Prekariat im Mittelbau – das kleinere Übel?

Auf der IB-Liste hat sich im Laufe des Donnerstags eine ausführlichere Diskussion entsponnen – wieder einmal anlässlich einer knausrig anmutenden Stellenausschreibung, nämlich für einen befristeten, gering bezahlten Werkvertrag mit hohen Qualifikationsanforderungen im teuren Moskau, der offenbar immer wieder neu besetzt wird und somit eine reguläre Stelle zu ersetzen scheint. Der Leiter des ausschreibenden Projekts, Klaus Segbers, hat sich erfreulicherweise in die Diskussion eingemischt, und schnell kristallisierte sich das altbekannte Dilemma heraus. Mehrere Diskussionsteilnehmer, sämtlich aus dem akademischen Mittelbau, berufen sich auf die Pflicht, prekären Arbeitsverhältnissen trotz begrenzter Mittel keinen Vorschub zu leisten (hingewiesen wurde auch auf eine dahingehende Initiative der DVPW, an der offenbar weiter gearbeitet wird); der Politikwissenschafts-Professor hält dagegen, dass unter den Bedingungen eines kompetitiven globalen Marktes und begrenzter Bildungsressourcen universitäre Projekte eben keine Alternative hätten, als mit den geringen verfügbaren Mitteln zu arbeiten und darauf zu hoffen, dass sich auch in diesem race to the bottom noch qualifizierte Bewerber finden. Oder im O-Ton: „überlassen wir es einfach dem spiel von angebot und nachfrage, ob sich interessentInnen finden“.

Nun ist dieses Argument so alt wie die erste Mindestlohndebatte und es trifft für den Bildungssektor möglicherweise in besonderem Maße zu: Ist es doch die Bildung, die sich im vielbeschworenen globalen Wettbewerb nur langsam auszahlt – jedenfalls kaum innerhalb des Zeithorizonts einer Legislaturperiode. Angesichts begrenzter und schrumpfender Bildungsetats müssen Universitäten und Forschungseinrichtungen nicht nur ihren laufenden Betrieb gewährleisten, sondern zugleich ihre internationale Relevanz und Produktivität beweisen – wenn nötig auf Kosten der universitären „Dienstleister“ in Forschung und Lehre, die ihrerseits zwar so ins vielgerühmte Prekariat abrutschen, aber zumindest „Erfahrung“ sammeln und ihr Humankapital für künftige Beschäftigungsverhältnisse aufwerten. Wissenschaftlichen Einrichtungen wird zwar ein inhärenter Wert zugesprochen, dieser muss aber durch wirtschaftliche Durchrationalisierung erhalten werden.

Soweit, so – aus ökonomischer Sicht – plausibel. Verwundern mag an dieser spezifischen Diskussion aber allemal, dass ausgerechnet ein Politikwissenschaftler solch alte und längst hochproblematische Markt- und Sachzwangargumente bemüht. Das fehlende Vertrauen in die politischen Entscheider, diese Marktkräfte – die letztlich den Bildungssektor und insbesondere bestimmte Fachbereiche (es sei erinnert an die Schließung der Philosophie in Middlesex!)  eindampfen – durch Regulierung zugunsten einer Bereitstellung wertvoller öffentlicher Güter zu zügeln, mag einleuchten. In der Tat entmachten Prozesse der Transnationalisierung und Ökonomisierung bzw. Privatisierung politische Institutionen auf nahezu allen Ebenen, wenn auch sicher nicht gänzlich.

