Munizipalistische Utopie oder parlamentarische Demokratie? Ein Kommentar zu Paul Sörensens ZPTh-Beitrag

In seinem Artikel „Widerstand findet Stadt. Präfigurative Praxis als transnationale Politik ‚rebellischer Städte‘“ widmet sich Paul Sörensen dem Versuch, das Phänomen der sogenannten neuen Munizipalismen sowie weiterer auf die Stadt gerichteter sozialer Bewegungen in theoretischen Begriffen der politischen Theorie, bzw. spezifischer, der Demokratietheorie einzufangen. Munizipalismus fasst er als eine pro-aktive Widerstandspraxis, die darauf zielt, neue Formen des Zusammenlebens und der politischen Entscheidungsfindung in die Welt zu bringen, statt lediglich durch Wahlteilnahme Personal für die bestehenden Institutionen bereitzustellen.

Angesichts einer Vielzahl von oft eher kleinteiligen Momentaufnahmen zur konkreten munizipalistischen Praxis und ihrer Bedeutung für sozialen Wandel sind abstrahierende Interpretations- und Integrationsversuche begrüßenswert, da sie im Sinne einer kritischen politischen Theorie darauf abzielen, die bei sozialen (Bewegungs-)Akteur*innen vorhandenen gesellschaftlichen Begriffe aufzunehmen, durchzuarbeiten und auf ihr emanzipatorisches Potential hin abzuklopfen (Demirovic 2019: 180). Jedoch möchte ich in aller Kürze zwei grundlegende Anmerkungen zu den im Artikel vorgenommenen Ausführungen machen. Erstens geht es um das inhaltlich zu leer gefasste Widerstandskonzept und zweitens um die unkritische Übernahme der Idee, dass Institutionen des bürgerlichen Staates, erst recht in der aktuellen Konjunktur einer tiefen und vielfachen Krise, übernommen und grundlegend neugestaltet werden könnten. Dass diese Möglichkeit bestritten wird, heißt aber längst nicht, die Ambivalenzen dieser Projekte und ihr sehr wohl gegebenes emanzipatorisches Potential zu negieren. (mehr …)

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Widerständige Städte – Paul Sörensens ZPTh-Artikel in der Diskussion

Das aktuelle Heft (1/2019) der Zeitschrift für Politische Theorie ist frisch erschienen und die beiden Gastherausgeber*innen Robin Celikates und Frauke Höntzsch versammeln darin Beiträge zu dem Themenschwerpunkt „Widerstand, transnational“. Christian Leonhard und Martin Nonhoff  entwickeln das Konzept der ,widerständigen Differenz‘, um die Praxis transnationaler sozialer Bewegungen widerstandstheoretisch zu erfassen; Henning Hahn entwirft den Grundriss einer normativen Theorie globalen zivilen Ungehorsams und Sebastian Berg und Thorsten Thiel untersuchen Widerstand und die Formierung von Ordnung in der digitalen Konstellation. Neben diesen Beiträgen zum Thema Widerstand enthält das Heft außerdem noch eine Abhandlung von Mario Schäbel zum Verhältnis von Marx und Adornos negativer Dialektik sowie von Karsten Schubert zur anti-anarchistischen Foucault-Lektüre.

Paul Sörensens Aufsatz zu Widerstand findet Stadt. Präfigurative Praxis als transnationale Politik ,rebellischer Städte‘ gehört ebenfalls zum aktuellen ZPTh-Schwerpunkt. Wir freuen uns, dass wir ihn im Rahmen unserer bewährten Zusammenarbeit mit der ZPTh kostenlos zum Download zur Verfügung stellen können – und dass Verena Frick den Aufschlag zur Debatte übernimmt. Wir laden zugleich alle herzlich ein, mit in die Diskussion einzusteigen und die Kommentarspalten zu füllen. Paul Sörensen wird dann auf den Kommentar und die Diskussion antworten. Los geht‘s heute mit dem Kommentar von Verena Frick:

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CfP: Femina Politica

Die Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft Femina Politica freut sich über Beiträge zum Schwerpunktheft „Feministisch Wissen schaffen“.

Das Schwerpunktheft wird sich um die Themenbereiche feministische Epistemologien, Methodologien und Methoden sowie um wissenschaftstheoretische Überlegungen drehen. Der Schwerpunkt wird verantwortet von Patricia Graf und Gesine Fuchs. Deadline für Abstracts ist der 31. Mai 2020. Alle weiteren Infos könnt ihr dem ausführlichen Call hier entnehmen.

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CfA: ZPTh-Themenheft „Postkolonialität und die Krise der Demokratie“

Für ein Themenheft der Zeitschrift für politische Theorie zum Thema „Postkolonialität und die Krise der Demokratie“ lädt Jeanette Ehrmann zur Einreichung von Beitrags-Vorschlägen ein. Entsprechende Einsendungen werden noch bis zum 31. Januar 2020 entgegengenommen, die fertigen Beiträge müssen bis zum 20. September 2020 fertiggestellt werden. Der vollständige Call for Abstracts findet sich hinter diesem Link.

