CfP: Begriffe-Theorien-Kritik (Augsburg)

Die Graduiertenschule für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Augsburg veranstaltet am 20. und 21. September eine interdisziplinäre Tagung zum Thema „Begriffe – Theorien – Kritik“. NachwuchswissenschaftlerInnen der Geistes- und Sozialwissenschaften sind bis zum 25.Mai zur Beitragseinreichung aufgerufen. Die Details erfahrt Ihr nach dem Klick. Begriffe – Theorien – Kritik Interdisziplinäre Tagung für Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen
20. und 21. September 2013 an der Universität Augsburg

Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde der Streit um Begriffe, Theorien und Kritik mit einer Schärfe geführt, die heute eher auf Unverständnis stoßen würde. Demgegenüber hat sich in jüngerer Zeit ein stärker pragmatischer Umgang mit Theorien durchgesetzt. Zugleich haben sich die Forschungsansätze und damit auch die Konzeptionen von Kritik seit den 1970er Jahren pluralisiert. Diese Diversität theoretischer Perspektiven mit ihren jeweils spezifischen methodologisch- methodischen Zugängen und Zugriffen birgt Chancen für die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung – aber auch die Gefahr des „anything goes“. So scheint die Pluralisierung mit einem Verlust des Dialogs über Möglichkeiten und Grenzen theoretischer Perspektiven innerhalb der Geistes-und Sozialwissenschaften einherzugehen.
Um Widersprüche und Grenzen verschiedener Perspektiven, wie auch die Gemeinsamkeiten und Differenzen zwischen den Denk- und Forschungstraditionen erschließen und reflektieren zu können, ist es nötig, die losen Enden früherer Diskussionen aufzunehmen und die damals geführten Diskussionen über zentrale Fragen der Sozial- und Geisteswissenschaften fortzuführen:
Was ist der Standpunkt des Sozialwissenschaftlers/der Geisteswissenschaftlerin, wenn der/die WissenschaftlerIn dem untersuchten Gegenstand selbst angehört? Lässt sich Gesellschaft als Ganzes erkennen oder immer nur perspektivisch in den Blick bekommen? Welches sind die Voraussetzungen von Kritik und wie werden Erkenntnissubjekt und -objekt konstituiert? Was ist der moralphilosophische bzw. normative Standort der Kritik und woran misst diese ihre Gegenstände? Inwiefern müssen Gegenstands-, Wert- und Praxisbezüge reflektiert und expliziert werden?
Die Tagung will diese Fragen anhand dreier Themenfelder vertiefen:

Panel I: Disziplinspezifische Theorierezeptionen

TheoretikerInnen wie Theodor W. Adorno, Judith Butler, Gilles Deleuze oder Michel Foucault werden in verschiedenen Disziplinen rezipiert – nicht zuletzt, weil diese selbst disziplinäre ‚GrenzgängerInnen’ in einem nach Disziplinen geordneten Wissenschaftsbetrieb sind bzw. waren. Vor diesem Hintergrund sollen Fragen nach
disziplinspezifischen Rezeptionsweisen von Theorien und Forschungsprogrammen aufgeworfen werden. Willkommen sind Beiträge, die folgende Fragen aufgreifen: Welche disziplinspezifischen Rezeptionsweisen von Theorien lassen sich entdecken und wie lassen sich diese erklären? Haben sich innerhalb von Disziplinen Standardrezeptionen bestimmter Ansätze und deren begrifflicher Instrumentarien durchgesetzt? Haben sich die Rezeptionsweisen gegenüber anderen Disziplinen verselbständigt oder stehen diese weiterhin im Dialog mit anderen Disziplinen? Und wenn sich disziplinäre Rezeptionen feststellen lassen, worin liegt dann die Produktivität solcher disziplinspezifischer Lesarten und wo deren Grenzen?

Panel II: Transformationen von Begriffen und Theorieschulen

Zudem will die Tagung den Blick auf den genetischen Aspekt von Theorien und Theorietraditionen legen. Hier interessiert sowohl der Wandel der Theorien selbst wie dessen Erklärung bzw. Begründung durch die jeweiligen TheoretikerInnen: Welchen (kritischen) Anspruch erheben verschiedene Theorien? Was verstehen sie als ihren jeweiligen Gegenstandsbereich und welches begriffliche Instrumentarium wird für die Entfaltung eines Gegenstandsbezugs entwickelt? Wie begründen verschiedene TheoretikerInnen die von ihnen vorgenommenen Veränderungen? Welche Bedeutung kommt hierbei wissenschaftsimmanenten auf der einen und gesellschaftlichen Entwicklungen auf der anderen Seite zu?
Vorstellbar sind hier zum Einen Beiträge, die sich mit Entwicklungsverläufen wissenschaftlicher Paradigmen, Konjunkturen der Rezeption und Konkurrenzbeziehungen zwischen theoretischen Paradigmen auseinandersetzen. Zum Anderen ist die nähere Betrachtung von Entwicklungen innerhalb bestimmter Theorietraditionen oder ‚Schulen’ von Interesse.

Panel III: Möglichkeiten und Grenzen der Theorien-Bricolage – Herausforderungen der Theorieintegration

Die Zeiten leidenschaftlicher Diskussion und des Schlagabtausches um die ‚richtige’ Theorie, die sich bis in die 1990er Jahre beobachten lassen, sind vorbei. Während sich ein pragmatischer und integrativer Umgang mit Theorien zunächst in interdisziplinären Forschungsfeldern wie der Geschlechterforschung finden ließ, hat sich dieser heute auch in ‚traditionellen’ Disziplinen stärker durchgesetzt. Problematisch scheint dies aufgrund des mitunter selektiven Zugriffs auf ‚Theorieaspekte’ und der mangelnden Reflexion von in Theorien (implizit und explizit) enthaltenen gesellschaftstheoretischen wie methodologischen Grundannahmen, die möglicherweise unvereinbar sind. Deshalb sollen die Unterschiede verschiedener Theorien sowie etwaige Schwierigkeiten bei deren Integration reflektiert werden.
Hier interessiert vor allem, welches Verhältnis von Subjekt und Objekt, welche Kriterien von Wahrheit und Realität und welchen Begriff von Kritik Theorien transportieren. Im Anschluss daran kann gefragt werden, ob diese einen pragmatischen Zugriff zulassen und wenn ja zu welchem Preis bzw. mit welchem Gewinn. Inwiefern sind Patchwork-Theorien produktiv oder problematisch?

Pro Panel sind zwei Vorträge (30-45 Minuten) und zwei Kommentare (10-15 Minuten) vorgesehen. Es wird angestrebt, dass ReferentIn und der/die darauf antwortende KommentatorIn jeweils aus verschiedenen Disziplinen kommen. Abgelehnte ReferentInnen werden von uns gegebenenfalls als KommentatorInnen angefragt.

Die Übernachtungskosten für ReferentInnen und KommentatorInnen werden komplett finanziert, die Reisekosten bis zu 100 Euro. Eine Teilnahmegebühr wird nicht erhoben.
Zur Beitragseinreichung aufgerufen sind DoktorandInnen sowie Post-Docs der Geistes- und Sozialwissenschaften. Vortragsvorschläge in Form eines 1-2 seitigen Abstracts werden bis zum 25. Mai 2013 erbeten an:
Organisation der Tagung:
M.A. Ludwig Gasteiger, Universität Augsburg Dipl. Pol. Marc Grimm, Universität Augsburg Dipl. Päd Barbara Umrath, Universität Flensburg

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