Schwieriger erscheint es allerdings, dass die Eigeninitiative zugunsten fairer Arbeitsbedingungen – und auch ihre symbolische Dimension! – offenbar einen so geringen Stellenwert einnimmt. Sicher: Im Vergleich zu politischen Initiativen auf kollektiver Ebene kann das individualethische Engagement wenig ausrichten, das heißt: nur einige Wenige werden von faireren Bedingungen in einem einzelnen Forschungsprojekt profitieren – am Gesamtpanorama wird sich hierdurch wenig ändern. Dass jedoch die Möglichkeit, mit gutem Beispiel, also als Vorbild und role model voranzugehen, nicht nur verneint, sondern sogar offen geringeschätzt wird und der Fingerzeig reflexartig in Richtung der Systemkräfte geht, ist beunruhigend. Trotz der relativen Machtlosigkeit des Einzelnen, und der statistischen Wirkungslosigkeit punktuellen Handelns, ist der Abschied vom individuellen Engagement nicht ohne weiteres rechtfertigbar. Bernhard Schlink hat übrigens im neuen Merkur einen schönen Essay über Verantwortung in komplexen Prozessen, auch angewandt auf die jüngste Krisenkonstellation, geschrieben.


14 Kommentare zu “Prekariat im Mittelbau – das kleinere Übel?

  1. vielen dank für diesen blog-eintrag. er startet eine zentrale diskussion über beschäftigung an unis.

    die beziehung, die klaus segbers zwischen transnationalisierung und der finanzlage und das stellenangebot deutscher universitäten aufmacht, leuchtet mir nicht ein. werden etwa geldmittel von deutschen unis aufgrund schlechterer leistungen ins ausland abgeführt? es gibt ja nicht ein transnationales bildungsgremium, welches die mittel an alle unis der welt verteilt. die uni in moskau wird wohl kaum dfg-projekte finanziert bekommen, genauso wenig wie forschungsprojekte in deutschland von russischen töpfen finanziert werden. segbers argument ist eine billige und fehlangebrachte ausrede, die in irgendwelche faden makroargumente gehüllt wird.

    das problem besteht ja auch darin, dass die ausgeschriebene projektstelle nicht mal dfg-standards entspricht und absolut untertariflich bezahlt wird. in der email-korrespondenz der ib-liste hat klaus dingwerth eindrücklich gezeigt, dass es bei den genannten stellenanforderungen mindestens ein gehlat von 3600 Euro brutto rausspringen müsste.

    das ausschreiben von werkvertrags-stellen ist statutenwidrig und scheint einer gewissen systematik an dem lehrstuhl zu folgen. insofern klingt segbers unerschütterlicher glauben an die unsichtbare hand des marktes einfach nur zynisch.

    da, wie die autorin richtigerweise feststellt, bei diesem prof jegliche einsicht in seine eigeninitiative fehlt, bleibt nur noch eins. wie ein diskussionsteilnehmer auf der ib-liste meinte: in die gewerkschaft eintreten und vor gericht für die umwandlung des werkvertrages in ein normales beschäftigungsverhältnis klagen.

  2. Warum streiken wir (Mittelbau inkl. Lehrbeauftragte) eigentlich nicht? Die nötige Organisations- und Konfliktfähigkeit haben wir ja. Es lässt sich ein Gruppeninteresse formulieren und der gesamte Unibetrieb würde sofort zusammenbrechen.

  3. Die Einstellung Segbers halte ich für so unüblich nicht. Ich habe schon häufiger Professoren solche Urteile treffen hören. Es steckt auch ein gewisser Fatalismus darin. Seien wir ehrlich (wenn ich die Situation ein bisschen überzeichnen darf): Die politische Theorie hat weder der Wirtschaft noch den konkurrierenden Parteien wirklich attraktive Angebote zu machen. Das was deren Verbände und Stiftungen an Expertisen wollen, holen die sich längst bei der Konstitutionsökonomik, bei der Neuen Politischen Ökonomie oder der Wirtschaftspolitik, wenn sie nicht gleich irgendwelche Stiftungen und Beratungsfirmen zu Rate ziehen. Das ist so normal, dass sich keiner darüber wundert, dass gelernte Politiktheoretiker so gut wie nie bei Talkshows zu sehen sind (stattdessen dürfen sich die Journalisten ausführlich gegenseitig kommentieren). Ihre wirklich große Zeit hatte die politische Theorie im Kalten Krieg, wo man davon ausging, dass Verhältnisse wie die oben Beschriebenen einer Rechtfertigung bedürfen. Heute geht es nur noch darum, sich mit der Realität zu versöhnen und das kann eben auch heißen: wer am Markt kein überzeugendes Angebot machen kann, der ist dann eben bloß noch ein prekäres Beschäftigungsverhältnis wert. Das ist paradox, aber ich habe wirklich den Eindruck, dass die Professoren in ihrem Bemühen, sich mit der Realität auszusöhnen, selbst den Grund dafür abschaffen, überhaupt über Politik nachzudenken, also Ideengeschichte zu betreiben oder Gerechtigkeitsdiskurse zu führen. Was soll man dazu noch sagen?

