Autorenname: Eva Marlene Hausteiner

Debatte

Föderimperialismus? Über die (anti-)kolonialen Anfänge der USA 

Nach dem gestrigen Auftakt steuert Eva Marlene Hausteiner heute den zweiten Beitrag zu unserem Schwerpunkt anlässlich des 250. Jahrestages des US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung bei. 

In Selbst- und Fremdbeschreibungen werden die USA seit ihrer Gründung immer wieder als exzeptionell dargestellt – als Erschließung einer „neuen Welt“, als antiimperiale Befreiung von Großbritannien, als „Erfindung“ des modernen Föderalismus. Der exzeptionalistische Mythos der von Gott auserwählten „city on a hill“ (so der Puritaner John Winthrop in Anlehnung an die Bergpredigt) ist der nordamerikanischen Ideengeschichte seit der Siedlungsphase im 17. Jahrhundert eingeschrieben. Mit dem Krieg gegen Großbritannien und der sich zum 250. Mal jährenden Unabhängigkeitserklärung wurde dieser politische Exzeptionalismus revolutionär aufgeladen: gegen ein unterdrückerisches Empire und seinen tyrannischen König.  Die in der Folge geschaffene Verfassung gilt vielen bis heute als Geniestreich der Verbindung von Repräsentationsprinzip, checks and balances und Föderalismus. Eine politische Norm prangt über all diesen Zuschreibungen, nämlich die der Freiheit: Das „land of the free“ lebe von Institutionen, die die Freiheit des Individuums, die „life, liberty, and the pursuit of happiness“ ermöglichen, und es wurde geschaffen durch eine freiheitsorientierte Revolution gegen die imperialen Feinde der – ja, genau – Freiheit.  

Ob die US-amerikanische Ordnung und insbesondere ein als anti-kolonial stilisierter Föderalismus diesen verwegenen (Selbst-)Zuschreibungen und Erwartungen auch nur ansatzweise genügt, ist natürlich höchst umstritten. Aus ideengeschichtlicher und politiktheoretischer Perspektive interessanter ist die Frage, ob entsprechende normverletzende Tendenzen dem US-Projekt von Anfang an gewissermaßen „einprogrammiert“ waren oder ob es sich um spätere Pfadabweichungen handelt. Was ist dran am Lob des Geistes der US-amerikanischen Revolution und Unabhängigkeit, wie ihn etwa Hannah Arendt beschworen hat?  

Alte Veranstaltungen und CfP

CfP: “Politics of pasts and futures in (post-)imperial contexts“

Das neue DFG-Graduiertenkolleg „Imperien. Dynamischer Wandel, Temporalität und nachimperiale Ordnungen“  der Uni Freiburg veranstaltet am 1-3 Dezember 2022 seine erste Jahrestagung zum Thema: „Politics of Pasts and Futures in (Post-)Imperial Contexts“, von der Antike bis in die unmittelbare Gegenwart imperialer Gründungsmythen, Zukunftsvorstellungen und Geschichtspolitik. Bis zum 1. März können dafür Vorschläge eingereicht werden – natürlich auch aus der Politischen Theorie und Ideengeschichte. Alle Infos finden sich hier.

Service

Fellowships am ICI Berlin

Das Berliner Institute for Cultural Inquiriy (ICI) hat seinen neuen Call für Fellowship-Bewerbungen veröffentlicht: Ab Herbst 2022 werden für 2 Jahre PostDocs gefördert, deren Projekt sich im weiten Themenfeld von „Models“ – also Modellierungen verschiedenster Art – befasst. Besonders willkommen sind konzeptionell-theoretisch anspruchsvolle und kritische Vorhaben aus verschiedenen Disziplinen, gern auch aus der Philosophie und Politischen Theorie. Bewerbungen sind bis zum 10. Januar möglich — Infos zu Orga und Thema hier.

Alte Veranstaltungen und CfP

CfP „Past Futures of Work“ am Wissenschaftskolleg Berlin

Am Wissenschaftskolleg zu Berlin findet vom 12. bis 13. Mai 2022 eine internationale Konferenz zum Thema „Past Futures of Work“ statt; Einreichungen mit Themenvorschlägen sind bis zum 22. Januar möglich. Organisiert wird die Konferenz vom ForschungsnetzwerkWorking Futures1″ um Andreas Eckert, Lisa Herzog und
Bénédicte Zimmermann. Alle weiteren Infos sind hier zu finden.

Alte Veranstaltungen und CfP

KI als wissenschaftlicher Begriff: Tagung 1.-3. Dezember

Von 1. bis 3. Dezember veranstaltet das „Schaufler Lab“ der TU Dresden eine digitale Tagung zum Thema „Künstliche Intelligenz als geistes- und sozialwissenschaftlicher Begriff“. Die Veranstalter*innen schreiben: „In acht Panels werden unter anderem die folgenden Fragen behandelt: Welche Konzepte eignen sich besonders für ein differenziertes Verständnis von KI-Verfahren, insbesondere in ihrer komplexen Einbettung in gesellschaftliche und kulturelle Wirklichkeiten? Wie kann an einer Sprache zu einem gemeinsamen Verständnis von KI gearbeitet werden? Welche Wissensbestände können als Inspiration übernommen, welche Vorstellungen sollten verworfen werden?“ Die beiden Keynotes werden von Elena Esposito und Matteo Pasquinelli gehalten.

