Negt, Kluge, Habermas und die politische Öffentlichkeit

Innerhalb kurzer Zeit sind mit Oskar Negt, Jürgen Habermas und Alexander Kluge drei zentrale Vertreter der zweiten Generation der Kritischen Theorie verstorben. Die drei Intellektuellen prägten die theoretischen und politischen Debatten der Bundesrepublik über Jahrzehnte hinweg maßgeblich. Trotz durchaus unterschiedlicher Positionen verband sie die gemeinsame Leitfrage nach der Konstitution und Funktion von Öffentlichkeit: Habermas analysierte die normativen und institutionellen Voraussetzungen demokratischer Öffentlichkeit und verständigungsorientierter Kommunikation und intervenierte zahlreich und strittig in politische Diskurse auf der Suche nach dem „eigentümlich zwanglosen Zwang des besseren Arguments“; Negt entwickelte gemeinsam mit Kluge das Konzept einer proletarischen bzw. gegen-hegemonialen Öffentlichkeit, die die Erfahrungen derjenigen sichtbar machen sollte, die in der bürgerlichen Öffentlichkeit kaum Gehör finden. Kluge wiederum suchte in seinen literarischen, filmischen und tele-visuellen Arbeiten nach Formen, solche Erfahrungen zu erzählen und ihnen einen öffentlichen Ausdruck zu verleihen. So markieren ihre Werke nicht nur unterschiedliche Antworten auf die Herausforderungen moderner Gesellschaften, sondern auch verschiedene Perspektiven auf die Bedingungen demokratischer Öffentlichkeit selbst. 

Die gemeinsame Frage: Was ist Öffentlichkeit? 

Ausgehend vom Erbe der Kritischen Theorie verschoben Habermas, Negt und Kluge den Akzent gegenüber der ersten Generation. Während die frühen Vertreter die Integrationskraft von Herrschaft, Kulturindustrie und instrumenteller Vernunft betonten und häufig die Blockierung emanzipatorischer Potenziale diagnostizierten, schlossen die Vertreter der zweiten Generation daran zwar an, rückten aber stärker die fortbestehenden Möglichkeiten gesellschaftlicher Selbstverständigung und Veränderung in den Mittelpunkt. Ihre Arbeiten waren weniger von der Frage geprägt, warum Emanzipation scheitert, als von der Frage, unter welchen Bedingungen sie dennoch möglich bleibt. 

Für Habermas lagen diese Möglichkeiten vor allem in den kommunikativ-rationalen Potenzialen moderner Gesellschaften. In Sprache, Öffentlichkeit und Diskurs erkannte er Ressourcen, die Verständigung, demokratische Willensbildung und gesellschaftliche Kritik ermöglichen. Die Öffentlichkeit erscheint bei ihm nicht nur als Ort der Manipulation oder Herrschaft, sondern vor allem als Raum, in dem Auseinandersetzung vermutlich vernünftige Ergebnisse hervorbringen und demokratische Selbstbestimmung verwirklicht werden können. 

Negt und Kluge hingegen stellen den „unterschätzten Menschen“ ins Zentrum ihrer Arbeit – so der programmatische Titel der Werkausgabe ihrer gemeinsamen Schriften. Gegenüber Diagnosen einer vollständigen gesellschaftlichen Integration von Subjekten betonten sie die eigensinnigen, nicht vollständig vereinnehmbaren Erfahrungen der Menschen. In alltäglichen Fantasien, Wünschen, Bedürfnisse und Instinkten – z. B. nach Handlungsfähigkeit, materieller Absicherung, Orientierung und auch Solidarität – sahen sie entsprechend fortbestehende emanzipatorische Potenziale, wenn diese nur anders angesprochen, aufgenommen und organisiert werden. Praktiken des (exemplarischen) Lernens und der Herstellung „proletarischer Öffentlichkeit“ seien eben hierfür entscheidend. Entsprechend verweisen bei ihnen basale Begriffe wie Erfahrung, Eigensinn und Gegenöffentlichkeit schon auf die Möglichkeit, dass Menschen aus ihren eigenen Lebensverhältnissen heraus kritische Perspektiven entwickeln und neue Formen gesellschaftlicher Praxis hervorbringen können, wenn sie nicht blockiert oder „gedämpft“ würden, sondern sich entfalten ließen. Am Beispiel der restriktiven und diskriminierenden Sinngebung postulieren sie etwa, dass wenn „die Arbeiter keine eigenen Ausdrucksformen für ihre Interessen zur Verfügung haben, dann greifen sie regelmäßig auf Stereotypen zurück, die ihnen die Gesellschaft anbietet und gleichzeitig liegt dieser problematischen Suche nach Deutung „aber auch eine wirkliche Eigentätigkeit zugrunde: der Versuch, die wirklichen Verhältnisse zu begreifen.“ (Negt und Kluge 1972, 78) 

