Kleine Inselstaaten – Agency zwischen Tiefseebergbau und Ökozid. Kommentar zu Isabel Feichtners Bodenschätze
Kleine Inselstaaten erscheinen in der Weltpolitik oft als besonders verletzlich und machtlos. Isabel Feichtners Buch „Bodenschätze. Über Verwertung und Vergesellschaftung“ legt nahe, dass diese Charakterisierung zwar nicht gänzlich falsch ist, aber zu kurz greift. Denn am Tiefseeboden wird sichtbar, dass sie die internationale Ordnung mitgestalten, wenn auch in höchst unterschiedliche, ja gegensätzliche Richtungen. Feichtner wirft ein Schlaglicht auf die Agency, die Handlungs- und Gestaltungsmacht vermeintlich passiver internationaler Akteure und trägt damit zur Schließung einer sich erst allmählich verkleinernden Forschungslücke bei.
Isabel Feichtners „Bodenschätze“ ist kein Buch für Menschen, die nicht über den Tellerrand blicken möchten, was das Recht, aber auch politisch-theoretische Perspektiven und Aspekte der internationalen Beziehungen betrifft. Es ist ein Buch für Leser:innen, die die Berliner Initiative „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ verstehen und die Aussichten für die Vergesellschaftung von Wohneigentum in Deutschland einschätzen möchten, aber auch für solche, die über internationale Beziehungen und Kolonialität nachdenken und an der Rolle kleiner Inselstaaten in der Weltpolitik interessiert sind. Ich möchte mich in diesem Beitrag auf die letztgenannte Dimension dieses unglaublich dichten Buches konzentrieren, da sich mir bei der Lektüre zahlreiche Brücken zu „meiner“ Disziplin, den Internationalen Beziehungen, aufgetan haben. …
