Krise und Wandel des Politischen. Vortragsreihe in Freiburg

An der Universität Freiburg stellen die Professur für Politische Theorie, die Freiburger AG ‘Krise und Wandel des Politischen’ und das dortige Colloquium Politicum im beginnenden Semester erneut eine Vortragsreihe auf die Beine – diesmal unter der Überschrift ‘Krise und Wandel des Politischen’. Den Auftakt macht Thomas Biebricher (Frankfurt), der sich kritisch mit dem politischen Denken des Neoliberalismus auseinandersetzt. Anhand der Idee des Föderalismus gibt uns Wolfgang Heuer (FU Berlin) Anregungen für ein Neudenken föderaler Traditionen und Strukturen an die Hand. Anna Meine (Siegen) wird sich schließlich Zukunftsfragen von demokratischer Mitgliedschaft im Staat und jenseits des Staates zuwenden. Nähere Informationen zu allen Vorträgen finden sich online und auch nach dem Klick.

25.10.2017: Dr. Thomas Biebricher (Goethe-Universität Frankfurt): Das politische Denken des Neoliberalismus (20 c.t., HS 1098)

Der Begriff „Krise“ ist vielen Synonym für die Finanz-und Wirtschaftskrise von 2008 – häufig gedeutet und diskutiert als Krise des Neoliberalismus. Doch was eigentlich ist „der“ Neoliberalismus und welche staats- und demokratietheoretischen Prämissen stehen hinter diesem sowohl sozialwissenschaftlich als auch politisch umstrittenen Begriff? Im ersten Vortrag der Reihe „Krise und Wandel des Politischen“ analysiert Dr. Thomas Biebricher (Goethe-Universität Frankfurt) „das politische Denken des Neoliberalismus“ anhand wichtiger Vertreter und gibt Einblicke in Ansätze und Linien der politischen The-orie des Neoliberalismus.
Seine Laufbahn begann Dr. Thomas Biebricher an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, wo er Wissenschaftliche Politik, Wirtschaftspolitik und Öffentliches Recht studierte und zur Selbstkritik der Moderne, Habermas und Foucault im Vergleich (2005) promovierte. Er war anschließend Nachwuchsgruppenleiter des Frankfurter Exzellenzclusters „Die Herausbildung normativer Ordnungen“, hatte bereits mehrere Vertretungsprofessuren inne und vertritt derzeit die Professur für Politische Theorie und Philosophie am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt. Bekannt ist Dr. Thomas Biebricher neben seinen zahlreichen Publikationen im Feld der Kritischen Theorie, des Poststrukturalismus sowie der Theorie und Praxis des Neoliberalismus insbesondere auch als Autor der Einführung in den Neoliberalismus (Junius-Verlag, 2012, 2.erw. Aufl. 2015).

08.11.2017: PD Dr. Wolfgang Heuer (FU Berlin): Die Idee des Föderalismus (20 c.t., HS 1221)

Wolfgang Heuer (FU Berlin) ist ein seit Langem zu Hannah Arendt forschender Wissenschaftler. In seinen facettenreichen Publikationen (z. B. Citizen: Persönliche Integrität und politische Verantwortung (1992), Couragiertes Handeln (2004), Dichterisch denken. Hannah Arendt und die Künste (2007)) und Forschungsprojekten (bspw. in Kroatien, Bolivien, Argentinien, Brasilien, Chile, etc.) analysiert er Entwicklungen und Ereignisse unserer Zeit und befragt die Möglichkeiten politischen Tätigseins in ihr. Mit der „Idee des Föderalismus“ greift er ein Anliegen auf, das Arendt in „On revolution“ (1963) benennt, welches Heuer jedoch auf ganz eigene Weise weiterdenkt: Es ist die Suche nach einer föderalen Tradition, nach einschneidenden politischen Erfahrungen föderativer Art, welche er anhand von bedenkenswerten Beispielen vorstellt und die sich in Zeiten nationalstaatlicher wie europäischer Krisen als besonders relevant herausstellt.

29.11.2017: Dr. Anna Meine (Siegen): Komplementäre Bürgerschaften. Zur Zukunft demokratischer Mitgliedschaft im Staat und jenseits des Staates (20 c.t., HS 1098)

Leben über Grenzen hinweg wird heute selbstverständlicher. Die zugrundeliegenden Phänomene der Globalisierung und der Migration sind nicht neu. Doch ihre Folgen für unsere demokratische Ordnung stehen heute verstärkt zur Debatte. Dabei stellt sich auch die Frage: Wer soll politisch mitentscheiden? Überzeugen mehrfache Bürgerschaften in Demokratien unterschiedlicher Form und Größe, auf staatlichen und überstaatlichen Ebenen? Um diese Fragen zu beantworten, diskutiert Anna Meine unterschiedliche Verständnisse von Bürgerschaft, betrachtet aktuelle Debatten um Staats- und Unionsbürgerschaft und lotet so Räume, Grenzen und Formen mehrfacher Staatsbürgerschaften und pluraler Bürgerschaften im europäischen Mehrebenensystem aus.
Anna Meine hat an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg promoviert und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Siegen. Sie forscht zu legitimer und demokratischer Ordnungsbildung im Staat und jenseits des Staates und legt den Fokus dabei insbesondere auf Bürgerschaft und Territorien.

 

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