Demokratie

Service, Veranstaltungen & CfP

CfP: Interregnum. Zwischen Demokratie, Digitaler Umwälzung und Globalen Hegemoniekämpfen, 11.-13. Dezember, Bremen

Welt im Umbruch oder Umbruch der Welt? Verschiebungen der globalen Hegemonie, Krieg als etabliertes Mittel zur Durchsetzung staatlicher Interessen mittels Militär und Handel, der Aufstieg eines internationalen Autoritarismus und soziale Entfremdung. Bisherige Ordnungssysteme haben längst den Zugriff auf effiziente Krisenlösungen verloren, und es bilden sich neue Wege der Macht und Kontrolle heraus. Die diesjährige Jahrestagung der Deutschen Nachwuchsgesellschaft für Politik- und Sozialwissenschaften (DNGPS) wird sich mit dieser Umbruchszeit beschäftigen, wobei der Begriff des Interregnums, angelehnt an Gramsci, ins Zentrum gerückt wird: „Die Krise besteht gerade in der Tatsache, dass das Alte stirbt und das Neue nicht zur Welt kommen kann.“

Die 12. Fachtagung der DNGPS findet vom 11.-13. Dezember 2026 an der Uni Bremen statt, in Kooperation mit dem Rosa-Lux-Club und dem Arbeitskreis Kritischer Jurist:innen. Die Tagung gliedert sich in folgende Themeblöcke: Internationale Beziehungen; Technologie und Demokratie; Parteien und Parlamente unter Anpassungsdruck; Kritik, Utopie und Universität; Politische Theorie der Demokratie; Faschismustheorie; Politik und Geschlecht; Die Krise mit den Männlichkeiten; Die Zukunft des Sozialstaats.

Beitragsvorschläge können von Bachelor- und Masterstudierenden sowie Promovierenden (in der Anfangsphase) bis zum 30. August eingereicht werden. Mehr Infos gibt es hier.

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Theoriekongress: Backsliding, Resilience, Renewal? Democracy in Eras of Transformation, 05.-07. Oktober 2026, Passau

Nun ist es bald soweit: Vom 05. – 07. Oktober 2026 wird der zweite Theoriekongress mit dem Thema „Backsliding, Resilience, Renewal? Democracy in Eras of Transformation“ in Passau stattfinden. Nachdem die Panels befüllt wurden, kann sich nun auf der Kongresswebseite angemeldet werden.

Weitere Informationen und das Programm sind der Webseite zu entnehmen. Der Kongress findet in englischer sowie deutscher Sprache statt.

Hier nochmal ein kurzer Reminder, um was es gehen wird: In einer durch vielfache Krisen geprägten Gegenwart rücken die Demokratie, deren Defekte und autoritäre Tendenzen, aber auch Potenziale demokratischer Widerstandsfähigkeit und Erneuerungschancen der Volksherrschaft verstärkt in den Fokus. Hier ist eine kritische Analyse durch die Politische Theorie und Ideengeschichte gefragt, die etablierte Deutungsmuster, Annahmen und Konzepte prüft, historische Vergleichsperspektiven einbringt sowie problembewusst die aktuellen Herausforderungen und mögliche Reformvorschläge adressiert. Der Kongress möchte Gegenwartsdiagnosen zu aktuellen Veränderungen in Demokratien genauso behandeln wie historische Perspektiven auf vergangene Krisen und Transformationsprozesse sowie konzeptionelle Analysen zu Demokratie, Transformation, Resilienz und Erneuerung. Vertreter:innen aller Teildisziplinen der Politischen Theorie und Ideengeschichte sowie angrenzende Nachbardisziplinen sind herzlich willkommen.

Service

CfP: Anger, Rage, Resentment as Drivers of Political Identity, Universität Passau

Wie prägen Wut, Zorn und Ressentiment politische Identitäten? Dieser Frage widmet sich der internationale Workshop Anger, Rage, Resentment as Drivers of Political Identity, der am 4.–5. März 2027 an der Universität Passau stattfindet.

