Habilitieren und Reisen: Erinnerungen an Rainer Schmalz-Bruns (2/2)

Zum Gedenken an Rainer Schmalz-Bruns, der am 31. März 2020 verstorben ist und mit dem die Politische Theorie und Ideengeschichte eine ihrer  prägenden Figuren verloren hat, sind bereits im Mai anstelle einer öffentlichen Gedenkveranstaltung einige Erinnerungen von WeggefährtInnen auf diesem Blog erschienen. Mit Hubertus Buchsteins und Andreas Vasilaches untenstehenden Beiträgen setzen wir dieses digitale Gedenken nun fort. (mehr …)

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Appell der Sektion Politik und Geschlecht in der DVPW zum (wissenschafts-)politischen Umgang mit der COVID 19-Pandemie

Die DVPW-Sektion Politik und Geschlecht hat einen Appell zum (wissenschafts-)politischen Umgang mit der COVID 19-Pandemie verfasst. Begründet wird „die Notwendigkeit einer feministischen Analyse der Corona-Krise als Ausgangspunkt für eine demokratische, solidarische und intersektionale Gesellschaftsvision.“ Der Volltext des Appells findet sich hier.

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Nachruf auf Clemens Kauffmann

Am Gründonnerstag 2020 verstarb nach längerer Krankheit Prof. Dr. Clemens Kauffmann, der von 2003 bis 2020 Lehrstuhlinhaber für Politische Philosophie, Theorie und Ideengeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg war.

Clemens Kauffmann hat mit seinen Forschungen und mit seinem Engagement in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses die Landschaft der politischen Theorie und Philosophie in Deutschland geprägt und nachhaltig bereichert. Als Initiator und Mitbegründer des Bayerischen Zentrums für Politische Theorie und des Bayerischen Promotionskollegs Politische Theorie hat er Wesentliches zur Vernetzung und Zusammenarbeit der bayerischen politischen Theorie beigetragen. Für den Theorie-Nachwuchs in Bayern entstand mit dem von den LehrstuhlinhaberInnen in Regensburg, Eichstätt-Ingolstadt, Passau und Erlangen gegründeten Bayerischen Promotionskolleg eine intellektuell anregende Plattform, in der die DoktorandInnen von der Themenvielfalt und Expertise aller am Kolleg beteiligten Professoren und Postdocs profitieren und zudem durch den Austausch auf der Doktorandenebene wichtige Kontakte knüpfen und erste Wege gemeinsamer Forschungszusammenarbeit gehen können – etwa in der gemeinsamen Konzeption und Organisation von Workshops und Tagungen. Kauffmann war Herausgeber des Jahrbuchs Politisches Denken, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft zur Erforschung des Politischen Denkens und aktives Mitglied in der Theorie-Sektion der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft, in deren Rahmen er u.a. die Herbsttagung 2007 zu „Biopolitik im liberalen Staat“ in Erlangen veranstaltet hat. (mehr …)

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Prävention und gesellschaftliche Reproduktion in Zeiten von Corona

Die aktuelle COVID-19-Pandemie stellt uns vor eine zweifache Herausforderung: Wir müssen die Ausbreitung der Krankheit verlangsamen, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, und zugleich die zur Reproduktion unserer Gesellschaft notwendigen Prozesse, formal wie informal organisiert, aufrechterhalten. Dies führt zu schwierigen Güterabwägungen. Um die Ansteckungsrate möglichst niedrig zu halten, sind direkte Sozialkontakte auf ein Mindestmaß zu reduzieren, wie uns die Epidemiologie erklärt. Der gesundheitliche Schutz der Bevölkerung zieht empfindliche Einschränkungen des sozialen Lebens nach sich und greift tief in Freiheitsrechte ein. Dass die entsprechenden Güterabwägungen unter hohem Zeitdruck und auf unsicheren Wissens- und zum Teil Rechtsgrundlagen zu leisten sind, erschwert die Situation weiter. (mehr …)

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KRITIK UND CORONA-KRISE

Die „Corona-Krise“ ist allgegenwärtig. Doch wer von Krise spricht, sollte von Politik nicht schweigen. In seiner öffentlichkeitshistoriographischen Studie Kritik und Krise bestimmte der Geisteswissenschaftler Reinhart Koselleck Krise als eine Lage, die ihrer Überwindung zustrebt, ohne dass verlässlich angegeben werden könnte, ob sich überhaupt umsetzbare Lösungsansätze dafür finden und tatsächlich eignen. Eine Krise immerhin endet so oder so, die Frage ist nur wann und wie. Es liege „im Wesen einer Krise“, so Koselleck, „daß eine Entscheidung fällig ist, aber noch nicht gefallen. Und es gehört ebenso zur Krise, daß offen bleibt, welche Entscheidung fällt.“

Der bekanntlich vom Ausnahmezustands- und dezisionistischen Politiktheoretiker Carl Schmitt inspirierte Koselleck wusste, dass jede öffentliche Behandlung einer „Krise“ ihrerseits immer schon Folge einer politischen Festlegung ist: der Feststellung des Krisenzustands. Und noch genauer besehen setzt die Entschlossenheit, sich der Krisenbearbeitung durch beschleunigende Zuspitzung oder aber durch therapeutische Reformen anzunehmen, zwei politische Entscheidungen voraus. Erstens, dass die als „Krise“ bezeichneten Phänomene überhaupt in einem politischen Deutungsrahmen beschrieben werden sollen. Zweitens, dass diese Phänomene durch die Erzwingung kollektiver Verbindlichkeit der für geeignet erachteten Maßnahmen wenigstens partiell zu behandeln seien. (mehr …)

