CfA Juniorprofessur (W1 mit tt W2) für Ethik der Digitalisierung (Oldenburg)

An der Universität Oldenburg ist eine Juniorprofessur (m/w/d) für Ethik der Digitalisierung (BesGr. W1 mit Tenure Track W2) ausgeschrieben. Die zentrale Aufgabe der Professur ist es, die ethischen Probleme herauszuarbeiten, die mit den neuen digitalen Technologien gesamtgesellschaftlich verbunden sind, und sie philosophisch zu reflektieren. Erforderlich sind sowohl Kenntnisse der anzuwendenden normativen Theorien wie auch Kenntnisse der Technologien, auf die diese Theorien kritisch angewandt werden. Zu den Theorien gehören nicht nur solche, die in der letzten Zeit speziell zu digitalen Technologien entwickelt wurden, sondern auch grundlegende Moraltheorien (Deontologie, Utilitarismus, Tugend­ethik) sowie philosophische Sozial-, Demokratie- und Gerechtigkeitstheorien. Bezüglich der Technologien ist beispielsweise an KI-basierte Automatisierungsprozesse zu denken, zu denen in Oldenburg bereits Forschungsschwerpunkte existieren (in den Bereichen Fortbewegung, Gesundheit und Energie). Erwartet werden ein überdurchschnittlich gut abgeschlossenes wissenschaftliches Hochschulstudium und eine überdurchschnittlich gut abgeschlossene Promotion, wobei mindestens einer der Abschlüsse in der Philosophie erworben wurde. Bewerbungsschluss ist der 9.8.2021, alle ausführlichen Informationen finden sich hier.

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Digitalisierung und die Frage ihrer politiktheoretischen Bearbeitung

Ob es um die Rolle von sozialen Medien im politischen Wahlkampf geht, die politische Regulierung von Plattformen oder die Diskriminierung durch Algorithmen: In den Debatten um die wissenschaftliche Interpretation wie auch der politischen Ausgestaltung der digitalen Gesellschaft ist die Politische Theorie bis auf wenige Ausnahmen bisher kaum zu vernehmen. Eine Erklärung dafür wäre die ambivalente Haltung der politischen Theorie zum Gegenstand: Denn die Digitalisierung als datengetriebenes Phänomen scheint mitunter einen datenbezogenen Forschungsmodus nahezulegen, wie ihn etwa die quantitative Kommunikationswissenschaft in der Analyse von Twitter ambitioniert betreibt. Ein solcher Zusammenhang zwischen Digitalisierung und quantitativer Forschung würde jedoch wesentlichen Arbeitsmodi Politischer Theorie – so etwa historische oder rationale Rekonstruktion, argumentative Abwägung oder begriffliche Reflexion – nicht gerecht werden und diese damit vermeintlich ins Hintertreffen geraten.

Ich möchte im weiteren Verlauf argumentieren, dass die Politische Theorie zur Erforschung der Digitalisierung nicht nur notwendige Voraussetzungen mitbringt, sondern ihre Perspektive sogar gefragt ist. Nicht nur kann sie Verfahren und Prozesse der Digitalisierung historisch kontextualisieren, sie begrifflich vielfältig erschließen, einordnen und kritisch hinterfragen, auch drängen sich beispielsweise im Hinblick auf die Herausbildung intersektionaler Diskriminierungsverhältnisse normative Fragen geradezu auf. Um jedoch an analytischer Schärfe zu gewinnen und die eigene Position innerhalb der politikwissenschaftlichen Digitalisierungsforschung zu stärken, sollte die Politische Theorie wieder sensibel für die Bedeutung und Ambivalenzen der Technik werden. So kann sie ihren Begriffs- und Theorieapparat präzisieren wie erweitern und ihren perspektivischen Pluralismus gewinnbringend ausspielen. In einen zunehmend interdisziplinären Digitalisierungsdiskurs kann sie so produktiv intervieren und letztlich auch die eigenen forschungstheoretischen Positionen stärken.

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Die Theorieblog-Redaktion hat ein neues Mitglied

Wir begrüßen heute Ann-Kathrin Koster als neues Mitglied in unserem Redaktions-Team!