Gemeinsam ist diesen Ansätzen ein gegenüber der ersten Generation vergleichsweise stärkeres Vertrauen in die produktiven Kräfte moderner Gesellschaften: in die Vernunft des Diskurses bei Habermas sowie in die Erfahrungs- und Handlungsfähigkeit der Menschen bei Negt und Kluge. Entscheidend ist dabei für alle drei die Öffentlichkeit. Dabei wird die Frage, was Öffentlichkeit ist, durchaus unterschiedlich beantwortet. Überein stimmen sie aber in ihrem grundsätzlichen Verständnis der Öffentlichkeit als derjenige Ort, an dem moderne Gesellschaften ihre kollektiven Probleme identifizieren und nach Relevanz und Lösbarkeit ordnen. 

Aus Sicht von Jürgen Habermas (1962/1990) reproduziert sich die bürgerliche Gesellschaft nicht allein über Arbeit und Tausch, sondern auch durch dialogische Beziehungen des kommunikativen Handelns, die intrinsisch und immer schon das Ideal einer zwanglosen Konsensbildung im uneingeschränkten Diskurs in sich tragen. Diese Diskurse mussten historisch noch im Schutz des Privaten geführt werden. Mit dem Sieg des Bürgertums über die Feudalherrschaft können sich ihre Protagonisten jedoch aus der Deckung trauen und in Salons, Tischgesellschaften und Kaffeehäusern mit einem allgemeineren Publikum in den Austausch treten. Gleichzeitig ist diese bürgerliche Öffentlichkeit nicht zugänglich für Frauen oder Arbeiter:innen. Diese Gruppen trafen sich in den Kaffeehäusern nicht. Trotzdem sei die Idee und teilweise Institutionalisierung dieser Öffentlichkeit dem Prinzip nach auf Inklusion und Herrschaftsfreiheit hin angelegt: „Publizität, will Herrschaft als solche verändern. Der im öffentlichen Räsonnement sich darstellende Machtanspruch, der eo ipso auf die Form eines Herrschaftsanspruchs verzichtet, müßte, wenn er sich durchsetzen würde zu mehr als nur zu einer Auswechslung der Legitimationsbasis einer im Prinzip aufrechterhaltenen Herrschaft führen“ (Habermas 1990, 87). 

Im Laufe des 20. Jahrhunderts wird die bürgerliche Öffentlichkeit laut Habermas zum Objekt von Vermachtung und Kommerzialisierung und realisiert das in ihr angelegte Potential der Verflüssigung von Herrschaft in freie Diskussion nicht. Eine wohlfahrtsstaatliche Privatisierung der Staatsbürger:innen-Rolle trägt hierzu genauso bei wie die Verbreitung technokratischer Politikstile und Entscheidungsverfahren. Die bürgerliche Öffentlichkeit wird von einer staatskritischen kollektiven Urteilsinstanz zurückgestuft zum bürokratisch gesteuerten Repräsentationsfeld staatlicher Herrschaft. Es kommt zu einer „Refeudalisierung der öffentlichen Sphäre“. Von anderer Seite wirken ökonomische Interessen auf die bürgerliche Öffentlichkeit ein und verwandeln diese in einen Markt, d. h. in einen Bereich, in dem Kultur bloß konsumiert statt diskutiert wird, also letztlich zur reinen Privatangelegenheit degeneriert. Ein solcher Blick auf den Strukturwandel der Öffentlichkeit ist in der sozialwissenschaftlichen kritisch-theoretischen Diskussion bis heute maßgeblich. Später hat sich Habermas vertieft Gedanken darüber gemacht, in welchem institutionellen Gefüge von rechtlichen, parlamentarischen und zivilgesellschaftlichen Institutionen sowie der Organisation von Medien dem emanzipatorischen Öffentlichkeitsprinzip dennoch zum Durchbruch verholfen werden kann. Dabei wurde er zu einem der wichtigsten Verteidiger der repräsentativen und liberalen Demokratie.  