  4. Das mag man, wenn es um die politische Theorie geht, so sehen oder auch nicht (ich persönlich habe da etwas mehr Hoffnung, zumal es ja einige gute Beispiele gibt für Politiktheoretiker, denen es gelingt, die Relevanz der Teildisziplin als Arsenal für reales politisches Handeln auch in der Öffentlichkeit zu verfechten).

    Der oben beschrieben Fall ist aber – obgleich es hier natürlich nicht nur um diesen Fall gehen soll! – noch anders gelagert, denn es geht nicht einmal um eine Einrichtung der Politischen Theorie, sondern der Internationalen Beziehungen. Genauer: um ein internationales akademisches „Center“, das sich meines Erachtens als international durchaus kompetitiv begreift.
    Nicht nur in den Orchideenfächern oder -fachbereichen wird also mit ökonomischen Sachzwangen argumentiert, sondern auch – oder besser: gerade? – in jenen Einrichtungen, die glauben, in einer Art globalem Bildungswettbewerb um qualifizierte Köpfe und Gelder bestehen zu müssen.

    Das ist eigentlich eine interessante Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen der angeblichen ökonomischen Irrelevanz eines Faches und den Arten der Beschäftigungsverhältnisse? Intuitiv würde man denken: In „unnützen“ Fächern sind die Gelder besonders knapp, ergo schlechte Arbeitsbedingungen. Aber im beschriebenen Fall ist der Mechanismus ja anders: Hohe internationale Kompetitivität, ergo Zwang zur weiteren Straffung, um den Status Quo zu halten ..?
    Das hat dann auch mit der Frage zu tun, die a.tokhi stellt: Wie genau ist denn nun der Zusammenhang zwischen Transnationalisierung, Wettbewerb und Kürzungszwang?

  5. In den Nutzendiskurs kann die Politische Theorie durchaus einsteigen, aber man sollte dann nicht den Fehler begehen, den Nutzen von Wissen anhand der Verwertbarkeit auf Märkten zu bemessen bzw. der ideolgischen Gleichung „Rationalität = kapitalistische Rationalität“ auf den Leim gehen.

  6. Zunächst: Ich bin auch dafür, den Universitäten mehr Geld zukommen zu lassen. Nur durch Forschung kann die Gesellschaft mittels einer gesunden Wirtschaft prosperieren.

    Ich möchte jedoch zwei Dinge beisteuern:
    1.) Angebot und Nachfrage spielt im öffentlichen Raum eben doch eine Rolle;
    2.) Angebot und Nachfrage spielt auch im internationalen Vergleich eine Rolle.

    1.) Mich stört es oft, dass sich politische Philosophen darüber beschweren, dass niemand anders als sie selbst die Relevanz ihrer Forschung erkennt. Aber ich denke, genau das ist das Problem, wenn es um das Verhältnis von Forschern der politischen Theorie zur Politik und Wirtschaft geht. Warum sollte sich die Politik an einen Politiktheoretiker wenden, wenn er die brennendsten Fragen unserer Zeit nicht beantworten kann? Ich denke, dass Politiktheorie sofort wahrgenommen (und bezahlt würde), wenn sie Lösungs- und Erklärungsansätze für die Gesellschaft bereitstellen könnte. Die USA sind da ein gutes Beispiel, wie das Zusammenspiel funktioniert. Niemand kann erwarten für etwas bezahlt zu werden, das keiner braucht und das keinen interessiert. Mir ist bewusst, dass ich überspitze, aber ich denke, nur so wird das grundlegende Problem deutlich.