Eine Anmeldung ist bis zum 30.11. möglich; alle Infos finden sich hier.

Alte Veranstaltungen und CfP

„Unbedingte Solidarität“ – Zoom-Buchpräsentation in Koblenz

Am 30. November um 18:30 Uhr veranstaltet der Lehrbereich Politische Wissenschaft am Institut für Kulturwissenschaft der Universität Koblenz-Landau eine digitale Buchpräsentation zur „Unbedingten Solidarität“ – insbesondere zur Frage der Möglichkeit der Solidarität unter Bedingungen der Unterschiedlichkeit — mit den Autor*innen Lea Susemichel und Jens Kastner. Eine Anmeldung ist über möglich; weitere Infos finden sich hier.

Alte Veranstaltungen und CfP

„Konfliktuelle Kulturpolitik“ im Januar 2022 in Wien

Am 28. und 29. Januar findet an der Universität Wien eine (bilinguale) Tagung zum Thema „Konfliktuelle Kulturpolitik: Räume und Akteur*innen (radikal)demokratischer Auseinandersetzung“ statt – ob in Präsenz/hybrid/online ist aktuell noch nicht klar. Inhaltlich geht es um „Konflikte im kulturpolitischen Spannungsfeld
zwischen Öffentlichkeit, Markt und Staat“, wobei Demokratie und Ungleichheit eine besondere Rolle spielen.
Veranstalter*innen sind Oliver Marchart, Anke Schad-Spindler, Stefanie Fridrik und Friederike Landau-Donnelly. Vortragsvorschläge sind bis zum 6. Dezember willkommen; alle weiteren Infos dazu hier.

Alte Veranstaltungen und CfP

Buchpreis: Politikwissenschaft über die Teildisziplinen hinweg

Die Deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) sowie die Stiftung Wissenschaft und Demokratie (SWuD) schreiben zum zweiten Mal den gemeinsamen Buchpreis „Das politikwissenschaftliche Buch“ aus. Der mit 2.000 € dotierte Preis prämiert eine Monografie im Bereich der Politikwissenschaft, welche teildisziplinübergreifend einen bedeutenden Beitrag zur Fachdiskussion, daneben aber auch Impulse für gesamtgesellschaftliche Debatten leistet. Eine einschlägig besetzte Jury wählt bis zum Ende des Sommers 2022 ein Buch aus, welches in den Jahren 2020 oder 2021 auf dem deutschen Buchmarkt erschienen ist. Selbstbewerbungen sind möglich. Einsendeschluss ist der 15. Februar 2022. Näheres findet sich in der Ausschreibung.

Alte Veranstaltungen und CfP

Essaywettbewerb: 10.000 Euro für Ideen zur Generationengerechtigkeit

Die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen (SRzG) und die in Intergenerational Foundation (IF) laden zu Einreichungen für den „Generationengerechtigkeits-Preis“ ein – es winkt ein Preisgeld von 10.000 Euro. Im Beitrag (5000-8000 Wort) soll es um „existenzielle und unbekannte Risiken für künftige Generationen“ gehen. Die besten Beiträge werden (vielleicht?) in den kommenden Ausgaben der Intergenerational Justice Review veröffentlicht.

Inhaltliche Infos zum Call gibt es hier; vollständige Ausschreibungsunterlagen können bei der dort hinterlegten Mailadresse erfragt werden.

Alte Veranstaltungen und CfP

Giessener Online-Theorie-Colloquium im WiSe

An der Universität Giessen findet in diesem Semester ein öffentliches Online-Colloquium zur Politischen Theorie statt; es sprechen unter anderem Daniel Loick, Alex Demirovic und Ana Maria Rabe. Der nächste Vortrag findet am 17. November statt; Jule Govrin spricht „On the Equality between Bodies. Towards a Universalism from Below”. Die Infos zur Reihe finden sich hier; der Vortrag von Govin ist hier beworben.

Alte Veranstaltungen und CfP

CfP: Postkoloniale Staatsverständnisse

In der etablierten Reihe „Staatsverständnisse“ bei Nomos (bislang 161 Bände!) geben Christina Pauls, Nicki K. Weber und Martin Oppelt einen Band zum Thema „Postkoloniale Staatsverständnisse“ heraus, zu dem nun Beitragsvorschläge erbeten werden. Abstracts (max. 500 Wörter) können  bis zum 17.12.2021 an christina.pauls@hfp.tum.de, nicki.weber@tum.de oder martin.oppelt@hfp.tum.de geschickt werden; Bescheid gibt es dann Anfang Januar. Der  Call for Papers ist hier zu finden.

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