CfP: Macht und Widerstand – DGfP Nachwuchstagung

Die Deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) veranstaltet am 17. und 18. November 2011 in Tutzing eine Nachwuchstagung zum Thema „Macht und Widerstand“. Es wird nach Formen, Erscheinungsweisen und Abgrenzungen von Widerstand gefragt, nach dem Zusammenhang von Macht und Widerstand sowie nach Perzeptionen von und Reaktionen auf widerständige Akte. Wer sich um eine Teilnahme bewerben will, ist aufgefordert bis zum 31.07.2011 einen 500 Wörter-Abstract an dgfp.nachwuchstagung@gmail.com zu senden. Die fertigen Papiere sollten dann Anfang November vorliegen. Alle Infos und die Beschreibung der Schwerpunkte findet ihr unter dem Strich.

Call for Papers

DGfP Nachwuchstagung 2011

„Macht und Widerstand“

„Where there is power, there is resistance“: laut Foucault sind Macht und Widerstand untrennbar miteinander verknüpft. Doch muss das notwendigerweise so sein? Macht lässt sich auf unterschiedliche Weise begrifflich fassen. Neben der klassischen Zwangsmacht unterscheidet die politische Ideengeschichte zwischen institutioneller, struktureller und produktiver Macht. Ruft jede dieser Machtformen in gleicher Weise Widerstand hervor, und welche Varianz an Widerstandsformen gibt es? Wie wird umgekehrt Widerstand von Mächtigen und Nicht-Widerständigen wahrgenommen und zu welchen Reaktionen führt dies? Mittels welcher historischen und empirischen Beispiele lässt sich der Zusammenhang von Macht und Widerstand plausibilisieren – oder gar widerlegen?

Diesen Fragen widmet sich die diesjährige Nachwuchstagung der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) am 17./18. November 2011 in Tutzing. Die Tagung richtet sich an Postdoktoranden und Doktoranden aus allen Richtungen der Politikwissenschaft und angrenzender Disziplinen. Vorschläge für Forschungspapiere und darauf aufbauend ausführlicheren Vorträgen werden bis zum 31. Juli 2011 zu folgenden zwei Themenschwerpunkten erbeten:

A)    Formen des Widerstands

Die Bandbreite von Widerstandsformen ist enorm. Sie reicht von Subversion über Protest bis zu offener Gewalt. Sie verortet sich in hochinstitutionalisierten Räumen wie in internationalen Organisationen, aber auch in weniger reglementierten Umgebungen wie dem Internet. Es stellt sich daher nicht nur die Frage, welche Formen Widerstand ausbilden kann, sondern auch, wann und wo institutionalisierte Opposition zu herrschaftskritischem Widerstand wird.

Widerstand hatte lange Zeit einen lokalen oder nationalen Bezug. Dieser Bezug besteht fort: Wie jüngst in der islamischen Welt, von Manama über Kairo, Sana bis Tripolis und Damaskus, richtet sich der Widerstand gegen lokale und nationale Autokraten und Diktatoren. Und auch in westlichen, pluralen Demokratien greifen Gruppierungen immer wieder zu widerständigen Formen des Protests gegen politische Verfahrensregeln und –entscheidungen, wie die Debatten um Stuttgart 21 oder die Antiatomkraftbewegung in Deutschland beispielhaft zeigen. Doch denkt man an den Protest der globalisierungskritischen Bewegung in Seattle, Genua, Davos oder Heiligendamm, dann stellt man fest, dass sich in den letzten Jahren der Widerstand transnationalisiert hat – sowohl im Hinblick auf die Normen und Institutionen gegen die sich der Widerstand richtet, als auch im Hinblick auf die internationale Vernetzung der Widerstandsakteure. Vor diesem Hintergrund stellt sich daher die Frage, ob die Entstehungsbedingungen von Widerstand auf lokaler, nationaler, regionaler, internationaler und transnationaler Ebene der gleichen Logik folgen und gegen welche Formen der Macht sich welche Widerstandsform richtet.

B)    Wahrnehmungen von und Reaktionen auf Widerstand

Das Wort Widerstand ist in vielen Zusammenhängen positiv konnotiert, häufig wird es in einen Zusammenhang zu Freiheit und Freiheitskampf gesetzt. Nahezu reflexhaft denkt man beim Wort „Widerstand“ zuallererst an Gruppen wie die Weiße Rose oder an den Widerstand der osteuropäischen und russischen Dissidenten im samisdat. Widerstand erscheint hier als legitim und aus der asymmetrisch schwächeren Position heraus zu erfolgen. Andererseits jedoch ist der Grat zwischen Widerständlern und Kriminellen ein schmaler. Bereits bei Che Guevara spalten sich die Geister und Andreas Baader oder Osama Bin Laden werden nur von Wenigen als Widerstandskämpfer akzeptiert. Wir fragen daher normativ, wann und wie zu unterschiedlichen Zeiten Widerstand gerechtfertigt wurde. An welche Kriterien ist die Wahrnehmung oder Rahmung politischen Widerstands als legitim oder illegitim gebunden? Ist die Bewertung von Aktionen und Programmen als gerechtfertigter Widerstand einzig von der historischen Kontingenz oder von historischen Bedeutungskämpfen abhängig? Weiterhin stellt sich die Nachwuchstagung die Frage der Reaktion: Wie gehen unterschiedliche politische Systeme mit Widerstand um? Die Spanne reicht hier von offensivem Niederschlagen des Widerstands bis hin zur Integration der Widerständigen in die Herrschaftsinstitutionen. Welche Pfade sind hier zu beobachten?

Die DGfP-Nachwuchstagung stellt anhand dieser Leitfragen den Zusammenhang zwischen Macht und Widerstand ins Zentrum der Diskussion. Die Tagung findet am 17. und 18. November 2011 in der Politischen Akademie in Tutzing statt. Erbeten werden Vorschläge für Forschungspapiere, die sich aus theoretischer, empirischer, methodischer, rechtlicher oder historischer Sicht mit dem Zusammenspiel von Macht und Widerstand beschäftigen und/oder die Formen, Dimensionen, Entstehungsbedingungen und Rechtfertigungen von Widerstand ausleuchten.

Formalia:

Bitte senden Sie Ihre Abstracts (max. 500 Wörter) spätestens bis zum 31. Juli 2011 an folgende Email-Adresse: dgfp.nachwuchstagung@gmail.com. Eine Entscheidung über die Annahme erfolgt bis zum 15. August 2011. Die Forschungspapiere sollten bis zum 01. November 2011 vorliegen. Die Beiträge der Tagung werden in geeigneter Form begutachtet veröffentlicht.

Die Organisatoren bemühen sich um eine finanzielle Unterstützung der Nachwuchstagung. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann aber eine Garantie für die Übernahme der Reise- und Übernachtungskosten noch nicht gegeben werden.

Koordinationsteam der Nachwuchstagung:

Prof. Dr. Christopher Daase

Dr. Christian Volk

Julian Junk

Full Disclosure: Chris, der die Tagung mitorganisiert, ist festes Teammitglied im Theorieblog.

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