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass aktuelle Krisen liberaler Demokratien nicht allein durch institutionelle oder rationale Erklärungen verstanden werden können. Vielmehr rücken politische Emotionen und Affekte zunehmend in den Mittelpunkt der Politischen Theorie. Der Workshop diskutiert unter anderem, wie Wut zur Herausbildung politischer Identitäten beiträgt, demokratische Resilienz stärken oder gefährden kann und welche Rolle Anerkennung, Marginalisierung, Künstliche Intelligenz sowie gesellschaftliche und ökonomische Transformationsprozesse dabei spielen.

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CfP: On Displacement

Die Fachzeitschrift Metodo. International Studies in Phenomenology and Philosophy lädt Beiträge für das Sonderheft „On Displacement“ ein, welches von Michaela Bstieler und Marco Cavallaro betreut und herausgegeben wird.

Im Zentrum steht die Frage, wie Erfahrungen von Vertreibung, Entwurzelung und Desorientierung angesichts von Krieg, Flucht, Klimawandel oder sozialer Verdrängung das Verhältnis von Subjekt, Ort und politischer Ordnung verändern. Gefragt wird, wie sich Displacement phänomenologisch beschreiben lässt und welche Konsequenzen dies für Konzepte wie Zugehörigkeit, Staatsbürgerschaft, Demokratie, Grenzen, Macht und Klimagerechtigkeit hat. Der Call dürfte somit auch für Wissenschaftler*innen aus der Politischen Theorie und politischen Phänomenologie interessant sein. …

Tagungsberichte

Tagungsbericht: The Politics of Nature, Science and Technology – Philosophical Perspectives (Freiburg, 19. September 2025)

Moderne Gesellschaften sind nicht nur bei der Bewältigung drängender Herausforderungen – Klima- und Umweltkrise, Gesundheit, militärische Konflikte – auf scheinbar neutrales, hochspezialisiertes Wissen angewiesen, sie sind in allen sozialen Strukturen von ihm durchdrungen. Langdon Winner (1980) formulierte es treffend: „technologies are not merely aids to human activities, but also powerful forces acting to reshape that activity and its meaning„.

Doch die vermeintliche Neutralität dieser Techniken wird zunehmend hinterfragt – etwa in den Debatten um rassistische Algorithmen. Umstrittene Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Geoengineering erscheinen den einen als utopische Befreiungstechnologien, den anderen als Dystopien einer sich verselbständigenden Rationalität, die sich politischer Kontrolle entzieht. Gleichzeitig wird die Diskussion über den Einsatz technischer und wissenschaftlicher Expertise in der Demokratie längst von einer Erosion des Vertrauens in die Wahrheitsorientierung und Objektivität der Wissenschaften überlagert. Die epistemische Autorität wissenschaftlicher Wahrheit ist selbst fragil geworden.

In diesem Spannungsfeld stellte sich die von Dominik Buhl und Martin Baesler organisierte Konferenz „The Politics of Nature, Science and Technology: Philosophical Perspectives“, die am 19. September 2025 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg stattfand, der Frage, wie ein Verständnis wissenschaftlicher Objektivität jenseits von Neutralität aussehen kann. Ziel war es, einen Mittelweg aufzuzeigen zwischen (1) einer radikalen Kritik an der modernen Wissenschaft, die den Menschen von der Natur entfremdet und damit die Krisen der Moderne hervorgerufen habe, und (2) der lösungsorientierten Ideologie, die technologische Innovation als Allheilmittel aller gesellschaftlichen Probleme betrachtet. …

Veranstaltungen & CfP

Auftakttagung „nachhaltig demokratisch. sozialökologische Transformation als Schutz demokratischer Lebensformen“ (20. Mai 2026, Bergische Universität Wuppertal)

Am 20. Mai 2026 findet von 13 bis 20:30 Uhr an der Bergischen Universität Wuppertal die Tagung „nachhaltig demokratisch. sozialökologische Transformation als Schutz demokratischer Lebensformen“ statt. Die Veranstaltung ist Auftakt für eine zirkulierende Reihe weiterer Veranstaltungen, die die Transformations- und Demokratieforschung in NRW weiter vernetzen und öffentlich sichtbar machen soll. Sie wird organisiert von Prof. Dr. Jule Govrin (BUW), Prof. Franziska Martinsen (Universität Duisburg-Essen) und Prof. Bernd Sommer (TU Dortmund) in Kooperation des Arbeitsbereichs Praktische Philosophie der BUW, dem Centre for Global Cooperation Research an der Universität Duisburg-Essen, dem Arbeitsbereich Umweltsoziologie der TU Dortmund dem Wuppertal-Institut an der BUW und dem Zentrum für Transformationsforschung und Nachhaltigkeit der BUW. …

