2 Kommentare zu “Vortrag: Der demokratische Horizont (Oliver Marchart), Berlin

  1. (Stärker) „Verwurzelte Demokratie“ ?
    Falls ein Bericht oder gar Buch-/Werkrezension geplant ist:
    – Wie löst O. M. die Überforderungsfrage hinsichtlich erweiterter Teilhabe usw. in einer Welt, in der schon jeder Toilettengang mehrere hundert Einzelvorschriften berührt, Steuer- oder Arbeitsrecht letztlich je einige einige 100.000 Seiten umfassen usw. ?
    Zwar könnte/konnte einst(?)/ das Repräsentativ-System unter nahezu 100%iger Dedizierung von Mandatsträgern (-> Professionalisierung) durch Verdichtung so Einiges erreichen, doch die Professionalisierung zum „Politiker“ nimmt zumindest seit ca. 40-50 Jahren gar nicht diesen Weg der expertisen Vertiefung, wozu der Ausgleich/die Berücksichtigung von Partikularinteressen durchaus zu den vollinhaltlichen, tief fachlichen Anforderungen an P’er/innen gehört (ohne Normen/Werte/Interessen keine ‚Sachlichkeit‘!) , aber die „Professionalität“ wird – heute zumindest – völlig als existenzieller Überlebens- und Machtkampf der personalen Politikinstanzen (pPI) absorbiert, MUSS jedwede Occasion zur „Karriere“ genutzt werden, ganz gleichgültig, ob man vom Fachgebiet Ahnung hat, sich dafür interessiert usw. Das Stühlesägen und die – finanziell aufwändige – Mandatssicherung (für ein BT-Mandat sind pro Wahlkampf mind. 50.000 Euro fällig) über Medien, Events usw. machen, erhalten und fördern den „Politiker“, aber seltenst nur seine/ihre Expertise.
    Und wie soll auch ein Nichtexperte die Eignung anderer zum Experten beurteilen können? Das ist ja ein ubiquitäres Problem, vor allem in der „Wirtschaft“, siehe die IT-Katastrophen, zuletzt bei der Dt. Bank mit Kim Hammonds: lauter Blockchain-Flausen der allerteuersten Art, aber im Bereich des Kundenservice Uraltware und Falschüberweisung von 28 Milliarden auf einmal. Wie soll eine sogar ganz gut ausgebildete Unternehmensleitung beurteilen können, ob der/die CIO echte Zukunftsperspektiven verfolgt oder nur ein Blender/eine Blenderin ist? Das transponiert sich ja auf die Frage, wie sollen die „Zu-Leitenden“ ihre Leitung beurteilen können, die sie wählen/mitbestimmen soll(t)en?

  2. Zwar gibt es da die „natürliche Selektion“, die – unter dem oft qualvollen Vergehen des 90%-Restes – die „Besten 10%“ letztlich aussieben würde, die dann die „Bestenherrschaft“ durchaus auch im demokratischen Sinne zum allergrößten Teil übernähmen, doch setzt das „Bestensieben“ ein sehr großes Feld mit vielen, a priori nicht besonders privilegierten oder benachteiligten Elementen des Siebgutes voraus, was aber nun genau der Verbreiterung des Wirkungskreises/der Macht der 10%-Besten widerspricht: Läuft es so, gibt es kein neutral-vielelementiges Feld mehr, aus dem sich die je Neu-„Besten“ überhaupt heraussieben ließen.

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