„Sorgende Städte“ im Kontext der Care-Debatte

Unter dem Label „Caring Cities“ oder auch „Sorgende Städte“ haben Städte weltweit – vor allem im spanischsprachigen Raum – angefangen, Pflege- und Sorgetätigkeiten stadtpolitisch zu stärken und ihnen mehr Sichtbarkeit zu verleihen. Städte reagieren damit auf die sogenannte „Krise der Reproduktion“ und die neoliberale Vernachlässigung öffentlicher Infrastrukturen. Im Folgenden möchte ich die „Caring Cities“ in den sozialwissenschaftlichen Debattenkontext um Pflege- und Sorgearbeit bzw. deren Krise einordnen (ausführlich dazu siehe Knierbein et al 2025; siehe auch Isselstein 2024sowie Saltiel und Strüver 2024). Dabei soll es zum einen darum gehen, die Relevanz der Care-Debatte für den städtischen Kontext herauszuarbeiten. Zum anderen soll das Spannungsfeld zwischen unterschiedlichen Care-Begriffen und den damit einhergehenden theoretischen Problemstellungen deutlich werden. Denn während sich der durch Joan Tronto geprägte „weite Care-Begriff“ besonders für die Auseinandersetzung mit Alltagsorten des städtischen Zusammenlebens anbietet, scheint er im Gegensatz zu einem materialistischen Care-Begriff, der auf Arbeit und Reproduktion fokussiert, weniger gut geeignet für das Verständnis spezifisch kapitalistischer Widersprüche. (mehr …)

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Öffentlichkeit und Ungleichheit

Öffentlichkeit ist ein schillernder Begriff, der analytisch allerdings oft unscharf bleibt. Vor allem ist er normativ hoch aufgeladen und untrennbar mit dem der liberalen Demokratie verbunden. Im Anschluss an Jürgen Habermas wird er nach Manfred G. Schmidt zumeist als Ort, Diskurs und Prozess „der argumentativen Abwägung, der gemeinsamen Beratschlagung und Verständigung über öffentliche Angelegenheiten“ verstanden. Ich möchte im Folgenden den Fokus verschieben und stattdessen dafür plädieren, dass ein Begriff von Öffentlichkeit vor allem auf Aspekte von Ungleichheit abstellen sollte. Ausschluss und Marginalisierung – im öffentlichen Raum, im Diskurs und im öffentlichen Leben – und die Folgen dieses Ausschlusses scheinen mir zentral für einen Öffentlichkeitsbegriff, der dem gesellschaftstheoretischen Anspruch  gerecht werden will, die durch Widersprüche, Macht und Herrschaft geprägte gesellschaftliche Ordnung der Moderne zu verstehen. (mehr …)

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