    2.) Bezahlung ist im internationalen Vergleich sehr wohl wichtig; auch, wenn es es nicht die DFG ist, die russische Wissenschaftler sponsert. Allerdings gehen Wissenschaftler, die die Relevanz ihrer Fragestellungen beweisen konnten, dahin, wo sie am meisten Geld bekommen. Und das ist in den meisten Wissenschaftsgebieten im Moment nicht Deutschland.

  7. Du übersiehst hier einige Dinge:
    – Politische Theorie ist nicht identisch mit Politischer Philosophie
    – Die Politische Theorie gibt sehr wohl Antworten auf die „brennendsten Fragen unserer Zeit“, wie kommst du zu der These, dass sie dies nicht tut?
    – Politiker wenden sich sehr wohl an Politiktheoretiker (Barber, Sunstein, Nussbaum)
    – Die Politische Theorie übernimmt, v.a. an der Universität, Bildungsfunktionen für das Individuum
    – Die Politische Theorie übernimmt, auch v.a. an der Universität, Ausbildungsfunktionen (für das Personal im Erziehungs- und Ausbildungssektor, für das Mediensystem, für den Staatsapparat, und schließlich für das Wissenschaftssystem selbst)
    – Die Politische Theorie übernimmt Erziehungsfunktionen für die politische Ordnung („Demokratiewissenschaft“)

  8. Fällt eigentlich niemandem auf, dass ein Professor sich hier auf Marktkräfte beruft, sich aber als Beamter dem Markt komplett entzieht? Schon allein deshalb finde ich seine Äußerungen unverschämt.

  9. Gut, also, politische Theorie anstatt Philosophie. (Wobei die Erziehungsfunktion of vom philosophischen Zweig wahrgenommen wird!)
    Du hast in deinem Beitrag „v.a. auch an der Universität“ ein paar mal benutzt. Das verdeutlicht ein Problem: Die Relevanz von politischer Theorie scheint sich auf die Universität zu beschränken, oder nur hier gelingt es Absolventen, ihre Relevanz zu behaupten. Für den Rest der Welt gelingt dies nicht–also müssen alle an der Universität bleiben. Oder sie wollen es–werden dann aber von außen nicht gehört. Bei so viel Überrepräsentation braucht doch niemanden zu wundern, dass die Lage im MIttelbau prekär ist.
    Außerdem: „Erziehungsfunktion“ – das kann man für jedes Fach an der Uni sagen.

  10. Es ist in der Tat richtig, dass die Arbeit der Politische Philosophie/Theorie schlichtweg nicht in Kategorien von ökonomischen Nutzenkalkülen zu erfassen ist – und das ist auch gut. Es gibt ein gesellschaftliches Leben jenseits dieser Logiken. Das ist kein orthodoxes sozialistisches Statement, sondern eine schlichte soziologische Tatsache. Selbstredend nutzt es vor dem Hintergrund ökonomischer Rationalitäten niemanden, wenn ich den Begriff der Zeit im Denken Aristoteles herausarbeite. Eine Gesellschaft muss eine Debatte darüber führen, ob sie so etwas will und braucht. Theaterwissenschaften, Kunstwissenschaften, Literaturwissenschaften haben ein ähnlich gelagertes Problem. Wie viel ist eine Gesellschaft bereit an Geld für diese Bereiche auszugeben? (Erziehungsfunktion sehe ich da überhaupt nicht; in meinen Seminaren sitzen Erwachsene Menschen, die ich weder erziehen muss noch will.) Hier denke ich, dass man gefordert ist, Aufklärungs-, Überzeugungs- und Lobbyarbeit zu leisten. Ja, auch Lobbyarbeit. Beispielsweise wäre es sinnvoll, wenn z.B. medial offensiv die Frage nach dem „Nutzen“ der Gesellschafts- und Geisteswissenschaften angegangen wird. Wenn z.B. die Sektion offensiv diese Fragen forciert und thematisiert. Die Zustände, wie sie sich darstellen, beschreiben.