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Workshop „Authoritarianism Today“ in Berlin (11./12. Dezember)

Mal wieder ein Hinweis für Kurzentschlossene: Am 11. und 12. Dezember findet am Institute für Cultural Inquiry und am Centre Marc Block ein Workshop mit dem Titel „Authoritarianism Today. Conceptualizing Democracies in between Psychoanalysis and Social Theory“ statt. Es sprechen und diskutieren unter anderem Peter E. Gordon, Katia Genel, Robin Celikates und Alex Demirovic. Das vollständige Programm findet sich hier (11. Dezember) und hier (12. Dezember).

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CfP: Democracy in Flux (Juni, Berlin)

Am 4. und 5. Juni 2020 steht die dritte internationale und interdisziplinäre Weizenbaum-Conference in Berlin auf dem Programm. In diesem Jahre widmet sich die Konferenz dem Thema „Democracy in Flux – Order, Dynamics and Voices in Digital Public Spheres“. Der Call for Paper ist derzeit und noch bis zum 31. Januar geöffnet; erbeten werden Beiträge in drei verschiedenen Tracks: Creating and Opposing Orders / Dynamics and Processes / Voices and Agency. Politikwissenschaftliche und politiktheoretische Beiträge sind sehr willkommen, alle Infos zur Konferenz findet ihr hier auf der Konferenzwebseite oder hier im Call als PDF.

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Symposium „Das Volk – ein ‚Problem‘ der Demokratie?“ (Berlin)

Für Kurzentschlossene: Anlässlich des 80. Geburtstags von Ulrich K. Preuß findet am 6.12. an der Hertie School Berlin ein Symposium statt, das entlang der Frage „Das Volk – ein ‚Problem‘ der Demokratie?“ aktuelle Herausforderungen für Repräsentation, Parteiensystem und Demokratie diskutiert. Das Symposium wird von Claudio Franzius, Isabelle Ley und Tine Stein organisiert. Das ausführliche Programm findet sich hier.

Achtung kurze Anmeldefrist: Es steht eine begrenzte Anzahl Plätze für Interessierte zur Verfügung. Eine Anmeldung ist bis zum 5.12.2019 möglich, und zwar unter: sekretariat.stein@uni-goettingen.de.

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CfA: Fellowships am Humanities and Social Change Center (Berlin)

Am Humanities and Social Change Center, das von Rahel Jaeggi an der Humboldt-Universität zu Berlin geleitet wird, sind Fellowships für das akademische Jahr 2020/21 ausgeschrieben. Das Center beschäftigt sich grundsätzlich mit der Krise von Demokratie und Kapitalismus. In dem ausgeschriebenen Zeitraum soll dabei ausgehend von der Erosion von Solidarität ein besonderer Fokus darauf liegen, Krisen und Pathologien der Arbeitswelt zu untersuchen. Bewerber*innen sollten die Promotion abgeschlossen haben und eine Projektskizze auf drei Seiten mit der Bewerbung einreichen. Weitere Informationen – einschließlich einer FAQ-Liste – finden sich hier. Bewerbungsschluss ist am 16.12.2019.  (mehr …)

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Veranstaltung zu Tönnies‘ Hauptwerk: Wie viel Gemeinschaft braucht die Demokratie? (27.11.)

Im Juni 2019 ist „Gemeinschaft und Gesellschaft“, das Hauptwerk von Ferdinand Tönnies, als Band 2 der Ferdinand-Tönnies-Gesamtausgabe erschienen. Am Hamburger Institut für Sozialforschung wird nun darüber diskutiert, welche Relevanz die bekannte Unterscheidung für unsere Gegenwart hat. Dafür kommen am 27.11.2019 um 19 Uhr Hannah Bethke, Dieter Haselbach, Gangolf Hübinger und Jan Philipp Reemtsma zusammen. Mehr Informationen gibt es hier.

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Tagung: „Die Demokratie und ihre Feinde“ (06./07.12.)

Die Deutsche Gesellschaft zur Erforschung des politischen Denkens (DGEPD) veranstaltet am 06. und 07. Dezember eine Tagung zum Thema „Die Demokratie und ihre Feinde“. Sie wird in Kooperation mit der Universität Vechta und der Katholischen Akademie Stapelfeld organisiert und findet in Cloppenburg statt. Auf der Tagung sollen die aktuellen Gefährdungen der Demokratie von innen und außen untersucht werden, um daraufhin nach Abwehrmöglichkeiten der Demokratie zu fragen. Dafür kommen Beiträge aus Philosophie, Politik-, Geschichts- und Rechtswissenschaft zusammen. Alle Informationen zu Programm und Anmeldung finden sich hier.

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