An der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie der TU Darmstadt werden im Rahmen des DFG-geförderten Graduiertenkollegs „Ästhetik der Demokratie“ (GRK 3113-1) bis zu zwölf Stellen als Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (m/w/d) (65%-Teilzeit, befristet auf 4 Jahre) mit der Möglichkeit zur Promotion ausgeschrieben. Das Graduiertenkolleg erforscht, was es bedeutet, die Demokratie nicht nur als eine Regierungsform, sondern als einen umfassenden Zusammenhang des kollektiven Lebens in ästhetischen Kontexten zu verstehen. Ausgehend von Vorschlägen der politischen Theorie zum Verhältnis von Regierungsform und Form des Zusammenlebens bringt das Graduiertenkolleg Methodenbestände der Geisteswissenschaften in Anschlag, um im interdisziplinären Zusammenwirken von Literatur-, Kunst-, Film- und Medienwissenschaften, Geschichte sowie Philosophie die Ordnungen, Praktiken, Dinge und Erfahrungen zu untersuchen, die dem demokratischen Zusammenleben Form verleihen. (mehr …)
Erfahrung
Fanon Schwerpunkt: Fanon als Stiftungsfigur politischer Phänomenologie
Frantz Fanon ist zu einem bedeutenden Referenzautor kritischer Theoriebildung geworden. Ist sein Denken in der deutschsprachigen Debatte lange Zeit vorrangig in der Interpretationslinie des Postkolonialismus verhandelt worden (Kerner 2015; Kerner 2021; Ehrmann 2014; Thompson 2015), lässt sich gegenwärtig eine vertiefte Rezeption in der politischen Philosophie und Theorie feststellen. Zwei Diskurse lassen sich dabei hervorheben: Fanons eindringliche Analysen der kolonialen Kontinuitäten haben sich zum einen als äußerst anschlussfähig an Radikale Demokratietheorien erwiesen, insofern seine antikoloniale Widerstandstheorie an die Forderung einer „Politisierung des Volkes“ (Fanon 1966, 154) geknüpft ist. Zum anderen hat Fanon mit seinen erfahrungsgesättigten Denkfiguren und -motiven die politische Phänomenologie geprägt. (mehr …)
Fanon Schwerpunkt: Soziogenese und das Genre des Menschseins. Sylvia Wynter als Leserin Frantz Fanons
Isn’t it such a tragedy, what has been done to Fanon’s name? In the 1980s especially, when Fanon is revisited in academia in the West, it’s a real moment of… ignorant exploitation.
SYLVIA WYNTER:
An ignorant exploitation – to take what he had said into the terms of this Western system of knowledge…
PROUD FLESH:
That’s why they’re only interested in just a few pages of Black Skin, White Masks (1952).
SYLVIA WYNTER:
But they don’t want to go to the fundamental issue. Once he has said ontogeny-and-sociogeny, every discipline you’re practicing ceases to exist.
Frantz Fanons Denken war der Universität seit jeher verdächtig. Seine Qualifikationsarbeit in Medizin, 1951 unter dem Titel „Versuch über die Aufhebung der Entfremdung des Schwarzen“ eingereicht, wurde mit der Begründung abgelehnt, sie genüge wissenschaftlichen Standards nicht. Nachdem Fanon seinen Doktortitel mit einer in nur zwei Wochen abgefassten Arbeit über die Friedreich-Ataxie, eine neurologische Erkrankung mit psychopathologischen Folgen, erlangt hat, erscheint die abgelehnte Arbeit 1952 – Fanon ist gerade 27 Jahre alt – im renommierten Verlag Seuil, mit einem vom Verleger Francis Jeanson vorgeschlagenen Titel. Schwarze Haut, weiße Masken wird in den folgenden Jahrzehnten in die verschiedensten Sprachen übersetzt und erlebt eine globale Wirkungsgeschichte. (mehr …)
CfP: Tagung „Erfahrung der Krise – Krise der Erfahrung“ (Berlin)
Die Promovierenden der Hans-Böckler-Stiftung veranstalten vom 17. bis zum 19. April 2024 an der HU Berlin in Kooperation mit Centre for Social Critique eine wissenschaftliche Tagung zum Thema „Erfahrung der Krise – Krise der Erfahrung“. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Instituts für Sozialforschung soll nach dem möglichen Zusammenhang von Krise und Erfahrung und seiner Aktualität für das Verständnis gegenwärtiger, global auftretender Krisendynamiken gefragt werden. Herzlich eingeladen sind Promovierende der Begabtenförderwerke sowie alle interessierten Nachwuchswissenschaftler*innen aus dem In- und Ausland, die sich empirisch oder theoretisch mit dem Konferenzthema beschäftigen. Erwünscht sind Beiträge aus allen Disziplinen. Pro Beitrag stehen 20 Minuten für die Präsentation und zehn Minuten für die Diskussion zur Verfügung. Vorschläge für Beiträge sind in Form von Abstracts (max. 500 Wörter) mit Kurzlebenslauf bis zum 09.01.2024 einzureichen. Genauere Infos gibt es hier im Call for Papers. Die Benachrichtigung über die Annahme der Beiträge erfolgt bis zum 24.01.2024. Abstracts und Nachfragen – gerne auch in englischer Sprache – sollten geschickt werden an: WT2024@boeckler.de.
Die Bundeszentrale für politische Bildung als Förderer innovativer Formate?
Wir setzen unseren Schwerpunkt „Politische Theorie und Politische Bildung“ mit einem Beitrag von Alexander Wohnig fort, der anhand eines Modellprojektes zeigt, was es heißen kann, politische Partizipation zu einem Ziel politischer Bildung zu machen.
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ist eine der zentralen Institutionen im Feld der politischen Bildung. Als Bundesanstalt im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern wird ihr teilweise eine staatstragende Funktion zugeschrieben, mit der ein Fokus auf affirmative, d.h. an die bestehenden Verhältnisse anpassende politische Bildung einhergehen könnte. Dagegen zeigen konkrete Projekte, die in den Verantwortungsbereich der bpb fallen, dass hier (bei allen Einschränkungen) auch kritische, Widerspruch erzeugende und auf Demokratisierung drängende Projekte entstehen. Im Folgenden soll ein kurzer exemplarischer Einblick in ein konkretes Projekt gegeben werden, das als innovativ (statt als bewahrend) beschrieben werden kann und das in seiner Begründung auf politiktheoretischen Argumenten fußt, in deren Konsequenz die Erfahrung politischer Partizipation als zentraler Aspekt von Bildung in der Demokratie und für die Demokratie definiert wird. (mehr …)
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