Buchforum zu Emanuel Richters “Demokratischer Symbolismus”

Ab heute und in den nächsten Wochen laden wir zur nächsten Etappe unserer Buchforen ein. Zur Debatte steht diesmal mit Emanuel Richters soeben erschienenem Buch Demokratischer Symbolismus. Eine Theorie der Demokratie eine Monographie, die im Gewirr von Demokratieverständnissen und ihren jeweiligen Krisen versucht, den Kern von Demokratie wiederzufinden und die gerade deshalb kontroverse und produktive Diskussionen verspricht.

Emanuel Richters Ausgangspunkt ist das Spannungsfeld zwischen der Beobachtung, dass „die Demokratie den Stellenwert einer überaus prominenten, positiv besetzten Leitkategorien [besitzt], an der sich mittlerweile nahezu alle politischen Systeme in der Welt orientieren“ (7), und der Diagnose inhaltlicher Beliebigkeit. Gerade „im europäischen Kontext [gilt] genau das nicht mehr als Demokratie […], was in anderen Weltregionen als größte Errungenschaft gefeiert wird“ (253) – kurzum: das Spannungsfeld zwischen dem Konsens zur Demokratie als „Marke“ (15) und der postdemokratischen Differenz. „Während also der Westen schon retrospektiv auf Erschöpfungssymptome der Demokratie blickt, scheinen andere Weltregionen noch in Frühstadien demokratischer Entfaltungsprozesse befangen zu sein“ (253). Dies führt ausgerechnet vor dem Hintergrund der sogenannten ‚postdemokratischen‘ Verunsicherungen „zu einer erneuten eurozentrischen Diffamierung der außerhalb des eigenen Kulturkreises stattfindenden, unversehens als ‚verspätet‘ deklassierten Demokratisierungsprozesse. Der Westen ist immer schon vorne, und sei es im Hinblick auf die Verabschiedung von demokratischen Leitbildern“ (ebd.).

Emanuel Richter fragt somit: „Sind die normativen Begründungen“ der Demokratie denn tatsächlich „so schwach, dass sie in Beliebigkeit enden?“ (18) Die Antwort versteht sich von allein, Emanuel Richter diskutiert sie in Demokratischer Symbolismus ausführlich. Er argumentiert für Demokratie als „ein Bewegungsmuster unter politisch handelnden Menschen […], das ihrem Handeln in der öffentlichen Sphäre die Gestalt einer Interaktion unter gleichrangigen Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht.“ (21) Seine Demokratietheorie, die „dem Verständnis von Demokratie eine allgemeine Bedeutung jenseits der ganz unterschiedlichen Konkretisierungsstufen“ (21) verleihen will, diskutieren den ganzen März hindurch Luzia Sievi und Marcel Vondermaßen, Anna Meine und Oliver Lembcke für den theorieblog. Emanuel Richter wird auf die Beiträge und die hoffentlich lebhafte Diskussion reagieren und mit seiner Replik den offiziellen Teil des Buchforums abschließen.

Es starten Luzia Sievi und Marcel Vondermaßen. Sie und wir freuen uns, wenn die Kommentarspalte rege genutzt wird!

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