Ann-Kathrin ist Promotionsstipendiatin am Schaufler Kolleg der Technischen Universität Dresden und beschäftigt sich dort aus demokratietheoretischer Perspektive mit Künstlicher Intelligenz. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der Demokratietheorie, der feministischen und postkolonialen Theorie sowie des Wechselverhältnisses von (digitaler) Technik und Demokratie.  Veröffentlicht hat sie dabei z.B. zum radikaldemokratischen Moment des Hashtag-Aktivismus (Forschungsjournal Soziale Bewegungen) und mit Sebastian Berg und Tim König zu „Political Opinion Formation as Epistemic Practice: The Hashtag Assemblage of #metwo“ (Media & Communication).

Damit übergeben wir dann auch gleich Ann-Kathrin selbst das Wort: In ihrem Einstiegsbeitrag skizziert sie ihre Sicht auf die Bedeutung politiktheoretischer Forschung für die Erfassung und Reflexion von Digitalisierung. Sie fordert die politische Theorie zugleich auf, für Bedeutung und Ambivalenzen der Technik wieder sensibel zu werden, um auf diese Weise ihren Begriffs- und Theorieapparat zu erweitern und zu präzisieren sowie ihren perspektivischen Pluralismus wirklich gewinnbringend ausspielen.

Wir denken, dass Ann-Kathrin  unser Team personell und thematisch ganz wunderbar ergänzt und freuen uns auf die Zusammenarbeit.

Liebe Ann-Kathrin, herzlich willkommen!

 

 

 

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CfA: Promotionsstipendien (Oldenburg)

Im Rahmen des interdisziplinären Promotionsprogramms „Gestalten der Zukunft: Transformation der Gegenwart durch Szenarien der Digitalisierung“, das auch für politische Theoretiker*innen interessant ist, sind aktuell bis zu vier Stipendien ausgeschrieben. Das Programm ist am Wissenschaftlichen Zentrum „Genealogie der Gegenwart“ der Universität Oldenburg angesiedelt. Angetreten werden sollen die Stipendien, die eine Laufzeit von drei Jahren haben, spätestens zum 01.10.2021. Genauere Infos zu dem Programm und zu den Bewerbungsmodalitäten gibt es hier. Die Bewerbungsfrist ist der 15. Juni.

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Tagung (online): „Debatten der Gegenwart. Öffentlichkeiten im politischen und medialen Wandel“

Vom 6. bis 8. Mai findet eine von Simone Jung (Lüneburg), Miira Hill (Bremen) und Victor Kempf (Berlin) organisierte Tagung zu „Debatten der Gegenwart. Öffentlichkeiten im politischen und medialen Wandel“ statt. Die interdisziplinär ausgerichtete Tagung fokussiert die Entgrenzung von Öffentlichkeit und fragt nach den Bedingungen, Möglichkeiten und Effekten der Herstellung von (politischen) Öffentlichkeiten angesichts dieses Phänomens. Den Auftakt zur Veranstaltung macht Paula Diehl (Kiel) mit einem Abendvortrag zum Thema Populismus und Massenmedien. Das vollständige Programm findet sich nach dem Klick. Die Tagung findet via Zoom statt; wer teilnehmen möchte, kann sich bis zum 5. Mai anmelden.

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CfP: Themenschwerpunkt „Schöne neue Arbeitswelt“ in der Zeitschrift Berliner Debatte Initial

„Digitale Arbeit zwischen Entfremdung und Emanzipation“ steht im Fokus eines geplanten Themenschwerpunkts zu neuen Arbeitswelten in der Zeitschrift Berliner Debatte Initial. Beiträge sollen Phänomene und Folgen der Digitalisierung in der Arbeitswelt, die nicht zuletzt durch die Corona-Krise beschleunigt bzw. weiter vorangetrieben werden, beleuchten. Willkommen sind insbesondere Beiträge aus der Sozialphilosophie und der Politischen Philosophie, die das Potential ideologiekritischer oder neomarxistischer Ansätze für ein Verständnis der gegenwärtigen Wandlungsprozesse aufzeigen, zum anderen – gerne international vergleichende oder interdisziplinäre – sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Beiträge, die öffentliche und fachliche Diskurse über die digitale Transformation der Arbeit untersuchen und in Beziehung setzen zu faktischen Entwicklungen. Beitragsvorschläge mit Abstract (max. 3000 Zeichen) müssen bis zum 15.02.2021 bei der Redaktion eingehen. Fertig werden müssen angenommene Beitrage bis Ende Juni 2021. Der komplette Call mit weiteren Anhaltspunkten und Informationen findet sich unter diesem Link.