In Abgrenzung zu Habermas‘ Blickrichtung wurde die Öffentlichkeit immer wieder auch als Objekt tiefgehender sozialer, politischer und kultureller Konflikte thematisiert. So haben Oskar Negt und Alexander Kluge in Öffentlichkeit und Erfahrung (1972) den Ausschluss proletarischer Erfahrungen aus der bürgerlichen Öffentlichkeit hervorgehoben. Anders als Habermas glauben Negt und Kluge jedoch nicht, dass die bürgerliche Öffentlichkeit diesen Ausschluss überwinden kann. Für sie müsse die bürgerliche Öffentlichkeit notwendig von der Konkretion proletarischer Erfahrung abstrahieren. Um zu dieser starken Einschätzung zu kommen, nehmen sie das Marxsche Warenfetisch-Motiv auf und entwickeln es weiter. Damit Meinungen in der bürgerlichen Öffentlichkeit zugelassen, gehört und auch verstanden werden, müssten sie von ihren konkreten Gebrauchswerten, d. h. ihrem Erfahrungsgehalt abstrahieren. Nur als solche, auf universelle Austauschbarkeit hin verformte und von Erfahrung frei gehaltene Meinungen, sind für die Zirkulation in den Medien der bürgerlichen Gesellschaft zugelassen. Es sind Verformungsprozesse durch „Intelligenz, Differenzierung, Komplexität, Wechselwirkung, Totalität usw.“, durch die von den „Erfahrungen der lebendigen Arbeit“ (Negt und Kluge 1972, 80) abstrahiert wird. Interessanterweise führen die einsetzende Kommerzialisierung und der kulturindustrielle Zugriff auf die Öffentlichkeit, den sie am Beispiel des Privatfernsehens als sogenannte „Produktionsöffentlichkeit“ untersuchen, dann zur Inklusion der proletarischen Erfahrungen in ihrer Besonderheit. Allerdings geschieht dies um den Preis ihrer Depotenzierung zur rein privaten Lebensäußerung, voyeuristisch aufbereitet zum Zweck ihrer ökonomischen Verwertung. Als wirklich emanzipatorische Alternative nehmen Negt und Kluge schließlich sogenannte „proletarische Öffentlichkeiten“ als erst herzustellende Konstitutionsbedingung für proletarisches Klassenbewusstsein in den Blick. Diese entstehen aus sozialistischen Produktionsweisen heraus, also aus ökonomischen Verhältnissen, die sich am Gebrauchswert orientieren. 

Negt und Kluge geht es darum, dass konkrete Erfahrungen, Bedürfnisse und Fantasien in einem Bottom-Up-Prozess des öffentlichen Austausches organisiert werden. Diese durch in neuen – auch medialen und journalistischen – Produktionspraxen herzustellende proletarische Öffentlichkeit soll der bürgerlichen Öffentlichkeit antagonistisch gegenüberstehen und nicht etwa (nur) auf die Erweiterung der Letzteren zielen. Denn dabei würden notwendigerweise die entscheidenden Erfahrungsgehalte verloren gehen. Folglich gibt es in Negt und Kluges Modell keinen übergeordneten Raum, der beide Öffentlichkeiten miteinander verbinden könnte. Diese organisieren vielmehr gänzlich unterschiedliche Erfahrungswelten, die unvermittelt aufeinanderprallen, und das Ziel wäre es, dass die proletarische Öffentlichkeit schrittweise die bürgerliche zurückdrängen kann. Dies ist programmatisch zu verstehen, in dem Sinne, dass Praxen und Strategien gefunden werden müssen, die die Potentiale lebendiger Erfahrung zum Ausdruck zu bringen und zu konsolidieren verhelfen, statt sie abzuschneiden und zu verfälschen. Empirisch hingegen, und das erkennen auch Negt und Kluge für die 1970er Jahre, war und ist die Trennung beider Öffentlichkeiten wenig plausibel. Empirisch ist es jedoch interessant zu beobachten und zu verstehen, was mit antagonistischen Positionen passiert, wenn sie auf Erweiterung der bürgerlichen Öffentlichkeit zielen, in sie eintreten und vielfach eintreten müssen. Ein weiterer bleibender Beitrag ist der Hinweis auf die kommunikativen und medialen Organisationsvoraussetzungen von Klassenbewusstsein.*

