Die christlichen Wurzeln der Kritik. Lesenotiz zu Michel Foucaults „Die Geständnisse des Fleisches. Sexualität und Wahrheit 4“

Die Veröffentlichung von Foucaults viertem Band der Geschichte der Sexualität, Die Geständnisse des Fleisches (Berlin: Suhrkamp 2019), wurde von der Foucault-Community und der interessierten Öffentlichkeit gespannt erwartet. Vom lange unter Verschluss gehaltenen Band erhofft sich die Leser_innenschaft neue Erkenntnisse nicht nur zum Thema des Buches – die Reflexionen der Kirchenväter bis Augustinus zu Sexualität und Lebens­führung –, sondern zu Foucaults Werk im Allgemeinen und den großen Fragen nach Macht, Freiheit und Kritik, die dessen Rezeption bestimmen. Und tatsächlich bietet der Band überraschend neue Einsichten, in deren Lichte sich die herrschende Meinung zu Foucaults Freiheits- und Kritikbegriff als falsch herausstellt. Heute ist die These verbreitet, dass Foucaults Arbeiten zur antiken Ethik und parrhesia als Beitrag zu ei­nem normativen Freiheitsbegriff gewertet werden können. Dagegen zeigt Die Geständnisse des Fleisches, dass die für Foucault und unsere Gegenwart relevante Freiheit, die Fähigkeit zur reflexiven Selbst- und Machtkritik, ihren Ursprung in den Subjektivierungen des frühen Christentums hat, das Subjektivität zum ersten Mal an kritische Machtreflexion koppelt. (mehr …)

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Kritik als Experiment und Präfiguration. Tagungsbericht „Foucault Revisited“ (Wien)

Anlässlich des neunzigsten Geburtstages Michel Foucaults fand am 4. und 5. November 2016 die Tagung ‚Foucault Revisited‘ in Wien statt. Zu der interdiziplinären Bestandsaufnahme der Foucaultforschung luden Renate Martinsen und Oliver Marchart von den Lehrstühlen für Politische Theorie in Duisburg-Essen und Wien ein. Im Zentrum der Tage standen auf der einen Seite theoretische Fragen nach den Begriffen Freiheit, Widerstand, Macht, Kritik und Selbstverhältnissen im Werk Foucaults. Auf der anderen Seite wurden aktuelle Anwendungen der Theorie Foucaults auf beispielsweise die Asylpolitik oder die digitale Kontrollgesellschaft diskutiert. (mehr …)

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Tagung „Foucault Revisited“ (Wien)

Am 4. und 5. November findet an der Uni Wien die Taung „Foucault Revisited“ statt. Sie wird von Oliver Marchart (Wien) und Renate Martinsen (Duisburg-Essen) im Rahmen der Themengruppe „Konstruktivistische Theorien der Politik“ der DVPW organisiert. Die Keynotes halten Philipp Sarasin (Zürich), Thomas Lemke (Frankfurt) und Susanne Krasmann (Hamburg). Das vollständige Programm findet sich hier als Pdf, Informationen zu den Tagungsorten hier. Um Anmeldung wird bis 1. November gebeten (politische.theorie@univie.ac.at).

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Von umgestülpten Augen, Data-Harvesting und dem ewigen Problem der Macht – Tagungsbericht Überwachen und Strafen heute

40 Jahre nach der deutschen Erstveröffentlichung von Michel Foucaults Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses hatten  Frieder Vogelmann, Jörg Bernardy und Martin Nonhoff dazu eingeladen, die bewegte Vergangenheit und nähere Zukunft des Klassikers zu diskutieren. Dabei fand die Tagung stets eine würdige Balance zwischen Historizität und Aktualität, was nicht zuletzt an der intimen Atmosphäre und den hochkarätigen Sprecher_innen (u.a. Susanne Krasmann, Friedrich Balke, Thomas Biebricher, Petra Gehring, Martin Saar und Katrin Meyer) lag, die ihrerseits zu Gesprächen, Kommentaren und spannenden Diskussionen innerhalb der Vortragspanels beitrugen. (mehr …)

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Konferenz: Überwachen und Strafen heute (Bremen)

Vom 5.-7. November findet in Bremen eine Konferenz zu „Überwachen und Strafen heute“ statt. 40 Jahre nach dem Erscheinen von Foucaults Klassiker soll die Tagung dabei nicht die Rezeptionsgeschichte vergegenwärtigen, sondern vielmehr nach der Aktualität des Themas fragen. Unter anderem sind Martin Saar, Katrin Meyer, Petra Gehring, Thomas Biebricher und Susanne Krasmann dabei. Das Programm könnt ihr hier auf der Webseite oder oder hier als Flyer ansehen. Die Tagung ist öffentlich, um Anmeldung wird jedoch gebeten: ueberwachenundstrafenheute@openmailbox.org.