    Mit einer unmittelbaren ökonomischen Nutzenrationalität argumentiert auch in den USA keiner bzw. so kann sich auch kein politischer Philosoph in den USA rechtfertigen. Die Politik von Elite-Unis (von den anderen ganz abgesehen) ist dort weit eher mit der Logik einer Fußballmannschaft zu verstehen, die um den Titel mitspielen will. Der Titel in diesem Fall ist das Gesamtranking, die Studierendenzahlen und natürlich das Prestige, das selbst wieder zu donations anregt. Ja, und die Mannschaft muss eben in nahezu allen Mannschaftsteilen hervorragend aufgestellt sein – vom Ancient Philosopher bis zum Professor of Finance. Genau aus diesem Grund werben dort Unis immer wieder Professoren ab, um ihr Profil zu schärfen und attraktiv zu sein. Mit der unmittelbaren Verwertbarkeit des Forschungsoutput eines Metaphysikers hat das nichts zu tun.

    Hinzu kommen ja noch eine Vielzahl anders gelagerter Problem: Gemessen an den freiwerdenden Professoren-Stellen ist der Mittelbau – für den Fall Politische Theorie kann ich das sagen; in den IB ist es etwas anders – viel zu groß. Wenn ein Prof. in der Philosophie oder Politischen Theorie 5 Habilitanden hat, weiß man, wo das Problem herkommt. Vor diesem Hintergrund ist der Uni-Stellenmarkt ein Dschungel, ein Kampf aller gegen alle, um endlich auf die ersehnte Professur zu kommen. Man muss sich das wohl überlegen und ist in der Tat zu so etwas wie „Karriereplanung“ gezwungen. Dazu zählt dann wohl auch, Exit-Optionen ernsthaft offen zu halten und offen zu haben. Gleichzeitig aber kommen die Unis ohne die billigen Arbeitskräfte aus dem Mittelbau nicht aus; die sozial- und geisteswissenschaftlichen Fachbereiche sind unterfinanziert. Ja, und da stellt sich die Frage, wo das Geld herkommen soll? Höhere Studiengebühren? Stellenkürzung? Standortschließungen? Umverteilung im Bundes- bzw. Landeshaushalt? Uni-interne Umverteilung? Doch auch hier stellt sich die Frage, warum das zu geschehen hat?
    Es ist ein leidiges Thema: zu wenig gut ausgestattete Stellen auf zu viele Interessenten…daraus folgt aber keineswegs die Notwendigkeit das Problem so zu „framen“, wie es Herr Segbers getan hat. Es gibt eine Reihe denkbar anderer Möglichkeiten. Für welche man sich entscheidet, ist eine politische und gesellschaftliche Streitfrage.

  11. Zu *:

    Du hast mich nicht richtig verstanden. Ich sagte, die Politische Theorie (die ich als Teil der Politikwissenschaft begreife) erbringt gesellschaftlich nützliche Funktionen (Bildung, Ausbildung, Erziehung, wissenschaftliche Erkenntnis (technisch, praktisch und kritisch)).

    „Außerdem: “Erziehungsfunktion” – das kann man für jedes Fach an der Uni sagen“

    – Kann man gerade nicht. Ich bezog mich auf die Erziehung zur Demokratie.