Debatte

William E. Connolly (1938–2026): Theoretiker des Konfliktiven in einer „Welt des Werdens“

Am 25. Februar 2026 ist William E. Connolly gestorben. Er war nicht nur ein brillanter und origineller Denker, sondern vor allem auch ein Demokratietheoretiker, der es wie kein anderer verstanden hat, philosophische Untersuchungen zum „Sein“ des Demokratischen mit einem kritischen diagnostischen Blick auf aktuelle Herausforderungen für Demokratien zu verbinden. Gegenwärtig ist besonders deutlich, wie fragil demokratische Ordnungen und wie gefährdet Formen des politischen Umgangs sind, die eine Offenheit gegenüber Pluralität und Differenz zum Ausdruck bringen. In dieser Situation ist die große Bedeutung von Connollys Werk deutlicher denn je. Eine analytische Sensibilität für die Fragilität von demokratischen Ordnungen und ein Plädoyer dafür, Demokratie als eine stets neu zu belebende Praxis zu verstehen, sind die roten Fäden, die sein Werk durchziehen.

Jobs & Stipendien

CfA: 12 Promotionsstellen „Collective Decision-Making“ (Hamburg)

Im DFG-Graduiertenkolleg „Collective Decision-Making“ an der Universität Hamburg sollen zum 01.11.2026 gleich 12 Promotionsstellen im Umfang von je 75% besetzt werden. Die Ausschreibung richtet sich vorrangig an Kandidat:innen aus der Ökonomie, der Politikwissenschaft und der Philosophie. Auch Politische Theoretiker:innen dürfen sich ausdrücklich angesprochen fühlen. Die Bewerbungsfrist ist der 31.03.2026. Zur ganzen Ausschreibung geht es hier.

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CfP: Zum Themenschwerpunkt „USA“ in INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft

Die zeitliche Koinzidenz einer sich verschärfenden demokratischen Regression im Rahmen der zweiten Amtsperiode Donald Trumps und dem 250. Jubiläum der US-amerkianischen Unabhängigkeitserklärung in diesem Jahr nimmt die Zeitschrift INDES zum Anlass, um für das Doppelheft 1–2/2026 den Blick auf die USA zu richten. Eingeladen sind u.a. auch ideengeschichtliche, historische und politiktheoretische Beiträge zu den folgenden fünf Schwerpunktthemen: (1) Checks and Balances; (2) Parteiensystem und Polarisierung; (3) Kulturkampf und Ideologien; (4) Plutokratie und Konzernmacht und (5) Imperiale Gelüste.

Beitragsskizzen (max. 300 Wörter) können bis zum 10.02.2026 an: indes[at]uni-bonn.de eingereicht werden. Alle weiteren Infos und Anregungen findet ihr hier im vollständigen CfP.

Debatte

Falsche Freunde? Verfassungsgerichtsbarkeit und Liberalismus

Die Kontroverse um die gescheiterte Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Bundesverfassungsrichterin hat das Verhältnis von Recht und Politik schlagartig ins Zentrum öffentlicher Aufmerksamkeit gerückt. In kritisch-polemischen Darstellungen erscheint ihre Kandidatur oft als Versuch, über den „Karlsruher Umweg“ eine weltanschaulich (polemisch als linksliberal umschriebene) Agenda – von reproduktiven Fragen bis hin zu Regulierungsthemen wie Impfquoten – in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zu verankern. In Anlehnung an Clausewitz ließe sich dieser Vorwurf pointiert so formulieren: Verfassungsrecht sei linksliberale Politik mit anderen Mitteln. Oder, in den Worten der ehemaligen Bundesverfassungsrichterin Gertrude Lübbe-Wolffs, Ausdruck einer tiefgreifendenDemophobie”.  

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