Öffentlichkeit als Praxis 

Öffentlichkeit war für Habermas, Negt und Kluge jedoch nicht nur ein gemeinsamer theoretischer Bezugspunkt, sondern zugleich ein Feld praktischer Intervention. Alle drei verstanden ihre wissenschaftliche und publizistische Tätigkeit als Eingriff in gesellschaftliche Debatten und trugen damit selbst zur Konstitution jener Öffentlichkeiten bei, die sie analysierten. Habermas nahm dabei die Rolle des öffentlichen Intellektuellen in exemplarischer Weise ein. Über Jahrzehnte intervenierte er regelmäßig in politische und gesellschaftliche Auseinandersetzungen der Bundesrepublik und prägte diese nicht selten nachhaltig. Besonders deutlich wurde dies im Historikerstreit der 1980er Jahre, in dem er sich gegen Versuche wandte, die nationalsozialistischen Verbrechen zu relativieren, und damit maßgeblich zur Herausbildung eines demokratischen und selbstkritischen bundesrepublikanischen Geschichtsbewusstseins beitrug. Auch in Debatten über Europa, Demokratie, Migration, Medienwandel oder die Zukunft des Sozialstaats blieb er bis ins hohe Alter eine prägende Stimme der politischen Öffentlichkeit. 

Negt und Kluge wiederum praktizierten Gegenöffentlichkeit. Ihre Schriften zielten darauf, Erfahrungen, Perspektiven und Interessen sichtbar zu machen, die in den etablierten Formen der Öffentlichkeit häufig marginalisiert blieben. Beide griffen wiederholt in politische und kulturelle Debatten ein, verbanden dies jedoch mit dem Versuch, alternative Räume gesellschaftlicher Verständigung zu schaffen. Bei Negt zeigte sich dies insbesondere in seiner umfassenden Bildungsarbeit. In enger Verbindung mit Gewerkschaften, politischen Stiftungen und Einrichtungen der Erwachsenenbildung verstand er politische Bildung als demokratische Praxis, die Menschen befähigen sollte, ihre eigenen Erfahrungen zu reflektieren und gesellschaftliche Zusammenhänge kritisch zu durchdringen. Bildung war für ihn nicht bloß Wissensvermittlung, sondern ein Mittel zur Erweiterung politischer Handlungsfähigkeit. Kluge wiederum setzte die Anliegen der Kritischen Theorie mit literarischen, filmischen und medialen Mitteln fort. Seine Prosa, seine Filme und seine Fernseharbeit lassen sich als eine Fortsetzung der Gesellschaftskritik in ästhetischer Form verstehen. Besonders exemplarisch war sein Engagement im Privatfernsehen. Die durch den Rundfunkstaatsvertrag vorgesehenen Drittsendezeiten sollten sicherstellen, dass auch unabhängige Produzenten Zugang zum kommerziellen Fernsehen erhalten und damit zur Meinungsvielfalt beitragen können. Kluge nutzte diese institutionelle Möglichkeit konsequent, um Formate zu entwickeln, die sich bewusst von den Routinen des Fernsehbetriebs und damit der „Produktionsöffentlichkeit“ unterschieden. Seine Sendungen verbanden Philosophie, Geschichte, Kunst, Wissenschaft und Politik zu essayistischen Denk- und Gesprächsräumen. Das von ihm geschaffene „Fernseh-Essay“ verstand sich als Versuch, innerhalb des kommerziellen Fernsehens eine alternative Öffentlichkeit als Denkwerkstatt zu etablieren. 