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Kritische Theorien in der Pandemie. Ein Glossar zur Corona-Krise (29. März 2020 ab 17:00 – online)

Zum 29. März 2020 organisiert der Frankfurter „Arbeitskreis für Politische Theorie und Philosophie“ zur Unterstützung von „Medico-Nothilfe“ und „Project Shelter“ Kurzvorträge über „Kritische Theorien in der Pandemie“, namentlich zu
Ausnahmezustand (Jonas Heller),
Black Feminism (Vanessa Thompson),
Care (Mike Laufenberg),
Familie (Marina Martinez Mateo),
Grenzen (Robin Celikates),
Immunisierung (Andreas Folkers),
Natur (Katharina Hoppe),
Ökonomie (Thomas Biebricher),
Propaganda (Frieder Vogelmann),
Revolution (Eva von Redecker),
Sicherheit (Daniel Loick),
Kämpfe (Sandro Mezzadra),
Vulnerability (Estelle Ferrarese).

 

Das Event findet ab 17.00 hier statt: https://youtu.be/9qkUuc6buEM. Spenden werden hierüber erbeten: https://paypal.me/pools/c/8nDba16NVA.

Die Einnahmen gehen zu 50 % an die Medico-Nothilfe (https://www.medico.de/nothilfe/), zu 50 % an das Project Shelter (https://turnthecorner.de/).

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„Wir werden mehr brauchen als Rawls uns bieten kann“ – Katrina Forrester im Gespräch über John Rawls und die anglo-amerikanische Politische Philosophie nach 1945

Mit In the Shadow of Justice: Postwar Liberalism and the Remaking of Political Philosophy hat Katrina Forrester (Harvard University) kürzlich eine vielbeachtete Monographie vorgelegt, die erstmals systematisch John Rawls‘ Gerechtigkeitstheorie historisiert, indem sie sowohl die Bedingungen ihrer Entstehung rekonstruiert als auch ihren Aufstieg zum unbestrittenen Paradigma in der (anglophonen) politischen Theorie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert. Nachdem sich Jakob Huber in einer Lesenotiz mit Forresters Buch auseinandergesetzt hat, kommt nun die Autorin selbst zu Wort. Das von Anne Schult und Jonas Knatz geführte Interview mit Katrina Forrester erschien zuerst auf dem Blog des Journal of the History of Ideas im Dezember 2019. (mehr …)

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Studentische Tagung: Die politisierte Gesellschaft (Hannover)

In dieser Woche (25.-27. September 2019) findet die 7. Studentische Fachtagung der Deutschen Nachwuchsgesellschaft für Politik- und Sozialwissenschaft e.V. (DNGPS) zum Thema „Die politisierte Gesellschaft? Politik, Emotion und Protest“ am Institut für Politikwissenschaft der Leibniz Universität Hannover statt. Es wird insgesamt vier Panel zu den folgenden Themen geben: (Neue) Gesellschaftliche Konfliktlinien;  Theorien der Politisierung; Emotionen, Affekte und Politische Kultur sowie Protest und Medien. Die zwei Keynotes werden am ersten Konferenztag von Rebecca Pates (Uni Leipzig) zu „Die Wölfe sind zurück. Über Angst, Ärger und die Liebe zur Heimat“ und am Freitag von Franziska Martinsen (Uni Bremen) über „Protest und radikale Demokratie“ gehalten. Zudem werden Workshops angeboten: zum Beispiel ein Workshop zum wissenschaftlichen Publizieren vom Barbara Budrich Verlag.
Ausführliche Informationen zur Tagung gibt es auf der Homepage und auf Facebook.

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Die Größe der Demokratie: Über (eine) räumliche Dimension von Partizipation und Herrschaft (Buchforum „Die Größe der Demokratie“, Teil 3)

Da seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert mit der Erfindung und Etablierung repräsentativer Demokratien auch „Flächenstaaten“ als Demokratien bezeichnet werden, ist es nach Dirk Jörke fraglich, ob die Größe noch immer als Ermöglichungsbedingung einer normativ-anspruchsvollen Form von Demokratie angenommen werden kann (S. 81). Um die Möglichkeiten einer Aktualisierung der klassischen (republikanischen) Lehre von Demokratie und Größe auszuloten, schlägt er vor, die „Größe des Herrschaftsverbandes“ über die „Fläche des Staates“ oder „Einwohnerzahl“ zu bestimmen (S. 82). Dieses Größenverständnis ist der maßgebende Bezugspunkt für die Überprüfung der Ergebnisse der empirischen Demokratieforschung hinsichtlich etwaiger Zusammenhänge von Größe, Demokratieaffinität und -qualität.

Jörke deutet allerdings selbst an, dass „diese Operationalisierung von Größe nicht optimal ist“ und im Gegensatz zum Demokratiebegriff fällt die Auseinandersetzung mit dem Begriff der Größe doch eher knapp aus (S. 83). Ich möchte einige Anmerkungen dazu machen, inwiefern unter Einbeziehung anderer Ideen und Verständnisweisen der räumlichen Dimension von Demokratie, Partizipation und Herrschaft ein differenzierter Größenbegriff entworfen werden könnte. Die Berücksichtigung der räumlichen Dimension der politisch-ökonomischen Grundlagen des demokratischen Gemeinwesens erweist sich als besonders vielversprechend, um das begriffliche Verständnis von Größe zu schärfen. (mehr …)

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