Debatte

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Westerwelles Dekadenz

Nicht zu übersehen war in deutschen Zeitungen und Webforen jeglicher Couleur in der letzten Woche der von Außenminister Westerwelle nach dem Karlsruher BVerfG-Urteil angestoßene Schlagabtausch zum Wesen des deutschen Sozialstaats und insbesondere zur „Fairness“ staatlicher Unterstützungsleistungen für sozial Schwächere. Hartnäckig in den Schlagzeilen gehalten hat sich dabei Westerwelles Diktum in der Welt: „Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein“. Der Verweis auf schillernden Moralverfall im antiken Rom hat zu weiteren bildhaften Schnellschüssen geführt, so etwa in Heiner Geißlers Vergleich zwischen Caligulas Pferd als Konsul und Merkels „Esel im Außenamt“ sowie in der Krönung Westerwelles zum fanatischen Kaiser Nero durch Sigmar Gabriel. …

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Getting Published – Wenn man denn will

Obwohl das Veröffentlichen eigener Arbeiten in der Wissenschaft einen so zentralen Stellenwert einnimmt, gibt es erschreckend wenig Hilfestellung zu diesem Thema. Daher hier der Hinweis auf zwei wirklich gute und frei verfügbare Texte: Zum einen Publishing in Academic Journals von Keith Dowding, und zum anderen Publishing Advice for Graduate Students von Thom Brooks. Aus der Einleitung zu letzterem Text:

There are any number of reasons behind our wanting to publish, whether for professional advancement or personal satisfaction. Perhaps the largest obstacle to achieving publications is the lack of good practical advice on both how work is selected for publication and how the publishing world operates more generally. This essay is an attempt to rovide just this in a clear, jargon-free way.

Und schließlich, auch wenn mir dazu gerade kein eleganter Brückenschlag einfällt, noch der link zu einem Klassiker der amerikanischen Blog-Szene: Der Autor von Journeyman: Getting Into and Out of Academe geht hier der Frage nach, ob es auch jenseits der Uni attraktive Arbeitsfelder für Geisteswissenschaftler gibt. Eine gut geschriebene Anregung, auch mal über Alternativen nachzudenken.

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Enzensberger vs. die Eurokraten

Intellektuell gehaltvolle und politiktheoretisch informierte Auseinandersetzungen über die Herausforderung der Demokratie durch die europäische Integration sind selten. Zwar herrscht an wissenschaftlicher und publizistischer Beschäftigung mit der EU wahrlich kein Mangel, aber entweder sind die Beiträge aus den Höhen einer technisch-empirischen Regierungswissenschaft geschrieben und richten sich hauptsächlich an die an Details interessierte Peer-Group der Europaforscher oder es handelt sich um das atemlose Nachhecheln hinter den Tagesaktualitäten. Eine dritte Spezies von Texten ist der Versuch von öffentlichen Intellektuellen, die Auseinandersetzung um die EU in die Feuilletons der Tageszeitungen zu tragen. Hier bezeugt der Status des Schreibenden die Tiefe der Reflexivität, das weite öffentliche Forum und die Wucht der Argumentation garantiert die Aufmerksamkeit. Hans Magnus Enzensberger hat jüngst mit seiner Rede zum Sonning Preis – die zugleich ganzseitig von der FAZ auf der ersten Seite des Feuilletons dokumentiert wurde (FAZ-Artikel) – ein neues Beispiel für diesen Typ von Beitrag geliefert – und damit zugleich einen Anlass, auf das Elend der EU-Polemik zu reflektieren. …

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Presseschau 01/2010

Das Theorieblog ist nicht nur ein Theorieblog, sondern auch ein Serviceblog. Es folgt deshalb ein kurzer Überblick über Artikel, die ich in den letzten Ausgaben der einschlägen politische Theorie und Philosophie Zeitschriften besonders spannend fand und euch zur Lektüre ans Herz legen möchte. Die Auswahl ist ziemlich subjektiv, ich würd mich also freuen, wenn ihr gute Artikel in den Kommentaren ergänzen würdet. …

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Zizek über Zizek: ‘First they called me a joker, now I am a dangerous thinker’

Überrraschen tut es einen ja kaum noch, trotzdem ist es auf bizarre Weise unterhaltsam. Hier zwei der Antworten Zizek’s in einem Interview der Times of India:

How can you dismiss Buddhism so easily? It’s the fastest growing religion in the world.
In the West, Buddhism is the new predominant ideology. Things are so unstable and confusing that with one speculation you can lose billions of dollars in a minute. The only thing that can explain this is Buddhism which says that everything is an appearance. That’s why the Dalai Lama is so popular in Hollywood.

You have also been critical of Gandhi. You have called him violent. Why?
It’s crucial to see violence which is done repeatedly to keep the things the way they are. In that sense, Gandhi was more violent than Hitler.

[via Crooked Timber]

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Lesenotiz: „Selbstbetrachtung aus der Ferne. Tocqueville, Weber und Adorno in den Vereinigten Staaten“ von Claus Offe

Ende letzten Jahres ist in Constellations ein Artikel von Claus Offe mit dem Titel „Governance: An Empty Signifier“ erschienen. Der Artikel an sich ist lesenswert, wenn auch nicht in Gänze überzeugend. Noch mehr hat mich aber gefreut, dass ich durch den Artikel auf ein schon 2004 erschienenes Buch von Claus Offe mit dem Titel „Selbstbetrachtung aus der Ferne. Tocqueville, Weber und Adorno in den Vereinigten Staaten“ aufmerksam geworden bin. Selbst vor kurzem aus den USA zurückgekehrt, habe ich das Buch direkt bestellt und gerade zu Ende gelesen.

Offe zeichnet nach, wie die drei Denker aus ihrer je eigenen Perspektive die USA wahrgenommen haben und welche Schlussfolgerungen sie aus diesem Bild für Europa gezogen haben. Interessant ist dabei der Vorschlag, die verschiedenen Zeitdiagnosen in vier Kategorien aufzuteilen: …

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