Call der Zeitschrift für Prakt. Philosophie: Epistemische Ungerechtigkeiten


Bis zum 30. Juli können Beiträge für einen Themenschwerpunkt der Zeitschrift für Praktische Philosophie, herausgegeben von Hilkje Hänel, eingereicht werden. Thema sind Theorien der epistemischen Ungerechtigkeit, gefragt sind neben theoretisch-begrifflichen Beiträgen auch solche der Anwendung, etwa in Bezug auf Intersektionalität und Dekolonialismus. Alle Informationen finden sich nach dem Klick oder hier.


Theorien der epistemischen Ungerechtigkeit, der epistemischen Unterdrückung und der epistemischen Gewalt haben in den letzten Jahren eine breite internationale Rezeption erfahren. Ihre Attraktivität liegt nicht zuletzt darin begründet, dass sie normativ-ethische Überlegungen zu Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit mit erkenntnistheoretischen Ansätzen verbinden und dadurch neue Perspektiven und Einsichten ermöglichen. Die ethische Dimension der Epistemologie spielt dabei nicht nur innerhalb sondern auch außerhalb der Wissenschaft aktuell eine große Rolle, wie soziale Bewegungen wie #MeToo und #BlackLivesMatter zeigen.

Ausgehend von Frickers Theorie der epistemischen Ungerechtigkeit haben sich viele Autor:innen dem Bestreben angeschlossen, die spezifische Ungerechtigkeit zu artikulieren, unter der Individuen und soziale Gruppen auf der Grundlage ihres Status als Wissende leiden. Darüber hinaus beleuchten Theorien der epistemischen Ungerechtigkeit die Art und Weise, wie verschiedene Gemeinschaften Formen des Wissens bereitstellen können, die in der allgemeinen sozialen Struktur aufgrund dominanter, aber unzureichender Ressourcen fehlen. Dies ist besonders wichtig für Theorien des Widerstands. Daher ist es nicht überraschend, dass diese Ideen auf eine lange Geschichte von unterrepräsentierten Ansichten in der sozialen Epistemologie und der Philosophie im Allgemeinen zurückgreifen, zum Beispiel Lorde 1984; Spelman 1988; Code 1991; Crenshaw 1991; Harding 1991; Collins 1997; Spivak 1998.

Theorien der epistemischen Ungerechtigkeit, der epistemischen Unterdrückung und der epistemischen Gewalt werden maßgeblich von Theorien situierter Wissender, der Standpunkttheorie und von Epistemologien des Nichtwissens beeinflusst, die bestehende Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten zwischen bestimmten sozialen Gruppen ans Licht bringen; zum Beispiel im Fall der weißen Ignoranz, wie sie von Ortega 2006, Mills 2007, Bailey 2007 und anderen vertreten wird. Außerdem können sie die epistemischen Diskrepanzen und schädlichen Praktiken zwischen verschiedenen Gemeinschaften und sogar Kulturen aufzeigen.

Der Schwerpunkt in der Zeitschrift für Praktische Philosophie soll diese thematische Breite abbilden. Beiträge zu einem der folgenden Themen sind besonders willkommen:

  • neue Ansätze zu epistemischer Ungerechtigkeit, epistemischer Unterdrückung und epistemischer Gewalt;
  • Diskussionen der Begriffe Identitätsmacht, Identitätsvorurteil oder kollektive hermeneutische Ressource im Hinblick auf epistemische Ungerechtigkeit;
  • Theorien des epistemischen Widerstands, die sich auf die lange Geschichte unterrepräsentierter Ansichten in der sozialen Erkenntnistheorie und Philosophie stützen;
  • Diskussionen des Verhältnisses zwischen situiertem Wissen und situierten Wissenden und epistemischer Ungerechtigkeit;
  • Diskussionen des Verhältnisses zwischen kommunalem Wissen und epistemischer Ungerechtigkeit;
  • Diskussionen der Standpunkttheorie und epistemischer Ungerechtigkeit;
  • Diskussionen der Epistemologie des Nichtwissens in Bezug auf epistemische Ungerechtigkeit;
  • angewandte Ansätze der epistemischen Ungerechtigkeit zum Beispiel in Bezug auf Intersektionalität und Dekolonialismus, Trans*-Rechte und Behindertenrechte, indigene Rechte, Medizin und Gesundheitsversorgung, Bildung und Wissenschaft.


Beiträge zu ähnlichen Themen sind selbstverständlich ebenfalls willkommen! Deutschsprachige Beiträge sind bis zum 30. Juli 2021 über die Website der Zeitschrift für Praktische Philosophie einzureichen. Die Vorgaben der Zeitschrift sind bei Einreichung zu beachten (https://www.praktische-philosophie.org/aufsaetze.html).

Alle geeigneten Beiträge durchlaufen nach Prüfung durch die Schwerpunktherausgeberin ein doppelblindes Begutachtungsverfahren. Der Begutachtungsprozess wird von den Herausgeber:innen der ZfPP organisiert.

Weitere Informationen finden sich hier: https://www.praktische-philosophie.org/call-for-papers.html

Ich freue mich über Einreichungen (über die Homepage der ZfPP) oder Fragen (hilkje.charlotte.haenel@uni-potsdam.de),
Hilkje Hänel

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Zwei Vorträge in Gießen

Im Rahmen des Gießener Politische Theorie Kolloquiums und der Sektion „Menschenrechte und Demokratie“ des Gießener Graduiertenzentrums für Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften (GGS) finden zwei Vorträge statt, zu denen auch Nicht-Gießener herzlich eingeladen sind:
An diesem Mittwoch, den 16. Dezember 2020, trägt Frieder Vogelmann vor zu „Critical Theory and Political Epistemology. Six Theses on Untruth in Politics“. Los geht es um 18.15 Uhr. Im neuen Jahr steht dann am 20. Januar 2021 ein Vortrag von Gundula Ludwig auf dem Plan: „‚Politik ist nichts Weiter als Medizin im Großen.‘ Zur Bedeutung von Körperpolitiken in der Genealogie der Demokratie“. Start ist dann schon um 17.15 Uhr. Die Zugangsdaten werden nach Anmeldung bei Hannes Kaufmann (hannes.s.kaufmann@sowi.uni-giessen.de) verschickt.

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CfP: Femina Politica

Die Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft Femina Politica freut sich über Beiträge zum Schwerpunktheft „Feministisch Wissen schaffen“.

Das Schwerpunktheft wird sich um die Themenbereiche feministische Epistemologien, Methodologien und Methoden sowie um wissenschaftstheoretische Überlegungen drehen. Der Schwerpunkt wird verantwortet von Patricia Graf und Gesine Fuchs. Deadline für Abstracts ist der 31. Mai 2020. Alle weiteren Infos könnt ihr dem ausführlichen Call hier entnehmen.

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Vortrag von Sally Haslanger und Workshop zu „Structural Injustice and Ideology“ (Berlin)

Sally Haslanger hält am 13. Juni an der FU Berlin einen Vortrag zum Thema „Standpoint Epistemology and the Authority of Critical Perspectives“ (18.15 Uhr, Institut für Philosophie). Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Außerdem findet am 14. Juni ein Workshop mit Sally Haslanger zum Thema „Structural Injustice and Ideology“ statt, der von Mirjam Müller und Tamara Jugov organisiert wird. Eine Anmeldung ist erforderlich und sollte möglichst schnell erfolgen (an Barbara Heinrich: bls.heinrich@gmail.com). Allen Teilnehmer*innen werden die Workshop-Papiere zur Vorbereitung zur Verfügung gestellt. Das Programm und weitere Infos zum Workshop finden sich hier.

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