die Stimme des Intellekts ist leise‘ – Klassiker/innen des politischen Denkens abseits des Mainstreams“ soll politiktheoretischen Beiträgen nachgegangen werden, die es nicht in die diversen Kanones der Ideengeschichte geschafft haben. Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein der Versuch, Übersehenes sichtbar zu machen, sondern gerade, den Mechanismen der Marginalisierung auf den Grund zu gehen. Bis Mitte Oktober können Themenvorschläge eingereicht werden; alle Infos nach dem Klick. (mehr …)

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