Leibniz-Preis für Rainer Forst

Frankfurt tut viel für die Geisteswissenschaften, und das macht sich offenbar bezahlt: Rainer Forst, Philosoph und Politikwissenschaftler, hat den renommierten Leibniz-Preis erhalten. Die Auszeichnung der Deutschen Forschungsgemeinschaft gilt als die angesehenste für deutsche Wissenschaftler_innen und ist mit 2,5 Millionen Euro dotiert. Das ist nicht nur eine Menge Fördergeld für die geisteswissenschaftliche Forschung, sondern beweist auch deren Wertschätzung in Zeiten, in denen die humanistischen Disziplinen an vielen Unis um ihr Existenzrecht kämpfen: In Konkurrenz mit Natur- und Wirtschaftswissenschaften.

Die Uni Frankfurt tritt bereits seit einigen Jahren mit dem Exzellenzcluster “Die Herausbildung normativer Ordnungen” in Erscheinung, dessen Sprecher Forst ist. Mit diesem und mit den Projekten Axel Honneths vom Institut für Sozialforschung hat sich Frankfurt erneut zu einem Zentrum der Philosophie, Politischen Theorie und Gesellschaftskritik entwickelt. (Auf dem Theorieblog findet derzeit ein Lesekreis zum neuen Buch von Honneth statt). Im Rahmen des Clusters “normative Ordnungen” finden regelmässig spannende Vorlesungsreihen, Vorträge und Workshops mit international renommierten Wissenschaftler_innen statt. Frankfurt könnte anderen Unis dabei durchaus als Vorbild dahingehend dienen, wie die Geisteswissenschaften, darunter die Philosophie, gestützt und gefördert werden können.

Werner Müller-Esterl, Präsident der Uni Frankfurt, bezeichnete den Leibniz-Preis für Forst als „hocherfreuliche Auszeichnung für einen Wissenschaftler, der die Profilbildung der Geistes- und Sozialwissenschaften an der Goethe-Universität in den vergangenen Jahren entscheidend vorangebracht hat. Forst gehört zu den wichtigsten politischen Philosophen Deutschlands und hat sich durch seine Arbeiten ein herausragendes internationales Renommee erworben.“

Forst ist seit 2004 Professor für Philosophie und Politische Theorie an der Goethe-Universität. Neben seiner Sprechertätigkeit beim Exzellenzcluster ist er stellvertretender Sprecher der Kollegforschergruppe „Iustitia Amplificata“ und Mitglied des Direktoriums des Forschungskollegs Humanwissenschaften in Bad Homburg. Zugleich leitet er den von ihm aufgebauten internationalen MA-Studiengang “Politische Theorie”. In den eigenen Disziplinen bekannt geworden ist er bereits früh durch seine sehr kenntnisreiche und dichte Dissertation “Kontexte der Gerechtigkeit” (1996), in der sich mit Theorien des Liberalismus und des Kommunitarismus auseinandersetzt. Seine Habilitation zur Geschichte und zu Theorien der Toleranz (“Toleranz im Konflikt”, 2003) hat dann ein Konzept, das im ersten Buch schon angelegt war, weiter vorangetrieben: Nämlich das Recht auf Rechtfertigung, mit dem der Kantianer Forst an Habermas und Rawls anknüpft. Spätestens seit seiner eigenständigen Publikation dazu (“Das Recht auf Rechtfertigung”, 2007), ist sein Name mit diesem Konzept verbunden, das besagt, dass Menschen in Rechtfertigungspraktiken eingebettet sind und dass die moralische Achtung diesem grundlegenden Recht auf Rechtfertigung geschuldet ist. Ein Ansatz, der zudem im jüngst erschienen Band “Kritik der Rechtfertigungsverhältnisse“, gegen Kritiken verteidigt und weiter ausgebaut wurde.

Der Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft wurde bislang knapp 140 Wissenschaftler_innen vergeben, darunter allerdings nur neun Frauen. Vorherige Preisträger waren unter anderem Jürgen Habermas, also auch ein Frankfurter, sowie Manfred G. Schmidt. Den Preis 2012 erhielten jetzt insgesamt elf Wissenschaftler_innen, darunter neun Männer und zwei Frauen. Von den elf Preisträgern kommen fünf aus den Lebenswissenschaften, drei aus den Naturwissenschaften, zwei aus den Geistes- und Sozialwissenschaften und einer aus den Ingenieurwissenschaften. Verliehen werden die Preise am 27. Februar in Berlin. Ziel des Leibniz-Programms, das 1985 eingerichtet wurde, ist es laut Selbstbeschreibung der DFG, “die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu erleichtern.” Hier können übrigens Publikationen der Leibniz-Preiträger abgerufen werden.

Der “Theorieblog” gratuliert Rainer Forst auf diesem Wege!

 

 

P.S.: Wer jetzt neugierig geworden ist, auf das Werk Rainer Forsts, dem seien drei ganz aktuell erschienene und im Netz frei verfügbare Artikel ans Herz gelegt:

Forst, Rainer (2011): “The Grounds of Critique. On the Concept of Human Dignity in Social Orders of Justification”, in Philosophy and Social Criticism 37 (9), 965-976.

Forst, Rainer (2011): “The Power of Critique”, in Political Theory 39:1, 2011, S. 118-123. 

Forst, Rainer; Günther, Klaus (2011): Die Herausbildung normativer Ordnungen. Zur Idee eines interdisziplinären Forschungsprogramms, in: dies. (Hg.): Die Herausbildung normativer Ordnungen: Interdisziplinäre Perspektiven, Frankfurt am Main: Campus, S.11-30.

 

 

 

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