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Eine Leipziger Soiree zum 30. Todestag von Michel Foucault

Der Einfluss des Werks von Michel Foucault (15.10.1926-25.6.1984) auf
die Sozial- und Geisteswissenschaften der Gegenwart ist unübersehbar und
doch oft untergründig. Sein Status ist längst der eines Klassikers und
doch immer noch der eines Anstifters zu Grenzgängen jenseits der
etablierten Disziplinen und wohlgeordneten Forschungswege.

Anlässlich seines 30.Todestags diskutieren in Leipzig Ulrich Brieler, Corina Färber, Hanna Meißner, Robert Nichols, Katharina Pühl, Martin Saar, Ulrich J. Schneider und Frieder Vogelmann über die Rezeptionslage, die systematische Erbschaft und über den Gebrauchswert seiner Begriffe und methodischen Vorschläge auch für die eigene wissenschaftliche Arbeit.

Die Veranstaltung findet am 25. Juni 2014 um 18.30 Uhr in der Universitätsbibliothek Leipzig statt. Organisiert wird sie von Martin Saar, gemeinsam mit Frieder Vogelmann und in Kooperation mit der Universitätsbibliothek. Details hier.

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Workshop: Feministisch „regieren“ in Wien

Am 19.Juni 2013 findet in Wien ein von Ina Kerner und Stefanie Wöhl unter dem schönen Titel „Feminstisch ‚regieren‘?! Zum Begriff der Gouvernementaliät“ entwickelter Workshop statt. Der Workshop ist Teil der Ringvorlesungsreihe „Feministisch entwickeln“, deren gesamtes Programm ihr hier einsehen könnt. Für den Workshop, der eine intensive Textauseinandersetzung verspricht, wird um Anmeldung bis zum 12.06 gebeten. Alle Infos unter dem Strich. (mehr …)

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Öl ins Feuer: Zur Politik des Plagiats

Plagiate, überall Plagiate! Wohin die wachsamen Augen der selbsternannten „Plagiatsjäger“ schweifen, erblicken sie das heiß begehrte Wild. Mag es sich auch noch so gut im Dickicht Tausender Fußnoten oder hinter sorgsam errichteten Schleiern verborgen wähnen, anonyme Treiber, googlende Jagdhunde und Angehörige intellektueller Schützenvereine spüren es auf und erfreuen das Publikum mit der nächsten Hatz quer durch die begeistert berichtenden Medien. Ob Jura, Theologie, Geschichte oder BWL, ob Verteidigungsminister, Europaparlamentarier oder Bildungsministerin, Deutschland ist im Plagiatefieber – und seine Politiker_innen liefern.

Nun soll hier, um die geneigten Leser_innen gleich zu beruhigen, weder ein Loblied auf das Abschreiben, noch eine Entschuldigung für ein mehr oder minder absichtsvolles Vergessen von Quellenangaben geliefert werden. Doch angesichts einer Diskussion, die sich nicht entblödet, „Lebensleistung“ gegen „handwerkliche Fehler“ zu verrechnen, soll einmal nachgefragt werden, welche Voraussetzungen und Implikationen in der Skandalisierung von Plagiaten im Spiel sind. Zugespitzt gefragt: Welcher Logik folgen Plagiatsvorwürfe und welche Politik betreiben sie? Lässt sich eine „Politik des Plagiats“ identifizieren? Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sehe ich drei Punkte, die helfen mögen, die Debatte in andere Bahnen zu lenken: (mehr …)

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CfP: „Methods in Practice“ Workshop, Manchester

Die Manchester Workshops in Political Theory sind seit nunmehr neun Jahren aus der weitläufigen Konferenzlandschaft der Politischen Theorie nicht mehr wegzudenken. Im Rahmen des Workshops „Methods in Practice“, der zwischen dem 5. und 7. September in Manchester stattfinden wird, können nun Beiträge eingereicht werden, welche die Methoden des Faches in ihrer Anwendung auf Texte, Konzepte oder Probleme untersuchen. Beiträge zu gängigen Interpretationsmethoden (wie etwa der von Skinner und Strauss und deren Interpretationen von Machiavelli oder Hobbes), Foucaults genealogischem Ansatz, oder zur Dekonstruktion (bestimmter Begriffe wie Autorität oder Macht) sind ebenso willkommen wie Beiträge zu postmodernen Ansätzen der Politische Theorie und Kritischen Theorie. Genauere Informationen zum Call for Papers findet ihr nach dem Klick. (mehr …)

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