Mit Blick auf die aktuelle Situation gesellschaftlicher Selbstverständigung stellt sich die Frage nach der Möglichkeit einer Mobilisierung kollektiver Vernunft in der politischen Öffentlichkeit auch nach dem Tod der drei „Frankfurter“. Aktuelle Tendenzen einer Abwendung von und Fragmentierung der Öffentlichkeit haben Negt und Kluge eher antizipiert, als dies für Habermas möglich war. Auch der Fokus auf die Alltags- und Erfahrungsräume der arbeitenden Klassen, wie ihn Negt und Kluge etablieren wollten, erscheint uns angesichts weitreichender Restrukturierungsprozesse von Arbeit und Erwerb sinnvoll. Während Negt und Kluge mit ihrer Schwerpunktsetzung auf soziale Alltagspraktiken einen empirischen Zugang zum Leben der Menschen nahelegen, nimmt Habermas’ Öffentlichkeitstheorie mit ihrem Blick auf Ordnung, Verfahren und Argumentationslogiken eher diskursethische-abstrakte Züge an. Auch wenn die Institutionentheorie der Öffentlichkeit bei Habermas immer weniger Impulse der ursprünglichen kritischen Theorie erkennen lässt und sich gleichsam an die realexisterenden Gesellschaft anschmiegt, bleibt es doch eine Herausforderung, differenziert und mit einem Schuss institutioneller Konkretheit über eine Schlüsselfrage unserer Zeit nachzudenken: Wie können wir so kommunizieren, dass bestehende Herrschaft verflüssigt oder gar aufgelöst und die gleiche Teilhabe aller in komplexen Gesellschaften garantiert werden kann? 

* Anmerkung der Redaktion: Auf Wunsch der Autoren wurde am 10.07.2026 der Originaltext dieser Passage durch den hier angezeigten neuen Absatz ersetzt.

Die Autoren sind an einer konzeptionellen Aktualisierung und empirischen Operationalisierung kritischer Öffentlichkeitstheorie interessiert und publizieren hierzu verschiedentlich gemeinsam und individuell. Heiner Heiland arbeitet im Schwerpunkt „Digitalisierung der Arbeitswelt“ am Institut für Soziologie der Universität Göttingen und leitet das DFG-Projekt „Algorithmisches Management im Arbeitsprozess – Eine Analyse von Arbeitskraft-Algorithmen Beziehungen“. Martin Seeliger ist Leiter der Abteilung „Wandel der Arbeitsgesellschaft“ und stellvertretender Direktor des Instituts Arbeit und Wirtschaft (iaw) an der Universität Bremen. Sebastian Sevignani ist zurzeit Akademischer Rat am Institut für Soziologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Leiter einer Nachwuchsgruppe „(Medien-)Eigentum im digitalen Strukturwandel der Öffentlichkeit“ im Sonderforschungsbereich (TRR/SFB 294) zum „Strukturwandel des Eigentums“. 

 

1 Kommentar zu „Negt, Kluge, Habermas und die politische Öffentlichkeit“

  1. Dominikus Schmidt (dos)

    “ … Schlüsselfrage unserer Zeit …:’Wie können wir so kommunizieren, dass bestehende Herrschaft verflüssigt oder gar aufgelöst und die gleiche Teilhabe aller in komplexen Gesellschaften garantiert werden kann?‘ “

    Niemand und Nichts kann Teilhabe „garantieren“, schon gar nicht die „gleiche“ „Aller“, – das wirkt wie Anfängersprech, der dem normativen Anspruch des Textes nicht gerade zugute kommt.
    Und Gesellschaften sind genau so „komplex“ wie zur m. o. w. sicheren Navigation/Teilhabe in ihnen für die eigentlichen TeilHABEN (nicht zwingend Eigentum, – ‚Besitzrechte‘ an -auch bloß teilweiser – „konkreter Verfügungsgewalt“ nach BGB tun’s auch), bei jedem institutionalisierten Feld der Erwerb einer eigenen Profession erforderlich ist, insoweit der Bereich normativer Grundentscheidungen, Tabusetzungen usw. je „Disziplin“ verlassen wird, – ohne dass dieser Bereich damit je aus dem normativen Schneider/der Nummer raus/ wäre, denn:

    Normative Grundentscheidungen u. ä. (strategische Ebenen) werden oft von nachgelagerten Umsetzungsebenen (Taktik & Operationen/Durchführungen) konterkariert. Nicht zuletzt auch deshalb, weil auch diese Mittel/Instrumente zu Selbstzwecken werden, Eigensinn entwickeln können usw je länger sie bestehen und je komplizierter sie/deren Aufgaben/ werden.

    Im Feld gegensätzlicher Kräfte entsteht manchmal infolge gegenseitiger Aufhebung ein Kräfte-‚Vakuum‘ und somit können auch Freiheiten solcher Kräfte-Mediatoren/-hubs/’intermediary bodies‘ (Urbinati), wachsen, was über kurz oder lang auch zu Eigensinn u. Selbstzweckhaftigkeit führt.

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