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Online neuanfangen? Hannah Arendts Handlungstheorie während der Quarantäne

Hannah Arendts Konzept von Natalität bezieht sich nicht nur auf die natürliche Geburt, sondern auch auf ein Neuanfangen, das ihrer Handlungstheorie entsprechend einen öffentlichen Raum voraussetzt. Da dieser Raum während der aktuellen Corona-Krise zumindest physisch eingeschränkt wird, lohnt es sich, Arendts Handlungstheorie erneut zu betrachten. In vielen Ländern gilt über Monate hinweg das Gebot, zu Hause zu bleiben und den öffentlichen Raum nur dann zu betreten, wenn dies unbedingt notwendig ist. Da viele Tätigkeiten und Aspekte des menschlichen Lebens pausiert wurden, gilt es neue Handlungsweisen zu erkunden. Während viele Alltagsaktivitäten eingeschränkt wurden, bleiben Online-Aktivitäten bestehen, wurden gar notwendiger denn je. Daher erscheint es plausibel, die aktuelle Situation anhand von Arendts Handlungstheorie zu verstehen und den digitalen Raum als möglichen öffentlichen Raum für Neuanfänge zu erkennen. Mein Vorschlag lautet, dass Neuanfänge während der Quarantäne möglicherweise in einem digitalen Raum stattfinden könnten, sofern Arendts Faktum der Pluralität in diesem voll zum Ausdruck kommen kann. Allerdings droht die Vielfältigkeit im digitalen Raum durch Isolierung verschiedener Gruppen von Gleichgesinnten zerstört zu werden. (mehr …)

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CfP: Politische Theorie der digitalen Konstellation

Unter dem Titel “Politische Theorie der digitalen Konstellation“ geben Sebastian Berg (Weizenbaum-Institut),  Daniel Staemmler (FU Berlin) und ich ein Sonderheft der Zeitschrift für Politikwissenschaft (ZPol) heraus. Dessen Ziel ist es, politiktheoretische Perspektiven auf den Zusammenhang von Politik und Digitalisierung zu versammeln. Den ausführlichen Call for Papers findet ihr hier in deutscher oder englischer Sprache. Bis zum 30. September 2020 müssen Beitragsvorschläge in Form von extended abstracts mit max. 800 Wörtern (deutsch oder englisch) eingreicht werden , für die vollständigen Beiträge ist bis zum 30. Januar 2021 Zeit. Beitragsvorschläge werden erbeten an: zpol.digitheo@wzb.eu

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CfP: „Future(s) of critique“ (Special Issue Behemoth)

Die Zeitschrift Behemoth plant ein Sonderheft zum Thema „Future(s) of critique. Theorising governmentality and power in the digital age“. Das Heft interveniert in Debatten über das vermeintliche Ende von Theorie in Zeiten von Big Data und sucht nach neuen Möglichkeiten der Kritik vor dem Hintergrund einer verstärkt digitalisierten Gegenwart. Beiträge sind eingeladen, etwa die Anwendbarkeit von Kritiktraditionen auf die Selbstbezüglichkeit „objektiver“ Daten zu diskutieren oder zu reflektieren, welche neuen politischen Macht- und Regierungsverhältnisse eine Kritik der digitalen Gegenwart adressieren sollte. Die Herausgeber*innen Janosik Herder (Osnabrück), Felix Maschewski (Berlin) und Anna-Verena Nosthoff (Freiburg/Wien) freuen sich über Beitragsvorschläge in Form von Abstracts (ca. 20.000-25.000 Zeichen) bis zum 15. Juli. Einreichungen sind sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch möglich. Den vollständigen Call mit weiteren Infos gibt es hier.

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CfA: Promotionsstipendien (Oldenburg)

Das interdisziplinär ausgerichtete und in Oldenburg ansässige Promotionsprogramm „Gestalten der Zukunft“ schreibt zum 01. Oktober 2020 bis zu 10 Promotionsstipendien aus. Mindestens eine davon – in der Philosophie mit dem Schwerpunkt politische Ökonomie der Digitalisierung – ist auch für Politische Theoretiker*innen interessant. Alle weitere Infos könnt ihr dem PDF entnehmen. Deadline ist der 22.06.2020.

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