    „Die Relevanz von politischer Theorie scheint sich auf die Universität zu beschränken, oder nur hier gelingt es Absolventen, ihre Relevanz zu behaupten. Für den Rest der Welt gelingt dies nicht–also müssen alle an der Universität bleiben“

    – Nein; ich sagte, dass an der Universität (und den FHs) das Personal für unterschiedliche gesellschaftliche Berufsfelder ausgebildet wird. Politiklehrer, Dozenten der Erwachsenenbildung, Politikjournalisten, Staats- und Verwaltungspersonal usw. Die müssen keine Politiktheoriker sein, sich aber mit Politischer Theorie auskennen.

    Zu Chris:

    Stimme mir dir darin überein, dass die Wertschätzung der Sozial- und Geisteswissenschaften eine Folge gesellschaftlicher Debatten ist, und dass man sich offensiv darin einbringen muss. Allerdings verstehe ich nicht, wieso du meinst, die Universität sei keine Erziehungsinstitution. Nur weil ein Mensch volljährig („erwachsen“) ist, heißt das doch nicht er könne nicht erzogen werden. Studenten der Politikwissenschaft kommen mit völlig diffusen Vorstellungen von Politik an die Uni. Nach 7 Semestern haben sie einen B.A. und ganz andere Auffassungen über Politik im Kopf. Das ist das Ergebnis eines Erziehungsprozesses (allerdings: nicht ausschließlich, es spielen hier auch noch Bildungs- und Ausbildungsprozesse eine Rolle).
    Was deine Bemerkung über den „zu großen“ Mittelbau der Politischen Theorie angeht: Wie du richtig sagst, ist der nur deswegen „zu groß“, weil es zu wenig Stellen gibt. Dem muss man mit Lobbyarbeit entgegenwirken, notfalls auch zu härteren Mitteln greifen (Streik).
    Und, da gebe ich „*“ vollkommen Recht, die Politische Theorie muss sich viel mehr in zeidiagnostische Debatten einbringen, die auch jenseits kleiner Fachzirkel als relevant erachtet werden und in der Öffentlichkeit diskutiert werden können.
    Abschließend: Ich verstehe nicht recht, warum du so defensiv formulierst und fragst, wo das Geld herkommen soll und wie sich dies begründen ließe. Warum so defensiv?

  12. Dear IB scholars,

    I found this debate over a job description very illuminating, especially for a foreign PhD student like me. However, I think the debate could have been more specific around the labour market situation for entry level young academics.

    Here is an interesting old piece from an American physics professor,
    http://wuphys.wustl.edu/~katz/scientist.html

    Wow, liberal americans have similar problem! But it seems to me that the pervasiveness in German academic labour market is related less to globalization, but rather more to the over-supply of qualified academia.

    The mechanism of capital outflow and immigration inflow driven by profit incentive seems not apply to our market situation, as academic activity is to a large extent non-profitable (Maybe even negative profit…). The welfare of our community relies on redistribution and subsidy from other social sectors. The inflow of resource at aggregate level is irrelevant to our productivity growth 🙂 It is redistribution politics not market that decides the resource flow to our sector(at least in Germany).

    And there is a pervasive incentive problem on the supply side. Incentive for our career choice is for many scientific curiosity and academic autonomy, not expected income. Many motivated students like me had romantic view on our career future. Academic qualification has worsen the situation as it increases our exit cost. Our specialization does not increase much of our job opportunities outside academia. Many are forced to stay despite poor income.

    But I think Prof. Segbers is correct that rule of supply and demand works, even in a rigid market like ours. At any budget level, the job demand is more or less fixed. Over-supply of qualified young academia worsens their bargaining power. To be fair, I think this particular job description is already attractive for many, given the rent coverage in Moscow. Tutor and lecture jobs in German universities are even worse paid. I knew stories like IB doctor who apply for HarzVI despite giving 4 popular seminars!

    A tentative conclusion: Do we need minimal wage regulation for tutor and lecture jobs?

    This is an age old suggestion. My simple understanding of the situation is that in a fixed amount of budget, minimal wage will change the resource allocation within our community. Minimal wage will force the increase of salary at the cost of research funding and the income of Professors.

    Shall we blame the politics?

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